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23.04.11

Mehrtägige Störung: Amazon lässt das Social Web verstummen

Mehrere Tage lang waren Teile von Amazons Cloud-Diensten gestört. Viele bekannte Onlinedienste auf beiden Seiten des Atlantiks zwang dies in die Knie.

 

Startups, die Hosting und Rechenprozesse an einen Cloud-Anbieter auslagern, statt einen eigenen Serverpark zu betreiben, wissen um die damit verbundene Abhängigkeit. Eine hundertprozentige Verfügbarkeit existiert ohnehin nicht, und vor Ausfällen ist auch nicht gefeilt, wer seine eigene technische Infrastruktur errichtet.

Blöd ist jedoch, wenn sich unzählige Internetanbieter bei dem selben Cloud-Dienst einnisten und dieser dann über längere Zeit nicht ordnungsgemäß funktioniert. Genau das geschah dieser Tage bei Amazon: Zur Wochenmitte kam es zu Ausfällen einzelner Cloud-Dienste, die unter dem Dach der Amazon Web Services (AWS) vermarktet werden.

Die Downtimes von Amazons Elastic Compute Cloud and Relational Database Service bekamen Millionen von Internetnutzern zu spüren, die seit Mittwoch auf populäre Onlinedienste wie foursquare, Quora oder HootSuite zugreifen wollten. Alle diese nutzen Rechenkapazität von Amazon, statt eigenhändig eine kostspielige und arbeitsintensive Serverfarm zu betreiben.

Obwohl sich die Situation mittlerweile entschärft hat und viele der betroffenen Sites wieder ordnungsgemäß arbeiten können, weist Amazon auf seiner Status-Site noch immer auf Probleme bei seinem Rechenzentrum in North Virginia hin, von wo der Ausfall ausging. ReadWriteWeb bezeichnet die Störung als die bisher größte von Amazon jemals .

Amazons europäische Serveranlagen wiesen keinerlei Probleme auf. Startups aus dem deutschsprachigen Raum, deren AWS-Prozesse in North Virginia abgewickelt werden, gibt es jedoch einige:

Der Berliner Anbieter personalisierter Radiostreams Aupeo beispielsweise berichtete per Twitter über Störungen seiner auf AWS basierenden Gewinnspiel-Applikation bei Facebook. Auch der VoIP-Dienst und Skype-Konkurrent FriendCaller war betroffen , genauso wie das Social-Web-Statistik-Tool TwentyFeet und der Musik-Streaming-Service tunesBag .

tunesBag-Chef Hansjoerg Posch ließ uns wissen, dass manche Nutzer zwar mit Fehlermeldungen konfrontiert wurden, dass der Service für das Streaming aber auch auf andere Cloud-Provider setze.

Der Ausfall selbst scheint bei den betroffenen Onlineservices für weniger Verstimmung zu sorgen als die schlechte und langsame Kommunikation von Amazon. TwentyFeet-Gründer Martin Seibert unterstreicht, dass man dem umtriebigen Internetkonzern auch in Zukunft treu bleiben wolle. Denn eigentlich sei man begeistert von AWS.

Das Konzept des Public Cloud Computings jetzt ganz in Frage zu stellen, wäre mit Sicherheit der falsche Schluss. Die wichtigste Erkenntnis aus dem Ereignis ist wohl eher, dass das wahre Risiko in einer zu großen Konzentration auf einen einzigen Cloud-Anbieter liegt. Zumindest für die User ist es ein Unterschied, ob eine von ihnen geschätzte Website zwei Tage lang nicht erreichbar ist oder zehn parallel.

Alternativen zu AWS sind unter anderem Windows Azure, Rackspace oder Google App Engine.

Wart ihr von dem Ausfall betroffen? Welche Konsequenzen haltet ihr für erforderlich?

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