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15.04.13Kommentieren

Mobile Kleinanzeigen: Osom verheiratet Instagram und Craigslist

Osom hat einen mobilen Kleinanzeigenmarkt für das iPhone entwickelt, bei dem sich analog zu Instagram alles um Fotos dreht. Inseriert werden sollen nach dem Willen der Gründer vor allem "hübsche Dinge".

OsomUpdate: Osom ist jetzt offiziell an den Start gegangen.

Über 100 Millionen Menschen publizieren regelmäßig mit Filtern aufgehübschte Fotos. Manche von sich und ihren Freunden, andere von Speisen, Naturereignissen und Architektur, und wieder andere von Gegenständen und Produkten, die ihnen in ihrem Alltag begegnen. Wie wäre es, wenn man dieses Grundkonzept mit einem mobilen Kleinanzeigenportal kombiniert? Diese Frage stellten sich die Schweden Anton Johansson, Björn Fant und Marcus Svensson - und entwickelten mit Osom auch gleich eine Antwort. Als ein "Instagram meets Craigslist" beschreibt Johansson das Produkt des Startups, das sich im vergangenen Herbst auf dem von uns als Medienpartner unterstützten European Pirate Summit in Köln erstmals einer breiteren Öffentlichkeit präsentierte. Ab Mittwochmorgen soll Osom für iPhones zum kostenlosen Download bereit stehen.

Wenn die Macher des jungen Stockholmer Unternehmens den Vergleich zu Instagram und Craigslist bemühen, dann meinen sie damit die Vermählung des auf Einfachheit getrimmten, streambasierten mobilen Fotosharings mit der unkomplizierten Möglichkeit des Verkaufs und Ankaufs von Gegenständen, wie es von dem in den USA enorm populären Craigslist etabliert wurde. Hübsche Dinge statt Ramsch

Analog zu Instagram dreht sich bei Osom, das bei korrekter Aussprache wie ein mit einem englischen Akzent vorgetragenes "Awesome" klingt, alles um auf Wunsch mit Filtern getunte Schnappschüsse, die sich in Feed-Form durch vertikales Scrollen betrachten lassen. Der entscheidende Unterschied zu der von Facebook übernommenen Foto-App: Nutzer sollen Osom nicht nur zum Betrachten der Fotos verwenden, sondern die dargestellten Dinge von ihren Besitzern erwerben, oder selbst Kleidung, Gadgets oder andere Gegenstände über die Anwendung veräußern. Co-Founder Johansson sieht Osom als einen Marktplatz für "hübsche Sachen" und unterstreicht damit die Differenzierung zu herkömmlichen Kleinanzeigenangeboten, wo Nutzer jeden nur erdenklichen Ramsch feil bieten. Das gewünschte Spektrum reicht von Vintage-Produkten und Designerkleidung bis hin zu Handgefertigtem und Kunst.

Osom

Wer etwas über Osom verkaufen möchte, betätigt den zentralen "Sell"-Button, schießt ein Foto des jeweiligen Gegenstands, verschönert ihn ein wenig mit einem Filter, wählt einen Verkaufspreis aus und veröffentlicht die Anzeige mittels Klick auf "Publish". Sie erscheint daraufhin im Stream aller den Verkäufer per Follow-Funktion abonnierenden Nutzer, sowie im globalen Osom-Feed. User, die lediglich ihr Gefallen für einen Schnappschuss ausdrücken wollen, können dies per "Osom"-Button tun. Wer dagegen ein ernsthaftes Kaufinteresse hat, der signalisiert dies durch die Berührung des "Buy"-Buttons. Die Abwicklung des Deals überlässt Osom dann den zwei Parteien, die per interner Nachrichtenfunktion die Details und einen Treffpunkt für Übergabe und Bezahlung ausmachen können.

Kaufabwicklung obliegt involvierten Parteien

Das von den Gründern aus eigener Tasche finanzierte Startup hat die Funktionalität der App bewusst begrenzt, immerhin geht es darum, jede nur mögliche Barriere beim An- und Verkauf von schönen Dingen aus dem Weg zu räumen. Gleichzeitig folgen sie mit dieser Strategie aber auch den Regeln des Minimum Viable Products. Ganz oben auf der Roadmap steht laut Johansson die Integration eines Bezahlsystems. Das zu Beginn wegzulassen, ermöglicht den Schweden zwar einen schnelleren Launch, schadet jedoch der Ernsthaftigkeit von Inseraten und Kaufinteressen. Wer in der aktuellen Osom-Version auf die Buy-Schaltfläche klickt, geht damit keinerlei verbindliche Verpflichtung ein. Ebensowenig können sich Käufer bis zur tatsächlichen Übergabe sicher sein, dass sie den begehrten Gegenstand auch wirklich erhalten. Hier kommt dem Follow-System deshalb eine wichtige Bedeutung zu: Es dient als eine Art vertrauensfördernde Maßnahme, die im besten Fall die Ernsthaftigkeit der Angebote erhöht.

Bevor die Osom-Gründer - allesamt bekannte Köpfe der schwedischen Startup-Wirtschaft - die Monetarisierung in Angriff nehmen, wollen sie sich erst einmal auf das Erreichen einer kritischen Masse fokussieren. Bedenkt man, dass sie Osom bisher "bootstrappen", dürften sie zeitnah auf eine externe Finanzierung angewiesen sein. Potenzielle Erlösquellen gibt es laut Johansson viele, das Inserieren soll jedoch grundsätzlich kostenfrei bleiben.

Interessant ist der Launch von Osom, das wie die meisten schwedischen Startups vom ersten Tag an eine internationale Nutzerschaft im Auge hat, in Anbetracht der Konkurrenz aus dem deutschsprachigen Markt in Form von Stuffl und Shpock. Beide stellen zwar den Ortsaspekt in den Vordergrund und verzichten auf eine Berücksichtigung des Social Graphs, sollen für Nutzer aber im Endeffekt den selben Zweck erfüllen, nämlich eine mobile Plattform für den An- und Verkauf von Gegenständen bieten. Ein direkter Konkurrenzkampf erscheint daher unvermeidlich und dürfte spannend werden. /mw

Link: Osom

Korrektur im Vergleich zur Ursprungsversion: Osom steht noch nicht sofort, sondern erst ab Mittwoch zur Verfügung. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

Offenlegung: Der Autor dieses Artikels schreibt gelegentlich Blogbeiträge für Twingly, wo einer der Mitgründer von Osom in der Vergangenheit beschäftigt war.

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