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06.02.14

Mobile Kontaktbörse Mbrace: Die sympathische und entschärfte Form von Bang with Friends

Auf der mobilen Kontaktbörse Mbrace können Singles via Facebook-Profilen auf Partnersuche gehen. Das ist weder obszön wie bei Bang with Friends, noch demotivierend wie bei Elitepartner.

Partnerbörsen sind ein Thema, das uns in Zeiten des mobilen Internets, immer höherer Differenzierung bei der Partnerwahl und vielfältiger Ansätze weiterhin beschäftigt. Singles haben die Partnersuche in Social Networks wohl ebenso schon einmal ausprobiert wie in einer Singlebörse - mit denen ich im vergangenen Jahr mehr oder weniger abgerechnet habe.

Für Freunde der Partnersuche über Social Networks gibt es Badoo, den virtuellen Baggerschuppen, oder die umstrittene Facebook-App Bang with Friends (die aufgrund eines Markenrechtsstreits mit Zynga inzwischen "Down" heißt). Mein Kollege Martin Weigert ließ in seinem Review darüber den moralischen Aspekt außen vor, nannte das Konzept aber richtungweisend - und behielt damit Recht. Denn die US-App Tinder und die deutschen Adaption Mbrace machen mit weniger eindeutigen Absichten eben das: Verkuppeln von Facebook-Freunden. Auf den ersten Blick zumindest. Nachricht, wenn sich beide besser kennenlernen wollen

Das Konzept beider Apps ist einfach: Man registriert sich via Facebook und erhält dann hübsch aufgemachte Profile anderer Mitglieder zu sehen. Sowohl Tinder, das mittlerweile in einer deutschen Version verfügbar ist, als auch Mbrace, sind als erstes für mobile Geräte gemacht und als Apps für iOS und Android verfügbar. Die Anwendung ist herzlich einfach: Die Apps erstellen ein persönliches Profil aus Bildern der eigenen Facebook-Seite. Die Partner-Vorschläge stammen ebenfalls von Facebook und lassen sich auf Alter und Geschlecht eingrenzen (bei Tinder auch nach der Entfernung). Findet man ein Profil ansprechend, drückt man auf ein Herzchen-Symbol. Findet das Gegenüber das eigene Profil auch interessant, werden beide darüber informiert und können sich besser kennenlernen.

Mbrace-Registrierung

Geht es dabei nur um Äußerlichkeiten? Offiziell natürlich nicht. Es sollen Profile anderer Singles in der Umgebung angezeigt werden, die ähnliche Interessen haben und idealerweise Freunde von Freunden sind. Beide Apps weisen auch darauf hin, dass sie keine Partnerbörsen sein wollen, sondern man dort auch Freunde kennenlernen kann. Aber ganz ehrlich: Wer sucht sich echte Freunde schon nach Äußerlichkeiten aus? Nur wenige der mir dort vorgeschlagenen Kontakte haben gemeinsame Interessen, keiner ist mit einem meiner Freunde befreundet. Die vorgeschobene Suche nach Freunden ist hier Augenwischerei: Es geht ganz klar um die Suche nach einer Beziehung, egal ob über einen gemeinsamen Bekanntenkreis oder nicht - und das ist okay.

Das Konzept erinnert mich an die vor ewigen Jahren berühmte Website HotOrNot.com, auf der man anonyme Profilbilder anderer Personen - ob echt oder nicht - auf einer Skala von 1 bis 10 bewerten konnte. Kleine Überraschung: HotOrNot gibt es immer noch, inzwischen ebenfalls als mobile App, mit deutscher Lokalisierung und mit "echten" Profilen - ganz ähnlich wie Tinder und Mbrace.

"Bring mich zum Lachen"

Mbrace ist ein junges Startup aus Berlin, das sich recht offensichtlich am US-Vorbild Tinder orientiert, aber einige Dinge anders macht. So gibt es nicht nur die Möglichkeit, Profile zu mögen oder wegzuklicken, sondern - etwas tiefer gehend - auch die Chance, den anderen über so genannte Challenges besser kennenzulernen. Dabei handelt es sich um einzelne Fragen oder Herausforderungen wie "Bring mich zum Lachen" oder "Was würdest du tun, um mir ein Date mit dir schmackhaft zu machen?". Dieses Prinzip kennt man auch von traditionellen Partnerbörsen wie neu.de oder ElitePartner.

Mbrace-Konkurrent Tinder

Bei Mbrace oder Tinder muss man allerdings nicht erst einen Lebenslauf ausfüllen und kein gefühltes Assessment Center über sich ergehen lassen, bevor man andere Leute kennenlernen darf. Bei Mbrace gibt es anders als bei Tinder außerdem noch die Möglichkeit, die App auf einem Laptop oder PC im Browser auszuführen. Die Bedienung ist schlicht, die Profile sind schön dargestellt. Mbrace bindet einige Design-Elemente ein, die das Private Network Pulse berühmt gemacht haben.

Ja, es kommt auf das Aussehen an

Und da wären wir wieder beim leidigen Thema Optik. Denn besonders tief geht weder bei Tinder noch bei Mbrace die Möglichkeit, das Profil einer Person nach Interessen und Gemeinsamkeiten zu studieren. Man entscheidet fast ausschließlich nach dem Aussehen: Gefällt einem das Profil des anderen, sind einem die Fotos sympathisch? Und letztendlich ist das wahrscheinlich zwar nicht der perfekte, aber doch der ehrlichste Weg der Partnersuche. Was soll die ganze computerwissenschaftliche Suche nach Matchingpunkten, wenn es am Ende doch auf "die Chemie" ankommt? Man muss den anderen attraktiv und sympathisch finden und ihn dann genau kennenlernen. Es geht dabei ja nicht nur um Schönheit, sondern auch um Sympathie, bei der ein Foto durchaus in die richtige Richtung deuten kann. Würde ein Tool es perfekt machen wollen, würde es Freunde von Freunden vorschlagen. Aber auch das ist keine Garantie auf einen Erfolg, ganz davon abgesehen, dass die Auswahl dabei oft begrenzt ist und viele Singles sich nicht als solche auf Facebook outen.

Deswegen: Mbrace und Tinder sind in meinen Augen die vereinfachte, moderne und auch nicht unsympathische Form einer Partnerbörse für das mobile Zeitalter, ohne leidiges Profilausfüllen und ohne den Anmut eines Besuchs im Jobcenter. Und soweit ich das als Mensch in einer glücklichen Beziehung sagen kann: Ich habe bei beiden Apps auf den ersten Blick sehr viele sympathische Profile gesehen. Lasst diese Menschen nicht lange Single sein!

Mbrace spendiert den Leserinnen und Lesern von netzwertig.com 250 Invite-Codes.

Link: Mbrace

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