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02.08.13

Loom-Gründer Jan Senderek: Über London ins Valley - und irgendwann zurück nach Deutschland

Was mit Fotos: Loom-Gründer Jan Senderek zog von Köln über London ins Silicon Valley und schwört auf die dortige Startup-Mentalität. Trotzdem will er langfristig zurück nach Deutschland. Warum?

Loom Eigentlich schwärmt Jan Senderek von Kalifornien. Er mag die Natur und gerade die Startup-Mentalität im Silicon Valley. Seine Wochenenden verbringt er gerne am Lake Tahoe, abends genießt er vermeintliche Kleinigkeiten, wie, dass die Abendsonne in anderen Farben erstrahlt als in Deutschland. Und dann die Wirtschaft vor Ort: Etwas zu gründen sei dort überhaupt kein Problem, wiederholt er die Schwärmerei anderer Gründer. Selbst VCs überwiesen geringe Beträge in Höhe von 25.000 US-Dollar in fünf bis sieben Tagen.

"Die wissen einfach, dass Startups Geld brauchen, und pfuschen einem nichts ins Handwerk", sagt Senderek. "Einen Business-Plan muss hier niemand schreiben. Investoren fragen, wie wir Geld verdienen wollen, können das sofort einschätzen, sagen ja oder nein oder machen einen Vorschlag, wie es statt dessen funktionieren könnte." San Francisco sei das Beste gewesen, was seiner Firma passieren konnte. Für ein paar Jahre, das weiß er, wird er sich dort pudelwohl fühlen. Auf lange Sicht aber will er nach Deutschland zurück. Aus Eeve wird Popset wird Loom

Seine Firma heißt inzwischen Loom und hat damit kürzlich zum zweiten Mal in den vergangenen anderthalb Jahren ihren Namen geändert. Noch unter dem Namen Eeve rief Senderek zusammen mit den drei anderen deutschen Mitgründern Philipp Wein und Daniel Wagner im September 2011 in London ein Foto-Startup ins Leben. Ähnlich wie das spätere Investorengrab Color sollte Eeve standortbezogene Bilder verschiedener Fotografen aggregieren. Das stieß auf Interesse des kalifornischen Startup-Inkubators Y Combinator, der im Februar 2012 als Investor einstieg und die Jungs ins kalifornische Mountain View holte. Auf Rat der Investoren verschob das Gründerquartett den Fokus der App hin zu gruppenbasierten Fotoalben und änderte den Namen von Eeve in Popset.

Jan SenderekMit Loom ändert sich der Fokus erneut. "Es bleibt dasselbe Unternehmen", versichert Senderek, auch Y Combinator ist weiterhin mit an Bord. Bei Popset habe sich aber herausgestellt, dass die Zeit noch nicht reif dafür war. Auf Basis zahlreicher Nutzeranfragen änderte das Gespann noch einmal den Fokus: Loom gleicht Fotosammlungen auf dem Mac, dem iPhone und dem iPad ab. Die Bilder werden nicht nur in der Cloud gespeichert, der notwendige Speicherplatz auf jedem Gerät wird verkleinert. "Das Bild, was man mit der Kamera vom iPhone 5 schießt, ist elfmal größer als die Display-Auflösung", sagt Senderek. Loom konvertiert diese Bilder auf den eigenen Servern und schickt Dateien zurück - die für das jeweilige Display optimiert sind und deutlich weniger Speicherplatz verbrauchen. Das Feedback von ersten Beta-Testern sei sehr positiv gewesen.

Gefängnisse, die Profit erwirtschaften

Als ich mit Senderek telefoniere, kommt er allerdings auch auf die Schattenseiten des Silicon Valleys und San Franciscos zu sprechen. An ihrem ersten kalifornischen Wohnort Mountain View habe es dem Team, so Senderek, gar nicht gefallen. Das sei eine verschlafene Arbeiterstadt. Mit der Umbenennung zu Loom folgte auch der Umzug ins deutlich belebtere San Francisco. Doch auch hier stört Senderek zum Beispiel, dass es praktisch keine öffentlichen Plätze gäbe: "Man macht hier alles mit dem Auto. So etwas wie Fußgängerzonen gibt es nicht." Das Nachtleben nennt er 'wenig entspannt': "Es ist weniger locker als in Deutschland. In jedem Klub nehmen sie dir um halb 2 das Glas aus der Hand, weil sie den Laden um 2 Uhr schließen müssen."

Was ihn ebenfalls störe: die große Kluft zwischen Arm und Reich, das fehlende Verständnis der US-Amerikaner dafür, dass eine gesetzliche Krankenkasse etwas Gutes sein kann, oder auch die Ironie der Tatsache, dass einige Gefängnisse in den USA privatisiert sind und Profit erwirtschaften müssen. "Wenn du hier auf der Straße die Polizei siehst, fühlst du dich nicht sicher, sondern bedroht." Im fehle die gesellschaftliche Mitte, sagt Senderek, der in einer Kleinstadt in der Nähe von Dortmund aufgewachsen ist, und diese Diskrepanz zwischen Arm und Reich in Deutschland nie erlebt habe.

Mittelfristig und gerade als Gründer fühle er sich in San Francisco sehr wohl. "Ich bin ja auch noch jung, nicht verheiratet und habe keine Kinder", sagt er. "Aber wenn ich mir aussuchen könnte, wo ich meine Kinder lieber großziehen würde, würde meine Wahl auf Deutschland fallen." Bevor es so weit ist, fliegt Senderek häufiger nach Berlin, weil dort die andere Hälfte des Loom-Teams arbeitet. Die Kommunikation über den Ozean hinweg funktioniere bislang sehr gut.

Loom auf dem iPad

Komfortabler als iCloud

Looms iPad-App hinterlässt bei uns einen guten ersten Eindruck. Das Design mit einer Menüleiste links wirkt modern, der Upload funktioniert reibungslos und auf Wunsch automatisch. Loom erinnert hierbei ein wenig an den Foto-Upload von Google+, außer dass eine automatische Bildoptimierung fehlt und Social Sharing nicht vorgesehen ist. Noch während die Bilder auf meinem Testgerät, einem iPad, hochgeladen werden, weiß mein Mac bereits von ihrer Existenz. Die Mac-App ist ansonsten sehr spartanisch gehalten und dient nur einer Übersicht der Verzeichnisse. Für die Bilder selbst integriert sich Loom, ähnlich wie Dropbox, in den Finder und legt dort Verzeichnisse an. Bildverzeichnisse lassen sich mit einem Schieberegler auf ein Gerät laden oder wieder von dort löschen. Sie bleiben in allen Größen in der Cloud gespeichert.

Weil das Konvertieren und Speichern der Bilder die Loom-Server stark beansprucht, will das Startup lieber langsam wachsen und nur nach und nach neue Nutzer hereinlassen. Den Investoren, die auch die zweifache Änderung der Geschäftsidee begrüßten, dürfte das egal sein. Denn Loom verdient vom ersten Tag an Geld. Die ersten 5 GB Speicher sind kostenlos, für alles darüber verlangt das Startup einen Monatsbeitrag. Senderek nennt die Konversionsrate in den ersten Tagen bereits "erfreulich". Die Idee des Tools ist zwar nicht sonderlich revolutionär - iCloud macht mehr oder weniger das gleiche - funktioniert aber gut, lässt sich komfortabel bedienen und ist vor allem eins: einfach. Derartige Ideen sind nicht selten die begehrtesten. In den USA wie in Deutschland.

Link: Loom

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