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05.02.10Leser-Kommentare

Die kommende IT-Ära: Halbgeschlossenen, aber konsumentenfreundlich

Offenheit gut, Geschlossenheit schlecht. Das ist seit vielen Jahren ein Dogma in der IT-Branche. Aber stimmt dieses Prinzip wirklich? Oder zeigen uns nicht die erfolgreichsten Produkte der letzen Jahre, dass mehr Herstellerkontrolle manchmal gut ist für die Konsumenten?

Die Reaktionen zu Apples iPad-Ankündigung fielen in vielen Teilen der Technologiewelt harsch aus. Kritisiert wurden nicht nur fehlende Features, sondern vor allem auch die Tatsache, dass Apple die iPad-Kunden mit sanfter Gewalt ins iTunes-Ökosystem zwingt. Apples Hardware und seine Inhaltsplattform sind eng gekoppelt, und darum können iPad-Nutzer realistischerweise ihre Musik, Filme und Apps fast nur bei Apple kaufen.

Aber angesichts des Erfolgs von iPod und iPhone sieht es aus, als ob sehr viele Konsumenten diese geschlossene, aber reibungslos funktionierende Welt zu bevorzugen scheinen. Ich glaube, dass Apple die zwar aggressivste, aber keineswegs einzige Firma ist, die einen grossen Trend hin zu einfacheren, konsumentenfreundlicheren IT-Produkten vorantreibt.

Konsumprodukte müssen einfach sein. Konsumenten kaufen Produkte, keine Systeme. Aber das heisst auch, dass die meisten Konsumprodukte nicht "offen" sind, so wie eine Linux-Maschine offen ist. Die kommende Welle in der IT könnten halbgeschlossene, vom Hersteller stark kontrollierte Produkte sein, die aber für essentielle Funktionalität die Möglichkeiten offener Plattformen nutzen.

Es gibt viele Beispiele dafür in der Nicht-IT-Welt: Ein BMW 7er läuft mit dem gleichen Benzin wie ein Toyota Prius und hat eine zumindest ähnliche "Benutzeroberfläche", aber abgesehen davon sind diese zwei Fahrzeuge sehr verschieden. Niemand würde auf die Idee kommen, dass BMW-Ersatzteile auch im Prius funktionieren sollten. Autos teilen sich eine gemeinsame, offene Infrastruktur (das Tankstellennetz, das standardisiertes Benzin verkauft) und gewisse Bedienungsprinzipien (Steuerrad, Gaspedal etc.), aber ansonsten sind die Produkte sehr verschieden und proprietär. Ebenso zum Beispiel bei Elektrogeräten: Ein Miele-Geschirrspüler läuft mit dem gleichen Strom und passt in die gleiche Aussparung wie einer von Siemens, aber sonst sind diese Produkte sehr unterschiedlich.

Mein Lieblingszitat zu Technologie wird meistens Antoine de St.Exupéry zugeschrieben:

"Technologie entwickelt sich immer vom Primitiven über das Komplizierte hin zum Einfachen."

Die frühen Heimcomputer waren primitiv. Sie waren geschlossene Systeme, die nicht sehr viel Funktionalität boten. C64-Games liefen nicht auf dem TI 99/4a.

Dann kam der IBM PC, der mehr aus Versehen als Absicht zum offenen System wurde. Plötzlich lief die gleiche Software auf Systemen vieler verschiedener Hersteller, und selbst Peripheriegeräte und Erweiterungskarten funktionierten mit den meisten "IBM-kompatiblen" PCs. Das war ein grosser Fortschritt, aber es führte zu viel Komplexität. Auch heute, drei Jahrzehnte nach der Einführung des IBM PC, ärgern sich User immer noch mit Treiberproblemen, Kompatibilitätseinschränkungen und aufgeblasener Software herum, weil Windows so viele Variationen an Hard- und Software unterstützen muss. Offenheit stellte sich auch als schlechte Geschäftsgrundlage für die eigentlichen PC-Hersteller heraus, weil PCs zum Commodity-Produkt wurden. Die Gewinner waren die beiden Firmen, die die einzigen proprietären Elemente kontrollierten, nämlich Microsoft und Intel.

Treten wir nun in eine Ära der Einfachheit in der IT ein, die einiges an Offenheit für andere Vorteile aufgibt? Das ist sehr gut möglich. Und Apple ist längst nicht das einzige Beispiel. Andere erfolgreiche Produkte und Services im Konsumentenmarkt verfolgen einen ähnlichen Ansatz:

  • Facebook ist unangefochten das erfolgreichste Social Network der Welt, aber alles andere als offen. Und die Firma versucht nun ihren Einfluss mit dem Login-Dienst Facebook Connect auch noch auf andere Bereiche auszudehnen.
  • Die andere wirklich massiv wachsende Smartphone-Plattform neben dem iPhone, RIMs BlackBerry, ist vielleicht sogar noch geschlossener als Apples Produkt.
  • Die Spielkonsolen von Sony, Nintendo und Microsoft mit ihren zugehörigen Onlinediensten waren schon immer geschlossene, eng kontrollierte Systeme.
  • Google ist ein interessanter Spezialfall. Obwohl die Firma in vielen ihrer Aktivitätsbereiche offen ist, hält sie den Kern ihres Geschäfts, die Suchmaschine, extrem geschlossen. Yahoo und Bing bieten sehr viel offenere APIs an, während Google eng einschränkt, was Entwickler mit Suchresultaten machen können.

Was diese Beispiele gemeinsam haben: Sie alle benutzen eine offene Infrastruktur (das Internet) und teilen sich gewisse Elemente mit Konkurrenten, sind aber abgesehen davon geschlossene und eng kontrollierte Systeme. Und interessanterweise scheint das den Konsumenten zu gefallen.

Ein gut designtes, einfaches, verlässliches Produkt triumphiert im Konsumentenmarkt fast immer über Offenheit. Es gibt zahllose Social Networks, die offener sind als Facebook, aber Mark Zuckerbergs Firma dominiert den Markt trotzdem. Man kann heute problemlos ein total offenes Linux-basiertes Smartphone kaufen, aber die Leute holen sich doch lieber iPhones und BlackBerries. Und Spiele gibt es auf offenen PC-Plattformen, aber die geschlossenen Konsolen dominieren trotzdem den Markt.

Ist dieser scheinbare Trend weg von Offenheit eine negative Sache? Nicht unbedingt.

Die Zuverlässigkeit und Effektivität von IT-Produkten vergrössert sich meistens mit mehr Einfachheit. Es mag Leuten, die in EDV-Abteilungen arbeiten, aus Gründen der eigenen Jobsicherheit nicht gefallen, aber ein einfacherer Computer ist ein besserer Computer. Weniger technische Probleme bedeuten, dass Ressourcen für wirklich nutzbringende Aufgaben eingesetzt werden können statt für die Beseitigung technischer Schwierigkeiten. Grössere Einfachheit aber kann meistens nur auf Kosten von wenigstens etwas Offenheit erzielt werden.

Aber killt Geschlossenheit nicht Innovation? Wiederum, nicht unbedingt. Die letzten Jahrzehnte zeigten eher, dass Offenheit ein schlechtes Geschäftskonzept ist. Beispiel: Sun Microsystems vertrat immer die Philosophie offener Systeme. Die Firma öffnete ihre Java-Plattform, machte damit aber nie Geld. Resultat: Kürzlich wurde Sun von Oracle geschluckt, einer Firma, die wahrlich keine Preise für Offenheit gewinnt. Anderes Beispiel: Red Hat verdient gutes Geld mit Linux und gibt der Open-Source-Szene viel zurück. Das ist toll, aber Red Hat macht im Jahr so viel Umsatz wie Microsoft in vier Tagen.

Der Punkt ist: Innovation benötigt Kapital. Kapital kriegt man nur, wenn das Investment schützbar ist und in ein lukratives Geschäft entwickelt werden kann. Volle Offenheit hilft dabei nicht. Die Open-Source-Bewegung hat viele grossartige Dinge erreicht und viel volkswirtschaftlichen Wert geschaffen, aber sie hat bisher noch nie einen echten Innovations-Durchbruch hingekriegt. Offenheit macht Technologie billiger, aber sie bringt keine fundamental neuen Dinge in die Welt.

Schlussendlich ist totale Offenheit versus geschlossene Systeme eine falsche Dichotomie. Wie im Beispiel mit den Autos und Geschirrspülern wird es immer offene Standards und Infrastrukturen geben, die teilweise geschlossene Produkte erst wirklich nützlich machen. Und genau da geht die Informationstechnologie derzeit hin. Das iPad ist sehr viel offener als die frühen Heimcomputer. Es kann unter Verwendung offener Standards auf das ganze Web zugreifen, aber andere Aspekte bleiben zugunsten der Einfachheit, Verlässlichkeit und kommerzieller Machbarkeit (weil Filmstudios und Buchverlage für digitale Inhalte immer noch DRM verlangen) geschlossen.

Sehr wahrscheinlich ist das ein Muster für die konsumentenorientierten IT-Produkte der näheren Zukunft. Denn Technologie sollte einen Zweck für ihre Benutzer erfüllen, nicht einer abstrakten Ideologie dienen.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf dem englischsprachigen Blog des Autors.

(Bild: dreamglow, CC-Lizenz)

Kommentare

  • Marcel Weiss

    05.02.10 (12:50:13)

    Der Vergleich mit den Autos hinkt in meinen Augen. Das Bild passt schon eher, wenn Apple als Autohersteller auch in's Treibstoffgeschäft einsteigt und eigene Tankstellen aufbaut. Die wiederum supereinfach zu bedienen sind, aber nur mit Apple-Autos funktionieren und Apple-Autos nur bei ihnen aufgetankt werden können. . Ich finde auch nicht, dass man die Kritik pauschal mit dem Totschlagargument "ist halt 'ne Ideologie" abtun sollte. Bei vielen Kritikern trifft es sicher zu, aber eben nicht bei allen. Wir sprechen hier schließlich von einem Netzwerkmarkt, wie so oft im Hightech-Bereich. Netzwerkmärkte tendieren oft zu Monopolen. Je geschlossener das Angebot, desto schwerwiegender können die Auswirkungen auf volkswirtschaftlicher Ebene zumindest temporär sein. . Grundsätzlich sehe ich hier aber auch in erster Linie das Ausdifferenzieren eines immer noch relativ jungen Marktes: weg von mehr oder weniger einer Produktlinie für alles und jeden, hin zu Produkten, die verschiedene Ausprägungen von notwendigem Wissen zur Nutzung berücksichtigen und damit insgesamt mehr Käuferschichten ansprechen werden.

  • dan

    05.02.10 (13:12:08)

    "und darum können iPad-Nutzer realistischerweise ihre Musik, Filme und Apps fast nur bei Apple kaufen." Diese Pauschalaussagen stören mich am meisten, wenn über Apple berichtet wird, weil es schlichtweg falsch ist. Natürlich kann man ohne weiteres seine gesamten Inhalte bei anderen Anbietern beziehen, diese dann aber dennoch mit von Apple zur Verfügung gestellten Programmen verwenden, oder auch nicht, wie es einem eben beliebt. Ich mache das selbst fast täglich. Kaufe Inhalte bei anderen Anbietern wie z.B. Beatport, importiere diese ohne Probleme in iTunes und habe diese im Netzwerk zur Verfügung und musste dazu nicht einmal den iTunes Store bemühen. Wie kommt man also zu so einer Aussage? Ich kann es nicht nachvollziehen, denn es stimmt schlicht weg nicht. Auch bei Filmen ist es ohne weiteres möglich, seine Inhalte bei anderen Plattformen zu beziehen und diese dann selbst ohne iTunes zu verwenden und im Netzwerk bereitzustellen. Wenn man sich denn für Alternativen interessiert und diese dann anstatt iTunes auch zu nutzen weiß. In Sachen iPad kann ich diese Behauptung schon gar nicht verstehen, eine Cloud füttert man nicht nur mit bestimmter Programme wie iTunes, sondern zieht Inhalte z.B. mittels Browser aus dem Netz und verwaltet diese dann völlig frei von iTunes und Co. Aus meiner Sicht hinkt diese Aussage ein wenig. Deswegen kann ich diese Aussage nicht unterstreichen, da es gerade auf der Apple Plattform mehr als genug Alternativen gibt, Programme von Drittherstellern, mit denen ich auch gut zurecht kommen kann. Wenn man das denn überhaupt möchte, schließlich macht ein vermeintlich geschlossenes System auch einfach Sinn.

  • m h

    05.02.10 (13:15:03)

    Autovergleiche sind auch in meinen Augen eine übele Unsitte. Richtig - mit jedem Auto erreiche ich jeden Punkt des öffentlichen Straßensystems. Mit einem "App"-basierten Stück Netzwerkhardware könnte es schon schwieriger werden, an alle Informationen eines Datennetzes zu gelangen. Wenn es für jeden Anbieter eine App gibt, z.B. die großen News-Kanäle ihr eigenen Portale anbieten, die nur über bestimmte Anwendungen erreicht werden können, und EIN Verteiler bestimmt, wer anbieten darf und wer nicht, sehe ich den Zugang zu Informationen doch stark erschwert. Und zum Thema Ideologie: Das Netz war nie als Markt konzipiert. Es sollte ein "freies" Netz bleiben. Und nicht zu einer "App" auf einem glänzenden Touchscreen verkommen. Die Möglichkeit hier Geld zu verdienen solte den Informationsfluss nicht einschränken. Genau diese Tendenz wird durch diese geschlossenen Devices in meine Augen aber gefördert.

  • m h

    05.02.10 (13:25:55)

    Prinzipiell gebe ich dir da Recht, nur: Für das iPad würde das bedeuten, dass der Nutzer in jedem Fall einen zusätzlichen Rechner benötigt. Als Stand-Alone-Gerät ist es an die i-Stores gebunden. Und als solches ist es, wenn ich das richtig sehe, doch gedacht.

  • scanlines

    05.02.10 (13:37:11)

    Ich habe ein Problem mit der Prämisse, daß offene Systeme per definitionem kompliziert zu benutzen seien, wohingegen (halb)geschlossene ein Ausbund an Einfachkeit darstellten. Ich glaube durchaus, daß der "Durchschnitts-User" gerne ein eher einfach zu bedienendes Gerät haben möchte, das "das tut, was ich will". Kann man ja am klassischen Videorekorderprogrammierungs-Klagen sehen. Und: ich kann das verstehen. Mir geht es manchmal auch so. Andererseits tüftele ich gerade an der "Universalmaschine" Computer auch einmal selbst herum. Sei es, um mehr vom Gerät selbst zu verstehen, sei es, um es "individueller" zu gestalten oder meinen Bedürfnissen anzupassen, damit ich effizienter damit umgehen kann. Letzteres geht aber nur in offenen Systemen, die mich auch tatsächlich an ihnen (im entsprechend dennoch immer vorhandenen Möglichkeitsraum) herumschrauben lassen. Aus diesem Spiel mit dem System kann sich durchaus auch innovatives ergeben, das ich z. B. anderen zeigen und -- sofern tatsächlich nützlich -- von dort aus weiterverbreiten kann. Geschlossene Systeme "wissen" schon immer, wie ich sie bedienen will bzw. sie verunmöglichen mir eine andere Art der Benutzung. Es mögen noch so viele Interfacedesigner und Ergonomieexperten an der Entwicklung bspw. des iPad beteiligt sein -- das Ergebnis ist ein standardisiertes Produkt mit klaren Vorgaben der Benutzung. In der Tat wirken Gesten wie das Blättern "natürlich" und intuitiv, aber dennoch bleibt dies ein vordefiniertes, mir gegebenes Interface wie die Maus. Ich kann es aber nicht umkonfigurieren, wenn es mir nicht gefällt. Langer Rede, kurzer Sinn: IMO schließen sich ein funktionales, _an der Oberfläche_ reduziert daherkommendes System und Offenheit keineswegs aus. Für diejenigen, die es "nur benutzen" wollen, kann es simpel bleiben. Für die Tüftler könnte es aber dennoch die Möglichkeit zur Modifikation bieten. Dies wäre m. E. kein Verlust, sondern ein Gewinn. Systeme wie das iPhone kastrieren diese Möglichkeit jedoch bereits im Vorfeld und das nicht (ausschließlich) wegen einer tollen Benutzererfahrung, sondern um firmenseits die möglichst größte Kontrolle über die Verwendung des Geräts zu behalten. Systeme wie *nix-OS kommen ja auch erst einmal vorkonfiguriert -- die Macht des Defaults wird weithin unterschätzt --, ermöglichen aber individuelle Umgestaltung. Man muss das aber nicht. Es steht jedem frei. Genau diese Freiheit ist es, die ich bei -- IMO vermeintlich -- bequemen, weil komplett "vorgekauten" Systemen/Geräten schmerzlich vermisse.

  • MacMacken

    05.02.10 (13:37:22)

    Man kann heute problemlos ein total offenes Linux-basiertes Smartphone kaufen … zum Beispiel? Die gängigen Handy-Anbieter haben IMHO kein einziges solches Smartphone im Angebot. Es kann unter Verwendung offener Standards auf das ganze Web zugreifen, aber andere Aspekte bleiben zugunsten der Einfachheit, Verlässlichkeit und kommerzieller Machbarkeit (weil Filmstudios und Buchverlage für digitale Inhalte immer noch DRM verlangen) geschlossen. Apple selbst setzt auf DRM – auch dort, wo es nicht notwendig wäre. So ist es beispielsweise nicht möglich, via iTunes Store/App Store eine App oder ein Hörbuch ohne DRM zu veröffentlichen. All das Erwähnte wäre ausserdem auch ohne ein geschlossenes System möglich, wie der heutige Mac zeigt.

  • segestes

    05.02.10 (13:39:32)

    Es ist doch interessant, dass ausgerechnet das wegen seiner Nicht-Quelloffenheit (im Vergleich zu Linux) einst gerne verfluchte und geschmähte Windows, heute de facto eine offenere Plattform darstellt, als z.B. iPhone OS von Apple. Während bei letzterem alles über einen App Store wandern muss und der teils rigiden Zensur Apples unterliegt, sieht die Sache bei Windows deutlich liberaler aus. Jeder kann schreiben was er will und installieren was er will. Jailbreak, inklusive dem damit verbundenen Garantieverlust und dem Nervenkitzel, ob beim nächsten Upgrade überhaupt noch alles funktioniert, kennt man da nicht. Deshalb sind mir die neuen/kommenden mobile Geräte mit Windows 7, z.B. der Slate von HP, deutlich sympathischer als das geschlossene Biotop des Kontrollfreaks Jobs. Das Problem, der von ihm propagierte Weg, scheint den nackten Zahlen nach, dank medialer Lobgesänge seines breiten Fandomes, erst mal ein Erfolg zu sein. Es bleibt die Hoffnung, dass dies nicht von Dauer sein wird.

  • dan

    05.02.10 (13:43:41)

    Das ist leider die Entwicklung, der ich mit gemischten Gefühlen entgegensehe, da man, wie schon richtig erwähnt, doch noch einen zweiten Computer bemühen muss, z.B. wenn ich Inhalte von CD/DVD verwenden möchte. Allerdings sehe ich hier auch nicht den Sinn eines solchen Geräts. Allerdings verstehe ich nicht wieso das iPad, welches auch ohne iTunes funktioniert, nur in Verbidung mit dem iTunes Store in der Lage sein soll Medien zu nutzen??? Ich kann doch ohne iTunes zu verwenden im Internet jegliche Inhalte laden und verwenden? Ich bin in keinster Weise daran gebunden ausschließlich den iTS zu nutzen. Medieninhalte sind durch Standards (z.B. mp3) Plattform- und Softwareunabhängig und somit auch mit anderen Programmen zu verwenden. Irgendwo bleibt es aber irgendwo doch ein Nieschenprodukt, auch wenn es wieder viele Käufer finden wird. Wer die Möglichkeiten des iPads für sich voll nutzen kann, der ist damit sicher gut bedient, allerdings ist das noch schwer vorauszusagen, wie die Entwicklung des iPads vonstatten gehen wird. Ich kann als Fazit nur sagen: geschlossene Systeme machen Sinn und darüber zu diskutieren, ob es, wenn man iTunes und andere Apple Angebote nicht nutzen möchte, überhaupt Sinn macht sich ein iPad zuzulegen ist die Krux bei der Sache. Zeigt aber auch sehr schön, wie Apple es immer wieder schafft mit einem neuen Produkt, und sei es auch nur ein kompakter Touch-PC (ich drücke das jetzt mal so plump aus) wie das iPad, zu polarisieren und die Märkte und auch User in Bewegung setzt. Dafür liebe ich dieses Unternehmen so.

  • dan

    05.02.10 (13:49:16)

    "Letzteres geht aber nur in offenen Systemen, die mich auch tatsächlich an ihnen (im entsprechend dennoch immer vorhandenen Möglichkeitsraum) herumschrauben lassen." Auch diese Aussage kann man nicht so ohne weiteres Aufstellen. Gerade ein System wie Apples OS X, mit Unix Unterbau kann, -wenn- man es denn auch kann, und da überschätzen sich viele Endanwender häufig, eine sehr starke und offene Plattform bieten, die sich konfigurieren lässt, wie ich es als Anwender für nötig befinde. Die entsprechende Erfahrung vorausgesetzt. Ich spreche dabei nicht vom Otto-Normalverbaucher. Die so oder so gut oder besser beraten sind, wenn man ihnen einige Möglichkeiten gar nicht erst offen in die Hand legt.

  • MacMacken

    05.02.10 (13:51:09)

    Kaufe Inhalte bei anderen Anbietern wie z.B. Beatport, importiere diese ohne Probleme in iTunes und habe diese im Netzwerk zur Verfügung und musste dazu nicht einmal den iTunes Store bemühen. An iTunes führt aber kein (legaler) Weg vorbei …

  • Andreas Göldi

    05.02.10 (15:11:24)

    @Marcel, mh: Natürlich hinkt der Autovergleich. Wie alle Vergleiche. Es ging mir mehr um die Illustration der Tatsache, dass wir in vielen Lebensbereichen ganz selbstverständlich geschlossene Systeme hinnehmen, ohne dass in jeder Produktbesprechung ein grosser Aufstand darum gemacht wird. @MacMacken: Android basiert auf einem Linux-Kernel und ist voll Open Source. Dafür zahlt es aber auch einen Preis, denn keine 1.5 Jahre nach der Markteinführung hat Android schon ein Fork-Problem (siehe http://news.cnet.com/8301-31322_3-10438388-256.html). Nokias Maemo ist ebenfalls Linux. Ausserdem gibt es Open-Source-Smartphone-Projekte wie OpenMoko, und auch Hersteller wie Sharp und Motorola haben immer wieder mal (ohne Erfolg) Linux-basierte Telefone angeboten.

  • base rate

    06.02.10 (15:29:21)

    Warum steht in den Artikelversionen, die Ihr an Mail-Abonnenten herausschickt, eigentlich nie der Autorenname dabei, obwohl ansonsten alles (außer den Kommentaren) so vollständig erscheint wie im Web? Das war auch schon bei der medienlese so, muss wohl etwas Technisches sein. Aber es leuchtet mir nicht ein, wie so eine einfache Angabe ein Problem sein könnte. (Jetzt sagt aber bitte nicht, das sei nicht relevant. Hier werden schließlich nicht einfach irgendwelche unpersönlichen Agenturmeldungen veröffentlicht...)

  • FERNmann

    07.02.10 (11:46:24)

    Warum sollte sich Offenheit und Benutzerfreundlichkeit ausschließen? Der Macintosh ist auch ein "offenes" System, jeder kann Programme für den Mac schreiben wie er lustig ist und ein anderes Betriebssystem wie z.B Windows installieren, teilweise ist OS X sogar Open Source (Darwin), also müsste der Mac also ziemlich kompliziert zu bedienen sein. Ubuntu ist noch offener als OS X, da komplett Open Source, aber hat (zurecht) den Ruf, ein "DAU"-kompatibles OS zu sein, da es out-of-the-box funktioniert und den Anwender nicht mit unnötigen Einstellungen überfordert (das mag u.a der GNOME-Philosophie geschuldet sein). Wer will, kann aber trotzdem über das Terminal in Konfigurationsdateien rumfrickeln und das System an seine Bedürfnisse anpassen, man muss es aber nicht, sondern kann einfach mit dem System arbeiten. Zukünftig wird Ubuntu auch einen App Store mit Bezahlmöglichkeit bekommen, mit dem sich dann Anwendungen genauso einfach wie beim iPhone installieren lassen werden, und ein Music Store soll auch schon geplant sein. Man wird aber trotzdem noch Software und Musik aus anderen Quellen beziehen können wenn man will, da das System untendrunter offen ist. IMO definiert sich Benutzerfreundlichkeit also durch eine gut strukturierte Default-Config, die von einem Großteil der Anwender so benutzt werden kann wie sie ist, aber durch versierte Anwender angepasst werden kann.

  • Daniel Niklaus

    07.02.10 (22:38:20)

    Man könnte auch sagen: Systeme die von Firmen/Personen als Gesamtkonzept gebaut werden, sind einfacher zu bedienen. Ubuntu ist ein schönes Beispiel dafür. Ohne den finanziellen Einsatz von Mark Shuttleworth wäre es weiterhin ein Debian.

  • Florian Steglich

    08.02.10 (11:15:07)

    » base rate: Keine bewusste Entscheidung. Das Mail-Abo läuft über Feedburner, die Möglichkeiten sind da arg begrenzt.

  • simple simon

    09.02.10 (07:16:45)

    http://blog.arktis.de/2010/02/ipad-comedy-in-der-harald-schmidt-show/

  • Markus Breuer

    09.02.10 (10:52:45)

    Spannend! . Ein nicht unbeträchtlicher Teil der Kritik an Apple's Produktphilosophie kommt ja von Leuten, die gerne basteln wollen und die "Freiheit zu basteln" zum Teil ihrer Weltanschauung erhoben haben. Ich sympathisiere da durchaus mit, da auch mir das Basteln am System in den seltenen Fällen, wo ich dazu komme, immer wieder viel Freude bereitet :) . Die Frage muss allerdings erlaubt sein, wie stark ein System-Entwickler-/Hersteller das unterstützen muss. . Unter rein käufmännischen Gesichtspunkten macht es ab einem gewissen Reifegrad des Produkts nicht viel Sinn, da die Mehrzahl der Konsumenten ihre Entscheidung nicht nach diesem Kriterium trifft. Und ich denke - das war auch der Tenor von Andreas' OP - dass PCs allmählich diesen Reifegrad erreicht haben. . Wenn man noch einmal den (hinkenden) Vergleich mit dem Auto bemüht: in der Anfangszeit des Automobils waren die Möglichkeit und die Fähigkeit, dran herum zu basteln essentiell und wer das nicht selbst konnte, stellte einen Mechaniker ein. Heute ist das nicht mehr der Fall. Tatsächlich verliert mal auch hier die Herstellergarantie, wenn nachweislich von un-authorisierter Seite am Produkt rumgefummelt wurde. . Es gibt aber noch immer Leute, die das gerne machen - und es geht auch - aber Mainstream ist das nicht mehr. Kein Automobilhersteller, der seine Produkte für die wohlhabenden Märkte entwickelt, würde seine Modelle deshalb für die Wartbarkeit außerhalb der Werkstatt entwickeln - oder Standardschnittstellen dokumentieren, über die man die Firmware der Bordelektronik uploaden kann. . Gehen geht es aber ... . Genauso wird man auch die Computer hacken können, die nach unseren heutigen PCs kommen und die vom Hersteller als "geschlossen" konzipiert sind. Eines meiner beiden iPhones ist "jailbroken" ... Die Mehrzahl der Konsumenten wird sich darum aber nicht kümmern - so wenig, wie sie ihr Radio oder ihren Kühlschrank hacken wollen. . Dass die Hersteller das nicht fördern wollen, hat viele Gründe. Nicht alle sind durch finsterer Profitgier oder den Wunsch, die Konsumenten zu knechten, getrieben. Ein Produkthersteller hat einfach ein großes Interesse daran, dass seine Produkte beim Konsumenten optimal funktionieren (so, wie man es dem Käufer beschrieben hat). Das hat mit der Erfüllung des Markenversprechens zu tun aber auch mit Kosten für Support und Reklamationen. Letzteres ist bei einem (halb)geschlossenen System DEUTLICH einfacher als bei einem offenen, bei dem ich nie weiß, welche Änderungen oder Ergänzungen vorgenommen wurden, bevor es zum Versagen (oder "unerwünschten Verhalten") kam. Wer professionell oder privat schon einmal Support für klassische PC-Systeme geben musste, weiß, wovon ich spreche :)

  • Markus Breuer

    09.02.10 (10:59:28)

    Wieder eine sehr schöne Analyse, Andreas. . Der Vergleich mit dem Automobil hinkt, klar, ist aber m.E trotzdem zur zutreffend. Wie oben schon mal kommentiert: in der Anfangszeit des Automobils waren die Möglichkeit und die Fähigkeit, dran herum zu basteln essentiell und wer das nicht selbst konnte, stellte einen Mechaniker ein. Heute ist das nicht mehr der Fall. Tatsächlich verliert man auch hier die Herstellergarantie, wenn nachweislich von un-authorisierter Seite am Produkt rumgefummelt wurde. . Dieser Reifegrad der "Produktklasse PC" steht uns in diesem Jahrzehnt auch bevor. Das hat nicht nur Apple erkannt. . Was mir besonders gut gefallen hat, ist: . Schlussendlich ist totale Offenheit versus geschlossene Systeme eine falsche Dichotomie. . Erhitzte Diskussionen neigen ja leider dazu, ins Schwarz-Weiß-Denken abzugleiten. Die Realität hingegen kennt viele Graustufen. :)

  • Pingo

    10.02.10 (17:42:52)

    Zunächst vielen Dank für das anhaltend hochwertige Lesevergnügen auf diesem Blog - eine entspannende Ausnahme im weithin überhitzten Feld der iPad Diskussionen. Ich möchte nur ergänzen, dass ich das System Apples als bei Weitem nicht so geschlossen empfinde, wie immer dargestellt wird. Meine Musik kann ich mir z.B. keinesfalls nur von Apple sondern von überall kaufen: als ganz normale CD in jedem Laden, oder als MP3 im Onlinestore von Amazon. Dass ich meine Musik in den letzten Jahren aber doch fast ausschließlich im iTunes Store kaufe, liegt nicht an einem Zwang sondern an der genialen Einfachheit und Bequemlichkeit des Apple-Systems, hinzu kommen die angenehme Integration, die hohe Qualität (in MP3-Maßstäben) und die weltweit größte Auswahl an Titeln. Es ist einfach für mich das beste Angebot. Deshalb wähle ich es. Gezwungen werde ich zu keinem Zeitpunkt. (Nur am Rande sei hier erwähnt dass Apple seinerzeit in erheblichem Umfang am Umdenken der Musikindustrie mitgewirkt hat, die gesamte Musik im Store DRM-frei anzubieten.) Das selbe gilt für Filme. Alle Filme, die mein Mac abspielt kann ich auch auf iPhone / iPod /iPad abspielen. Auf frei erhältlichen BluRays sind immer öfter Digitale Kopien enthalten, die das Abspielen auch auf iPadPodPhone ermöglichen. Und meine Apps kaufe ich nicht VON sondern lediglich ÜBER Apple. Anbieter sind die hunderttausend verschiedenen Softwarefirmen, Apple ist nur der Laden. Dies ist der einzige wirkliche Zwang, den ich persönlich aber gerne in Kauf nehme, geht er doch mit einer gewissen Sicherheit, Bequemlichkeit aber auch Qualitätskontrolle einher. Auf meinem iPhone habe ich eben viele sensible Daten wie Telefonnummern oder Bankdaten. Und da opfere ich gerne ein Stück Wahlfreiheit, wenn ich auf der anderen Seite verlässlich vor Viren, Trojanern, Dialern etc. verschont bleibe. Darüber hinaus arbeiten die iGerätschaften mit vielen weiteren offenen und freien Formaten zusammen: ich brauche keine speziellen Apple-Telefone anzurufen, ich kann meine SMS senden und bekommen von wem ich will, egal von welcher Digicam meine Fotos kommen, das iPhone stellt sie dar. Sprachmemos werden als MP3 gespeichert und können von jedem Programm wiedergegeben werden. Dokumente kommen als Standard-PDFs (oder Word oder TXT oder RTF) auf das Phone und Pad und verlassen es z.B. als Mail, die von jedem Client der Welt gelesen werden kann. Und natürlich – die Flashdiskussion einmal außen vorgelassen – steht mir das gesamte Internet zur Verfügung und nicht nur speziell aufbereitete Appleseiten. Last but nor Least – sicher wird das Angebot an digitalen Büchern und Magazinen ein recht geschlossenes sein, auch wenn Apple auf das ePub Format setzt. Jedoch wird diese Geschlossenheit sich nicht auf Apple beschränken sondern auf allen anderen konkurrierenden Kanälen genauso vorhanden sein.

  • MacMacken

    10.02.10 (17:46:41)

    @Pingo: Auf meinem iPhone habe ich eben viele sensible Daten wie Telefonnummern oder Bankdaten. Ich nehme an, Dir ist bekannt, dass iPhone-Apps auf Dein Adressbuch zugreifen können? Zahlreiche Apps nutzen diese (und andere Möglichkeiten) um Daten zu sammeln – natürlich ohne Dich zu fragen …

  • Pingo

    10.02.10 (18:06:04)

    Dürfen und sollen sie ja auch. Letztlich bieten sich dadurch ja auch interessante neue Dienste und Möglichkeiten z.B. im Social Networking. Und genau deshalb ist mir eine zentrale, verlässliche Kontrolle des Stores so wichtig. Nutzen ja, illegal nutzen nein. Daher verzichte ich hier gerne auf ein gnadenlos offenes und ungeschütztes System.

  • MacMacken

    10.02.10 (18:21:19)

    @Pingo: Dachte ich mir doch, dass Du das mit den «sensiblen» Daten nicht allzu ernst meinst …

  • Johannes

    12.02.10 (14:28:41)

    Andreas, du sagst: "Offenheit macht Technologie billiger, aber sie bringt keine fundamental neuen Dinge in die Welt.". Ich finde dies hier allerdings fundamental: http://www.w3.org/standards/

  • Markus Breuer

    12.02.10 (14:37:35)

    Die Arbeit des W3C ist sicherlich als "wichtig" und eventuell "fundamental" zu bezeichnen, was Andreas aber behauptete war, das Offenheit nichts fundamental NEUES in die Welt bringt. Und ich denke, nicht, dass das W3C für sich in Anspruch nimmt, dass zu tun. Dort wird standardisiert, was es schon gibt. Ein Fanboi der Opensource-Bewegen würde die ursprüngliche Behauptung allerdings vehement verneinen. Tatsächlich gehen die Protagonisten des Opensource-Gedankens davon aus, das gerade durch Offenheit Innovation gefördert wird. Das erscheint mir nicht ganz unplausibel. Es zu beweisen dürfte aber auch nicht leicht sein. Am Ende bleibt da viel Glaubenssache :)

  • Johannes

    12.02.10 (14:55:40)

    Markus, evtl. reden wir aneinander vorbei. Aber der Semantic Web Stack (http://en.wikipedia.org/wiki/Semantic_Web_Stack) illustriert doch, wie auf Basis einer offenen Technologie weitere Technologien generiert werden (können), die IMO fundamental sind.

  • Andreas Göldi

    12.02.10 (15:09:05)

    Nochmal, etwas differenzierter: Open Source und andere Formen von Offenheit machen existierende Technologie billiger und damit viel breiter verfügbar. Das fördert natürlich andere Formen von Innovation. Google, Facebook, Twitter usw. würde es vermutlich in dieser Form kaum geben ohne Open Source Software. Wirklich fundamentale Innovationen entstehen aber entweder im universitären Kontext oder in Firmen, nicht im Hobbykeller eines Open-Source-Hackers. Linux beispielsweise ist auch letztlich nur ein Nachbau von Unix. Und während universitäre Innovationen zwar in akademischen Publikationen offen beschrieben werden, sichern sich die meisten Forschungsunis längst die kommerziellen Rechte an Dingen, die auf ihrem Campus erfunden werden. Das kann sich auch sehr lohnen. Das MIT zum Beispiel hat sehr viel Kohle gemacht mit Akamai, weil deren Caching-Algorithmen von Doktoranden auf Uni-Kosten erfunden wurden. Dito Stanford, das immer noch Lizenzgebühren für Googles PageRank bekommt. Das ist also auch nur eine Form von Pseudo-Offenheit. Standardisierungsgremien wie das W3C sind letzlich nur dazu da, etwas Ordnung in den Zoo von Teilinnovationen zu bringen. Aber das Web als solches wurde nicht vom W3C erfunden, sondern von einer Einzelperson an einer Forschungsanstalt, die grosszügigerweise auf Lizenzabgaben verzichtet hat. Aber das ist wirklich eine Ausnahme.

  • Markus Breuer

    12.02.10 (15:14:49)

    Sicherlich reden wir aneinander vorbei. Das ist bei Menschen unterschiedlicher Weltanschauung Standard (speziell im Web). Nur noch einmal zu Rekapitulation: (1) Andreas Göldi hat behauptet: “Offenheit macht Technologie billiger, aber sie bringt keine fundamental NEUEN Dinge in die Welt.” (2) Du bringst als Gegenbeispiel die W3C-Standards (3) Ich sage: die W3C-Standards sind fundamental, ihre Definition und Verabschiedung hat nichts fundamental NEUES in die Welt gesetzt. Das siehst Du eventuell anders. (Wobei Du stets das Wort "fundamental" verwendest aber nie das Wort "neu"). Höflicherweise schiebst Du aber auch "IMO" ein, kennzeichnest das also als Deine persönliche Meinung. Auch das, was ich gesagt habe ist meine Meinung. (Wobei ich immer noch denke, dass "Ich finde dies hier allerdings fundamental: http://www.w3.org/standards/" rein faktisch gesehen keine logisch/semantische Widerlegung von Andreas' Behauptung war). Also: Zwei Menschen haben eine unterschiedliche Meinung. Völlig normal und kein Problem. Es muss sich also - trotz meiner humoristischen Eingangsbemerkung - nicht unbedingt um ein Missverständnis handeln.

  • Johannes

    12.02.10 (19:25:14)

    Mit dem Begriff des "Kontext" hat Andreas uns allen natürlich ein elegantes Argumentationsvehikel an die Hand gegeben. Mit Semantic Web (gemäß W3C, siehe SemWeb Stack) ist im Kontext des W3C (Protagonisten sind bekannt) doch etwas Neues entstanden - auf Basis vorhandener offener Technologien (was die Grafik im Wikipedia Artikel illustriert) und mit Sicherheit unter Einfluss weiterer förderlicher Faktoren, die in einem Unternehmen nicht gegeben sind. Ich schließe darauf (bzgl. weiterer Faktoren) über die Frage, warum SemWeb oder auch ISO/IEC 13250 nicht in einem konkreten Unternehmen oder Uni entwickelt worden ist? (Weil es unter diesen Bedingungen nicht entwickelt werden konnte?) Bzgl. UNIX: also ich finde die Entstehungsgeschichte von UNIX mit der Metapher des Hackens im Hobbykeller eigtl. ganz treffend beschrieben (im Kontext der Bell Laboratories ;) ) http://www.spiegel.de/netzwelt/tech/0,1518,643152,00.html

  • Daniel Niklaus

    12.02.10 (20:04:29)

    Ich stell mich zu Andreas. Unix als Open Source zu bezeichnen, ist schon sehr gewagt. Zumal die meisten hier wahrscheinlich eher "frei" meinen als Open Source. Linux ist Open Source und frei, aber Linux ist auch die grösste Geldverschwendung der IT-Geschichte und relevante Innovationen hat es auch nicht gebracht (man korrigiere mich mit konkreten Beispielen). Ich würde es so beschreiben: Dank Quellenoffenheit kann ein Produkt besser werden und man lernt voneinander, Technologie wird verfeinert und standardisiert - wovon viele profitieren. Etwas Neues entstand in der Vergangenheit aber "nur", wenn Geld dahinter stand. Dieses kann von Universitäten gekommen sein, wo jemand forschen durfte oder hatte einen kommerziellen Hintergrund (man korrigiere mich mit konkreten Beispielen).

  • Johannes

    12.02.10 (21:54:19)

    Daniel, das habe ich nirgendwo gesagt; bitte genau lesen :) . Ich habe zu Andreas' UNIX-Anriss Bezug genommen. Es ging mir in diesem Schlenker darum auszudrücken, dass die Reduktion auf Firmen- oder Uni-Kontexte IMO nicht ganz treffend ist.

  • Markus Breuer

    13.02.10 (07:08:45)

    Ich finde die Diskussion zum Thema "Offenheit" und Innovation hier - abseits der ideologischen Grabenkämpfe zwar sehr interessant, aber etwas zu Schwarz/Weiß für meinem Geschmack. Ich glaube zum Beispiel nicht, dass Innovation (speziell die intitiale Invention) zwangsläufig immer den Kontext einer Firma oder Forschungseinrichtung benötigt. Vielleicht bin ich da etwas zu romantisch oder idealistisch, aber ich denke, hier geht es erst einmal um einen "Geistesblitz", den Moment der "Erleuchtung", etwas grundsätzlich anders zu tun und zu denken als es vorher selbstverständlich (!) war. Ich finde Andreas' These zu diesem Thema ein wenig zu radikal. Aber vielleicht ist das ja auch nur die Reaktion auf die gerade im IT-Bereich sehr große - und teils unrealistisch große - Erwartungshaltung gegenüber "offenen" Entwicklungsprozessen, die gerade bei jüngeren Mitarbeitern weit verbreitet ist. Aus einer Invention eine systemrelevante Innovation zu machen, verlangt allerdings meistens ein Maß an Investitionen, das der "Hacker in Hobbykeller" selten bereitstellen kann. Theoretisch gute Ideen (auch Erfindungen) werden jeden Tag vermutlich Hunderttausende produziert. Daraus eine erfolgreiche Innovation zu machen, ist noch ein langer und aufwendiger Prozess. Inventionen und auch der darauf folgende Innovationsprozeß finden aber nie im luftleeren Raum statt. Es war Newton, der - glaube ich - von "Standing on the Shoulder of Giants" sprach (nanos gigantium humeris insidentes) und was dahintersteckt, ist natürlich, dass die eigene Arbeit auf der Anderer basiert und ohne die nicht möglich gewesen wäre. Das verlangt natürlich ein gewisses Maß an "Offenheit". Eine Kultur, in der jeder "Erfinder" sein Geisteswerk eifersüchtig geheim hält und eine Nutzung durch andere verbietet oder durch exorbitanten Lizenzkosten erschwert, wäre vermutlich in Summe nicht sehr innovativ - da "das Rad ständig neu erfunden werden" muss. Umgekehrt scheint es mir so, das völlige Offenheit auch nicht die optimale Lösung zu sein scheint. Denjenigen, die die notwendigen Investitionen in einen Innovations- und Markteinführungsprozeß stecken, muss ein gewisser Return geboten werden. Und das ist schwer, wenn jeder andere Marktteilnehmer die Möglichkeit hat, die unter hohen Kosten entwickelte Innovation ohne Einschränkungen selbst zu vermarkten - ohne die Eingangsinvestitionen tätigen zu müssen. Open-Source-Protagonisten sehen das naturgemäß anders und sie beschreiben Mechanismen, die theoretisch in der Lage sein sollten, den Innovatoren andere Incentives für ihre Investitionen (nicht nur Geld) zu bieten. Ich sehe hier allerdings eine große argumentative Schwäche im Praxistest. Denn - obwohl der Open-Source-Gedanke nun schon eine ganze Weile populär ist und Millionen von begeisterten Anhängern hat, sind aus dieser Quelle zwar eine Anzahl sehr ordentlicher Produkte gekommen (interessanterweise allerdings vorwiegend Tools für Entwickler und nur wenig erfolgreiche Endanwender-Applikationen). Die Zahl wirklich bedeutender Innovationen in diesem Umfeld scheint mir aber gering zu sein - zumindest kenne ich wenige. Viele der populären Open-Source-Entwicklungen sind im Gegenteil Nachempfindungen von Produkten, die es zuvor schon in proprietärer Form gab. Mein persönliches Fazit ist deshalb (und das ist schon beinahe ein Mantra bei mir): es ist die Balance! Die optimale Lösung findet sich nicht an einem der extremen Pole (ubiquitous open source vs. patenting everything) sondern liegt irgendwo in der Mitte. :)

  • Andreas Göldi

    13.02.10 (16:11:44)

    @Markus: Natürlich habe ich mein Statement bewusst übertrieben, gerade eben weil es im IT-Bereich diesen Offenheits-Fetischismus gibt, der (genau wie der eng verwandte "Alles muss gratis sein"-Fetischismus) praktisch nie die Frage stellt, ob das alles denn auch kommerziell so tragfähig ist, dass sich davon normale Menschen ihren Lebensunterhalt verdienen können. Ich laufe hier in Cambridge gelegentlich mal Free-Software-Guru Richard Stallman über den Weg, und ehrlich glaube ich nicht, dass die meisten IT-ler mit seinem materiellen Lebensstil zufrieden wären.   Man muss sicher auch noch erwähnen, dass es einen starken Trend hin zu "offener Innovation" im Sinn von kollaborativer Innovation über Organisationsgrenzen hinaus gibt. Die akademische Grundlage kommt z.B. von Leuten wie Eric Von Hippel (http://web.mit.edu/evhippel/www/) und Tom Malone (http://cci.mit.edu/malone/), und es gibt schon erfolgreiche Firmen wie InnoCentive (http://www.innocentive.com/), die dieses Prinzip kommerzialisieren. Allerdings geht es da meistens auch eher um inkrementelle Innovation statt um den grossen Wurf. Aber das Potential ist sicher da, dass sich das ändert.   Und natürlich hast Du absolut recht: Es ist die Balance. Ist es ja irgendwie immer im Leben. Nur gibt die keine interessanten Headlines her...

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