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26.04.08

"Männermagazine" unter Druck

Männermagazine sind ein idealer Platzhalter, um die Krise der Printpresse zu thematisieren, ohne dem Leser zu sagen, dass man auch selber mit der Auflage kämpft.

Playmate
Shooting für den Playboy: Im Netz ist's nackt (Bild Keystone)

Im Tagesspiegel vom 25. April 2008 steht unter dem Titel "Entblättert": "Die Männer-Magazine stecken in der Krise – Nackte gibt?s im Netz in Massen." Stimmt ja auch: Matador wurde gerade eingestellt, Penthouse-Models frieren in der Nische und über den Kahlschlag bei den billigen Heftchen schrieb das Zeitschriftenblog Ende vergangenen Jahres "Friedhof der Schmuddelblätter".

Also nichts Neues, wie auch schon im Tagesspiegel vom 30. Dezember 2006 zu lesen war. Dort hiess es:

Männerunterhaltung ist ein hartes Geschäft. Und der Männermagazin-Markt unter Druck. Die Auflagen vieler Titel sind stark gesunken. Mehr oder weniger kunstvoll fotografierte nackte Frauen reichten nicht mehr aus, um ein Männermagazin zu verkaufen, sagt ein Chefredakteur aus der Branche. Erotik sei im Internet frei verfügbar.

 

Ein dritten Artikel mit dem selben Fazit konnte man erst vor drei Tagen lesen, am 22.04.2008, auf welt.de. Dort hiess es:

Die deutschen Männermagazine verlieren Leser. Schuld daran ist auch das Internet und Seiten wie Askmen.com.

Bekannt ist das Problem aber schon länger. Viel länger. Am 2. November 1998 stand im Spiegel:

Im Zeitalter der Digitalisierung bröckelt die Auflage aller traditionellen Männermagazine.

Seit zehn Jahren also ist es kein Geheimnis mehr: Gedruckte Inhalte gibt es frei auf dem Internet.

Sonja Pohlmann könnte also auch statt "Die Männer-Magazine stecken in der Krise – Nackte gibt?s im Netz in Massen" den Satz "Die Printpresse steckt in der Krise – Inhalte gibt?s im Netz in Massen" schreiben. Oder Oskar Piegsa (zuender.zeit.de, 41 / 2005) könnte statt "Wer nackte Frauen sehen möchte, kann das heute kostenlos im Netz tun" den Satz "Wer Inhalte konsumieren möchte, kann das heute kostenlos im Netz tun" schreiben. Aber soweit ist man offenbar noch nicht. Weil man selbst damit nicht ganz problemlos verbandelt ist, schweigt man lieber darüber. Und schiebt die Männermagazine vor. Die sind ja sowieso etwas schmuddelig.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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