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17.06.14Kommentieren

Mobilitätsnetzwerk flinc: "Nicht alles, das nach Ridesharing aussieht, ist auch Ridesharing"

In der von einigen Mobilitäts-Startups ausgelösten öffentlichen Debatte werden verschiedene Konzepte in den gleichen Topf geworfen. Die Macher des Darmstädter Mobilitätsnetzwerks flinc sind der Meinung, dass eine sorgfältigere Differenzierung etwa beim Begriff Ridesharing wichtig ist.

flincDer aktuelle Aufruhr in der Beförderungsbranche, verursacht durch Startups, die Privatpersonen in Chauffeure verwandeln und damit auf Kollisionskurs zu geltendenden Gesetzen gehen, hat auch Folgen für Anbieter, die ähnliche Dienstleistungen anbieten, ohne dass sie dabei auf juristisch dünnem Eis agieren. Diese Firmen sehen sich verstärkt dazu animiert, diesen Unterschied zu betonen, um in der Presseberichtersattung nicht in den gleichen Topf geworfen zu werden wie die Provokateure. MyTaxi tat dies schon vor einigen Wochen. myDriver, ein kommerzieller Chauffeur-Service von Sixt, bei dem keine Privatfahrer geduldet werden, sah sich in einer aktuellen Pressemitteilung ebenfalls bewogen, die Legalität des Dienstes zu unterstreichen. Und auch flinc, das Darmstädter "Mobilitätsnetzwerk für die Region", stört sich daran, wie undifferenziert viele verschiedene Mobilitätsangebote in der öffentlichen und medialen Debatte vermischt werden. flinc ist im Hinblick auf die derzeitigen Geschehnisse in dem Sektor ein ganz besonders interessanter Fall. Denn das 2011 gegründete Startup funktioniert für Nutzer mit Mobilitätsbedürfnissen ähnlich wie UberPop und WunderCar: Per Smartphone lassen sich "on Demand" (oder im Vorfeld) spontane Fahrgelegenheiten finden. Der entscheidende Unterschied: Die Fahrer sind ohnehin auf einer bestimmten Strecke unterwegs und entscheiden sich, gegen eine anteilige Beteiligung an den Benzinkosten andere User aus der flinc-Community ein Stück mitzunehmen.

Anders als bei UberPop, wo Privatchauffeure ein klares kommerzielles Ziel verfolgen, und auch im Gegensatz zu WunderCar, wo die direkt an das freiwillige Trinkgeld geknüpfte Provision für das Startup einen Interessenkonflikt zwischen kommuniziertem Ziel und anvisiertem Geschäftsmodell offenlegt, besteht bei flinc kein Zweifel an der Legalität: Denn der von der App vorgeschlagene Betrag zur Benzinkostenbeteiligung ist extrem niedrig, eine von flinc beanspruchte Vermittlungsgebühr gibt es nicht. So wollen die Hessen sicherstellen, dass es sich bei jeder flinc-Fahrt um klassisches Ridesharing und nicht um eine Chauffeuerdienstleistung mit gewinnorientierten Motiven handelt.

Die größte Herausforderung für flinc seit dem Launch vor drei Jahren ist es, genügend User zu akquirieren, die während ihrer privaten Autofahrten per flinc-App die Bereitschaft zur spontanen oder vorab geplanten Mitnahme von anderen Passagieren zeigen. Um das dabei auftretende Henne-Ei-Problem nicht zum Dolchstoß für das Projekt werden zu lassen, erweiterten die Darmstädter vor einiger Zeit ihren Fokus auf Unternehmenskunden, die ihren Mitarbeitenden über die flinc-Technologie Mitfahrgelegenheiten auf dem Weg von und zur Arbeit anbieten möchten. Rund 25 Firmenkunden haben sich bislang zum Einsatz von flinc entschlossen.

Dank dieses parallelen B2B-Geschäftsmodells ist flinc nicht darauf angewiesen, die spontan vermittelten On-Demand-Fahrten zu monetarisieren. Benjamin Kirschner, Mitgründer von flinc, erklärt im Gespräch mit netzwertig.com aber, dass weiterhin und trotz der Herausforderungen beim Erreichen der kritischen Masse das private Fahrtenvermittlungsgeschäft höchste Priorität habe. Im Laufe eines Jahres sei der Anteil der Fahrten, die innerhalb weniger Minuten vor ihrem Beginn von Usern bei flinc angelegt wurden, von 5 auf 30 Prozent gestiegen. Besonders eine im vergangenen Jahr veröffentlichte Ab-Werk-Integration bei der Navigationsapp Navigon habe sich positiv auf die Quote "spontan" vermittelter Fahrten ausgewirkt. Rund 200.000 registrierte flinc-Nutzer legen aktuell 650.000 Fahrten pro Monat an, so Kirschner.

Am berühmten Tipping-Point aber sei flinc noch nicht angekommen, gesteht er ein. Mit Hilfe von Partnerschaften wie der mit Navigon oder einer mit BMW rund um dessen Elektrofahrzeug i3 glauben er und das 14-köpfige Team aber, kontinuierlich die Reichweite erhöhen zu können. In Zukunft werde flinc auch gemeinsame Sache mit ÖPNV-Gesellschaften machen. In der Schweiz laufe bereits ein Pilotprojekt mit dem Busbetreiber Postbus.

Bis sich das Startup selbst tragen kann, werde aber auch aufgrund des weiteren Wachtumsschwerpunkts noch einige Zeit vergehen. Es sei wahrscheinlich, dass das Unternehmen über das bislang angezapfte Venturekapital im niedrigen einstelligen Millionenbereich hinaus nochmals frisches externes Geld aufnehmen werde. Denn um eine Vision wie die von flinc Realität werden zu lassen, braucht es einen langen Atem. /mw 

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