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15.09.11

Mit 3D-Avataren Websites besuchen: Weblin ist zurück

Im Frühjahr 2009 führte die Insolvenz der Zweitgeist GmbH aus Hamburg zum vorläufigen Ende des 3D-Avatar-Dienstes Weblin. Jetzt hat ihn einer der zwei einstigen Gründer wiederbelebt.

 

Einige von euch erinnern sich vielleicht noch an Weblin. Der Dienst des 2006 gegründeten Startups Zweitgeist aus Hamburg erlaubte es Nutzern, sich als grafische Avatare auf gerade besuchten Websites zu zeigen und mit anderen, zufällig auf einer Site angetroffenen Weblin-Anwendern zu kommunizieren. Für den vollen Funktionsumfang mussten User eine Software herunterladen, eine abgespeckte Lite-Variante ohne Download-Zwang gab es ebenfalls.

Im Frühjahr 2009 sahen sich die Weblin-Gründer Christine Stumpf und Heiner Wolf gezwungen, mit ihrer Firma Insolvenz anzumelden. Irgendwann danach wurde auch die Website abgeschaltet.

Seit einigen Tagen aber wird man beim Aufrufen von weblin.com von der vertrauten weiß-grünen Benutzeroberfläche (und einem leicht bekleideten weiblichen Avatar) begrüßt. Vor einer Woche hat Heiner Wolf sein zwei Jahre lang zu einer Zwangspause verdonnertes Projekt wiederbelebt und die wichtigsten Funktionalitäten inklusive der Weblin-Software verfügbar gemacht. Die Lite-Variante funktioniert vorerst jedoch nicht.

In seinem privaten Blog gibt Wolf auch Einblicke in die Geschehnisse aus dem Frühjahr 2009, die schließlich zu einer geplatzten Finanzierungsrunde und zur Insolvenz der von ihm und Christine Stumpf gegründeten Zweitgeist GmbH führten. An Weblin beteiligt waren der High-Tech Gründerfonds, Mountain Partners und der T-Online Venture Fund.

Nach Wolfs Schilderung versuchten einige Investoren, Zweitgeist in die Zahlungsunfähigkeit zu drängen, um das Unternehmen und Weblin daraufhin vollständig zu übernehmen:

"Einige Investoren haben ein lächerlich niedriges Angebot gemacht, um den Gründern ihre Anteile abzukaufen. Damit man auf dem Papier die Firma so niedrig bewerten konnte, musste sie sehr schlecht aussehen. Das ist nicht leicht bei 3 Millionen Usern und 400.000 neuen Usern pro Monat und wenn man anfängt wirklich Geld zu verdienen. Deshalb mussten alle Mitarbeiter entlassen werden. Eine Firma ohne Mitarbeiter sieht nämlich wirklich schlecht aus.

Jedenfalls sind bei diesem "Spielchen" 25 Arbeitsplätze verloren gegangen. Eure Arbeitsplätze, sozusagen Kollateralschaden, weil jemand eine stark wachsende Internetfirma übernehmen wollte. Aber das kümmert Investoren nicht wirklich. Da zählt nur der mögliche Gewinn beim Verkauf. Und da gab es eben einen Investor, der sich ausgerechnet hat, dass er seinen Anteil vervierfachen kann."

Wolf selbst wurde im Februar 2009 als Geschäftsführer gekündigt, wogegen er Klage beim Hamburger Landgericht einlegte. In seinem Blogbeitrag erklärt er, dass das Gericht nun - zwei Jahre später - festgestellt hat, dass die Kündigung ungültig war.

Konflikte zwischen Gründern und Investoren sind nicht ungewöhnlich, besonders wenn die Zukunftsvorstellungen und Monetarisierungspläne auseinander gehen. Weblin verfolgte zwar einen in der Theorie innovativen Ansatz, der tatsächliche Durchbruch auch auf internationaler Bühne blieb jedoch aus, und auch die Monetarisierung des 3D-Avatar-Dienstes lief offenbar nicht so, wie sich das die Geldgeber ursprünglich vorgestellt hatten. Zum Zeitpunkt der Insolvenz war nur eine von drei vorgesehen Erlösquellen implementiert.

Während Wolf öffentlich mit den einstigen Investoren abrechnet, will er mit Weblin nun auf eigene Faust einen zweiten Anlauf wagen. Auch wenn ein Service für den Browser, der die Installation einer Software erfordert, immer eine erhebliche Einstiegshürde mit sich bringt, ist das Timing nicht schlecht: Erst gestern beleuchteten wir den Trend zum kollektiven Online-Medienerlebnis. Diesen könnte sich Weblin durchaus zu eigen machen.

Manchmal sind Onlinedienste ihrer Zeit einfach etwas voraus. Wer weiß, vielleicht entpuppt sich Weblin ja auch als solch ein Fall.

Link: Weblin

Danke für den Hinweis an Cujo.

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