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13.04.12Leser-Kommentar

Mobile News-App aus Deutschland: Dailygraph will Verlage mit ins Boot holen

Verlagsübergreifende News-Apps für Tablets und Smartphones sprießen nur so aus dem Internetboden. Von deutschen Startups kam allerdings bisher nichts. Doch Dailygraph aus München will dies ändern und große Medienhäuser von seinem Vorhaben überzeugen.

Der gestrige internationale Launch von Googles Newsreader-Applikation Currents zeigt: Mobile Anwendungen, die verlagsübergreifende digitale Inhalte in ein formschönes, an Touchdisplays angepasstes Layout gießen, liegen weiterhin im Trend. Neben Pionier Flipboard sind in letzter Zeit eine Vielzahl von Anbietern in dieses noch junge, parallel zum Wachstum des Tablet- und Smartphone-Marktes expandierende Segment vorgestoßen. Eine Befragung von Brachenkennern durch Studierende der Ludwig-Maximilians-Universität München ergab jüngst, dass derartigen Apps durchaus zugetraut wird, Printmedien ersetzen zu können.

Doch bald zwei Jahre, nachdem der US-Dienst Flipboard den Grundstein für diese Kategorie und ihre zahlreichen Nachahmer legte, fehlte bisher ein Startup aus Deutschland, das sich an einer mobilen, eleganten und vor allem verlagsübergreifenden Nachrichtenanwendung versucht. Zwar bieten Google Currents genau wie die aus Frankreich stammende App News Republic auch Inhalte ausgewählter deutschsprachiger Medien an, dennoch verwundert es, dass sich bisher noch kein hiesiges Gründerteam an die Umsetzung einer eigenen, wirklich lokalisierten Lösung gemacht hat.

Mit dem Münchner Startup Dailygraph ändert sich dies endlich. Seit Ende 2011 arbeitet ein vierköpfiges Team an einer mobilen App für iOS und Android, die als digitales Magazin die Qualitäten von gedruckten Zeitungen mit den Vorzügen der Onlinewelt vereinen möchte.

Ähnlich wie bei anderen News-Anwendungen sollen Nutzer sich bei Dailygraph individuell zusammenstellen können, welche Ressorts und welche Inhalte die App ihnen serviert. Und wie bei vielen internationalen Konkurrenten wird der Content sowohl über frei zugängliche RSS-Feeds als auch im Rahmen exklusiver Partnerschaften mit Verlagen bezogen, um so in voller Länge und ohne die Notwendigkeit des Besuchs einer externen Website konsumiert werden zu können.

Ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal sieht Mitgründer Andreas Michel darin, dass Dailygraph Medienhäusern die Option einräumt, Inhalte einzuspeisen, die sonst nur in Printausgaben abgedruckt werden (davon gibt es viele) oder über anderweitig beschränkte Abo- und Bezahlmodelle abrufbar sind.

Die Dailygraph-Macher möchten ihre Anwendung kostenfrei anbieten und Unternehmen die Möglichkeit einräumen, mit vordefinierten Budgets "printähnliche", aber zielgerichtete Anzeigen zu schalten. Die so erlösten Einnahmen sollen nach einem nicht näher genannten Schlüssel mit den Verlagen geteilt werden. Die Contentlieferanten können im Backend für jeden Artikel einsehen, welche Reichweite er erzielt und welche Umsätze er durch Werbung generiert.

Um mit dem Ansatz, sonst nur gegen Bezahlung zugängliche Exklusivinhalte bei Dailygraph gratis anzubieten, nicht sofort das Interesse von Deutschlands notorisch skeptischen Medienkonzernen zu verlieren, wird die Applikation nur begrenzte Sharing-Funktionalität erhalten. Zwar lassen sich Artikel bei Facebook und Twitter weiterempfehlen. In voller Länge sind sie jedoch nur für registrierte Dailygraph-Anwender verfügbar.

Sich nicht ganz unähnlich: Dailygraph und FlipboardDerzeit versucht das aus eigenen Mitteln aufgezogene Münchner Startup, Verlage von seiner Idee zu überzeugen und Investoren zu gewinnen. Trotz der starken Konkurrenz aus Übersee sieht Co-Founder Andreas Michel Dailygraph im Vorteil. Seiner Aussage nach vernachlässigen die meisten US-Anbieter die Monetarisierung für die Inhalteanbieter und lassen Datenschutz- und Urheberrechtsfragen offen. "Dailygraph grenzt sich hier klar ab und bietet eine Gesamtlösung, welche die individuellen Wünsche des Lesers akzeptiert und gleichzeitig auf die Urheber eingeht", so Michel.

Der Start der geschlossenen Beta-Phase findet in diesen Tagen statt. Wer Dailygraph ausprobieren möchte, kann eine E-Mail-Adresse auf dailygraph.cc hinterlassen (das Unternehmen zeigt ganz nebenbei, wie man LaunchRock und eine individuelle Landingpage sinnvoll miteinander kombiniert).

Bleibt noch die Empfehlung an das Dailygraph-Team, sich bei den Designelementen nicht zu sehr an Flipboard anzulehnen. Nur weil bei dem US-Dienst auf der linken Seite der App ein quadratisches rotes Logo und rechts ein ebenfalls rotes Navigationselement prangt, muss dies bei dem Angebot aus Deutschland nicht auch so sein.

Kommentare

  • Suchmaschinenoptimierung

    13.04.12 (10:43:09)

    Waren das noch Zeiten, als man sich die Morgenzeitung kaufte, was? :-D

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