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28.05.13

Mobilitätsnetzwerk: Wie Unternehmen das Wachstum von flinc ankurbeln

flinc macht einiges anders als klassische Mitfahrzentralen. Mittlerweile fokussiert sich das Darmstädter Startup auf Unternehmen, die ihren Mitarbeitenden neue Formen der Mobilität schmackhaft machen wollen. Das bringt Nutzer und spült Geld in die Kasse.

flincPlattformen zur Vermittlung von Mitfahrgelegenheiten existieren in Deutschland schon seit vielen Jahren und helfen täglich Tausenden, die Kosten für Mobilität zu senken und gleichzeitig etwas für die Umwelt zu tun. Mit flinc gesellte sich im Juli 2011 ein Neuling zu den etablierten Anbietern wie mitfahrgelegenheit.de und Mitfahrzentrale.de , der das klassische Konzept der Vorausbuchung von Fahrten um eine On-Demand-Option zum spontanen Finden von Mitfahrgelegenheiten beziehungsweise Mitfahrern via Smartphone und Navigationsgerät sowie um ein mobiles Social Network ergänzte. Das so geflochtene Netz an vertrauenswürdigen Personen soll es Anwendern schmackhafter machen, sich bei Fremden ins Auto zu setzen - die dann eben gar nicht mehr unbedingt Fremde sind.

Fast zwei Jahre sind nun seit dem Debüt von flinc ins Land gegangen. Nach der Bekanntgabe einer Kooperation mit dem Carsharing-Unternehmen DriveNow im März 2012 hat man von den Darmstädtern eher wenig gehört. Doch Mitgründer Gründer Benjamin Kirschner beruhigt im Gespräch mit netzwertig.com. Dass es nach außen hin derzeit etwas ruhiger um die Ausgründung der Hochschule Darmstadt geworden ist, bedeutet nicht, dass dort nichts mehr passiert. Das Startup war in letzter Zeit schlicht damit befasst, einen Strategieschwenk durchzuführen und seine Monetarisierung voranzutreiben. Stärker als bisher fokussieren sich die Darmstädter nun auf den B2B-Bereich, erklärt Kirschner. Unternehmen bringen Nutzer und Umsätze

Während das nicht monetarisierte B2C-Geschäft ganz normal weiterläuft, ist die junge Firma in den letzten Monaten Kooperationen mit rund 15 größeren Unternehmen in Deutschland eingegangen, darunter Procter & Gamble sowie Marco Polo. Schon kurz nach dem Launch von flinc seien die ersten Unternehmen auf Kirschner und sein Team zugekommen und hätten nach einer Möglichkeit gefragt, mittels flinc vermittelte Fahrgemeinschaften als Service für die Belegschaft in Anspruch nehmen zu können. Für Firmen sei dies als Maßnahme im Rahmen der Corporate Social Responsiblity (CSR) attraktiv und werde auch dafür genutzt, den Austausch zwischen in unterschiedlichen Abteilungen tätigen Mitarbeitern zu fördern. flinc stellt den Partnern ein gebrandetes Portal zur Fahrtenverwaltung und ein internes flinc-Netzwerk zur Verfügung, unterstützt sie bei der Einführung des Produkts, bietet einen auf Displays in Unternehmen darstellbaren "Fahrplanservice" und stellt Controlling- und Statistikinformationen bereit.

Aus Sicht von flinc ist die Zusammenarbeit mit Unternehmenskunden mehrfach attraktiv: Zum einen bringt sie Geld in die Kasse - Firmen zahlen eine Einrichtungsgebühr und überweisen dem Startup einen monatlichen Nutzungsbetrag - zum anderen hilft sie, die Zahl der flinc-Nutzer zu erhöhen und lokale Ballungszentren mit kritischer Masse zu erschaffen. Denn sind Angestellte durch ihre Arbeitgeber erst einmal zur Verwendung von flinc animiert worden, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie den Service auch privat einsetzen.

Spontane Mitfahrten finden selten statt

Insgesamt hat flinc momentan rund 150.000 registrierte Nutzer, die monatlich 400.000 Fahrten über den Service anbieten. Dabei kann es sich um im Vorfeld eingetragene einmalige Touren handeln, um sich wiederholende Routen (wie der tägliche Weg von und zur Arbeit) sowie um spontan angebotene Fahrten, wenn also jemand bereits im Auto sitzt und über die Smartphone-Apps oder die flinc-Integration in Navigationsgeräten die Bereitschaft signalisiert, interessierte Mitfahrer aufzunehmen. Letzteres Verfahren gehört zu den Besonderheiten von flinc und eröffnet neue Einsatzszenarien rund um Mitfahrgemeinschaften, weil auch spontaner Mobilitätsbedarf gedeckt wird. Theoretisch zumindest. In der Praxis setzt dieses Prinzip eine erhebliche kritische Masse voraus, weil für die selbe Strecke zeitgleich ein Angebot und eine Nachfrage bestehen muss. Laut Benjamin Kirschner werden rund fünf Prozent der angebotenen Fahrten spontan, wenige Minuten vor Fahrtbeginn, eingetragen. Wie viele davon dann auch tatsächlich Mitfahrer finden, verriet er nicht.

Bisher handelte es sich bei der Mehrzahl der angebotenen Fahrten um kurz- oder mittellange Strecken. Doch seit Konkurrent mitfahrgelegenheit.de für Fahrten über 100 Kilometer Gebühren eingeführt hat, verzeichnen Kirschner und seine Kollegen ein deutliches Ansteigen von angebotenen Langstrecken. flincs Kernmarkt bleibe jedoch die Mittelstrecke, betont der Jungunternehmer.

Trotz des B2B-Schwerpunkts planen die Hessen für die nächsten Monate Maßnahmen, um auch abseits der Unternehmenspfade das Nutzerwachstum anzukurbeln. Vorerst verbleibt der regionale Fokus aber auf Deutschland. Die entscheidende Aufgabe für die Zukunft ist es laut Kirschner, die Zahl der Transporteure zu erhöhen und die intelligente Vernetzung voranzutreiben, damit Mobilität wirklich effizient werden kann. Und natürlich soll die Profitabilität erreicht werden, wobei sich Kirschner noch nicht öffentlich auf einen Zeitpunkt dafür festlegen wollte. Bisher finanziert sich das 17 Mitarbeitende zählende Startup aus den Erlösen des B2B-Geschäfts und einer Finanzierung von Kfw und Investitions- und Strukturbank Rheinland-Rheinland-Pfalz (ISB). /mw

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