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24.03.14Kommentieren

Mehr als ein smartes Fahrradschloss: Lock8 will Bikesharing revolutionieren

Mit einem intelligenten Fahrradschloss will das Startup Lock8 nicht nur die Zahl der Diebstähle senken. Das Gerät soll den Weg für eine weltweite Bikesharing-Community ebnen.

Es findet sich kaum noch ein Alltagsbereich, bei dem nicht onlinebasierte Dienste das Teilen von begrenzten Ressourcen vereinfachen und für einen breiteren Personenkreis ermöglichen. Das Segment der Zweiradmobilität weist diesbezüglich allerdings noch eine gewisse Jungfräulichkeit auf. Während sich eine beeindruckend große Zahl an Services der kollaborativen Nutzung des Autos verschreibt, gelten bei Fahrrädern weiterhin größtenteils traditionelle Spiel- und Nutzungsregeln. Bikesharing ist zwar durchaus ein Trend. Das Potenzial, das sich hierfür aus dem Internet ergibt, blieb aber bislang weitgehend ungenutzt. Das Startup Lock8 will das ändern.

Die von Franz Salzmann und  Daniel Zajarias-Fainsod gegründete Firma sorgte vor einigen Monaten für Beachtung, als sie auf der TechCrunch Disrupt Konferenz in Berlin mit ihrem intelligenten Fahrradschloss den ersten Preis holte. Das Gerät lässt Smartphones als Schlüssel fungieren, kann per GPS getrackt werden und soll Diebstähle mittels smarter Sensoren und unterschiedlicher Alarm-Modi verhindern. Doch den zwei Gründern geht es nicht nur um die Neudefinition des Fahrradschlosses.

Lock8 wird Bikesharing-Plattform

"Lock8 soll eine Plattform werden", erklärt Franz Salzmann die Vision. Das Schloss stellt lediglich das Mittel dar, um diese zu verwirklichen. Wer ein Lock8 erwirbt, kann das Produkt zwar simpel als per Smartphone gesteuertes Fahrradschloss verwenden. Die Macher das Startups hoffen aber, dass sich möglichst viele Nutzer für die integrierte Bikesharing-Funktionalität begeistern lassen. Salzmann bezeichnet diese gar als die wichtigste Eigenschaft von Lock8. Sie soll Privatpersonen und Unternehmen das unkomplizierte Vermieten oder Ausborgen ihrer Fahrräder erlauben. Ähnlich wie Airbnb temporär leerstehende Unterkünfte auf effiziente Weise zugänglich macht, will Lock8 die Millionen Fahrräder erschließen, die Tage oder Wochen ungenutzt herumstehen. Menschen, die spontan, etwa während des Besuchs fremder Städte, einen Drahtesel benötigen, werden per Lock8-App sofort ein Angebot an lokal verfügbaren Fahrrädern abrufen und das Objekt ihrer Begierde direkt buchen können. Auch eine Option für den An- und Verkauf von Rädern wird Teil der Anwendung sein. Manchmal erscheint es sinnvoller, einfach ein gebrauchtes Rad zu kaufen und später wieder zu veräußern, wenn man es nicht mehr benötigt, so Salzmann.

Noch existiert Lock8 nur als Prototyp. Die Produktion laufe nach Aussage von Salzmann gerade an. Für das dritte Quartal ist die Auslieferung der ersten Schlösser an die Unterstützer der erfolgreich abgeschlossenen Kickstarter-Kampagne vorgesehen. Im vierten Quartal soll dann der allgemeine Verkauf beginnen.

Geschäftsmodell mit vielen Erlösquellen

Lock8 gehört zu dem seltenen Typ Startup, dessen Geschäftsidee gleich eine ganze Reihe von Erlösquellen beinhaltet. Dazu gehören der Verkauf des Schlosses, ein Abo-Tarif zur Freischaltung erweiterter Schloss-Funktionen - etwa das Tracking abhanden gekommener Fahrräder sowie die Verleihfunktion - eine Vermittlungsgebühr für erfolgte Vermietungen oder Verkäufe von Fahrrädern über die Bikesharing-Plattform sowie das B2B-Geschäft. Lock8 plant, das Schloss auch professionellen Bikesharing-Diensten sowie Unternehmen anzubieten, die von der Technologie und Plattform profitieren möchten. Der Anschaffungspreis ist derzeit mit 249 Dollar noch hoch, werde aber sukzessive mit steigenden Volumina sinken, so Salzmann.

Paneuropäisches Startup

Angesichts der positiven Umsatzaussichten verwundert es nicht, dass das derzeit aus einem Team von 14 Leuten bestehende Startup noch vor dem Launch Kapital in siebenstelliger Höhe aufnehmen konnte. Neben Horizon Ventures und Otto Capital ist auch Christophe Maire beteiligt, der bei vielen jungen Startups aus Berlin seine Finger im Spiel hat. Allerdings handelt es sich bei Lock8 nicht um ein waschechtes Kind der deutschen Hauptstadt. Das Gründer-Duo ist österreichisch-englisch, die Arbeit geschieht in Büros im englischen Oxford, in Berlin und in Wien. Co-Founder Salzmann will sich auch nicht so richtig festlegen, in welcher Stadt der Dienst seine Heimat hat. Am sichersten wäre es daher, Lock8 als paneuropäisches Startup zu betiteln.

Beim Vertrieb wollen sich die Macher zuerst auf Europa und die USA konzentrieren. Mittelfristig möchten die Lock8-Gründer aber überall auf der Welt Bikesharing-Communities aufbauen, damit Nutzer sich rund um den Globus "on Demand" mit ihrem Mobiltelefon ein Fahrrad organisieren können.

Auch wenn die Hardware nur einen Teil der Lock8-Idee darstellt, so entscheidet ihr Markterfolg über das Gelingen des Gesamtplans. Franz Salzmann zeigt sich in Bezug auf das Produkt siegesgewiss: "Lock8 ist das geilste Fahrradschloss, das es im Markt geben wird". Sofern Fahrradbesitzer zu einem ähnlichen Urteil kommen und sich dazu entschließen, ihre Zweiräder auch ab und zu gegen eine Aufwandsentschädigung zu verleihen, erscheint ein Erfolg im Stile von Airbnb gar nicht so unwahrscheinlich. Geradelt wird immerhin überall auf der Welt. /mw

Link: Lock8

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