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26.06.09

Michael Jacksons Tod: Ist das Web auf echte Notfälle vorbereitet?

Der Tod von Michael Jackson war tragisch. Er hat außerdem für das Internet gezeigt, dass das Web effizient genug geworden ist, um im Notfall sich selbst auszuschalten.

Das Bekanntwerden des Todes von Michael Jackson hat gestern nicht nur den Mikrobloggingdienst Twitter in's Schwitzen gebracht, welcher zeitweise ausfiel. Immerhin: Die Frequenz von Twitter-Updates war doppelt so hoch, wie Twitter-Gründer Biz Williams gegenüber der LA Times mitteilt . Facebooks Status sollen sogar die dreifache Frequenz erreicht haben wie eine Sprecherin des Unternehmens der LA Times mitteilt.

Futurezone schreibt über weitere Auswirkungen des gesteigerten Traffics :

Die Server von TMZ.com brachen zeitweise unter der Last der Anfragen aus dem Web zusammen.

Aber nicht nur der AOL-Dienst hatte seine Schwierigkeiten, den Ansturm zu bewältigen. 30 der wichtigsten Internet-Nachrichtenseiten in den USA waren zeitweise nicht zu erreichen oder reagierten deutlich langsamer als üblich, registrierte das Unternehmen Keynote Systems, das die Leistungsfähigkeit von Web-Angeboten regelmäßig überprüft. Betroffen waren besonders die Portale der lokalen Zeitung aus Los Angeles (LATimes.com) sowie die TV-Sender ABC News und CBS. "ABCNews.com konnte über zwei Stunden hinweg von 90 Prozent der User nicht erreicht werden", sagte Shawn White von Keynote Systems.

Venturebeat stellt angesichts dessen eine wichtige Frage: Ist das Web auf eine echte Katastrophe vorbereitet? Was passiert, wenn in einer Region eine Katastrophe stattfindet, in der die Mehrheit der Bevölkerung Internetzugang hat und sich vornehmlich über das Netz informiert? Wenn bereits der Tod einer (zugegeben sehr bekannten) Berühmtheit das Web so in's Wanken bringen kann, wie würde das dann erst bei ernsthaften Notständen aussehen?

Man stelle sich nur vor, 9/11 oder eine vergleichbares Ereignis würde heute in einem Land mit weit verbreitetem Interneteinsatz stattfinden. Das Internet ist heutzutage praktisch immer die schnellste (und mit Abstand diversifizierteste) Informationsquelle. Also würden viele zuerst das Netz zum Informieren einsetzen. Würde das heute gutgehen?

Man könnte jetzt einwerfen, dass eine wichtige gesellschaftliche Funktion vom Web im Iran ohne weiteres wahrgenommen wird. Das vernachlässigt aber die (oft ignorierte) Tatsache, dass im Iran nur ein verhältnismässig kleiner Teil der Bevölkerung Internetzugang hat. Traffic ist also da nicht das Problem. Würde das Web aber die gleiche Funktion in den USA oder im westlichen Europa übernehmen müssen, könnte es problematisch werden.

Tatsächlich ist es so, dass Social Media mit seinem immer effizienteren Layer an Verbindungen zwischen Usern untereinander und/oder zwischen Diensten über dem eigentlichen Internet zu einer zunehmend effizienteren Nachrichtenverbreitung führt. Das Echtzeitweb hat diese Ströme beschleunigt und kann bei relevanten Nachrichten zu kurzen Traffic-Explosionen führen, die Server killen können. Anschaulich dieser Screenshot von Business Insider:

Traffic

Die Traffic-Ausbrüche auf dem rechten Teil des Bildes sind symptomatisch für die neue distribuierte Medienwelt:

Je besser ein einzelner Artikel als kleinste distribuierte Einheit und je besser gleichzeitig die Publikation in das Social-Media-Geflecht eingebunden ist, desto größer können die Ausbrüche nach oben sein. Handelt es sich dann um eine bedeutende Nachricht von allgemeinen Interesse, kann der Traffic um Vielfaches in die Höhe steigen.

Wahrscheinlich wird es Zeit, dass man sich ernsthaft damit beschäftigt, wie man den sogenannten Slashdot- bzw. Heise-Effekt bekämpfen kann. Dieser kann nämlich von immer mehr Quellen kommen. Denn je besser die Verbreitung von Nachrichten online funktioniert, desto öfter werden solche Peaks an Zugriffen auftreten. Und desto stärker und unmittelbarer werden die Aufmerksamkeitsströme dann gelenkt, wenn richtig große Ereignisse stattfinden.

Ein vermehrter Einsatz des flexiblen Cloud Computing bei den dafür gerüsteten Anbietern könnte für Publisher eine Lösung sein. Aber das ist nur ein Punkt im Netzwerk.

Der Tod von Michael Jackson war tragisch. Er hat außerdem für das Internet gezeigt, dass das Web effizient genug geworden ist, um im Notfall sich selbst auszuschalten.

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