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04.04.13

Mobile Social Networks à la WhatsApp: Populär und vor allem profitabel

Smartphone-Messenger wie WhatsApp und Line sind die sozialen Netzwerke des mobilen Zeitalters. Im Gegensatz zu ihren Vorgängern des stationären Internets erreichen sie schon im frühen Stadium die Profitabilität.

KakaoTalkMittlerweile dürfte es bei jedem angekommen sein: Chat-Applikationen für Smartphones sind die Fortführung traditioneller, desktopbasierter sozialer Netzwerke. Als Facebook diesen Trend erkannte, fackelte es nicht lange und schickte mit dem Messenger eine eigene App ins Rennen, die auf sämtlichen Schnickschnack verzichtete und die Nachrichtenfunktionalität in den Mittelpunkt stellte. Charakteristisch für diesen boomenden Markt ist die fehlende Dominanz durch einen einzigen Anbieter, wie sie im stationären Web in Form von Facebook zu beobachten ist. Stattdessen buhlen eine ganze Reihe sich grundsätzlich sehr ähnlicher, erfolgreicher Applikationen um die Gunst der Anwender, zumeist mit gewissen regionalen Schwerpunkten. Doch noch ein zweiter Punkt hebt die neue Generation mobiler Social Networks von ihren Vorgängern für den Desktop ab: Sie erreichen in einer sehr frühen Phase die Profitabilität. Facebooks langer Weg zur Profitabilität

Facebook benötigte rund fünf Jahre, um überhaupt die roten Zahlen zu verlassen, und sah sich deshalb immer wieder Kritik ausgesetzt, zu sehr auf Nutzerwachstum zu schielen und die Monetarisierung zu vernachlässigen. Auch wenn das Unternehmen mittlerweile einen Jahresgewinn in Milliardenhöhe abwirft, so war lange Zeit nicht klar, ob es  jemals in die Nähe von Googles beeindruckender Profitabilität geraten könnte. Auch heute scheiden sich an dieser Frage die Geister. Bei Twitter verging bis zum Erreichen der Profitabilität etwas weniger Zeit. Gegründet 2006, gelang dem Microbloggingdienst aus San Francisco drei Jahre später der Vorstoß in die schwarzen Zahlen - aufgrund von Einmalzahlungen von Tweets indexierenden Suchmaschinen.

Chat-Apps wachsen - und verdienen

WhatsApp, einer der populärsten Messenger mit einer besonders starken Verbreitung in Europa, gab schon im Jahr 2011 auf seiner Website an, profitabel zu arbeiten - zwei Jahre nach dem Debüt. Wahrscheinlich wurde der erste Gewinn noch früher eingefahren. Wenig verwunderlich, immerhin lassen sich die Kalifornier die Nutzung ihrer werbefreien App seit jeher konsequent bezahlen - zumindest von iPhone-Usern.

Auch der von der japanischen Tochter des südkoreanischen Internetunternehmens Naver entwickelte Messenger-Service Line - mit über 120 Millionen Anwendern eines der Schwergewichte im Segment - erwirtschaftet bereits Gewinn. Offizielle Zahlen gibt es zwar keine, aber gut informierte Kreise berichteten Fortune, die Anwendung generiere rund vier Millionen Dollar Überschuss im Monat. Im Gegensatz zu WhatsApp wird Line gratis angeboten, die Monetarisierung erfolgt über In-App-Käufe wie bunte Sticker und virtuelle Güter in Spielen, die unter dem Line-Markendach angeboten werden.

Sehr ähnlich verfährt Lines südkoreanischer Konkurrent KakaoTalk - mit laut eigenen Angaben 82 Millionen Anwendern primär in Asien ebenfalls ein wichtiger Akteur im Messaging-Sektor. Spiele und In-App-Käufe sind das Fundament des Geschäftsmodells. Heute verkündete CEO Sirgoo Lee, dass KakaoTalk im vergangenen Jahr 45 Millionen Dollar Umsatz und sieben Millionen Dollar Gewinn einfahren konnte. Damit erreichte der im März 2010 lancierte Dienst aus Seoul die Profitabilität im dritten Jahr seines Bestehens.

Die Ausnahme unter den nutzerstarken Messenger-Apps hinsichtlich Profitabiltät bildet das in China von 300 Millionen Menschen verwendete WeChat. Im Gegensatz zu den Konkurrenten haben die Chinesen bisher die Monetarisierung vernachlässigt, wollen dies laut eigenem Bekunden jedoch demnächst ändern.

Bessere Voraussetzungen

Während die sozialen Netzwerke der Web-2.0-Ära viele Jahre benötigten, um funktionierende, von den Anwendern akzeptierte Erlösquellen zu erschließen, haben die Nachfolger der Smartphone-Welt deutlich weniger Probleme damit, neben dem Userwachstum auch in puncto Wirtschaftlichkeit Erfolge zu feiern. Sie profitieren von einigen Vorzügen, die den Social Networks der vergangenen Dekade verwehrt blieben.

So erlauben die bei den führenden mobilen Plattformen iOS und Android integrierten Zahlungssysteme eine unkomplizierte, von Millionen Anwendern schon seit längerem rege genutzte Durchführung von Käufen. Speziell den asiatischen Anbietern kommt zudem zugute, dass mobiles Shopping und Bezahlen in Fernost bereits vor einer Dekade praktiziert wurde, weshalb es bei Anwendern keine Berührungängste mit In-App-Käufen gibt. Man stelle sich vor, Facebook hätte in seiner Browserversion im Jahr 2007 einzelne Zusatzfunktionen kostenpflichtig gemacht - Optionen zum unkomplizierten Ein-Klick-Bezahlen existierten genauso wenig wie eine ausgeprägte Bereitschaft der Anwender, für virtuelle Gegenstände oder Features Geld hinzublättern.

Hinzukommt, dass der Betrieb von Smartphone-Messengern heute deutlich günstiger ist als der Aufbau reichweitenstarker Social Networks in der Vergangenheit. Das Vorhandensein von On-Demand-Cloudinfrastruktur ermöglicht eine effektive, kosteneffiziente Skalierung. Zudem sind die Apps selbst deutlich weniger komplex als herkömmliche Netzwerke, und bei der Funktionalität schauen alle Anbieter am liebsten voneinander ab, statt nennenswerte Ressourcen in eigenentwickelte Innovationen zu investieren. Da die Messenger keine Werbung beinhalten, entfällt auch der Bedarf an großen Verkaufsteams. So verwundert es nicht, dass WhatsApp trotz mutmaßlich einiger hundert Millionen User gerade einmal 45 Mitarbeiter bei LinkedIn listet . Mit knapp 300 Angestellten ist das Team von KakaoTalk etwas umfangreicher. Bei Line-Macherin Naver Japan sollen um die 1000 Personen arbeiten, allerdings betreibt das Unternehmen eine Vielzahl von Internetdiensten. Nur ein Teil ist mit dem Betrieb und der Weiterentwicklung von Line befasst.

Insofern ist der Vergleich der Wirtschaftlichkeit der jungen mobilen Social Networks mit ihren Vorbildern aus dem desktopbasierten Netz nicht ganz fair. WhatsApp, Line und KakaoTalk ernten heute gewissermaßen, was Facebook & Konsorten über viele Jahre und teilweise mühsam gesät haben, und können strukturelle Vorteile mobiler Plattformen nutzen, die es im stationären Web nicht gab. Ihnen bleibt daher erspart, womit sich die Pioniere stetig konfrontiert sahen: die grundsätzlichen Zweifel an den Chancen, Geld verdienen zu können. /mw

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