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09.01.14

Markplatz für Taxidienstleistungen: MyTaxi startet kontroverses Auktionsmodell - aber bietet Fahrern gebührenfreie Kartenzahlungen

MyTaxi schreckt seine angeschlossenen 45.000 Taxifahrer mit einem Auktionsmodell auf, bei dem künftig mehr Fahrten erhält, wer eine höhere Provision an myTaxi zu zahlen bereit ist. Der Schritt beinhaltet außerdem für Fahrer gebührenfreie Kartenzahlungen.

TechCrunch berichtete gestern über eine signifikante Veränderung beim beliebten Taxivermittler myTaxi. Anstatt dass die 45.000 Taxifahrer für über die App der Hamburger vermittelte Fahrten wie bisher pauschal 79 Cent an das Startup abführen mussten, sollen sie ab dem 1. Februar selbst wählen können, welche Vermittlungsprovision sie zu zahlen bereit sind. Die von myTaxi angebotene Spanne beginnt bei drei Prozent und endet bei 30 Prozent. Ein von dem Unternehmen entwickelter Algorithmus entscheidet auf Basis der vom Fahrer akzeptierten Vermittlungsprovision, der Nähe zum Fahrgast sowie der Bewertungen von Fahrer und Fahrgast, wer welchen Auftrag bekommt. So sollen Nachfrage und Angebot besser miteinander in Einklang gebracht werden. Fahrer, die einen größeren Teil ihres Umsatzes mit myTaxi zu teilen bereit sind, erhalten zu nachfrageschwachen Zeitpunkten trotzdem Fahrten von myTaxi, während andere nur zum Zuge kommen, wenn gleichzeitig viele Passagiere befördert werden wollen.

Update 15. Januar: Nach anhaltenden Protesten hat myTaxi die geplante Maximalprovision von 30 auf 15 Prozent reduziert.Bei manchen myTaxi-Fahrern stößt das Vorhaben auf große Bedenken, wie dieser Forenthread illustriert. Zwar besteht theoretisch die Möglichkeit, dass Fahrer für die Vermittlung einer Fahrt durch myTaxi nun eine geringere Gebühr an die Elbstädter zahlen als bisher. Viele gehen aber davon aus, dass sich die akzeptierte Vermittlungsgebühr im Bereich zehn bis 15 Prozent einpegeln werde - was schon ab einer Kurzstrecke für zehn Euro einen höheren vom Fahrer an myTaxi abzuführenden Anteil ausmachen würde als bisher. Dass sich myTaxi zwischen der Bekanntgabe des Schritts, der am Dienstagnachmittag auch offiziell per Pressemittelung verbreitet wurde, und der Implementierung einige Wochen Zeit einräumt, ergibt angesichts der absehbaren Auseinandersetzung Sinn. Eventuelle Justierungen der Konditionen sind sicherlich nicht ausgeschlossen.

Eine zweite Facette der Neuerung blieb bislang aber unbeleuchtet: Das erfolgreiche Startup aus Hamburg schafft mit der Einführung der Vermittlungsauktion die Transaktionsgebühr für Kartenzahlungen ab. Seit 2012 können Fahrgäste ihre Touren direkt über die myTaxi-App und darin hinterlegte Kredit- oder Debitkarten bezahlen. Im vergangenen Jahr lancierte das Startup außerdem einen mobilen Kartenleser für das Smartphone. Dieser gestattet es Fahrern, Fahrgästen auch ohne spezielles Terminal per physischer Karte zahlen zu lassen. Fahrer, die diese Optionen zuließen, mussten allerdings eine Transaktiongebühr in Höhe von 2,75 Prozent des Fahrpreises berappen. Dies ist mit der neuen Regelung passé: Ab dem 1. Februar übernimmt myTaxi die Gebühren, die bei Kartentransaktionen anfallen.

myTaxi ist damit der einzige uns bekannte Zahlungsservice überhaupt, der seinen Kunden (in diesem Fall den Taxifahrern) komplett gebührenfreie Kartenzahlungen einräumt. Ein Verlust entsteht dem Unternehmen dabei freilich nicht: Da die unterste Gebührengrenze für die Vermittlung einer myTaxi-Fahrt bei drei Prozent liegt, können sich die Norddeutschen darauf verlassen, grundsätzlich die 2,75-prozentige Transaktionsgebühr abzudecken. Sofern aber ein Fahrgast einen Trip per Karte zahlt, für den der Fahrer myTaxi eine dreiprozentige Provision überlässt, so bleiben dem Unternehmen am Ende nur 0,25 Prozent.

Das neue Auktionsmodell birgt somit vor allem Risiken höherer Vermittlungsgebühren für myTaxi-Fahrer, die bislang in erster Linie Barzahlungen entgegennahmen. Fahrer, die oft mit Karte zahlende Fahrgäste transportieren, erhalten mit dem neuen Ansatz ein Geschenk von myTaxi - zumindest solange sie sich nicht gezwungen fühlen, die Provisionsregler auf über sechs bis sieben Prozent einzustellen. Ab da käme myTaxis Neuerung auch sie teurer zu stehen.

Mit dem Thema Vermittlungsgebühren bei Plattformen hatten wir uns letztens übrigens ausführlicher befasst/mw

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