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05.03.08Leser-Kommentare

MIX08 Las Vegas: Hotels und Kommunikation

Kommunikation und Medien sind seit je her ein einträglicher Nebenverdienst von Hoteliers. Während Abhol-Taxi am Flughafen, Weckdienst und Zimmerservice selbstverständlich im Übernachtungspreis enthalten sind, kostet die Kommunikation, mit der sich vor allem Geschäftsreisende herumschlagen, immer noch extra.

 

Auf einer Journalistenreise habe ich vor sieben Jahren im Sheraton Palace in San Francisco für zwei vergebliche Anrufversuche 20 Dollar bezahlt: An der Reception erklärte man mir, dass die Wählvorgänge bereits nach dem vierten Klingeln als Lokalgespräche zum Hoteltarif von 10 Dollar verrechnet würden - auch wenn die angerufene Person nicht abnimmt.

Klingelzeichen-Botschaften wurden so ausgeschlossen.

Das war einmal, könnte man denken: Welcher Geschäftsreisende hat heute nicht sein Handy dabei, welcher Tourist telefoniert nicht stundenlang via Skype über das kostenlose WLAN im Hotel?

Kostenlos? Augenblick.

Ich sitze (als Gast von Microsoft) in einer nicht ganz billigen Suite im "Venetian" in Las Vegas - ab morgen geht hier die MIX08, Microsofts zwei Jahre Junge Entwickler-Konferenz zum Web von Morgen, über die Bühnen - und klicke alle vierundzwanzig Stunden im Webbrowser meines Rechners auf eine Bestätigung, wonach ich mich mit der Belastung meiner Kreditkarte in Höhe von 9.95$ für den Internetzugang einverstanden erkläre.

Ein Ferngespräch, beispielsweise nach Kalifornien, würde 14 Dollar die Minute kosten, habe ich mir grade vom Front Desk erklären lassen. Deswegen verzichte ich auf den Festnetzanschluss und telefoniere mit meinem Wifi-fähigen Handy übers Internet zum Nulltarif. Oder fast-Nulltarif: Fürs Handy werden nämlich weitere 24 Stunden Internetzugang zu 9.95$ fällig. In vier Tagen werde ich hier also zu den Zimmerkosten weitere 80 Dollar Einnahmen für den Internetzugriff generieren.

In den ersten Stunden des Aufenthalts haben sich diese Ausgaben noch gesteigert - etwas über 50 Dollar zeigte die Rechnung am Bildschirm nach 12 Stunden, noch bevor ein Roomservice-Mitarbeiter das Zimmer auch nur betreten hatte. Ich hatte weder eine Massage noch eine Mahlzeit aufs Zimmer bestellt oder via Pay-Per-View-Programm auf einem der drei Flachbildschirme aktuelle Kinohits oder etwas aus dem umfangreichen "Adult-Movie"-Sortiment abgerufen. Neben zwei Internettagen (Notebook, Handy, je eine Mac-Adresse, also je 9.95) schlugen zwei Snack-Packungen und eine Flasche Wasser mit insgesamt mehr als dreissig Dollars zu Buche. Dass sie sofort auf der Abrechnung erscheinen, erkläre ich mir mit den RFID-Funkchips am Packungsboden, die, wenn sie von der speziellen Ablage entfernt werden, automatische die Registrierkasse klingeln lassen. Mit den Snacks bezahle ich die Dienstleistung des Botengangs.

Immerhin: Die Zimmer haben Wifi, auch wenn mir der Clerk am Empfang beim Einchecken erklärt hatte, es sei kein WLAN verfügbar, sondern nur Kabel - "Aber das ist ja schneller!" - worauf ich mir tobende Geschäftskunden mit ihren MacBook Air ohne Ethernet-Anschluss vorstellte. Meinen Hinweis, das jedes 50-Dollar-Hotel in den USA inzwischen kostenlosen Wifi-Zugang anbietet, quittierte er mit einem lächeln: "Ich weiss, das ist etwas überholt..."

Aber immer noch ein gutes Geschäft. Denn auf den Gebrauch des Telefons in den Zimmern können die Geschäftsreisenden dank Handy verzichten - aber anders als für die Durchgangsreisenden in den Übernacht-Hotels wird für die Luxusresorts ein Detail wie der Internetzugriff nicht zum Auswahlkriterium; andrerseits können sich die Langzeit-Gäste das Mail-Abrufen weder verkneifen noch auf den Besuch im Starbucks verschieben.

In diesem Zusammenhang fällt allerdings auf, dass inzwischen in den meisten Hotelzimmern hier in den USA ein DVD-Player steht, der doch eigentlich das Hausinterne Pay-Per-View-System konkurrenziert. Und in meiner Suite findet sich gar ein Brother-Drucker mit Wifi-Anschluss, der auch als Fax fungiert und für meinen Aufenthalt mit einer individuellen Nummer versehen worden ist. Was mich denn der Versand eines Fax koste, habe ich die Dame am Frontdesk gefragt. "Das ist kostenlos, eine Dienstleistung des Hotels", meinte Sie.

Mit aussterbenden Technologien lässt sich kein Geld mehr machen, aber es wirkt generös, wenn sie als kostenlose Dienstleistung zur Verfügung stehen.

Kommentare

  • Joe

    05.03.08 (16:25:13)

    Mir war ganz entgangen, dass Sie nun Reiseberichte, bzw. Hotelkritiken schreiben. Vielleicht habe ich die wichtigen Passagen auch ueberlesen, da ich den Artikel nur ueberfliegen konnte/wollte. Nur eines, entweder, man leistet sich ein Zimmer fuer $400 und uebersieht die laeppischen WiFi Gebuehren, oder bleibt eben zu Hause, das soll noch guenstiger sein. Ich hoffe, es kommen wieder interessantere Berichte von Ihnen. Gruss

  • Patrick

    05.03.08 (16:29:51)

    Ich war jetzt schon zweimal in USA und ich hatte nicht den Eindruck, dass dieses Land wesentlich fortschrittlicher ist als "good old Germany". WLAN auf dem Zimmer wird nun mal nicht von vielen Gästen erwartet. Und irgendwie muss sich der Zimmerpreis schließlich rechtfertigen. WLAN sieht man nicht. Das Faxgerät dagegen schon, auch wenn es keiner benutzt.

  • BloggingTom

    05.03.08 (16:48:53)

    Wie, der Peter hockt hier im Hotel? Wieso sagt mir das denn keiner?

  • Peter Sennhauser

    06.03.08 (02:24:14)

    @Joe: Nein, das ist keine Hotelkritik, dafür gibts das Reiseblog. Im Zusammenhang mit Medienkonvergenz steht das Beispiel dafür, welche Kräfte im Alltag nach wie vor gegen ein nahtloses Zusammenspiel aller Kommunikationskanäle wirken. Als Manager mit eigenem Corporate-Expense-Account interessieren Sie sich vielleicht nicht für solche Peanuts, aber den Inhalteanbietern muss eine tiefe Schwelle für die gemeinen Nutzer - beispielsweise mit echten Datenflatrates im Mobilfunknetz - nach wie vor ein Thema sein. Ich frage mich ausserdem, weshalb just die High-End Hotels die Ihren Aussagen zu Folge läppischen Beträge nicht einfach in eine 10prozentige Steigerung der Zimmerpreise einbauen und die Gäste mit dämlichen Popups verschonen...?

    @Patrick: Ich lebe seit vier Jahren in den USA. Ich habe von T-Mobile eine echte Datenflatrate fürs Handy mit integriertem Zugang zu allen T-Mobile-Hotspots (Wifi); in Kalifornien und namentlich in der Bay Area sind Luxushotels bald der einzige Ort, an dem kein kostenloses Wifi erreichbar ist (seit zwei Wochen verfügen die Schnellbahn BART und einzelne Buslinien in San Francisco über Wifi); auf Reisen quer über den Kontinent habe ich keinerlei Probleme, Unterkünfte mit kostenlosem WLAN zu finden, alle grossen Motel-Ketten bieten diesen Service als normale Convenience an.

    @Bloggintom: Wieso bist Du auch nie auf Skype online (ich ruf Dich nachher mal an) und: Die peinlich wacklige Internetverbindung im ganzen Venedig-Palast ist ein Grund mehr, den Dienst kostenlos anzubieten, worauf die Gäste die miese Qualität sofort viel weniger als Affront empfinden würden.

  • Wolf-Dieter Roth

    07.03.08 (18:30:38)

    Von dem Ruf des kostenlosen WLANs in den USA lebt Starbucks bei uns dann ganz schön. In München kostet es im Starbucks 8 €/h und geht nur mit Kreditkarte. Und kommt von T-Mobil. In Billigkaffeeketten ist dann auch das WLAN billiger.

  • lasti

    04.05.08 (01:38:53)

    Autsch, das ist wohl, milde gesagt, noch optimierungswürdig.

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