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03.03.14Kommentieren

Marktplatz für Bildrechte: Der Moment, auf den EyeEm lange gewartet hat, rückt näher

Lange Zeit agierte EyeEm im Schatten von Instagram. Doch mit dem Debüt eines Marktplatzes für Fotorechte geht das Berliner Startup künftig einen ganz eigenen Weg. Smartphone-Fotografen mit Sinn für schöne Schnappschüsse können über den EyeEm Market Geld verdienen.

Der Berliner Foto-Sharing App EyeEm ist es gelungen, sich in einem von Instagram dominierten Marktumfeld zu behaupten. Mehr als zehn Millionen registrierte Nutzer sind angesichts der hohen Anziehungskraft und des schnellen Wachstums von Instagram eine beachtliche Marke. Um sich von der zu Facebook gehörenden Konkurrenz zu differenzieren, bezeichnen die Haupstädter ihren Dienst schon länger nicht mehr als simplen Service zum Teilen von Bildern. Zuletzt beschrieb Mitgründer Florian Meissner den Service als den "weltweit führenden Community-Marktplatz für mobile Fotografie". Was dem Unternehmen allerdings bislang eigentlich noch fehlte, war die sichtbare Marktplatz-Komponente. Doch das ändert sich jetzt, denn die Berliner stehen kurz vor dem Start von "EyeEm Market". Ab sofort können EyeEm-Anwender auf eyeem.com/market ihr Interesse an der Partizipation in der geschlossenen Beta-Phase des Fotorechte-Marktplatzes signalisieren. Dieser soll in Zukunft EyeEm-Fotografen und Käufer von Fotolizenzen zusammenbringen und der Community des Dienstes die Gelegenheit einräumen, mit ihren Kreationen Geld zu verdienen. Ab einem Preis von einem Euro können Bildrechte im EyeEm Market angeboten werden. Die eine Hälfte des Umsatzes fließt an die Nutzer, die andere verbucht EyeEm als Erlös für sich. Eine Auszahlung ist ab einem Guthaben von zehn Euro möglich.

EyeEm

Das Unternehmen verspricht, dass Anwender grundsätzlich im Besitz ihrer Fotos bleiben und dass Interessenten lediglich nicht-exklusive Nutzungsrechte erwerben können. Das bedeutet, dass EyeEm-Mitglieder, denen ein richtiges Foto-Kunstwerk gelungen ist, dieses per EyeEm auch mehrfach lizensieren können. Sollten Kunden ein Exklusivrecht anfragen, so werde dies laut EyeEm auf individueller Basis unter Einbeziehung des Urhebers verhandelt.

In der Startphase des Marktplatzes wählen Kuratoren die Fotos der sich für den Marktplatz angemeldeten User aus, die am ehesten auf Bedarf bei Kunden stoßen. Das Unternehmen vergleicht seine Rolle mit der anderer disruptiver Onlinemarktplätze wie Amazon oder Etsy, über die Anbieter und Nachfrager direkt miteinander in Kontakt gebracht werden. In diesem Mechanismus liegt der entscheidende Unterschied des Konzepts zu klassischen Bildagenturen: Diese verhandeln mit Anbieter und Nachfrager separat, was für die Beteiligten nach Ansicht von EyeEm deutlich umständlicher ist.

EyeEms Ziel mit dem neuen Dienst, der im Frühjahr offiziell debütieren soll, ist sowohl die Revolution des Konsums mobiler Fotografie als auch ein Senken der Barrieren, um einer neuen Generation mobiler Fotografen den Einstieg in den professionellen Bildmarkt zu ermöglichen.

Die Bedeutung des Schritts für das Startup aus Berlin-Mitte kann nicht überbewertet werden: Zweieinhalb Jahre nach dem Launch muss das Unternehmen seinen Investoren beweisen, dass es auch abseits des massenkompatiblen Instagram-Ansatzes Geld verdienen kann. Das jetzt vorgestellte Modell erscheint dabei ziemlich spannend, gestattet es doch erstmals passionierten Smartphone-Fotografen - also dem Otto-Normal-Nutzer - ohne großen zeitlichen und juristischen Aufwand die Lizensierung der eigenen Werke. Abhängig von den Konditionen, die Lizenznehmern eingeräumt werden, könnte EyeEm mit seinem neuen Angebot auch den etablierten Bildagenturen ordentlich das Wasser abgraben. Denn zumindest für Illustrationen in digitalen Medien reichen schön anzuschauende, leicht bearbeitete Smartphone-Photos oft vollkommen aus. Kritisch zu beurteilen ist an dieser Stelle die hohe Vermittlungsgebühr von 50 Prozent - damit ist EyeEm unter den ohnehin nicht gerade bescheidenen großen Webplattformen und Onlinemarktplätzen einsame Spitze. Davon abgesehen sind wir gespannt, welche Auswirkungen EyeEm Market haben wird.

Update: EyeEm wird für den Marktplatz zugelassene Nutzerbilder im Rahmen einer Kooperation mit Getty Images auch über die bekannte Bildagentur verkaufen.

Offenlegung: Wir nutzen bei netzwertig.com im Rahmen einer Kooperation Fotomaterial der Bildagentur Shutterstock.

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