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29.04.08Leser-Kommentare

Merkel in der Schweiz: Freude, schöne Kanzlerin!

Heute besucht die deutsche Bundeskanzlerin das südliche Nachbarland. Schweizer Intelligenzblätter erinnern sich an ihr ausgeschnittenes Kleid und jubeln vorab über die "richtige" Frau.

Merkel in Oslo (Bild Keystone/EPA/KYRRE LIEN)
Merkel: "In ihrer vollen Blüte" (Bild Keystone)

Die deutsche Bundeskanzlerin ist heute für einen Kurzbesuch in der Schweiz. Sie wird sich in Bern mit Bundespräsident Pascal Couchepin treffen sowie in Genf das europäische Zentrum für Kernforschung besuchen.

Seit sie bei einem Opernbesuch in Norwegen vor zwei Wochen ein recht handelsübliches Abendkleid getragen hat, sind die Medien vom Thema der Kleiderwahl der Kanzlerin begeistert. Das Genderblog fasste die damalige Aufregung mit einem kurzen, aber aussagekräftigen "Medien überrascht: Angela Merkel hat ja Brüste!" zusammen. Julia Seeliger warf ein, dass niemand derart über Merkels Aussehen schreiben würde, wenn sie ein Mann wäre und meinte, Journalisten, die sich an Merkels Brüsten abarbeiten, "sollten sich was schämen" und erinnerte an den Pressekodex.

 

Thomas Steg, der Kanzlerin Sprecher, zeigte sich verdutzt über die Prioritätensetzung der Medien: "Wenn die Welt nichts Wichtigeres hat, als über Abendkleider zu reden, dann kann man wahrscheinlich auch nicht helfen." Was will man denn als Pressesprecher noch sagen, wenn der Berliner Kurier schreibt: "Deutschland kann stolz auf diesen Vorbau sein".

Doch dieses Unverständnis tut der allgemeinen Begeisterung keinen Abbruch, auch Schweizer Medien sind geradezu euphorisiert vom Thema. Das Magazin, die oft herausragende Samstagbeilage des Tages-Anzeigers, stellte einen wahren Katalog von Äusserlichkeiten zusammen: Haare, Make-Up, Schmuck, Blazer, Hosenanzug, Schuhe. Birgit Schmid analysierte:

Souveräne Staatsfrau bleibt Merkel, wenn sie sich nun öfters mal betont weiblich gibt wie neulich an der Operneröffnung in Oslo, als sie im schwarzen Abendkleid mit petrolblauer Stola so viel Décolleté zeigte, dass manchen der Kinnladen runterfiel.

Auch Roger Köppel, Chefredaktor der Weltwoche, war entzückt:

Rein äusserlich steht die Frau in ihrer vollen Blüte. Sie sah nie besser aus. Ihr Selbstbewusstsein expandiert. Augenfällig ist die einst zerzaust und unscheinbar wirkende Ostdeutsche in ihr Amt hineingewachsen. Interessanterweise scheint sie die Kanzlerschaft nicht männlicher, sondern weiblicher zu machen. Kürzlich trat Merkel mit weitem Décolleté an einer Opernpremiere in Erscheinung. Die Episode entfachte eine landesweite Debatte über Merkels opulenten Ausschnitt. Offensichtlich merken es viele Deutsche zu ihrer eigenen Verblüffung erst jetzt, dass sie von einer richtigen Frau regiert werden.

Ob die Italiener eigentlich auch merken, dass sie von einem richtigen Mann regiert werden?

Einen Text ohne Kleider, aber mit viel Politik findet man überraschenderweise dort, wo man ihn nicht vermutet. Auf 20min.ch, dem dem Online-Boulevardportal einer Gratiszeitung: "Besuch der schwierigen Dame". Da ist alles etwas durcheinander in der Medienlandschaft.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • Philipp

    29.04.08 (11:56:18)

    Also eines muss man wirklich sagen, sie wird wirklich immer weiblicher in ihrem Kleidungsstil. Ihr Selbstbewußtsein ist wirklich enorm gestiegen, wobei es ihr nicht zu Kopf zu steigen scheint und sie dennoch am Boden geblieben ist.

  • arbiter

    29.04.08 (15:18:14)

    OK, Ok, Angie jetzt als Barbie! Oder nicht eher nach konzeptionsloser Politik jetzt auch konzeptionslose Persönlichkeit an der Schwelle oder auch jenseits des Klimakteriums? Was hat das mit Weiblichkeit zu tun, wenn ein Schneider sekundäre Geschlechtsmerkmale radikal freilegt, zumindest radikaler, als der Person zuträglich. Hier trifft sich eher schiefer Ausschnitt mit schiefem Bild von Weiblichkeit. Die maskulinen Blütenträumer sind nicht einmal fähig, zwischen voller Blüte und Überreife zu unterscheiden. Und unser aller Alice mag sich darüber auch nicht aufregen. Hat am Ende Hermans Eva recht?

  • Anonym

    06.05.08 (13:57:04)

    Ach ich weiß gar nicht was sich denn alle so aufregen. Das Abendkleid war doch gar nicht so schlimm. Ich fand das gut - außerdem hatte der Rest der Welt auch mal wieder die Gelegenheit sich über Deutschland kräftig das maul zu zerreißen :-) [Edit medienlese.com: Name geändert und Link entfernt - bitte kein SEO in den Kommentaren.]

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