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08.01.14Kommentieren

Unternehmensanteile für das Team: Der Turbolader für die Startup-Branche

Bei Zalando und Wooga sollen die Angestellten am Börsen- beziehungsweise Unternehmenserfolg beteiligt werden. Auch viele andere deutsche Startups statten ihre Mitarbeitenden mit Anteilen aus. Die mittel- bis langfristigen Vorteile für die Branche sind kaum zu überschätzen.

TurboladerWenn Entwickler, Designer, Produktleute oder andere talentierte Menschen eine Tätigkeit bei einem Startup beginnen, erhalten sie dabei oft auch die Aussicht auf späteren Reichtum: Viele junge Technologiefirmen statten ihre Mitarbeiter mit Unternehmensanteilen aus, die im Falle eines Verkaufs oder Börsengangs zu Geld gemacht werden. Startups kompensieren auf diese Weise die in der Frühphase traditionell niedrigen Gehälter und bieten der Belegschaft gleichzeitig einen Anreiz, sich für den Arbeitgeber ins Zeug zu legen. Denn sollte es zu einem der (seltenen) Mega-Exits kommen, winken selbst für niedrigste Gesellschaftsanteile enorme Vermögen. Der jüngste Twitter-IPO machte rund 1.600 Mitarbeiter des Microbloggingdienstes zu Millionären, gemessen am Wert ihrer Aktien. Bei Facebooks Börsendebüt war von mindestens 1.000 Angestellten die Rede, deren Anteile am ersten Handelstag mindestens siebenstellige Summen wert waren.

Mitarbeiterbeteiligungsmodelle sind bei Unternehmen in Europa und Deutschland verglichen mit dem angloamerikanischen Raum weniger verbreitet. Bei große Visionen verfolgenden Web- und Technologiestartups allerdings gehören sie auch hierzulande verstärkt zum guten Ton. Mehrere von uns befragte Venture-Capital-Firmen unterstrichen, dass eigentlich sämtliche ihrer unterstützten Projekte spätestens nach einer "Series A"-Finanzierungsrunde wenigstens Teile der Belegschaft im Rahmen von ESOP-Programmen (Employee Stock Ownership Plan) mit Anteilspaketen ausstatten würden. Im Unterschied zu den USA komme es in Deutschland aber häufiger vor, dass nur Managementkreisen oder Schlüsselpersonen entsprechende Privilegien eingeräumt werden. Und da gewichtige Übernahmen oder Börsengänge bei uns eine Seltenheit darstellen, hält sich auch das monetäre Potenzial der Anteile in der Regel in Grenzen. Insofern spielten Mitarbeiterbeteiligungsmodelle für die meisten Arbeitnehmer in der deutsche Webbranche bisher eine untergeordnete Rolle und fehlten folglich auch als Instrument zur Stärkung und Stabilisierung der Branche. Doch die Zeichen stehen auf Veränderung. Der von den Samwer-Brüdern gegründete Onlinehändler Zalando, bewertet mit bis zu 3,7 Milliarden Euro, ist unter den deutschen Internetfirmen einer der wahrscheinlichsten Kandidaten auf einen baldigen, nicht zu klein bemessenen Börsengang. Wie die WirtschaftsWoche im Dezember berichtete, wurden in Vorbereitung für diesen Fall 2,4 Prozent der Geschäftsanteile als Optionen für die Mitarbeiter des Berliner Unternehmens reserviert. Der Wert der für Management und Mitarbeiter in Aussicht gestellten Optionsanteile belaufe sich auf 88 Millionen Euro. Inwieweit die gesamte festangestellte Belegschaft in den Genuss dieser Optionen kommen soll und zu welchen Konditionen sie diese erwerben darf, bleibt offen. Sicher ist aber, dass ein IPO des E-Commerce-Riesen einer ganzen Reihe von Angestellten ein nettes Sümmchen bescheren könnte, sofern sich die Aktie gut entwickelt.

Noch ohne konkrete Pläne, Börsenluft zu schnuppern, hat das Führungsteam der Berliner Social-Games-Schmiede Wooga entschieden, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter direkt am Unternehmenserfolg zu beteiligen: Wie wir aus gut unterrichteten Kreisen erfahren haben, erhalten sämtliche der derzeit rund 250 Festangestellten der Hauptstädter sowie künftige Neueinstellungen Anteile an der Firma. Voraussetzung ist, dass man mindestens ein Jahr lang bei Wooga tätig ist. Nach vier Jahren bei dem Spielestudio hat man das volle Anrecht auf das Anteilspaket erworben - oder früher, sollte es vorher zu einem Exit kommen.

Viele Beobachter der deutschen Internetbranche sehen in Mitarbeiteranteilen, die sich im Zuge von Übernahmen oder Börsengängen in signifikante Geldbeträge oder zu einem späteren Zeitpunkt veräußerbare Aktienpakete umwandeln lassen, ein wichtiges Werkzeug zur Stärkung des hiesigen Ökosystems. Die Erfahrung aus den USA zeigt, dass Mitarbeiter ihr aus den Anteilen gezogenes Vermögen nicht selten wieder reinvestieren, entweder indem sie sich als Geldgeber betätigen und vielversprechende Ideen unterstützen, oder indem sie selbst gründen. Ciaran O'Leary vom Berliner VC Earlybird weist außerdem darauf hin, wie wichtig es ist, dass Ingenieure auch mal ein Jahr freinehmen und nach eigenem Belieben Dinge "zusammenhacken" könnten. Mit den Profiten aus Anteilen könnten sie sich so etwas finanzieren - und dann mit zahlreichen neuen kreativen Ideen und Lösungsansätzen das nächste Erfolgsstartup mit aufziehen.

Die hiesige Webwirtschaft würde also ganz klar mehrfach davon profitieren, wenn nicht nur ein paar Unternehmer und Investoren die finanziellen Nutznießer des Internet- und Gründerbooms darstellen, sondern auch diejenigen, die operativ maßgeblich an diesem beteiligt sind. Es sieht so aus, als liegt die Erfüllung dieses Wunsches in nicht allzu weiter Ferne. /mw

Foto: Concept. Steel Turbocharger with Red Button, Shutterstock

 

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