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31.07.13Leser-Kommentare

Durchbruch: Die Befürworter der Bildtelefonie hatten doch Recht

Mehrfach versuchte die Telekombranche vergeblich, Bildtelefonie zu etablieren. Relativ unbemerkt haben sich Videogespräche mittlerweile doch zum Standard entwickelt - allerdings auf anderen Wegen als ursprünglich erwartet.

VideotelefonieJedes Mal, wenn ich beruflich oder privat ein Skype-Gespräch führe, stellt sich mir die Frage: "nur Audio oder auch Video?". Als Anhänger des Home Office kann ich zwar den insbesondere in den Sommermonaten äußerst angenehmen Luxus eines leichteren Bekleidungsstils genießen, muss dann jedoch durchaus kleine Anpassungen vornehmen, sofern ich zum Skype-Call auch die Kamera des Rechners, Smartphones oder Tablets aktiviere. Und das geschieht immer häufiger. Mittlerweile führe ich die Mehrzahl meiner gelegentlichen VoIP-Telefonate mit zusätzlichem Bewegtbild. Weniger aus eigenem Antrieb, sondern weil meine Gesprächspartner nicht selten ihre Kamera wie ganz selbstverständlich einschalten und ich dies dann aus Höflichkeit ebenfalls mache.

Was auf den ersten Blick trivial klingen mag, ist nichts Geringeres als der späte Durchbruch einer seit mindestens anderthalb Jahrzehnten angepriesenen Technologie. Ende der 90er Jahre führte die Deutsche Telekom ISDN-Bildtelefone ein und hoffte, mit den im Zweierpack für 1798 Mark angebotenen Geräten eine neue Cash Cow gefunden zu haben. Telefongespräche um Live-Bilder der Gesprächspartner zu erweitern, galt zumindest kurzzeitig als die selbstverständliche Evolution der Telefonie. Doch Stand-Alone-Geräte floppten, und auch bei der Jahre später erstmalig lancierten UMTS-Mobiltelefonie lösten sich die Hoffnungen der Provider auf einen Videoboom vorerst nicht ein. Geringe Nachfrage und schlechte Übertragungsqualität bremsten den Erfolg und auch die Erwartungen. "Videotelefonie: Seit Jahrzehnten propagiert, seit Jahrzehnten ein Flop", hieß es beim Schweizer Fernsehen sogar noch im vergangenen Jahr. Doch mittlerweile sieht die Realität anders aus. Nahezu ohne groß beachtet zu werden, ist Videotelefonie doch noch bei der breiten Masse angekommen. Anders als einst erwartet geschah dies jedoch nicht mittels spezifischer Hardware und als kostenpflichtige Ergänzung herkömmlicher Festnetz- und Handygespräche, sondern als "Dreingabe" softwarebasierter VoIP-Angebote.

31 Prozent der deutschen Nutzer verwenden Videotelefonie

Dass Videotelefonie mittlerweile eine breite Akzeptanz erlebt, belegt eine repräsentative Forsa-Untersuchung vom Juni dieses Jahres im Auftrag des Bitkom: Demnach verwenden 31 Prozent der User in Deutschland - 17 Millionen Bundesbürger - zumeist kostenfreie Onlineservices von Skype über Facebook und Google bis zu Apples FaceTime, um Videogespräche zu führen. Vor zweieinhalb Jahren waren es nur sieben Millionen. In der Altersgruppe der 14- bis 29-Jährigen sind sogar 40 Prozent Anhänger von Telefonaten mit Bild und Ton. Der Großteil der Videogespräche dient dabei privaten Zwecken. Nur 19 Prozent der Bildtelefonierer nutzen Bewegtbildanrufe auch für berufliche Zwecke.

Der Produktlebenszyklus der Bildtelefonie ähnelt dem des Bluetooth-Übertragungsstandards: In beiden Fällen gelang es der Industrie trotz erheblicher Anstrengungen und Marketingaufwendungen nicht, die Neuerungen nachhaltig im Markt zu etablieren. Sukzessive jedoch räumten veränderte Rahmenbedingungen die bisherigen Hindernisse auf dem Weg zur Adaption durch die Konsumenten aus dem Weg. Manche Beobachter hatten da den Glauben an das dauerhafte Potenzial des jeweiligen Verfahren schon längst aufgegeben.

Mehr als 40 Prozent des Skype-Traffics wird laut einer Studie vom Jahresbeginn mittlerweile durch Videogespräche verursacht. Auch Apples FaceTime, Googles Hangouts-Dienst und diverse andere VoIP-Apps wie etwa der mehr als 100 Millionen Nutzer zählende Service Tango tragen ihren Teil zum Boom der Videogespräche bei.

Am Ende sollten die Sympathisanten der Bildtelefonie aus den späten 90ern Recht behalten: Menschen sind tatsächlich daran interessiert, einander zu sehen, wenn sie von unterschiedlichen Orten aus miteinander sprechen. Nur extra bezahlen wollen sie dafür nicht. /mw

Kommentare

  • Stephan

    31.07.13 (08:21:34)

    Hm. Merkwürdig. Wenn 31% der Deutschen Skype und ähnliches verwenden, aber nur 40% des Skype-Traffics Videotelefonie ausmacht und man davon technisch ausgehen kann, dass Videos mehr Bandbreit verschlingen als Chats und Telefonie: dann hat sich Video-Telefonie wohl doch noch nicht durchgesetzt. Ich kenne in meinem Bekanntenkreis nur einen, der sehr oft Skype mit Video verwendet: einen Soldaten im Auslandseinsatz.

  • Jürgen Vielmeier

    31.07.13 (09:53:01)

    Bin jetzt, ehrlich gesagt, überrascht. Kenne in meinem Bekanntenkreis damit auch nur einen (dich), der gerne videotelefoniert. Für mich gibt es kaum etwas Schlimmeres. Telefonieren ist meist schon Strafe genug und dann auch noch gut dabei aussehen müssen... Vielleicht werde ich aber auch langsam alt.

  • Joern

    31.07.13 (10:40:39)

    Sehe es wie die beiden anderen Kommentare: Kenne kaum jemanden, der "Bildtelefonie" nutzt, geschweige den regelmäßig und mit Begeisterung. Ich würde auch nicht sagen, dass sich Viddeotelefonie durchgesetzt hat. Wie hoch ist denn der Anteil von Videotelefonie bei allen geführten "Telefongesprächen" (Festnetz, Handy, Skype, usw...) zusammengenommen Ich behaupte mal: Verschwindend gering.

  • Martin

    31.07.13 (11:10:17)

    Ich gebe den anderen Kommentatoren Recht. Und wie ist der Hinweis auf Bluetooth zu verstehen?

  • Thomas

    31.07.13 (13:27:04)

    Ich bin da bei dir, Jürgen. Bin kein Freund von Videotelefonie und kenne auch keinen der das besonders gern und oft.

  • Oliver Springer

    31.07.13 (14:17:26)

    Ich nutze Videochats seit Ende der 90ern. Hätte Microsoft sein Netmeeting mehr für Privatnutzer beworden, wären Videochats vielleicht schon länger populär. Ich glaube, es war 1994, als ich ein Bildtelefon ausprobieren konnte. Es war zwar spannend, dass da überhaupt ein Bild des Gesprächspartners zu sehen war. Aber das hatte mehr was von animierter Briefmarke, das war noch nicht gut. Es dauert mitunter eine Weile, bis Innovationen erfolgreich sind. Apple konnte mit dem Newton auch nicht vielleicht erreichen, aber Palm hat PDAs erfolgreich gemacht.

  • Martin Weigert

    01.08.13 (20:04:43)

    @ Stephan 31 Prozent der Internetnutzer in Deutschand nutzen Videogespräche. @ Martin Den Hinweis auf Bluetooth wirst du verstehen, wenn du auf den Link klickst.

  • Stephan

    01.08.13 (21:32:52)

    Ich weiß ja nicht. Ich würde gerne die genaue Fragestellung der Umfrage erfahren. Nicht, dass die lautete: "Haben Sie schon einmal in ihrer gesamten Internetnutzung Videotelefonie ausprobiert?" Denn dann würde ich auch dazu gezählt werden.

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