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12.08.07Kommentieren

medienlese - Der Wochenrückblick

Am Ende der abgelaufenen Woche erzählt uns die Süddeutsche Zeitung (dieses Medium, das neulich eine 100-teilige Bildergalerie der 100 besten Biere der Welt auf ihrer Website veröffentlicht hat) etwas über Relevanz. Über die Relevanz der deutschen Blogosphäre, um genau zu sein. Die sei nämlich quasi nicht vorhanden, schlussfolgert behauptet der Autor Johannes Boie, aufbauend auf der ein oder anderen zutreffenden Beobachtung und einem Interview mit dem Soziologen Jan Schmidt, aber davon abgesehen weitgehend ohne Quellenangabe. So können wir leider nicht nachvollziehen, wieso Boie überhaupt auf die Prämisse gekommen ist, dass "die deutsche Blog-Szene eine Alternative zu den etablierten Medien werden" wolle. Und wieso er vergessen hat, dass er für einen anderen Artikel schon mal mit Jan Schmidt gesprochen hat und damals über ihn schrieb:

"Er sagt, die meisten der Netzautoren hätten gar kein Interesse daran, die etablierten Massenmedien abzulösen."

Schon vergessen, Kollege? Der Artikel in der Süddeutschen erschien übrigens unter dem Titel "Abgebloggt". Ein spitzenmäßiges Wortspiel, finden wir, die etablierten Medien sind halt einfach sowas von weit vorne.

Zum Glück passierte auch noch Relevantes in der vergangenen Woche.

Rupert Murdoch überlegt weiterhin, ob sein neuester Einkauf, das Wall Street Journal, zukünftig frei zugänglich im Netz stehen soll. Die New York Times überlegt nicht mehr, sondern hat schon gemacht: Ihr Angebot TimesSelect wird kostenlos. Angesichts dieser Entwicklungen rechnete Blogwerk-Kollege Andreas Göldi am Beispiel der Neuen Zürcher Zeitung mal aus, ob es sich unter dem Strich überhaupt lohne, ganz auf Online zu setzen und das Printgeschäft einzustellen. Gewisse Ministerien und PR-Agenturen müssten da nur geringfgig umdenken: Anstelle von Print-Anzeigen müssten sie einfach Skyscraper oder andere Werbebanner in Aussicht stellen im Gegenzug für redaktionelle Berichterstattung.

Da müsste man sich eigentlich freuen, wenn die Einflussnahme auf Redaktionen nur dadurch versucht wird, dass man ihnen paketweise Pornoprodukte zuschickt. Offline-Spam sozusagen, ein Alptraum für Handelsblatt-Redakteur Thomas Knüwer und seine Kollegen. Für einen Alptraum hält Knüwer auch die Idee von Google, beim Nachrichtenangebot Google News zukünftig Betroffene zu Wort kommen zu lassen. Wer kontrolliert wie, dass da tatsächlich nur die Kommentare von Betroffenen erscheinen, fragt er zu Recht, aber vielleicht braucht es dafür ja nur den passenden Algorithmus, der die von Google gesammelte Menge an Daten passend zusammenfügt.

Lediglich aus Doppelpunkt, Bindestrich und Klammer zusammengefügt wurde der Smiley - und das schon vor 25 Jahren. "So lacht das Netz heute noch", schreibt Konrad Lischka über das Jubiläum, und das ist sprachlich allemal gelungener als Abgeblo... ach, lassen wir das.

Beschäftigen wir uns lieber mit Herrn Sebastian Foss. Der vertreibt, soviel darf man wohl sagen, eine Software, die in angeblich etwa 2 Millionen Blogs werbliche Kommentare plaziert. 2 Millionen Blogs, deren Zustimmung zu diesem Spam dieser Werbung nach Foss' Aussagen vorliegt. Sagen wir mal so: medienlese.com steht auch in der Liste dieser 2 Millionen Blogs, und wir wüssten nicht, irgendeiner Art von Werbung zugestimmt zu haben außer der, die man hierüber buchen kann.

Werbung muss aber gar nicht immer bezahlt sein. Sie kann auch von Fans wie Thomas Meyer kommen, der das Blog ikeahacker.de betrieb - solange, bis Ikea sich bei ihm meldete und mitteilte, das nicht so wirklich zu schätzen. Schade um das Blog, und schade für Ikea um die verpasste Chance zum Communitybasteln. Aber es können ja auch nicht alle so innovativ sein wie, äh, die Schweizer Rundfunkgesellschaft.

:-)

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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