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23.06.10Leser-Kommentare

Mister Wong: Paradigmenwechsel für Social Bookmarking

Mister Wong will weg von langweiligen Bookmarks und launcht eine multifunktionelle Browsertoolbar für Firefox, die unter anderem Kommentare und "Likes" zu besuchten Websites ermöglicht und eine Entdeckungsfunktion besitzt.

Während das Social Web heute im Vergleich zu 2005 kaum noch wiederzuerkennen ist, gibt es einen Sektor, der sich in den vergangenen Jahren so gut wie gar nicht weiterentwickelt hat: Social Bookmarking. Die Funktionalität einschlägiger Plattformen, angeführt von Bookmarking-Pionier Delicious, unterscheidet sich 2010 wenig von der zur Gründung der jeweiligen Sites. Zwar gab es diverse Innovationen, doch diese bezogen sich zumeist auf den Bookmarking- und nicht auf den Social-Aspekt.

Mister Wong, nach eigener Aussage Europas größtes Social-Bookmarking-Portal mit Sitz in Bremen, möchte der Thematik neues Leben einhauchen und das gemeinsame Speichern von Links auf sinnvolle und unterhaltsame Weise weiterentwickeln.

Gestern hat der Dienst die Mister Wong Toolbar veröffentlicht, eine Browsererweiterung für Firefox, die Nutzer auf ihrer Reise durch das Netz mit diversen sozialen Funktionen versorgt. Mister Wong-Geschäftsführer Kai Tietjen erklärte mir dazu, man mache mit der Toolbar "einen Paradigmenwechsel vom passiven Social Bookmarking hin zu einem aktiven Empfehlungsportal".

Mister Wong Toolbar

Die Toolbar kombiniert die wichtigsten Funktionen von der Site mit einem Entdeckungsfeature, das Nutzer nach einem Klick auf eine beliebige, von den Mister Wong-Nutzern geschätzte Website befördert. Anwender können vorab aus sechs verschiedenen Themenkategorien wählen und auch die aktuell geöffnete Site beeinflusst, wohin man nach dem Betätigen des Entdecken-Buttons geschickt wird.

Sämtliche im Firefox besuchten Präsenzen lassen sich direkt bei Mister Wong speichern. Seit einiger Zeit gibt es zudem eine Kommentarfunktion, die nun ebenfalls in der Toolbar integriert ist. 5000 Zeichen stehen zur Verfügung, um eine Website mit ergänzenden Informationen zu versehen. Kommentare erscheinen anschließend auf der Mister Wong-Profilseite zum jeweiligen Link (Beispiel).

Dort aggregiert der Dienst auch die Anzahl an Klicks auf den "Daumen hoch" und "Daumen runter"-Button, wobei Nutzer die "Dislikes" nur dann zu Gesicht bekommen, wenn sie selbst einen Link als negativ bewertet haben. User können sich auch gesammelt anzeigen lassen, welche Sites sie bisher "gemocht" haben.

Mit einen Klick auf den "Info"-Link in der Toolbar landet man auf der zum jeweiligen Verweis gehörenden Profilseite bei Mister Wong, was sehr praktisch sein kann, wenn man eine erstmalig besuchte Onlinepräsenz nicht sofort richtig einordnen kann. Alle angesteuerten Sites lassen sich über die Toolbar direkt bei Facebook oder Twitter teilen, außerdem ist die hauseigene Kurz-URL wong.to inbegriffen, die den Link der Website, auf der man sich gerade befindet, in gekürzter Form in die Zwischenablage kopiert.

Ich bin im Allgemeinen überhaupt kein Fan von Browser-Toolbars und versuche, jede Millisekunde längere Ladezeit zu vermeiden. Dennoch gefällt mir das neue Feature von Mister Wong. Es vereint diverse sehr nützliche Funktionen und ich glaube es Mister Wong-Chef Kai Tietjen sofort, wenn er sagt, dass seine eigenen Aktivitäten auf der Plattform deutlich zugenommen haben, seit er die Toolbar installiert hat: "Die Toolbar in Kombination mit den sozialen Funktionen bringen Leben in die Bude, statt immer nur einfach Bookmarks aufzulisten."

Womöglich gelingt es dem 350.000 Mitglieder und 2,55 Millionen Besucher pro Monat zählenden Dienst ja, Social Bookmarking einen neuen, farbenfrohen Anstrich zu verleihen und es mit dem anzureichern, was bisher bei dem Thema grundsätzlich gefehlt hat: Spaß.

Gerade Spaß ist es, was die über zehn Millionen Mitglieder von StumbleUpon bei Laune hält, ein Service, welcher der Mister Wong Toolbar vermutlich Pate gestanden hat. Doch während sich bei StumbleUpon alles um die Browser-Erweiterung dreht, ist sie bei Mister Wong lediglich ein ergänzendes Element zum Bookmarking-Portal, was sie letztlich deutlich breiter einsetzbar macht.

Im Rahmen der Neufokussierung führt Mister Wong auch ein "Trusted User"-Konzept ein, bei dem ausgewählte, besonders aktive und loyale Mitglieder einen Sonderstatus erhalten und mit ihren Aktivitäten einen zusätzlichen Einfluss auf den Empfehlungsalgorithmus haben.

Kommentare

  • andy lenz

    23.06.10 (07:15:52)

    nette ergänzung die toolbar, aber wird nicht die dicke wurst vom teller ziehen oder? jedenfalls interessant zu sehen, dass wieder bewegung in social bookmarking markt kommt. nachdem yigg inzwischen laut IVW in die totale bedeutungslosigkeit abgerutscht ist und man von wong solche meldungen liest "Mister-Wong.de mit über 95% Verlust" wird es auch zeit... vielleicht ein guter relaunch oder launch zeitpunkt für was neues in der gattung!?

  • martin lindner

    23.06.10 (07:40:41)

    ich denke, dass dieser spaß-weg nicht zielführend ist. und zugleich ist es wahr, dass social bookmarking viele viel wichtiger sein müsste als es ist. aber dann eher als arbeitsmittel und für den long tail of links, nicht um die immer gleichen massen-links herumgehen zu lassen, die ja auch nicht deshalb verschickt werden, weil sie so toll sind, sondern als "soziales objekt" für das große digitale netzwerk-gesellschaftsspiel, das es nur deshalb braucht, weil wir nichts vernünftiges zu tun haben. weil wir bei den konstruktiven und selbstverständlichen tausch-praktiken noch nicht annähernd angekommen sind, die sich aus der neu organisierten digitalen arbeit ergeben müssen und ergeben werden. das größere rätsel für mich ist: warum gibt es keine guten social bookmarking-services für enterprise 2.0 und cloud companies? ist es knowledge plaza? warum werden delicious (immer noch am besten) und diigo nicht ins deutsche übersetzt und vernünftig weiterentwickelt? warum gibt es kein großes OS-projekt, dass aus scuttle etwas macht, das auf eigenen servern so selbstverständlich wird wie wordpress? fragen über fragen. Markus Spath, bitte antworten!

  • Tom

    23.06.10 (08:24:12)

    Wer braucht noch eine Toolbar. Ein durchschnittlicher PC ist ja schon mit zig Toolbars verspammt. Bei social bookmarking tut sich so wenig, weil ich nicht sehe welchen Mehrwert mir Zusatzfunktionen bringen sollten.

  • Eric Fischer

    23.06.10 (11:03:00)

    @Martin Wir entwickeln im Moment eine Plattform die ein paar Aspekte von dem aufgreift, was du hier ansprichst. Du kannst es dir gerne mal anschauen und mir Feedback geben (http://useKit.com) ich bin für alle Meinungen dankbar. Wir zielen eher auf die professionelle Anwendung ab und sehen Informationen (unabhängig davon ob links oder inhalte) als langfristiges wissen das es gilt in Sinnzusammenhängen abzulegen und in Zusammenarbeit mit "co-workern" zu ergänzen. Eric

  • Thomas Matterne

    23.06.10 (11:10:34)

    Alles ganz hübsch, allerdings stelle ich für mich persönlich immer wieder fest, dass ich Mister Wong oft und reichlich nutze, aber eben ausschließlich um dort Bookmarks abzulegen. Es mag nicht gerade Web2.0ig sein, aber mehr als Bookmarks auf ich ich von verschiedenen Rechnern aus zugreifen kann, brauch ich eigentlich gar nicht.

  • Martin Weigert

    23.06.10 (11:19:15)

    @ Eric Danke, schauen wir uns an! @ Thomas Ich glaube, die Toolbar könnte ein Weg sein, um User, die bisher nichts mit Social Bookmarking zu tun hatten, an das Thema heranzuführen - indem sie es eben gar nicht als Bookmarking-Dienst begreifen sondern eher als Service, um ihren Surfalltag zu verbessern, um besuchte Sites zu bewerten und um neue Sites zu entdecken.

  • Fabian

    23.06.10 (16:44:01)

    Schön. Das könnte somit endlich mal wieder eine Alternative zum leider schon vor jahren (etwa 10 werden's wohl sein) gestorbenen "third voice" werden.

  • Sebastian

    01.07.10 (09:04:10)

    @martin lindner Da gibt es schon was in der Richtung, die Du skizzierst: http://www.memonic.com/

  • Frank

    07.07.11 (16:34:39)

    Der sog. "Trusted User" ist natürlich ein Schlag ins Gesicht all jener, denen man bei Wong offenbar nicht vertraut. Die vielleicht aber zu genau jenen gehören, die über Jahre, durch fleissiges Bookmarken wesentlich zum "Erfolg" der Plattform beigetragen haben. Eine Wettbewerbsverzerrung stellt dieses Vorgehen ohnehin dar.

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