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22.04.07Kommentieren

medienlese - der Wochenrückblick

Drei Schweizer Journalisten der Zeitung SonntagsBlick standen in der Ostschweiz vor Militärgericht, weil ein von ihnen veröffentlichter Fax wenn auch bereits bekannte, doch geheime Informationen enthielt. Das Gericht entschied aufgrund der Faktenlage, dass der Schweiz durch diese Aktion kein für eine Strafe ausreichender Schaden zugefügt wurde, übernahm die Gerichtskosten und sprach den Journalisten je 20'000 Schweizer Franken zu. Walter de Gregorio, Journalist und Blogger bei der Weltwoche, berichtete noch vor ihrem Stattfinden von personellen Veränderungen beim Fussballclub Grasshoppers Zürich. Schweizer Medien ignorierten diese sich bisher zumindest teilweise als Wahrheit herausstellenden Informationen und warteten lieber die durch die Indiskretion vermutlich beschleunigten Ereignisse ab. Der Schweizer Medienminister Moritz Leuenberger beantwortete mir eine in den Kommentaren gestellte Frage und gab zu, dass er selbst Blogs lese. Naja, immerhin eines, das Auswandererblog. Sein Amtskollege, Christoph Blocher, erzählte Witze über ihn, was von Radio Zürisee aus bis in die NZZ dokumentiert wurde. Die Sonntagsausgabe der Zeitung, die NZZ am Sonntag, war dann aber für die beste journalistische Arbeit verantwortlich, die ich seit längerem gelesen habe: Eine von Luzi Bernet ausführlich recherchierte und niedergeschriebene Rekapitulation eines der grössten Kommunikationscoups der letzten Jahre, welcher im Dezember 2003 zu einem Umsturz der Parteikräfte im Bundesrat geführt hatte.

Im Nachfeld zur re:publica tauchte endlich ein halbwegs kritischer Artikel auf in der F.A.Z., worauf sich Blogger begeistert stürzten. "So wird das nichts" titelte Martin Schöb seinen vier Tage nach Abschluss der Konferenz erscheinenden Text, der sich dem bekannten Argument der Selbstbezüglichkeit von Blogs widmete: "Ohne Selbstbezüge und ohne die Bezugsgröße Print würden die meisten meinungsführenden Blogs - und zwar nur diese - in sich zusammenfallen wie ein Heißluftballon ohne Flamme." Die einen Blogger schrieben darauf, sie seien "nicht untersetzt, sondern leicht adipös", die anderen rechtfertigten die Länge ihres Sakkos. Der Schreiber des Ursprungsartikels bezog sich zum Schluss auf Bezüge zu seinem Artikel - in seinem eigenen Blog. Don Alphonso schrieb: "Und in all den Jahren hat noch kein einziger Blogger zu mir gesagt: Ich hätte gern ein gutes Bild von Dir, nicht so einen schnell geknipsten Scheiss mit roten Augen und Schatten, setzt dich doch mal bitte hin und dann komponieren wir was."

Der Blick fragte sich, ob in der Schule Bachtobel "dank unfähiger Leitung" alle Stricke gerissen seien und in der taz wurde Peter Scholl-Latour verhaftet. Der SonntagsBlick sah Polo Hofer beim Alkohol trinken und sorgte sich zusammen mit dessen Bruder um ihn. Youme.net, eine Web2.0-Kreuzung zwischen YouTube und MySpace, startete mit einer Beteilgung des Ringier-Verlags von 33% - der hauseigene Blick schrieb dazu einen einführenden Beitrag. Im Editorial der Werbewoche stand (ungeprüft): "...(Ringier) lässt die jungen Kreativen einfach mal machen. Man bindet sie nicht in die Strukturen und Abläufe eines Grossverlages ein, sondern finanziert einen externen Think-Tank, der unbeschwert von tradierter Firmenpolitik und verkrusteten Entscheidungsgremien Ideen und Produkte entwickeln soll." Ringier-Mediensprecher Marco Castellanetta sagte dazu: "Das intelligente Verknüpfen von digitalen Inhalten komplimentiert die crossmediale Medienkompetenz". Na denn, viel Glück!

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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