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21.05.13

Mobile Onlineshops: CouchCommerce folgt dem Erfolgsmodell von WordPress

CouchCommerce ermöglicht Onlinehändlern in wenigen Schritten die Aktivierung einer mobilen, cloudbasierten Shopoberfläche. Mit aktiver Unterstützung durch PayPal und Plänen für die Schaffung eines Open-Source-Standards will das Startup aus Hannover hoch hinaus.

CouchCommerceAls wir im Sommer 2012 auf das damals gerade kurz vor dem Debüt stehende Hannoveraner Startup CouchCommerce aufmerksam wurden, waren wir schnell von der sympathischen, lockeren und international kompatiblen Ausstrahlung und Präsentation des Unternehmens beeindruckt. Die von Alexander Ringsdorff, Nadine Schmitt und Kai-Thomas Krause gegründete Firma wirkte so gar nicht wie das, was man sonst von hiesigen Anbietern mit B2B-Fokus gewohnt ist. Und auch das Konzept der Niedersachsen überzeugte uns : CouchCommerce bietet kleinen und mittelgroßen E-Commerce-Anbietern eine cloudbasierte Möglichkeit, in wenigen Minuten für Tablets und Smartphones optimierte Shopversionen zu erstellen - in einer Zeit, in der mobile Geräte rasant stationäre PCs ablösen und damit einen Paradigmenwechsel auch für Onlineshopping mit sich bringen, zunehmend eine Notwendigkeit.

Rund ein dreiviertel Jahr nach dem Debüt befindet sich CouchCommerce in einer wichtigen Phase und kurz davor, die Weichen für das ganz große Wachstum zu stellen. Bisher hielt sich das Trio aus Hannover nämlich damit zurück, zu laut für das Produkt zu trommeln. Vorerst hatte es alle Hände voll zu tun, dem Dienst den letzten Feinschliff zu geben, die Anzahl der unterstützten Plattformen zu erhöhen - neben Magento und xt:Commerce lässt sich nun auch für auf Shopware basierende Shops im Handumdrehen ein mobiles Interface generieren, und das sogar vorintegriert für alle Shopware-Anwender - und die unterstützten Zahlungsverfahren zu erweitern. Zehn Personen sind mittlerweile für CouchCommerce tätig, das seine Entwicklung aus den Siegprämien des Venturepreneurs Pitches und des Gründungspreises StartUP-Impuls 2012 sowie einer Kapitalspritze von Qype- und 9flats-Gründer Stephan Uhrenbacher finanziert. Laut CouchCommerce-Mitgründer Alexander Ringsdorff steht das Unternehmen gerade vor dem Abschluss einer größeren Finanzierungsrunde, welche die Expansion für anderthalb bis zwei Jahre sichern soll. PayPal fördert CouchCommerce

Für Musik in den Ohren von Investoren dürfte die im Herbst bekanntgegebene Partnerschaft mit PayPal sorgen. Die eBay-Tochter bewirbt CouchCommerce bei seine Zahlungslösungen einsetzenden Händlern, sowohl in Deutschland als auch demnächst in anderen Märkten wie Spanien, Italien und Frankreich. Nach den Worten von Ringsdorff hat PayPal das Problem, dass seine Kernnutzerschaft unter den E-Commerce-Anbietern - kleine und mittelgroße Shops - häufig sehr träge ist, was die Anpassung der Oberflächen an mobile Geräte angeht. PayPal ist somit bestrebt, bei der Erhöhung der Zahl der für Käufe über Smartphones und Tablets optimierten Shops nachzuhelfen. CouchCommerce kommt dem US-Unternehmen da gerade recht, denn die mobilen Shop-Frontends der Hannoveraner erlauben Nutzern das Bezahlen mittels PayPal. Einen besseren Verbündeten könnten sich die CouchCommerce-Macher augenscheinlich kaum vorstellen.

Freemium funktionierte nicht

Bisher haben sich rund 500 Händler für einen mobilen CouchCommerce-Shop registriert, 90 Prozent davon aus Deutschland, allerdings sind nicht alle davon live. Ein Grund dafür ist, dass die Niedersachsen zu Anfang auf ein im B2B-Segment ungewöhnliches Freemium-Modell setzten. Die Basisversion von CouchCommerce wurde kostenfrei angeboten, die Montarisierung sollte über Zusatzservices und spezielle kostenpflichtige Module erfolgen. Doch schnell mussten Ringsdorff und seine Mitstreiter erkennen, dass dieses Verfahren einen großen Nachteil hatte: Händler registrierten sich kostenfrei, verspürten dann jedoch keine Dringlichkeit, den Service auch tatsächlich auszuprobieren. Vor einigen Monaten strich das Startup deshalb den zeitlich unbegrenzten Gratisaccount und ersetzte ihn mit einer 30-tägigen Probephase, innerhalb der Anwender vom CouchCommerce-Team beim Setup betreut werden. Gefällt ihnen das Produkt, können sie aus einem von vier kostenpflichtigen, monatlich kündbaren Paketen wählen. Neu ist auch eine Einrichtungsgebühr. Man habe eingesehen, dass gewerbliche Kunden derartige Kosten ganz einfach mit Seriosität und Vertrauenwürdigkeit verbinden, im Gegensatz zu Free-Diensten, erklärt Ringsdorff. Auf die Umsatzsituation wirken sich diese Modifizierungen des ursprünglichen Geschäftsmodells natürlich positiv aus.

Open-Source-Sparte nach dem Vorbild Wordpress

Das weitere Kundenwachstum soll vorrangig über Partnerschaften mit großen Hostern von Mietshops sowie die Unterstützung weiterer Shopsysteme erreicht werden. Mittelfristig möchte CouchCommerce sein Einsatzfeld über den Software-as-a-Service-Part hinaus erweitern, verrät Co-Founder Alexander Ringsdorff. Unter couchcommerce.org wollen die ambitionierten Jungunternehmer einen Open-Source-Arm lancieren. Derzeit arbeite man an einem Open-Source-Framework auf Basis von Googles zunehmend populärem AngularJS-Framework, mit dem sich Touchoberflächen für E-Commerce-Webapps bauen lassen ( CouchCommerce selbst basiert darauf). "Ende des Jahres veröffentlichen wir dies als Entwicklungsstandard unter couchcommerce.org", so Ringsdorff. Nicht unähnlich dem zweigleisigen Modell von Wordpress mit der gehosteten Variante wordpress.com und der selbstgehosteten wordpress.org will das Startup auf diese Weise auch individuellere Bedürfnisse von Onlinehändlern befriedigen, für die eine SaaS-Lösung nicht in Frage kommt. Durch Supportdienstleistungen für größere Projekte rund um die Open-Source-Software sowie das Anbieten von Enterprise-Lizenzen entsteht so ein weiteres wirtschaftliches Standbein, so der Plan.

Mit einem Mix aus Begeisterung für technische Neuerungen, einem konsequenten Fokus auf das Zukunftsthema des mobilen Shoppings sowie einem Händchen für Usability und Design scheint CouchCommerce prädestiniert dafür zu sein, einen wichtigen Teil zur Evolution des Onlineshoppings beizutragen. /mw

Link:  CouchCommerce

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