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28.05.10

"Mass Customization": Deutschland als internationaler Trendsetter

 

Es gibt Lichtblicke in der sonst für ihren Hang zum Kopieren kritisierten deutschen Startup-Landschaft: Eine neue Studie belegt die Dominanz hiesiger Anbieter im Bereich der "Mass Customization".

Trotz aller Probleme der deutschen Startup- und Web-Szene sowie der regelmäßig neu entfachten Copycat-Diskussion gibt es auch hierzulande Konzepte, die zu globalen Phänomenen werden und bei denen Dienste aus dem deutschen Raum klare Trendsetter sind.

Ein Beispiel dafür ist "Mass Customization". Die Idee, individualisierte Massenprodukte über digitale Kanäle zu vertreiben, ist seit langem eine Domäne hiesiger Startups - Unternehmen wie Spreadshirt, PosterXXL, saftfabrik oder chocri existieren teilweise schon seit Jahren und expandieren nicht nur gerne auch ins Ausland, sondern inspirieren dort sogar - ja, tatsächlich - lokale Copycats!

mymuesli aus Passau diente zum Beispiel als Vorbild für den US-Müslishop [me] & goji, und der US-Dienst Blank Label bietet seit kurzem das an, was es bei Youtailor oder Herrenschmiede in Deutschland schon länger gibt: individualisierte Maßanzüge.

Eine aktuelle Untersuchung der Fachhochschule Salzburg und der RWTH Aachen von 500 Onlinediensten aus dem Bereich der Mass Customization belegt nun, was der subjektive Eindruck schon lange vermittelt: Deutschland ist die Hochburg der Mass Customization (MC).

 

Insgesamt wurden 845 MC-Firmen aus einer Vielzahl von Ländern in die Studie einbezogen, von denen anschließend 344 wegfielen, da sie entweder nicht mehr aktiv sind, kein Onlineangebot besitzen, keine Online-Bestellmöglichkeit anbieten (primär Automobilkonfiguratoren) oder lediglich virtuelle Produkte vertreiben.

Von den 501 verbliebenen Anbietern sind ganze 171 (34 %) über eine .de-Domain zu erreichen, was eine Aktivität auf dem deutschen Markt nahelegt. 317 MC-Firmen setzen primär auf eine .com-Adresse, wobei auch darunter diverse Services aus Deutschland zu finden sind.

Produktkategorien der untersuchten Anbieter

Spannend ist auch der Blick auf die Produktkategorien, in denen die untersuchten Anbieter aktiv sind: Jeweils 60 bieten individuelle T-Shirts oder andere Kleidungsstücke, dicht gefolgt von Fotos und anderen personalisierten Druckerzeugnissen mit 55 Vertretern und Lebensmitteln mit 39 Diensten. Eher exotisch sind dagegen der Vertrieb individualisierter Fahrräder, Puppen oder Kosmetik.

Es ist erstaunlich, wie der sonst so innovative und fortschrittliche US-Internetmarkt im Bereich von Mass Customization der hiesigen Branche hinterherhinkt - und eine erfreuliche Tatsache, an die man denken kann, wenn man sich gerade einmal wieder Sorgen um den Internetstandort Deutschland macht. Es gibt auch Lichtblicke!

Die Untersuchung der FH Salzburg und RWTH Aachen zu Mass-Customization-Unternehmen befindet sich noch in der Auswertung und wird in ungefähr einem halben Jahr veröffentlicht.

 

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