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10.07.14Leser-Kommentare

Mensch-Maschine-Kommunikation: Die SMS erhält eine neue Berufung

Als Kommunikationskanal zwischen Menschen hat die SMS ausgedient. Als Mittel zur Übermittlung strukturierter und automatisierter Informationen aber erlebt sie einen zweiten Frühling.

SMSDer Aufstieg von WhatsApp und anderen Smartphone-Messengern, ist gleichzeitig der Niedergang der klassischen SMS. Das Ende der 160-Zeichen-Nachricht  deutet sich schon länger an. Im vergangenen Jahr wurden auch erstmals weniger Handy-Kurzmitteilungen verschickt als im Vorjahr. Und das, obwohl bei vielen Tarifen mittlerweile SMS-Kontingente oder -Flatrates inbegriffen sind. Doch letztlich sind OTT-Services à la WhatsApp und iMessage mit ihren nicht vorhandenen Zeichenbegrenzungen, ihrer Multimedia- und Gruppenfähigkeit sowie dem allgemein höheren Anwenderkomfort einfach attraktiver. Auch der gefloppte SMS-Nachfolger Joyn konnte die Entwicklung nicht abbremsen.

Doch während die SMS als Mittel zur Durchführung von textbasierten Konversationen zwischen Menschen demnächst ins Antiquariat uralter Kommunikationsverfahren gehört, sieht es danach aus, als bleibt sie uns als zuverlässiger, plattformübergreifender, standardisierter Kanal für den Maschine-Mensch-Austausch erhalten. So sind nahezu alle smarten Geräte, die sich - wie gestern erläutert - über den Onlinedienst IFTTT aus der Ferne steuern lassen, über die Textnachricht ansprechbar. Denn 160 Zeichen genügen, um kurze, strukturierte Instruktionen zu übermitteln. Die meisten Entwickler von Apps und Smart Devices, die ihre Angebote für IFTTT-User zugänglich machen, nutzen den nativen SMS-Channel der Plattform. Ob es darum geht, von unterwegs die Temperatur der Klimaanlage zu modifizieren oder darum, eine SMS zu erhalten, wenn der Bewegungssensor das Erwachen des Hundes verkündet - SMS als gewählter Informationsmittler steht bereit.

Generell nutzen viele Unternehmen die SMS, um Botschaften an ihre Kunden zu senden. Fluggesellschaften verkünden so Gate-Wechsel, Banken verifizieren Kreditkarten-Käufe und Onlineanbieter wie Dropbox und Google integrieren die Kurznachricht in ihre Zwei-Faktor-Authentifizierungsprozesse. Kein Wunder: Jeder Mensch hat mindestens ein Handy, die Übertragung einer SMS kostet fast nichts, und selbst in Regionen mit extrem schlechter Netzabdeckung findet eine SMS früher oder später den Weg zu den Empfängern - während die Datenverbindung streikt. Ein anderer Vorteil gegenüber alternativen Kommunikationswegen: SMS werden von Empfängern fast immer zeitnah gelesen. Anders als E-Mails oder Briefe.

In einigen Ländern hat die geringe Störanfälligkeit und massive Reichweite der SMS zur Folge, dass sie zu einer elementaren Säule bei mobilen Geldgeschäften wird: Der von Vodafone betriebene mobile Zahlungsdienst Mpesa, der in einigen Ländern Afrikas und Asiens aufgrund seiner Kompatibilität mit einfachsten, nicht internetfähigen Mobiltelefonen eine massive Bedeutung erlangen konnte, setzt auf Kurzwahl und Kurznachrichten.

MuuziiDie Einsatzbereiche der SMS für die Abwicklung von alltäglichen Prozessen, bei denen maschinenlesbare oder maschinenerzeugte Informationen übermittelt werden, kennt kaum Grenzen. Der Übersetzungservice Muuzii nutzt die Textnachricht, um Wörter und Sätze ins Spanische oder Chinesische zu übersetzen. Coinbase erlaubt den Versand von Bitcoin via SMS . ClassPager richtet sich an Lehrer, die über per SMS durchgeführte Umfragen sowie auf diesem Weg versandte Nachrichten die Aufmerksamkeit ihrer Schüler erhalten wollen.

Solange Mobiltelefone eine Handynummer und eine native, standardmäßig auf dem Hauptbildschirm platzierte SMS-App besitzen, ist mit einer ungebrochenen Popularität der SMS für die Mensch-Maschine-Interaktion zu rechnen. Diesen Sachverhalt muss man bedenken, blickt man auf in regelmäßigen Abständen veröffentlichte Zahlen zu pro Jahr versendeten SMS. 37,9 Milliarden waren es 2013 in Deutschland (im Vergleich zu 60 Milliarden 2012). Bei einem nicht geringen Anteil davon wird entweder Absender oder Empfänger ein Computer gewesen sein. /mw

Kommentare

  • Discotizer

    10.07.14 (15:07:43)

    Gilt wahrschenlich nur für Geräte, die noch nicht dem "Internet of things" Zeitalter angehören. Die haben ja Internet und können die Nachricht online absetzen.

  • CosmoKey

    17.07.14 (13:24:36)

    Die SMS als Bestandteil der Zwei-Faktor-Authentifizierung Wie in dem Artikel aufgezeigt integrieren immer mehr Unternehmen die SMS in den Zwei-Faktor-Authentifizierungsprozess. Aber wie sicher ist der Weg per SMS? Und wie sicher ist ein Smartphone, auf dem im Schnitt 27 Apps benutzt werden? Gelingt es einem Angreifer, Zugang zu einem fremden Handy zu bekommen – zum Beispiel über einen Trojaner – kann er die Kontrolle über das System übernehmen, Benutzernamen und Passwörter auslesen und schlussendlich die SMS mit sensiblen Informationen abfangen. Angriffsziele sind laut BKA inzwischen vor allem Smartphones mit veralteten Versionen des Betriebssystems Android. Besser ist an dieser Stelle ein unabhängiger Faktor, der nicht so leicht kompromittiert werden kann. Und umso weniger Schnittstellen dieser Faktor hat, desto weniger Angriffsmöglichkeiten gibt es.

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