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15.01.10Leser-Kommentare

Medienwandel: Warum sich die Filmindustrie keine Sorgen machen muss

Geht es um die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Medienwelt, werden Musik- und Filmwirtschaft oft ähnliche Schicksale nachgesagt. Dabei kann die Filmindustrie eigentlich deutlich zuversichtlicher in die Zukunft blicken.

Die Musikindustrie war der erste Arm der Medienbranche, welcher von der Digitalisierung gründlich auf den Kopf gestellt wurde. Spätestens mit dem Aufkommen von Napster um die Jahrtausendwende herum entwickelte sich das illegale Herunterladen von urheberrechtlich geschützten Songs und Alben zu einem Massenphänomen.

Vergleichsweise geringe Dateigrößen sowie ein Qualitätsunterschied zwischen CD und MP3, der nur von relativ wenigen, audiophilen Musikliebhabern wahrgenommen und geschätzt wurde, sorgten für einen dramatischen Strukturwandel, auf den die Plattenfirmen in keiner Weise vorbereitet waren.

Selbst wenn sich von der Musikwirtschaft unterstützte oder betriebene Download- und Streamingangebote in den letzten Jahren recht gut gemacht haben und mittlerweile zu nennenswerten Umsätzen führen, so können diese das Wegbrechen der Verkäufe physischer Tonträger bei weitem nicht ausgleichen.

Die Musikwelt wandelt sich, und während Künstler mit alternativen Monetarisierungswegen experimentieren und durch das Web sogar auf eine Eigenvermarktung setzen können, suchen Plattenfirmen verzweifelt nach ihrer zukünftigen Existenzberechtigung. Ob sie diese finden werden, ist ungewiss.

Nach der Musikbranche wird es demnächst auch anderen Sektoren der Medienindustrie an den Kragen gehen. Neben Zeitungen und der Buchbranche, die in unterschiedlichen Stadien ihrer notwendigen Neuerfinderung sind, wird gerne auch die Filmindustrie als nächstes Opfer der Digitalisierung identifiziert. Durch schnellere Internetverbindungen werden illegale Filmdownloads immer salongfähiger, was zu einem Einbruch beim Verkauf physischer Kopien (DVD, Blu-Ray Disc) führt - der Anfang vom Ende, so hört man es manchmal. Wirklich?

Ich bin der festen Überzeugung, dass die Filmebranche deutlich besser mit der Digitalisierung und ihren Folgen klarkommen wird als ihre Kollegen der musikmachenden Zunft. Vier wichtige Argumente stelle ich im Folgenden vor:

1. Erlebnis Kinobesuch

Ich gehe mindestens zweimal im Monat ins Kino. Und das, obwohl ich dank eines vernünftigen Fernsehers und eines schnellen Internetanschlusses theoretisch genügend Optionen habe, mir Filme meiner Wahl im heimischen Wohnzimmer anzuschauen. Das mache ich auch gern, aber einen Kinobesuch schlägt kein noch so überdimensioniertes Heimkino.

Zum einen ist das visuelle Erlebnis häufig einfach besser (Stichwort Avatar 3D), zum anderen ist auch die soziale Komponente nicht zu unterschätzen. Etwas zu unternehmen, gemeinsam mit vielen anderen Menschen einen spannenden Streifen zu verfolgen, und danach vielleicht noch etwas Trinken zu gehen, unterscheidet sich grundlegend von einem Filmeabend zu Hause. Der ist auch nett - aber anders.

2009 war ein Rekordjahr sowohl für deutsche als auch für US-amerikanische Kinos, mit deutlichen Besucher- sowie Umsatzzuwächsen. In 50 Jahren werden wir Filme vielleicht über einen Chip direkt ins Hirn projizieren können - bis dahin jedoch sehe ich für Filmhäuser wenig Grund zur Sorge.

2. Begrenztes Angebot

Ich kenne Dutzende Personen, die mehr oder weniger gute Musik machen und damit am liebsten ihren Lebensunterhalt bestreiten würden. Filmemacher in meinem erweiterten Umfeld kann ich dagegen an einer Hand abzählen. Die Auswahl an Musik ist enorm, die Austauschbarkeit vieler Stücke ebenso. Filme dagegen, vor allem gute Werke, sind ein knappes Gut.

Für knappe Güter, die noch dazu einen quantitativ und qualitativ höheren Unterhaltungswert mich sich bringen (längere Dauer eines Filmes, Ansprache zweier Sinne statt einem), ist die Zahlungsbereitschaft grundsätzlich höher. Dies gilt für Kinobesuche, aber auch für kostenpflichtige Streams und Filmdownloads, die in Zukunft noch üblicher werden.

3. Nutzen-Aufwand-Verhältnis illegaler Downloads

Das illegale Herunterladen eines Blockbusters ist zu umständlich, als dass es auf kurze Sicht zu einer echten Gefahr für die Filmbranche werden könnte. Nicht nur die Geschwindigkeit und eventuelle Trafficbegrenzungen des Breitbandanschlusses können sich hier als hinderlich erweisen, sondern auch variierende Bildqualität, unterschiedlichste Dateiformate, die Notwendigkeit der Installation von Video- und Audio-Codecs sowie die in vielen Haushalten fehlende Verbindung vom Rechner zum Fernseher.

Was für versierte Downloader und Power-User kein Problem darstellt, überfordert die meisten Durchschnittsnutzer. Oder es nimmt so viel ihrer Zeit in Anspruch, dass ein negatives Nutzen-Aufwand-Verhältnis entsteht.

4. Großes Entwicklungspotenzial von Filmen

Die Digitalisierung eröffnet der Branche aus produktionstechnischen Gesichtspunkten unzählige neue Möglichkeiten für innovative und kreative Filme. Der sich abzeichnende 3D-Boom ist ein Beleg dafür. Während ich mir nur sehr schwer vorstellen kann, wie sich Musik in den nächsten Jahrzehnten weiterentwickeln will, liegen den Filmstudios die nach immer neuen visuellen Leckerbissen lechzenden Zuschauer regelrecht zu Füßen. Eine bessere Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg gibt es kaum.

Fazit

Sicherlich wird das Wegbrechen der DVD-Verkäufe sich anfangs schwer durch webbasierte Video-on-Demand- und Downloadservices ausgleichen lassen. Und auf Videotheken, die sich im weiteren Sinne auch zur Filmindustrie rechnen lassen, kommen harte Zeiten zu. Im Großen und Ganzen jedoch bietet die digitale Revolution für die Filmindustrie mehr Chancen als Risiken - und auch für die Zukunft eine solide wirtschaftliche Grundlage.

(Foto: stock.xchng)

Kommentare

  • juliaL49

    15.01.10 (11:53:44)

    Beim ersten Punkt sehe ich noch eine Möglichkeit, die Kinobesitzer leider viel zu selten nutzen: Originalversionen zeigen! Gerade bei digitalen Vertriebswegen sollte es kein großer Aufwand sein, die Filme im (meist) englischen Original zu zeigen. (Rechtlich auch nicht, oder?) Gerade weil durch DVDs die Konsumenten daran gewöhnt sind, besteht durchaus ein Publikum dafür.

  • Martin Weigert

    15.01.10 (11:57:13)

    Stimmt, hab ich ganz ausgeblendet, weil hier in Schweden ohnehin nur Originalversionen laufen. Dürfte aber für Deutschland und andere Märkte mit Synchronisierungs-Tradition gelten.

  • Matthias Jakel

    15.01.10 (12:44:40)

    Aus meiner Sicht sind die Filmstudios aber schon an der bisherigen Situation selbst schuld: 1. Wieso kostet das Ausleihen eines Filmes via iTunes, Videoload etc. mehr als wenn ich mir die DVD aus der Videothek hole, wo die Qualität besser ist, die Extras dabei sind und ich mehrere Sprachen verfügbar habe? Das ist das erste große Problem. 2. Außerdem sind die Leihfilmangebote nur sehr eingeschränkt. Es gibt längst nicht jeden Film. Außerdem haben Mac User meistens komplett ausgeschlossen. Übrigens sinkt das Nutzen-Aufwand-Verhältnis extrem. Kino.to hat es vorgemacht und ist nur deswegen so erfolgreich. Es ist so einfach und damit massentauglich geworden Filme illegal im Netz zu schauen. In der Warez Szene wird es weiterhin Innovation geben und demnächst wird es noch einfacher und noch massentauglicher sich Filme im Netz streamen zu lassen.

  • Martin Weigert

    15.01.10 (12:59:13)

    Ich geb dir recht, die Filmstudios haben hier natürlich viel versäumt. Wo ist der global erreichbare Video-on-Demand-Dienst mit einem Riesenangebot an Filmen in verschiedenen Sprachen, toller Qualität, günstigen Preisen und bequemer Zahlungsweise?! Allerdings denke ich nicht, dass das Fehlen eines solchen Angebots der Industrie bisher groß geschadet hat (da eben noch genug DVDs zu richtig hohen Preisen verkauft werden). Was letztlich der Grund für die Versäumnisse sein könnte - die Branche ist sich ihrer vergleichsweisen gute Stellung (Argumentation siehe oben) bewusst. Klar gibt es Kino.to und ähnliche Seiten. Aber der Qualitätsunterschied zwischen einem niedrig aufgelösten Stream auf Kino.to, den man erst nach dem Wegklicken verschiedenster Popups, LayerAds und Fake-Systemfenster ansehen kann, und einem Film im Kino oder in exzellenter Qualität auf DVD ist so groß, dass meiner Ansicht nach Streamingsites eher eine Ergänzung zum als eine Konkurrent für legale Angebote der Filmindustrie (Kino, DVD/Blu-Ray, Streaming) sind. Die Hoffnung auf bessere Video-on-Demand-Services (Kriterien siehe oben) besteht natürlich weiterhin. Und wartet die Branche hier zu lange, könnte sich das natürlich noch rächen.

  • Matthias Jakel

    15.01.10 (13:07:04)

    Es könnte aber sein, dass die Filmindustrie den richtigen Zeitpunkt verpasst indem sie hätte stärker auf das Internet setzen sollen. Wenn sie sich bewusst ist, dass dort demnächst ein Umbruch statt findet und sie vorbereitet ist, dann ist doch alles ok, wenn sie aktuell noch Video on Demand zurück halten um mit der DVD mehr zu verdienen. Du hast vollkommen recht mit Kino.to. Ich finde diese Seite grotten schlecht. Außerdem gibt es Abzockerwerbung etc. aber trotzdem war es ein Fortschritt im Gegensatz zur Situation davor und es wird weitergehen, dass es einfacher wird Streams anzuschauen.

  • André Luce

    15.01.10 (13:19:00)

    Schön, so einen optimistischen Artikel zu lesen, das macht auch mal wieder Spaß. Anmerken möchte ich folgendes: der Kinobesuch mit allem was dazugehört und wie von dir beschrieben ist "quasi" das Konzerterlebnis der Musik - und das funktioniert bei dieser auch noch ganz ordentlich. Anders wäre die Situation, wenn Filmtrailer Geld kosten würden. Noch immer sind Kinos mit analogen Projektoren bestückt, ein wesentlicher Grund wird die so gehaltene Markteintrittshürde für andere als große und potente Studios und Verleiher sein, die dank hoher Kopiekosten von Filmrollen den Markt weiterhin unter sich aufteilen dürfen. Wären plötzlich "Beamer" im Kino hätte jeder die Möglichkeit einen Film zeigen zu können. Ich glaube schon, dass die Digitalisierung der Projektionstechnik die bestehenden Strukturen verändern wird, und mehr Organisationen als vorher teilhaben werden - wie es auch bei der Musik war und ist. Dies führt dann zu einem diverseren Publikum/Angebot bis hin zur Indvidualisierung.

  • Petar

    15.01.10 (13:20:21)

    Die Filmindustrie steht vor dem gleichen Problem wie die Musikindustrie. Genau wie der Live-Auftritt ist ein Kinobesuch einzigartig, da sehe ich nicht das Problem. Die Cash Cow der Filmindustrie ist der DVD Verleih/Verkauf und nicht das Kino, und die Umsätze daraus fallen genau so wie die Verkäufe von Musik-CDs. Aus meiner Sicht bleibt daher die Frage ob die Filmindustrie die Vorteile der Digitalisierung nutzen wird oder versuchen wird Streaming-Geschäftsmodelle eher zu unterdrücken bzw. künstlich teuer zu halten.

  • Gunther

    15.01.10 (13:23:17)

    Die analyse kann ich grundsätzlich so gut unterschreiben, die Filmindustrie hat mit dem Kino dem Publikum etwas zu bieten, was sich nur schwer imitieren lässt. Hier sollte die Branche wirklich darauf setzen, auf Qualität des Gesamterlebnisses zu setzen anstatt den Kinogängern manchmal das Gefühl zu geben in einer Massenabfertigung zu sitzen (und dabei vielleicht sogar noch unter Beobachtung stehen). Weiterhin muss man bedenken, dass im Vergleich zum Kino die Umsätze mit DVDs nahezu doppelt so hoch sind in Deutschland. In anderen Ländern ist die Situation soweit ich weiss ähnlich. Wenn also irgendwann die DVD-Umsätze wegbrechen, haben die wohl trotz Kino ein Problem. Und die ganzen Nachteile der illegalen Kino-"Kopie" fallen bei DVDs bekanntermaßen ja weg, ein größerer Einbruch bei den Umsätzen ist also nicht unmöglich.

  • Martin Weigert

    15.01.10 (13:27:11)

    @ André & Petar Der Unterschied zwischen Konzert und Kino ist, dass beim Konzert die Labels - also das bisherige "Herzstück" der Musikindustrie (neben den Interpreten natürlich) - herausgedrängt werden. Das geschieht bei Filmen und Kinos so nicht. Ohne Filmproduzenten geht nichts. Und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern, weil der Film eben etwas ist, was nicht "live" aufgeführt werden kann wie ein Konzert. Petar, dann wird halt zukünftig das Kino die neue Cashcow. Ich denke schon, dass es möglich ist, weiterhin mehr Menschen in die Kinos zu locken (aus oben genannten Gründen). Der Unterschied ist, dass beide Branchen durch den Wegfall physischer Medien herausgefordert werden, jedoch die Filmbranche stets den "Rückhalt" des Kinos hat. Im Musikbereich hingegen lösen sich Interpreten von ihren Labels und machen die Konzerte auf eigene Faust. Sprich, statt den Labels sind dann plötzlich die Konzertveranstalter das neue Herzstück der Musikindustrie. @ Gunther Absolut, sehr wichtiger Punkt. Das Gesamterlebnis muss stimmen. Einfache Buchung, modernes Kino, gute Organisation, freundliches Personal usw. (bezahle hier in Stockholm neuerdings meist 20 schwedische Kronen extra für mehr Beinfreiheit. Gibt nichts Besseres).

  • Medienexperte

    15.01.10 (14:55:37)

    Grosse Blockbusterproduktionen und Actionfilme werden wohl weiterhin Ihre Zuschauer ins Kino locken. Die Sound- und Bildqualität eines Multiplexkinos ist im Vergleich zu einer privaten Filmausstattung um einiges besser. Aber für Autorenfilme, Arthaus und Low-Budgetproduktionen bei denen die Spezialeffekte nur eine Randbedeutung haben, wird die Konkurrenz aus dem Internet wohl immer schwerer. Ich denke, dass es eine Spreizung geben wird, und leider das gute alte Autorenkino darunter zuerst leiden wird. Letztlich hängt es von der Qualität der Filme ab. Ausserdem hängt es von der Qualität der Konkurrenzangebote im Internet ab. Gewöhnt man die Nutzer an ein einfaches zeitflexibles Video-On Demand Angebot, dann wird für sie auch das Kino unwichtiger.

  • izanagi

    15.01.10 (15:01:31)

    Zu der O-Ton-Debatte: Genau das habe ich in einem Interview mal einen unabhängigen Kinobetreiber gefragt bzw nerve damit mein Stammkino. Das Problem liegt aber wohl in den Lizenzen: Die Kinobetreiber müssen Blockbuster oftmals so abnehmen, wie ihnen das der Filmverleih diktiert. Da heißt es dann "Wenn du Film X haben willst, dann musst du ihn 4 Wochen lang im größten Saal zeigen" (Klar, so lassen sich natürlich immer gute Rekorde und Besucherzahlen einfangen). Das Problem beim O-Ton ist wohl, dass der Film dann eine eigene Kopie ist, die genauso behandelt werden muss. Wenn also Film X im O-Ton gezeigt werden soll, dann muss das auch 4 Wochen lang im größten Saal passieren. Und dafür ist nun wirklich kein Mark, eine O-Ton-Vorstellung mal hier, mal da, wäre ja noch machbar, aber das scheint wohl an den Filmverleihen zu scheitern. Oh, und wenn Filme aus dem Kino kommen, dann darf das Kino die auch nicht behalten, sondern muss die wieder einschicken. Also muss es auch alte Filme erst wieder ordern, was die Kosten in Höhe treibt und so das Spielen von alten (O-Ton-)Filmen ebenfalls schwieriger macht. Wie gesagt, das habe ich so von einem unabhängigen Kinobetreiber gehört.

  • Martin Weigert

    15.01.10 (15:02:11)

    @ Medienexperte Klar, Sound- und Bildqualität sind bei Independent-, Kunst- und weniger kommerziellen Filmen nicht so wichtig. Aber der Aspekt des sozialen Kinoerlebnisses bleibt. Kein Mensch wird immer nur in seiner Wohnung hocken wollen. Und gerade höher gebildete, intellektuelle und alternative Zuschauer sitzen ungern den ganzen Tag auf der heimischen Couch. In sofern glaube ich persönlich nicht, dass es für kleinere Kinos schwerer werden sollte, als es heute ist. Zumindest auf Nachfrageseite sehe ich da nicht die Gefahr eines größeren Einbruchs.

  • Medienexperte

    15.01.10 (15:13:02)

    Natürlich ist der Wert des soziale Erlebnis eines Kinobesuches hoch einzuschätzen. Aber ich muss oft feststellen, dass viele kleine Puschenkinos eine Minileinwand haben, und ich mir oft denke, dass kann ich mit meinem 200 € Flatscreen Monitor zu Hause genauso haben. Es ist auch eine Frage der Angewöhnung. Beim Fernsehen stelle ich bei mir mittlerweile schon fest, dass ich mein Leben weniger nach dem Fernsehprogramm ausrichte, da ich Serien, Talkshows und Nachrichten nach Ausstrahlung permanent im Netz abrufen kann. Diese Zeitflexibilität ist ein Stück Lebensqualität Das gilt vielleicht auch irgendwann fürs Kino, wo man einfach keinen Druck mehr hat etwas zu verpassen, da in 3 Monaten der Film als DVD herauskommt, und irgendwann auch online zu sehen ist. Ich sehe auch viele Formate viel mehr in Bruchstücken. Das heisst, ich breche es aus Zeitgründen ab. Das wird irgendwann dann so sein, dass wir uns erst etwas auf dem Notebook anschauen, dann auf dem Smartphone oder Tablet in der S-Bahn weiterschauen, und dann zuhause weiter übers Notebook.

  • Gast

    15.01.10 (15:59:11)

    Kleiner Einwand: Ihr überseht eine ganze Bevölkerungsschicht. Das sind die, die überhaupt nicht gerne ins Kino gehen, von denen ich viele kenne und zu denen ich auch gehöre. Zwanzig Kilometer einfache Fahrt, dann lange Schlangen an den Kassen nur um dann hinter einem Hühnen, neben einem Chips-Esser zur linken, einer Quasseltasche zur rechten Seite und vor einem Fußtreter zu sitzen?! Es gibt auf den einschlägigen Seiten neben den neuen Filmen in schlechter Qualität auch tausende ältere Filme als Original DVD zum Download. Um die zu Brennen muss man wahrlich kein Computerspezialist sein. Wobei mir eigentlich kein Film einfällt, der zum offiziellen Kinostart nicht auch in guter Qualität verfügbar gewesen wäre. (Absichtlich umformuliert:)Ich habe gehört, es soll Leute geben, die sich damit ihr eigenes Kino machen. Vor dem heimischen Großbild-TV im Fernsehsessel. Ganz ohne Stress.

  • Martin Weigert

    15.01.10 (16:28:46)

    Klar, gibt's. Aber wiegesagt - die wenigsten wollen ständig nur zu Hause rumsitzen. In deinem Fall liegt das Problem ja eher auf Angebotsseite - Kino zu weit weg, lange Schlange etc. (ok gegen die Quassler und Chipsesser kann man wenig machen *g)

  • Daniel Niklaus

    16.01.10 (00:25:25)

    Weder kino.to noch simpsons.to sind für den unbedarften Kunden eine grosse Hürde und einschlägige Rotlichtseiten sind genauso einfach aufzusuchen und das sogar, ohne peinlich rot anzulaufen, wenn man den Film abholt. Ja, Filme kosten viel mehr und es gibt weniger Filme als Musikstücke. Aber 400-600 Hollywood Filme, 3'000 Bollywood Filme und unzählige Free-Serien und TV Filme im Jahr sind doch ein üppiges Angebot. Dazu mögen Kinofilme länger dauern, aber ist ein Film einmal gesehen, ist er meist durch. Während man dasselbe Musikstück mehrfach hören kann und Musik zusätzlich ein Begleitmedium ist. Etwas gewagt ist auch die Wertigkeit an den Kino Ticketpreisen zu messen. Die sind nämlich deutlich günstiger als ein U2 Eintritt, wo das günstigste Ticket für 90 Euro verkauft wird. Wie oben gesagt, Kino ist für "junge" Leute zwischen 14 und 28. Nachher sinkt die Kurve dramatisch. Die Filmindustrie muss sich was einfallen lassen. Zum Beispiel die Onlinevideothek von Sony nicht nur in Deutschland zu starten...grrrr...ch

  • Martin Weigert

    16.01.10 (10:35:33)

    Sicher hört man ein Musikstück mehrmals - aber bezahlt wird wenn überhaupt dennoch nur einmal. Wie oben schon geschrieben - kino.to und simpsons.to sind zwar extrem benutzerunfreundlich, aber sicherlich für viele keine Hürde. Sie sind aber auf ein ganz anderes Nutzungsszenario zugeschnitten. kino.to ist das Wienerwürstchen, ein Film in HD im Kino oder zu Hause das Dreigängemenü. ;) Zum Thema Konzert: Ja, Tickets sind viel teurer. Aber man geht eben auch nicht zweimal im Monat zu einem Konzert (die wenigsten jedenfalls). Das Geld wandert damit in die Tasche eines einzelnen Interpreten und Veranstalters. Zudem würde ich basierend auf eigener Erfahrung behaupten, dass es weniger Konzertgänger als Kinogänger gibt. Ich weiß nicht, ob du das unterstreichen willst? Aber davon abgesehen gibt es wie bereits erwähnt natürlich Bedarf an innovativen, legalen Streamingangeboten. Großen Bedarf.

  • Daniel Niklaus

    16.01.10 (11:07:03)

    Auf die schnelle fand ich folgende Zahlen zahlen: Kino setzt in Deutschland rund 800 Millionen Euro im Jahr um. In den beiden Berufsverbänden der deutschen Live-Entertainment-Branche sind insgesamt rund 500 Agenturen, Tournee- und Konzertveranstalter zusammengeschlossen, die im Jahre 2007 mit dem Verkauf von über 50 Millionen Eintrittskarten einen Umsatz von rund 3,8 Milliarden Euro erwirtschaftet haben.

  • Martin Weigert

    16.01.10 (11:16:00)

    Ja ich hab ja einen Link zu den aktuellen Kinoumsatzzahlen im Artikel: 965 Millionen Euro. Dass der Umsatz der Konzertveranstalter höher ist, ist angesichts der Preise und der Tatsache, dass da ja neben klassischen Konzerten auch Club-Gigs etc mit reinzählen, nicht verwunderlich. Das Veranstaltungsbiz ist die Zukunft der Musik, aber wie oben beschrieben, bekommen die Labels wenig von diesem Kuchen ab. Die Konzertveranstalter sind das neue Herzstück und die finanziellen Profiteure der "Musikbranche 2.0". Was uns zurück zu meiner These im Artikel führt, dass sich die Filmbranche nicht die gleichen Sorgen machen muss, weil dort für immer die Filmstudios das Herz bleiben werden - da ein Film anders als ein Konzert nicht zum Zeitpunkt der Aufführung produziert wird, sondern vorab.

  • ph

    16.01.10 (11:54:25)

    Wenn Du den Film im Kino sowieso schon mit der Musik im Konzert vergleichst, warum ist dann noch keiner auf eine Idee gekommen (bzw. hat sie umgesetzt), die wir letztlich (nach dem Besuch von Avatar) hatten? Bei Konzerten werden vorher und nachher T-Shirts, CDs und anderer Merchandise-Krempel zu horrenden Preisen verschachert. Inzwischen ist man sogar soweit, dass man den Live-Mitschnitt während der Zugabe auf USB-Stick vervielfältigt, so dass der Besucher direkt nach der Vorstellung das Erlebte mitnehmen kann. Wodurch hier die Umsätze gemacht werden? Euphorie! Die Spannung vorher und die Begeisterung nachher. Warum ist das im Kino nicht genauso? Neben Popcorn und Will-noch-jemand-ein-Eis könnte genauso gut noch ein kleiner Stand die Produkte zum Film an den erregten Besucher bringen. Und wenn man schon soweit ist, dann sollte es in Zeiten der immer währenden Gleichzeitigkeit auch möglich sein direkt die DVD oder Blue-ray anzubieten. Wieso es da die zeitliche Verzögerung im Vertrieb gibt ist für mich schon seit Jahren schleierhaft. Wenn das optische Medium nach Monaten im Regal des Elektrofachmarktes liegt ist doch der Hype um den Streifen schon längst gelaufen. Muss man sowas nicht nutzen?

  • Martin Weigert

    16.01.10 (11:56:26)

    Darauf würde ich klar antworten: Definitiv. Eigentlich ein No-Brainer. Was könnte dagegen sprechen bzw. der Grund sein, dass dies bisher nicht passiert ist? Logistisch für die Kinos zu umständlich? Kaufinteresse der Zuschauer zu gering?

  • Daniel Niklaus

    16.01.10 (14:12:09)

    Was mich immer wieder erstaunt, für wie dumm man hier die Medienindustrie hält. Die Star Wars Filme 1-6 setzten ca. 4.3 Milliarden um. Mit Merchandising setzte Star Wars geschätzte 20 Milliarden um. Disney und Warner verdienen mit Freizeitparks Geld (zwischendurch verlieren sie auch). Die Simpsons gibts in allen erdenklichen Varianten. An Weihnachten funktioniert das Crossselling zwischen McDonalds und Disney hervorragend. Und das Lizenzgeschäft in Deutschland ist auch schon bei über 200 Millionen.

  • CarolinN

    16.01.10 (14:19:11)

    Kann dem Optimismus nur zustimmen. Unter den weltweit erfolgreichsten Kinofilmen (nach Umsatz) stammen vier aus den letzten sechs/sieben Jahren. #1 ist nach wie vor 'Titanic', aber der Abstand schrumpft: 'Avatar' ist nur noch 400 Mio. Dollar hinter dem Spitzenreiter. Natürlich darf man nicht vergessen, dass zum einen Kinopreise ohnehin um einiges verteuert wurden in den letzten Jahren; und dass natürlich 3D seit letztem Jahr sein Übriges tut. Hauptsache, es gibt auch weiter eine andere Form von Filmen, die eben nicht auf diese technische Komponente setzen, um dem Zuschauer höhere Ticketpreise schmackhaft zu machen.

  • Martin Weigert

    16.01.10 (14:20:56)

    Und was mich wundert, wie ungenau manch einer liest und für wie schlau sich manch einer hält ;) ph hat Merchandising am POS (Point of Sale) gemeint, nicht Merchandising generell.

  • Daniel

    16.01.10 (14:37:13)

    Ein guter Artikel zu einem Thema, das mich sehr interesiert. Doch wie schon "Medienexperte" gesagt hat kann man vor allem in Bezug auf Nischenfilme auch Gegenargumente einbringen. Ich habe das in einem Artikel für mein eigenes Blog getan, der als direkte Antwort auf deinen Artikel konzipiert ist: Warum sich die Filmindustrie Gedanken machen sollte. Ich hoffe, dass einige Entscheider aus der Filmbranche die Diskusion hier verfolgen und sich anfangen, Gedanken zu machen.

  • Daniel Niklaus

    16.01.10 (14:57:06)

    sorry hätte fertig schreiben müssen. ...glaubt ihr, die Filmindustrie hat den POS noch nicht ausprobiert?

  • ph

    16.01.10 (17:49:19)

    Hier und da ist POS sicherlich schon ausprobiert worden, aber gerade den direkten DVD-Verkauf fänd ich definitiv interessant und dort vermute ich, dass alt eingesessene Vertriebsstrukturen definitiv gegengehalten werden. Und ja: An solchen Punkten halte ich die Medienindustrie definitiv für dumm. Das liegt auch nicht an der Dummheit des Einzelnen, sondern der Größe der Strukturen und der daraus resultierenden Anzahl von Bedenkenträgern.

  • Daniel Niklaus

    16.01.10 (23:25:53)

    Ja und nein. Es gibt eben nicht DIE FILMINDUSTRIE, sondern das sind einzelne Gruppen, die um ihre eigenen Interessen kämpfen. Deine Forderung nach einer schnellen Veröffentlichung versuchten die Verleiher vor 3 Jahren durchzuziehen, dagegen wehrten sich die Kinoketten aufs Heftigste. Aus Sicht der Kinokette macht eine frühe DVD Veröffentlichung absolut keinen Sinn.

  • ph

    17.01.10 (03:38:47)

    Man müsste den Spieß natürlich umdrehen. Dass die Kinos auf die Barrikaden gehen, wenn die Medienmärkte ihnen die Kinobesucher abgraben, ist ja klar. Die Kinos müssten natürlich exklusiv als erstes die DVD anbieten dürfen. Sonst wäre die ganze POS-Euphorie ja auch dahin, weil man ja immer noch sagen könnt: »Fliege ich morgen zum Saturn und hol mir den Film dort.« Ich denke, dass es dann für die Kinobetreiber schon sinnvoll ist, weil man sich noch was dazuverdient. Allerdings könnte es sein, dass danach die Elektro-Ketten mit dem Boykott anfangen und genau das meine ich mit »Größe der Strukturen und der daraus resultierenden Anzahl von Bedenkenträgern«. Es wird immer einen geben der weint, die Frage ist nur wie lang der Hebel ist, an dem er sitzt.

  • Medienexperte

    17.01.10 (18:40:57)

    Wenn ich mir die Diskussion anschaue, muss ich selber zu folgenden Schlussfolgerungen kommen: - Die Filmindustrie muss sich sorgen machen, da durch den Fortschritt des Internets, der Fortschritt der Technik insbesondere bei Displays (immer günstigere und bessere Flachbildschirme :TFT -> LCD > LED) den Preisen der Technik (halbwegs passable Ausrüstung gibt es schon für wenige hundert Euro), den höheren Bandbreiten (UMTS-> LTE ; DSL -> VDSL), es immer leichter wird Filme auch ohne Kinobesuch zu sehen. - Man muss gar nicht mehr aus dem Haus, die Zahl der Streamingangebote wird immer größer. Das gilt nicht nur für Fernsehsender oder Produktionsfirmen. - Es gibt immer mehr Direktangebote von Produzenten (z.B. Brainpool mit guten Comedyformaten mit myspass.de)ohne Beteiligung eines Fernsehsenders. Warum sollen nicht große Verleiher oder Produktionsfirmen wie Constantin Film oder X-Filme eine deutschsprachige VoD Plattform für Ihre Filme (vor allem ältere Filme) haben (siehe Hulu in den USA).Und dadurch haben sie Einnahmen mit Werbung oder Payperview. Dann sparen sich Konsumenten auch die Spanne des Zwischenhändlers. - Wir Menschen haben eine begrenzte Aufmerksamkeit. Je mehr Zeit wir auf VoD Plattformen abhängen, umso weniger Zeit haben wir vielleicht auch für Kinos - Soziale Netzwerke und das Internet haben eine stärkere Filterfunktion für Zuschauer. So war das erste Wochenende des Films Bruno von Sascha Baron Cohen (Borat) sehr bescheiden aufgrund schlechter Twitter- und Internetkritiken trotz immensen Marketings. Habe mir selber den Film in einer 20 Uhr Vorstellung eines Wochentages (ich glaube es war mittwoch) in einem zentralen Kino einer Deutschen Millionenstadt angeschaut. Es waren höchstens 10 Leute im Kino bei mindestens 200 Plätzen Fassungsvermögen. Viele Filme bieten oft keine Vorpreviews für Journalisten mehr an, um den Zeitraum schlechter Kritiken durch klassische Medien zu verringern. - Viele Innovationen wie 3D wird es auch bald beim Fernsehen geben. Bei der diesjährigen CES in Las Vegas war das der große Trend. - Immer mehr große Online Portale haben auch ein VoD Demand Angebot als Zusatzeinnahme z.B. habe ich neulich das Bild Film angebot entdeckt (http://film.bild.de/) - Das Nutzungsverhalten gegenüber Filmen wird anders, man verpasst ja eh keinen Film mehr , wenn man nicht ins Kino geht, weil das Internet zu einem unendlichgroßen und zeitlich unbefristeten Film und Videoarchiv wird. Gute Filme werden immer irgendwie zu sehen sein. Entweder durch regelmäßige Wiederholungen im Fernsehen, oder als VoD/DVD (so geht es mir). - Ein GEfühl der Belanglosigkeit gegenüber Filmen kann entstehen durch Reizüberflutung. Gilt schon für Musik. Sowie jeder von uns ein Gefühl der Belanglosigkeit und Überforderung gegenüber Musik hat (jeder hat dutzende GB Musik auf seinem Rechner, mit Internetradios lässt sich alles hören). - Der ökonomische Trend dass Filme im Überfluss und zu jedem Zeitpunkt abrufbar sind, individualisieren den Filmkonsum immer mehr. Nur wenn Produzenten das Angebot knapp halten und qualitativ hochwertige Filme drehen, können sie Zuschauer ins zu bezahlende Kino locken. - Das Kino wird natürlich nicht aussterben, aber es wird anders. Freitagabendvorstellungen und Samstagsvorstellungen werden weiterhin voll bleiben. Die Leute wollen sich nach der Arbeit treffen und zusammen beim Start ins Wochenende einen Film anschauen (Stichwort soziales Ereignis). Technisch aufwendige Blockbuster werden ihre Zuschauer locken aufgrund der technischen Überlegenheit des Kinos (Avatar, Titanic etc.). Der Grundkonsum von Film wird aber anders.

  • Robert

    18.01.10 (08:05:34)

    Ich denk auch, dass die Filmindustrie auch in einigen Jahren noch sehr gut davon leben kann. Da würde ich mir auch keine Sorgen machen. Ein Kumpel von mir arbeitet als Schauspieler, meist kleinere Rollen, aber das zahlt sich echt aus. Wahnsinn, wie viel Kohle solche Mini Blockbuster schon teilweise einbringen. Die habens schön. :-)

  • Kolja

    25.01.10 (17:38:29)

    Ich glaube der Ticketpreis ist ein wesentlicher Faktor, der diese Listen verzerrt. Inflationsbereinigt ist "Gone With the Wind" der erfolgsreichste Film aller Zeiten. "Avatar" folgt auf Platz 26, "Titanic" auf Platz 6, immerhin. Aber allzusehr Ausruhen kann sich die Film-Branche nicht auf James Camerons Erfolgen. Nicht jeder kann so ein Budget mobilisieren und hat soviel Zeit zur Fertigstellung.

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