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19.03.12Leser-Kommentare

Mit einer App zum Nebeneinkommen: Pic Scatter und das Erlöspotenzial der App-Ökonomie

Als Nebenprojekt hat der Entwickler Till Haunschild eine simple Facebook-App gebastelt, die Profilbild-Collagen generiert. Das Projekt kostet wenig Zeit, spült aber regelmäßig Geld in seine Kasse.

 

Dass Kleinst-Entwicklerschmieden und Ein-Mann-Startups heutzutage mit Anwendungen in den führenden Smartphone-App-Läden von Apple und Android attraktive Umsätze erzielen können, ist bekannt. 210.000 Jobs hat allein Apples App-Ökonomie in den USA geschaffen, so zumindest die Schätzung von Apple selbst. Anbieterübergreifend, also andere Plattformanbieter wie Google und Facebook inbegriffen, nähert sich die Zahl duch Apps geschaffener Stellen in den USA der Marke von 500.000 an, so eine Studie.

Für Entwickler, die eine clevere Idee haben und in Eigenregie eine Anwendung für eine der führenden Plattformen basteln, kann diese schnell zu einem lukrativen Geschäft werden - und dies trotz des im Optimalfall geringen Zeitaufwands, der eine Umsetzung als Neben- beziehungsweise Hobbyprojekt gestattet. Ein schönes Beispiel dafür liefert der Münchner Till Haunschild, der derzeit als Frontend- und Mobile-Entwickler beim Startup Toggla tätig ist.

Eine Million Nutzer nach drei Wochen

In seiner Freizeit hat er Ende 2010 eine Facebook-App kreiert, die Anwendern analog zu diesem Hack in wenigen Schritten das Erstellen eines erweiterten Profilbilds ermöglicht. Nach einem Wochenende mit wenig Schlaf war die erste Version des Pic Scatter genannten Tools fertig, das er anschließend in den Kommentarspalten diverser Blogs erwähnte. Einige Blogger wurden so auf die App aufmerksam und berichteten über sie - nach drei Wochen hatten eine Million Nutzer mit Pic Scatter ein spezielles Profilbild erstellt.

Kurze Zeit nach der Veröffentlichung spendierte Haunschild seiner Anwendung eine "Premiumvariante", die für Nutzer mit 1,50 Dollar zu Buche schlug und die Entfernung des Brandings ("made with picscatter.com") mit sich brachte sowie den Einsatz auf Facebook Pages gestattete. Das Interesse für diese Bezahlversion war jedoch gering. Indirekt profitierte der Entwickler allerdings sehr von dem Erfolg der App, weil ihm so eine Reihe von Aufträgen für die Umsetzung von Marketingkampagnen bei Facebook zuflogen.

Ein Jahr lang ließ Haunschild Pic Scatter laufen, ohne sich aktiv um die Weiterentwicklung zu kümmern. Dennoch lag die durchschnittliche Nutzerzahl pro Tag bei rund 7.000, wovon sich rund 0,6 Prozent für den Premium-Account entschlossen. Doch dann gab Facebook im Herbst vergangenen Jahres den bevorstehenden Launch der neuen Timeline-Profile ("Chronik") bekannt. Haunschild nahm dies zum Anlass, um sich über die Zukunft von Pic Scatter Gedanken zu machen.

Ihm kam die Idee einer App, mit der Nutzer aus den Profilbildern ihrer Freunde oder denen der favorisierten Fanpages Fotocollagen generieren können, die als Titelbilder der neu gestalteten Profilseite fungieren sollen. Gesagt, getan - Pic Scatter 2.0 war fertig. Das Konzept klingt trivial, aber kam gut an: Einen Tag nach der Aktivierung der neuen Timeline schrieb Haunschild führende Tech-Blogs an und informierte sie über seine App. Kurz darauf landete diese dann bei Mashable, dem weltweit größten Blog rund um die Social-Media-Sphäre. Die Erwähnung führte zu einem neuen Besucherrekord von 28.000 Nutzern an einem Tag.

Vier Prozent zahlende Anwender

Auch die neue Fassung von Pic Scatter enthält Premium-Funktionen - diesmal in Form drei unterschiedlicher Pakete, die unter anderem das Branding entfernen und Filter zur Nachbearbeitung des erstellten Profilbilds bieten. Aktuell entscheiden sich rund vier Prozent der Pic Scatter-Anwender für eines der kostenpflichtigen Angebote, wodurch die App für ihren Macher mittlerweile zu einer stabilen Erlösquelle avanciert ist.

Durch den Mashable-Artikel wurden viele Agenturen und Filmstudios auf Pic Scatter aufmerksam, die wegen maßgeschneiderten Konzepten für ihre Pages Kontakt aufnahmen. Daraus entstand eine erste Zusammenarbeit mit dem US-R&B-Künstler Chris Brown. Dessen Fans sollen Browns mit Pic Scatter erstellte Collage in ihren Timelines veröffentlichen - was sowohl Brown als Pic Scatter Aufmerksamkeit verschafft.

Kostenpflichtige mobile Apps laufen nicht gut

Haunschild hat auch eine iOS- und Android-App für Pic Scatter lanciert, die er für 79 Cent verkauft. Die Zahl der Downloads hält sich bisher jedoch in Grenzen. Mittlerweile sieht er ein, dass es sinnvoller gewesen wäre, die Anwendung gratis im App Store und bei Google Play (ehemals Android Market) anzubieten und dann über In-App-Käufe zu monetarisieren.

"Wenn ich meine Arbeitszeit in ein Kundenprojekt gesteckt oder fest angestellt gewesen wäre, hätte ich sicher weniger verdient", fast Haunschild den Effekt seines Projekts zusammen. "Aber den größten Gewinn sehe ich in den Erfahrungen und den Kontakten, die ich dadurch aufbauen konnte".

Derzeit geht er nicht davon aus, dass sich die App, die mittlerweile von drei Millionen Menschen verwendet wurde, noch beliebig ausbauen lässt: "Ich denke, Pic Scatter wird nicht mehr als ein nettes Taschengeld abwerfen und ein schönes Referenzprojekt sein".

Pic Scatter zeigt, wie Entwickler mit vergleichsweise wenig Aufwand, einer extrem simplen Idee sowie einer smarten Freemium-Strategie die Distributionskraft der etablierten Ökosysteme dafür einsetzen können, um sich ein ansehnliches Nebeneinkommen zu bescheren. Sinnvoll kann dies auch gerade dann sein, wenn Developer hauptberuflich und aus eigenen Mitteln an einer vollwertigen Startup-Idee arbeiten. Eine App zu betreiben, die lediglich einige Stunden Zuneigung pro Monat benötigt, aber für ein regelmäßiges Einkommen sorgt, klingt da verlockend.

Kommentare

  • Till Haunschild

    19.03.12 (09:49:25)

    Danke für den netten Artikel :) Und falls noch jemand für seine Brand eine Möglichkeit sucht seine Fans (wie Chris Brown) für sich werben zu lassen: einfach melden ;)

  • Thomas

    19.03.12 (10:50:46)

    Guter Service. Wenn man ein kleines in sich geschlossenes Produkt anbieten kann, sollte immer der Versuch der Monetarisierung unternommen werden, Longtail lässt grüßen. Aber nicht jeder bekommt von seinem Arbeitgeber die Erlaubnis dafür...

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