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20.10.09Leser-Kommentare

Location Based Services: Wann macht Facebook endlich ernst?

Trotz einer guten Ausgangssituation ignoriert Facebook bisher das eigentliche Highlight mobiler Social Networks: ortsbezogene Services. Es könnte sich irgendwann rächen.

FacebookFacebook dominiert das soziale Web. Angesichts von über 300 Millionen aktiven Mitgliedern, täglichen Zuwachsraten im sechsstelligen Bereich sowie stark steigender Verweildauer hänge ich mich mit dieser Aussage nicht gerade weit aus dem Fenster. Alles deutet auf eine ausgedehnte und langfristig bestehende Marktführerschaft des US-Dienstes im globalen Social-Networking-Bereich hin. Zumindest in dem des "stationären" Internets.

Denn obwohl schon 65 Millionen Facebook-Mitglieder den Dienst auch von mobilen Geräten abrufen, so ist der Kuchen bei Mobile Networks noch lange nicht gegessen. Trotz ausgefeilter Versionen für alle möglichen Smartphones kann Facebook mobil bisher nämlich nichts anders als auch vom Heim- oder Bürorechner aus - nur in einer auf kleine Bildschirme und langsame Verbindung angepassten Form. Den eigentlichen größten Vorzug des mobilen Internets vernachlässigt das kalifornische Netzwerk bisher komplett: "Location Based Services" (LBS), an den aktuellen Aufenthaltsort angepasste Inhalte und Services.

Seit vielen Monaten warte ich darauf, endlich über die Facebook-Applikation meines iPhones angezeigt zu bekommen, welche meiner Kontakte in der Nähe sind. Zum einen, weil es interessant ist, zum anderen, weil es ziemlich nützlich sein kann. Immerhin muss ich dann gar nicht erst jemandem danach fragen, ob wir ein Bierchen trinken gehen sollen, wenn dieser sich ohnehin gerade 1000 Km entfernt befindet. Oder aber ich kann mich spontan mit einem Kontakt zum Kaffee verabreden, der zufällig gerade in unmittelbarer Nähe ist.

Über die Gründe für Facebooks Trägheit kann man spekulieren. Eine wahrscheinliche Ursache ist die Furcht des Facebooks-Managements vor einer aufkommenden Diskussion über die Privatsphäre der Mitglieder. Nicht jeder würde es begrüßen, fortan seine Kontakte unfreiwillig über den eigenen Aufenthaltsort zu informieren.

Andererseits ließe sich ein eventueller Proteststurm der Nutzer durch einen Launch auf Opt-In-Basis vermeiden - wer die Funktion nicht manuell freischaltet, kann nicht auf sie zugreifen. Auch müsste eine Feinabstimmung des Features möglich sein, damit es User an ihre sehr individuellen Präferenzen in Bezug auf die Privatsphäre anpassen könnten. Aber auch das wäre für Mark Zuckerberg und seine talentierten Entwickler kein Problem.

Während Facebok in Bezug auf LBS derzeit noch keinen Finger rührt, streiten sich immer mehr speziell auf die mobile Nutzung ausgerichtete Social-Web-Dienste die Gunst der zunehmend mobil surfenden User. Pioniere wie Loopt und Brightkite mit starkem Networking-Fokus treffen wie viele andere Dienste auf spielerisch ausgelegte Anbieter wie das in den USA gerade aufblühende Foursquare oder Gowalla - alles Dienste, die ihren gesamten Funktionsumfang auf den Aufenthaltsort der Anwender ausrichten. Selbst Twitter hat gerade den Startschuss für ortsbezogene Funktionen gegeben.

Natürlich kann man noch nicht von einer ernsthaften Konkurrenz für Facebook sprechen. Zumal Facebook als logische Folge der Dominanz im stationären Web derzeit auch das mobile Social Networking anführt. Aber klar ist, dass Facebook sich nicht sehr lange Zeit für den Vorstoß in den LBS-Sektor lassen kann. Nicht nur, um das volle Potenzial des mobilen Internets auszunutzen, sondern auch, um nicht einen Konkurrenten allzu stark in den Genuss von Netzwerkeffekten kommen zu lassen. Denn dann bestünde im mobilen Bereich die ernsthafte Gefahr, ins Hintertreffen zu geraten. Selbst eine Macht wie Facebook darf sich das nicht erlauben. Zumindest dann nicht, wenn man sich eine Akquisition sparen möchte.

Kommentare

  • mike

    20.10.09 (15:39:03)

    Darauf kannst Du echt noch lange warten... die Probleme hast Du ja schon selbst erkannt (Privatsphäre speziell). Außerdem nutzen von meinen 50 Facebook-Freunden gerade mal 5 ein iPhone und das auch nur gelegentlich.

  • Martin Weigert

    20.10.09 (17:42:53)

    Na warten wir mal ab. Ich würde mich nicht wundern, wenn da bald was kommt. Und neben dem iPhone gibt's ja auch noch Android, Blackberry, Palm Pre usw... die Zahl der Smartphone-Nutzer steigt ständig.

  • llmiguell

    20.10.09 (22:00:54)

    @Martin Da hast du Recht. Die Nutzerzahl steigt stetig aber ich glaube der Diffusionsverlauf also der Indikator für die Akzeptanz der neuen Technologien/Medien ist bei den Smartphones noch nicht erreicht worden. Viel zu wenige Leute habe bereits einen Smartphone oder benutzen Regelmäßig solche Dienste über diesen Weg. Solch eine Investition in diesem Bereich würde sich meiner Meinung nach noch nicht Lohnen. Wünschen würde ich es mir aber trotzdem :)

  • Dani Schenker

    21.10.09 (03:43:08)

    @mike: Und ganz davon abgesehen, dass es wie Martin sagt auch noch andere Mobilephones gibt, sieht die Situation in den USA gleich nochmal anders aus. Vor allem dort muss Facebook zusehen, dass sie nicht was verpassen. Google hat ja kürzlich erst einen mobilen lokalen Service vorgestellt. In den USA ist da sicher bereits ein grösserer Markt vorhanden.

  • Klaus Wolfrum

    21.10.09 (06:32:49)

    In der Tat. Das Thema geosoziale Apps/SNs halte ich gleichfalls für eine sehr hohes Vermarktungspotential mit dem Zeug zu einem mit DER Trends in 2010. Ich glaube nicht, ob es eine große Frage ist, ob sondern wann eines der großen Netzwerke das angeht.

  • mjays

    21.10.09 (10:43:04)

    Die wichtige Frage hier ist sicherlich nicht die technische Durchsetzbarkeit sondern vielmehr die Diskussion der sozialen Implikationen. Bei den derzeitigen Lösungen für LBS, welche nach wie vor auch nur eine Minderheit der "Early Adopter" erreichen, steht der spielerische Umgang mit dieser Technologie im Vordergrund. Zudem werden Fragen nach den Implikationen durch die geringe Nutzerbasis vorerst erleichter. Ich kann mir gut vorstellen, dass gerade Facebook hier wie schon im Bereich anderer Technologien vorerst abwartet wie die Adoption der LBS voranschreitet und wie die Konsequenzen ausgehandelt werden, um dann, wie schon am Beispiel FriendFeed oder Twitter, die technologischen Neuerungen einfach zu übernehmen. Aus einer Marktperspektive wäre es für Facebook derzeit unlogisch, in diesen Markt vorzupreschen ohne erst abzuwarten, wie sich LBS etablieren. Vor allem die Fragen der sozialen Konsequenzen (wie z.B. auch die Möglichkeit, über den eigenen Standort zu lügen) müssten erst von einer kleineren Nutzerbasis gründlich durchexperimentiert und -diskutiert werden, bevor sie einer potentiellen Zielgruppe von 85M Nutzern zur Verfügung gestellt werden — und das mit derzeit unabsehbaren Konsequenzen.

  • Jongo

    17.04.12 (13:29:07)

    Der Arikel ist auch 2 Jahre nach der Veröffentlichung noch interessant - sieht man heute wo die Reise von FB tatsächlich hinging/-geht. Denn so wirklich viel wurde bisher nicht erreicht und andere Dienste haben sich hier viel besser etabliert, wobei auch ganz klar gesagt werden muss, das Location based Services in Deutschland noch nicht im Alltag angekommen sind, was ich 2009 schon erwartet hätte.

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