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07.03.12

"Mit Google+ verbundene Dienste": Was die Zahlen zur Google+-Aktivität wirklich bedeuten

Google-Manager Vic Gundotra hat zwei Zahlen veröffentlicht, welche die überaus erfolgreiche Entwicklung von Google+ belegen sollen. Dies machen sie jedoch nur, wenn man nicht so genau hinschaut.

 

Wie ich die Zukunft von Google+ beurteile, beschrieb ich letztens in einem vieldiskutierten Beitrag (auch bei Google+). Kurze Zeit später veröffentlichte das Wall Street Journal einen Bericht, der das soziale Netzwerk des Internetkonzerns auf Basis aktueller ComScore-Nutzungsstatistiken als Geisterstadt bezeichnete.

Diese Behauptung wollte der für den Hoffnungsträger des Such- und Werbegiganten zuständige Manager, Vic Gundotra, nicht auf sich sitzen lassen. Dem Bits Blog der New York Times hat Gundotra, der den Titel des Vice President for Engineering trägt, deshalb zwei exklusive Zahlen zur Nutzeraktivität verraten.

Demnach verwenden 50 Millionen Menschen, die seit dem Sommer ein Google+Konto erstellt haben, "mit Google+ verbundene Dienste" ("Google Plus-enhanced products") auf täglicher Basis, und 100 Millionen mindestens einmal pro Monat.

Google hat seit dem Launch von Google+ mehrfach deutlich gemacht, dass das neue Flaggschiff nicht als isoliertes soziales Netzwerk sondern als übergreifende soziale Ebene für alle Google-Produkte betrachtet werden muss. Insofern ist die gewählt Metrik konsequent. Allerdings sagt sie wie schon frühere Aussagen des Unternehmens zur Nutzerzahl gar nichts über die tatsächliche Aktivität des Kernprodukts Google+ aus - obwohl Google genau dies suggeriert.

Denn von der Bezeichnung "mit Google+ verbundene Dienste" werden sämtliche Google-Dienste umfasst, die in irgendeiner Form mit Google+ verknüpft sind. Dazu gehören mittlerweile sowohl YouTube als auch die Google-Suche, und wahrscheinlich auch Google Mail, Google Docs und Google Maps - denn ein Besuch bei diesen Angeboten präsentiert angemeldeten Nutzern stets die Navigationsleiste inklusive Anzeige über neue Benachrichtigungen bei Google+.

Was die von Gundrota kommunizierte Statistik also verrät, ist wie viele Benutzer von Google-Diensten innerhalb von einem Tag beziehungsweise 30 Tagen im eingeloggten Zustand Google oder YouTube (und eventuell die anderen genannten Sites) ansteuern UND irgendwann einen Google+-Account angelegt haben. Dass mehr als 90 Millionen Menschen bei Google+ registriert sind, wurde im Januar verkündet. Seitdem enthält jedes neu erstellte Google-Konto automatisch auch ein Profil bei Google+.

Die neueste Google-Statistik zeigt die Macht des Unternehmens, weil sie belegt, dass im Prinzip jeder über ein Google+-Konto verfügende Google-Nutzer mindestens einmal innerhalb eines Monats im eingeloggten Zustand einen Google-Dienst besucht. Andererseits bestätigt dies lediglich die allgemeingültige Erkenntnis über Googles enorme Dominanz im Suchmarkt sowie bei Videoportalen (YouTube).

Einen überzeugenden Beweist dafür, dass das Herzstück von Google+ - also die unter plus.google.com angebotenen Interaktions- und Vernetzungsmöglichkeiten - sich so brilliant entwickeln, wie es die euphorischen Aussagen aus Mountain View vermitteln ("We have never seen anything grow this fast. Ever."), liefert Gundrota bei weitem nicht.

Allerdings wird er darauf hoffen, dass Medien die Jubelmeldung weiterverbreiten, ohne sie zu hinterfragen. Angesichts von Berichten wie dem von Meedia ("Google+: Bereits 100 Millionen aktive Nutzer") scheint dieses Kalkül aufzugehen.

Würde Google tatsächlich glaubhaft machen wollen, dass Google+ nach Plan wächst und gedeiht, würde es bekannt geben, wie viele Personen aktiv mit den neuen Google+-Funktionen interagieren (Hangouts, Circles, Stream, +1-Button). Stattdessen darf sich jeder weiterhin selbst ausmalen, wie es tatsächlich um das im Hause Google mit höchster Priorität versehene Projekt steht.

Nachtrag: Die Kollegen von futurebiz waren mit einem ähnlichen Blickwinkel etwas schneller.

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