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26.03.12

Mehr Effizienz und Nachhaltigkeit: Startups läuten die Mobilitätsrevolution ein

Von RideSharing über CarSharing bis hin zu TaxiSharing - eine wachsende Zahl von Startups aus Deutschland will Mobilität und Nachhaltigkeit mit Hilfe digitaler Technologien besser miteinander vereinbar machen.

 

Anfang 2011 beschrieben wir in einem Artikel, wie junge Startups aus Deutschland an Lösungen arbeiten, die das private Automobil zunehmend überflüssig machen sollen. Doch gut ein Jahr später zeigt sich, dass das damalige Treiben junger, webgestützter Firmen nur den Anfang eines breiten Trends markierte, in dessen Rahmen eine wachsende Zahl an Anbietern eine nachhaltigere und effizientere Autonutzung ermöglichen möchte.

Im damaligen Bericht erwähnten wir unter anderem das von flinc entwickelte Konzept einer Echtzeit-Vermittlung von Mitfahrgelegenheiten über Smartphones und Navigations-Apps. Das Darmstädter Startup gehört heute zur Speerspitze dieser neuen Mobilitäts-Startups. Erst am Freitag veröffentlichten wir einen kleinen Statusbericht über das Unternehmen und sein über 50.000 Anwender zählendes "Mobilitätsnetzwerk", das gerade durch eine sinnvolle Kooperation mit dem Carsharing-Dienst DriveNow von sich Reden macht.

Besagtes Carsharing-Konzept war ein Schwerpunkt unseres damaligen Beitrags: Sowohl DriveNow als auch ZebraMobil und car2go bieten in unterschiedlichen Städten eigene Fahrzeugflotten an, die im Verbund mit dazugehörigen Onlineportalen und mobilen Anwendungen das spontane, bequeme und kostengünstige Anmieten von fahrbaren Untersätzen erlauben. Beachtlich ist, dass die Autohersteller selbst sich trotz der Kannibalisierungsgefahr an derartigen Projekten beteiligen: DriveNow ist ein Join-Venture von Sixt und BMW, und car2go gehört der Daimler AG.

Der Stuttgarter Autohersteller ist seit Anfang 2012 auch an einem anderen deutschen Startup beteiligt, das die derzeitige Mobilitätsrevolution tatkräftig vorantreibt, nämlich myTaxi. Im März 2010 veröffentlichte das hinter myTaxi stehende Jungunternehmen Intelligent Apps aus Hamburg seine Smartphone-App zur Taxibestellung vom Mobiltelefon aus - und wirbelt mit seinem Verfahren, bei dem Buchungen der Fahrgäste direkt an die Taxifahrer vermittelt werden, eine ganze Branche auf. Taxizentralen werden mit dem myTaxi-Ansatz überflüssig, was sowohl zur Schikanierung des "Eindringlings", aber auch zur eiligen Veröffentlichung eigener Apps durch die Zentralen  führte.

myTaxi hat eine unbewegliche, nicht gerade von Innovationsdrang geprägte Branche in Bewegung gesetzt, wovon Fahrgäste und experimentierfreudige Taxifahrer gleichermaßen profitieren. Mittlerweile können über den Service, der seit kurzem auch eine Bestellmöglichkeit über die die myTaxi-Website anbietet, in 13 deutschen Städten, in Wien sowie in Barcelona Taxis per Knopfdruck geordert werden.

Eine Kombination aus Online-Taxibestellung sowie dem unter anderem von flinc praktizierten RideSharing - was im Gegensatz zu CarSharing bedeutet, dass sich mehrere Fahrgäste auf der selben Strecke ein Auto teilen - hat das Schleswig-Holsteiner Unternehmen colexio entwickelt. Der Service will Fahrgästen mit Hilfe einer mobilen App das Teilen von Taxifahrten schmackhaft machen. Anders als bei myTaxi laufen die Bestellungen, die von Nutzern über die App gemacht werden, über lokale Taxizentralen. Finden sich für eine Fahrt mehrere Fahrgäste, teilen sie sich die Taxigebühren.

Derzeit wird colexio für Touren zwischen dem Münchner Flughafen und der Innenstadt der bayerischen Metropole getestet. Das Unterfangen ist durchaus mit einem Risiko für die Taxiunternehmen verbunden: Denn im schlechtesten Fall finden sich zahlreiche "Fahrgesellschaften" zusammen, die sonst jeweils mit einem einzelnen Fahrzeug und damit zum Vollpreis gefahren werden. Doch die Betreiber hoffen darauf, dass durch die deutlich günstigeren Preise beim Teilen von Taxis eine neue Kundschaft erschlossen werden kann, der eine herkömmliche Einzelfahrt bisher zu teuer war.

Aus Berlin kommt mit Better Taxi ein Startup, das einen sehr ähnlichen Ansatz verfolgt und ebenfalls auf die Vermittlungsdienste der Taxizentralen setzen will. Noch ist der Dienst jedoch in der Entwicklung, der Launch soll für den April geplant sein.

PocketTaxi, ein weiterer "Revoluzzer" aus Deutschland, was das Thema Mobilität betrifft, trägt zwar ebenfalls den Taxi-Begriff im Namen, fokussiert sich aber auf die Bereitstellung eines Dienstes zur effizienten Bildung von privaten Fahrgemeinschaften. Das Karlsruher Unternehmen stellt deshalb eher eine Konkurrenz zu flinc dar, verzichtet jedoch auf dessen Echtzeit-Komponente. PocketTaxi konzentriert sich stattdessen auf von Menschen regelmäßig durchgeführte Fahrten, die schon im Vorfeld absehbar sind und daher auch vorab geplant werden können, wie zum Beispiel Touren ins Büro. Derzeit steht der Service für die Mitarbeiter einiger in Karlsruhe ansässiger Firmen zur Verfügung. Interessenten können sich in eine Warteliste eintragen, um über den öffentlichen Launch informiert zu werden.

Neben RideSharing-Diensten, smarten Taxi-Apps und institutionellen Carsharing-Angeboten stellen Peer-to-Peer-Carsharing-Plattformen eine vierte Säule des neuen, digital vernetzten Mobiltätssegments dar: tamyca, Autonetzer, Nachbarschaftsauto und rent-n-roll heißen die aufstrebenden Startups, über deren Marktplätze Autos von Privatpersonen an Privatpersonen vermietet werden. Menschen, deren Kfz nur selten Anwendung finden, können diese für einige Tage anderen Personen überlassen und so nebenbei etwas Geld verdienen.

Während die diversen in letzter Zeit gegründeten Firmen das Thema Mobilität von verschiedenen Seiten aus angehen, vereint sie das gemeinsame Ziel einer besser koordinierten und nachhaltigeren Nutzung der vorhandenen Ressourcen. Nicht jedes Modell wird funktionieren, und nicht jedes genannte Startup wird überleben. Die grundlegenden Ideen jedoch unterstreichen, wie digitale Technologien sinnvoll zur Verbesserung und Neuordnung bestehender Verfahrensweisen eingesetzt werden und wie mit ihnen im Idealfall eine bessere Welt geschaffen werden kann.

(Foto: Flickr/Peter Blanchard, CC BY-SA 2.0)

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