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17.09.14Kommentieren

Mobiles Bezahlsystem CurrentC: Der große Gegner von Apple Pay heißt Walmart

Apple Pay hat in den USA eine Reihe führender Launch-Partner. Walmart, das umsatzstärkste Unternehmen der Welt, gehört aber nicht dazu: Der Handelsgigant entwickelt gemeinsam mit anderen Schwergewichten einen eigenen mobilen Bezahldienst namens CurrentC. Dieser soll die Kreditkarteninstitute überflüssig machen.

CurrentCApple Pay hat gute Chancen, das mobile Bezahlen nach Jahren einer Odyssee aus überzogenen Erwartungen und darauffolgenden Enttäuschungen endlich an einen Punkt zu bringen, an dem es einen Status der Allgegenwärtigkeit erreicht (oder es folgt die nächste Enttäuschung).

Ob das Vorhaben zu einem Erfolg wird, hängt maßgeblich davon ab, wie sich der Dienst in den USA macht. Ab Oktober werden eine Reihe von führenden Einzelhandelsketten in den Vereinigten Staaten das Bezahlen mit Apple Pay anbieten, darunter McDonald’s, Macy’s, Subway, Staples, Walgreens und Whole Foods. Expansionpläne gibt es zwar, allerdings muss Apple in jedem Land aufs Neue mit den jeweils wichtigsten Banken und Handelsfirmen verhandeln. In den USA sorgen eine ausgeprägte Affinität der Konsumenten für bargeldloses Bezahlen, die Popularität von Apples Smartphones sowie die derzeit beginnende, Händler in einen Beschlussmodus versetzende Ablösung von Magnetstreifen-Kreditkarten für eine ideale Ausgangssituation. 

Sollte es Apple trotzdem nicht gelingen, mit seinem Bezahlservice den Nerv der Branche und der Verbraucher zu treffen, dürfte es die Lösung in anderen Ländern sehr schwer haben.

Walmart und Partner entwickeln Bezahldienst CurrentC

Suggerierte die Berichterstattung zu Apple Pay bislang, dass das Vorhaben derzeit die einzige schwergewichtige Initiative zum mobilen Bezahlen (abseits der zahlreichen Startups und Webfirmen, die in diesem Segment aktiv sind) sei, so formiert sich in Wirklichkeit derzeit ein Gegenansatz: Unter Führung des Handelsgiganten Walmart, laut Fortune 500 das umsatzstärkste Unternehmen der Welt, und mit Unterstützung von bekannten Marken wie Target, 7-Elevent, Southwest Airlines, GAP und Shell, entsteht derzeit in den USA ein alternatives mobiles Bezahlsystem mit Namen CurrentC.

CurrentC, das aktuell im Rahmen eines Pilotprojekts getestet und 2015 landesweit in den USA lanciert werden soll, unterscheidet sich in einigen Punkten maßgeblich von Apple Pay: Es nutzt anstelle von NFC ein QR-Code-Verfahren zur Einleitung von Transaktionen. Zudem umgeht CurrentC die üblichen Kartentransaktionsgebühren, indem das CurrentC-Konto entweder mittels Bargeld aufgeladen oder direkt per Bankeinzug befüllt wird. Zusätzlich soll die App eine Loyalitätskomponente beinhalten, über die Nutzer automatisch Rabatte und Sonderangebote in Anspruch nehmen können.

Vom Konzept her erinnert CurrentC somit stark an mobile Payment-Dienste, wie sie diverse Startups seit einiger Zeit zu etablieren versuchen. In Deutschland bauen beispielsweise Kesh, Paij und myWallet von der Deutschen Telekom auf dieses Prinzip.

Kein NFC, keine Karten-Transaktionsgebühren

Im Vergleich zu Apple Pay bietet CurrentC in der Theorie einige nicht unwesentliche Vorteile: Es setzt nicht voraus, dass die Kunden ein iPhone 6 oder eine Apple Watch ihr Eigen nennen. Sofern von CurrentC eine entsprechende App entwickelt wird, könnten jedes Smartphone-Betriebssystem und sämtliche einigermaßen modernen Geräte kompatibel sein. Auch funktioniert das QR-System von CurrentC laut Washington Post mit den meisten existierenden Scanner-Vorrichtungen, wogegen Apple Pay unter Umständen das Nachrüsten einer NFC-Einheit erfordert. Und nicht zuletzt umgeht die Walmart-Initiative die Kreditkarten-Industrie mit ihren im oft margenarmen Einzelhandel aus Händlersicht höchst unattraktiven Gebühren. CurrentC könnte deshalb beteiligte Partner mit extrem niedrigen Transaktionsgebühren locken, weil es lediglich die eigenen operativen Kosten decken muss. Das auf den Kredit- und Debitkarten der Konsumenten aufsetzende Apple Pay hingegen bringt für Händler die üblichen (eventuell leicht rabattierten) Transaktionsgebühren mit, die je nach Kartentyp bis zu drei Prozent betragen können. Zusätzlich hält Apple laut einem Bericht der Financial Times die Hand mit einer Provision in Höhe von 0,15 Prozent auf.

Vorausgesetzt, dass die beiden Systeme keine gegensätzliche Klausel enthalten, spricht für Händler nichts dagegen, sowohl Apple Pay als auch CurrentC einzusetzen. Dennoch hat Walmart erklärt, sich nicht Apple Pay anschließen zu wollen.

Showdown beim mobilen Bezahlen

Es sieht also danach aus, als kommt es in den USA demnächst zu einem massiven Showdown von mindestens zwei konkurrierenden Mobile-Payment-Systemen. Der Walmart-Vorstoß besitzt wie oben beschrieben einige Vorteile. Für Apples Ansatz spricht der Zeitvorsprung, da es bereits in einem Monat losgehen soll. Für Besitzer unterstützter Hardware ist Apple Pay auch komfortabler, da kein manuelles Aufladen von Guthaben erforderlich ist. Und nicht zuletzt vereint Apple Pay das Bezahlen im Handel und den Kauf von Produkten und Services innerhalb von Apps. Apple Pay ist eine Plattform, während CurrentC nach einem reinen Bezahldienst für den stationären Handel klingt; allerdings einer, der sich von der gebührenintensiven Abhängigkeit von der Kreditkartenindustrie zu befreien versucht und allein dafür mit Wohlwollen seitens des Einzelhandels rechnen darf.

Eine Prognose darüber, welcher Ansatz die besseren Karten hat, wäre derzeit Kaffeesatzleserei. Eines aber ist sicher: Noch nie waren so viele Giganten ernsthaft gleichzeitig bestrebt, das Smartphone in eine Geldbörse zu verwandeln. Es wäre schon ein Wunder, wenn dieser Einsatz keine Früchte tragen sollte. /mw

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