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26.10.11Leser-Kommentar

Mobile Plattform: foursquares Zukunftsaussichten sind besser denn je

Nach Jahren des geduldigen Experimentierens scheint foursquare ein Rezept gefunden zu haben, um seine Reichweite über die Tech-Avantgarde hinaus zu erhöhen. Die Zukunftsaussichten für das New Yorker Startup sind heute besser denn je.

 

Lange Zeit war ich skeptisch, ob es dem innerhalb der Social-Web- und Geek-Gemeinde angesagten Location-Dienst foursquare gelingen würde, sich über die vergleichsweise kleine Gruppe der Tech-Avantgarde hinaus auch bei Durchschnittsnutzern beliebt zu machen. Der Fokus auf dem Check-In an Orten stand einer solchen Entwicklung ebenso im Weg wie die Tatsache, dass auch Facebook eine entsprechende Funktionalität anbietet (wenn auch mittlerweile etwas abgewertet).

Doch in letzter Zeit bewegt sich das im Frühjahr 2009 gestartete Unternehmen aus New York und versucht, Nutzern abseits des schnöden Eincheckens an beliebigen Orte zusätzliche Anreize zu geben, die mobilen Apps des Dienstes zu installieren. Darin liegt der Schlüssel zu beschleunigtem Wachstum.

Ein großer Schritt war vor zwei Wochen der Launch des "Radar"-Features innerhalb von foursquares iPhone-App: Mit diesem können sich foursquare-Nutzer erstmals über Ereignisse in der unmittelbaren Umgebung informieren lassen, und dass sie dafür die App geöffnet haben müssen. Der Service macht sich hierfür die neuen Geofencing-Optionen von iOS 5 zunutze und liefert damit auf einen Schlag auch Anwendern einen Mehrwert, die keine Lust haben, mühselig überall einzuchecken. Nun erhalten sie eine Benachrichtigung, wenn sie einem auf einer abonnierten Liste befindlichen Ort näher kommen, oder wenn sich in dem Café um die Ecke drei oder mehr Freunde gleichzeitig eingecheckt haben.

Entscheidend ist dafür aber, dass Nutzer auch tatsächlich viele Listen mit Orten abonnieren bzw. eine gut gefüllte fourquare-ToDo-Liste besitzen. Laut GigaOm wollen die New Yorker in einem Monat einen "Save to foursquare"-Button für Website-Betreiber veröffentlichen, der Ortsangaben durch das Einfügen einer Codezeile in das CMS automatisch mit einer entsprechenden Schaltfläche versieht.

Onlinedienste, die auf viele Adressen verweisen - beispielsweise Branchenbücher, Restaurantbewertungsportale und Städteguides - können auf diesen Weise ihren Besuchern eine Möglichkeit geben, die jeweiligen Locations mit einem Klick in ihrem persönlichen foursquare-Konto auf einer Liste zu speichern und für später vorzumerken.

Eine derartige Funktion gab es zwar bereits vor einem Jahr, deren Implementierung erforderte von Website-Betreibern allerdings viel Aufwand und war daher kein Erfolg.

GigaOm bezeichnet das neue Feature treffend als "Instapaper für Orte" (in Anlehnung an den bekannten Später-Lesen-Dienst Instapaper - auch wenn dazu noch ein foursquare-Browser-Bookmarklet kommen müsste). Attraktiv wird diese Option erst recht in Kombination mit foursquare Radar, der sich dann per Push-Mitteilung bemerkbar macht, wenn einen der Stadt-Spaziergang in die Nähe eines der gespeicherten Orte verschlägt.

Marcel Weiss von neunetz.com nannte foursquare jüngst "die erste große mobile Plattform". Ungewöhnlich viel Zeit verging, bis sich das zweieinhalb Jahre alte US-Startup diese Bezeichnung verdient hatte - sofern man "groß" nicht allein durch die Anzahl der die foursquare-API einsetzenden Apps sondern auch durch die Bedeutung und Relevanz der Plattform definiert. Doch nun können Gründer Dennis Cowley und sein bald 100-köpfiges Team endlich die Früchte ihrer intensiven und geduldigen Experimente ernten.

Ich hoffe, dass mir foursquare zukünftig noch viele weitere Möglichkeiten an die Hand gibt, um abhängig von meinem aktuellen Standort für mich relevante und interessante Informationen zu beziehen - auch bei geschlossener App und ohne dass ich täglich fünfmal irgendwo einchecke. Sofern es foursquare gelingt, dies mittels dem konsequenten Einsatz des Opt-In-Verfahrens und ohne größere Datenschutz-Dramatik (sofern dies möglich ist, bedenkt man, dass foursquare Radar Nutzer permanent trackt) zu realisieren, wird es nicht schwer werden, auch solche Smartphone-Anwender anzusprechen, die auf den Check-In keine Lust haben.

Dieser bleibt selbstverständlich der beste Weg, um foursquare über die eigenen Präferenzen zu unterrichten und personalisierte Empfehlungen zu erhalten. Doch je mehr Nutzen man aus dem Location-Service ziehen kann, ohne aktiv regelmäßig einchecken zu müssen, desto schneller wird er wachsen.

Kommentare

  • Klaus Wolfrum

    26.10.11 (06:38:01)

    Guter Artikel, Martin! Ja, es scheint, dass die wirklich kontinuierlich und konsequent ihr Brett bohren. Auch das Team und der Spirit macht auf mich bei allen 4sq-Corporate-Blogaktivitäten immer einen sehr guten Eindruck. das ist denke ich nicht unwesentlich.

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