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16.07.10

Location Based Dating: Vernachlässigt, aber lukrativ

Während ortsbezogene mobile Dienste abheben, bewegt sich im Bereich des mobilen Datings überraschend wenig. Dabei gibt es viel zu holen.

 

Als wir vor knapp einem Jahr zum ersten Mal über foursquare berichteten, wussten wir noch nicht, dass der New Yorker Location Based Service (LBS) Türoffner für eine ganze Branche sein würde. Seit dem Launch von foursquare vergeht kaum noch eine Woche, ohne dass ein neuer ortsbasierter Smartphone-Dienst online geht.

Doch etwas ist seltsam: Während fast alle neuen Services den aktuellen Aufenthaltsort ins Zentrum stellen, tauchen nur wenige Dienste auf, bei denen Nutzer und deren Zusammentreffen im Vordergrund stehen. Will meinen: Während LBS boomen, erhält der Bereich des Location Based Dating (LBD) weniger Beachtung, als man vor Jahren hätte erwarten können.

An einem generellen Desinteresse der Nutzer an der Onlinepartnersuche kann es nicht liegen. Laut einer BITKOM-Umfrage aus dem vergangenen Jahr fanden immerhin 1,3 Millionen Deutsche ihren Lebensgefährten im Internet, 2,7 Millionen der Befragten haben schon einmal eine Flirtbörse ausprobiert.

Zwar ist die Nachfrage nach Onlinedating-Angeboten damit deutlich geringer als die nach herkömmlichen Social Networks, aber gleichzeitig besteht eine erheblich höhere Bereitschaft der User, Geld für Mitgliedschaften bzw. Zusatzfunktionen zu zahlen. Aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten ist der Markt also definitiv interessant.

Laut Forrester Research rangiert das Flirten im Netz auf dem dritten Platz aller kostenpflichtigen Webservices, was den Gesamtumsatz betrifft - noch vor Erotikangeboten. Eine bereits drei Jahren alte Prognose von Jupiter Research verspricht dem Onlinedatingmarkt für das Jahr 2011 in den USA Umsätze von 932 Millionen Dollar und in Europa 549 Millionen Euro.

Und während das "stationäre" Onlinedating langsam seine Wachstumsgrenze erreicht - die Anzahl flirtwilliger Singles ist zwar dynamisch, aber dennoch begrenzt - sind die Erwartungen für den noch in den Anfängen steckenden mobilen Sektor groß: Juniper Research (nein, kein Schreibfehler) erwartet für das Jahr 2014 einen Umsatz von 1,4 Milliarden Dollar allein für mobile Flirt- und Chatdienste.

Vier Jahre sind also noch Zeit, um diesen bisher kaum existenten Markt aufzubauen, zumindest wenn Juniper Research recht behalten soll. Während es bei LBS neben foursquare eine ganze Reihe anderer Angebote gibt, die zunehmend Aufmerksamkeit von Medien und Anwendern erhalten, fehlt das Facebook oder foursquare des Location Based Dating bisher gänzlich.

Natürlich gibt es diverse Angebote, die auf die ein oder andere Art Flirtservices für Smartphones und Mobiltelefone anbieten, so z.B. Flirtomatic, miumeet oder Dating.mobi. Allerdings handelt es sich dabei eher um an Handys angepasste Websites, ohne dass die Stärken von LBS tatsächlich zum Tragen kommen.

Näher an LBD kommen da schon MeetMoi oder Skout - letztgenannter Service hat laut eigenen Angaben gerade die Grenze von einer Million Nutzern durchbrochen . Aber allein von der Website her können auch diese nur bedingt überzeugen. MeetMoi versprüht eher den Charme eines Angebots für Geschäftskunden, während Skout auf den ersten Blick vielleicht einen Tick zu unseriös wirkt.

Auch das deutsche LBS aka-aki positioniert sich zumindest partiell als Dienst, mit dem sich "keine Chance mehr verpassen lässt". Aber um zu DER mobilen Flirtapp zu werden, würde es einen vollständigen Schwenk hin zum ortsbasierten Dating erfordern.

Obwohl Onlinedating für immer mehr Menschen eine interessante Alternative zur herkömmlichen Partnersuche wird, ist das Thema in gewissem Maße tabuisiert. Insofern wird wahrscheinlich selbst ein disruptiver mobiler Flirtservice niemals einen derartigen medialen Hype auslösen können, wie es Facebook im Social Networking und foursquare im ortsbezogenen Networking gelungen ist.

Dennoch liegt angehenden Gründern oder existierenden Startups auf der Suche nach einem neuen Geschäftsmodell hier ein attraktiver Markt zu Füßen, der weder konjunkturellen oder modischen Schwankungen unterworfen ist, noch vom Netzwerkgiganten Facebook bedroht wird.

Dort kommt es zwar wie bei allen Social Networks (und überhaupt wie überall im Leben) auch zu gelegentlichen Flirtversuchen, aber aktive Vorstöße von Facebook in diesen Sektor sind aus Rücksichtnahme auf die fast 500 Millionen Nutzer wohl trotzdem nicht zu erwarten. Und dass Google ein mobiles Flirtnetzwerk launcht? Schwer vorstellbar, blickt man auf die Philosophie und Aura des stark technisch geprägten Such- und Werbegiganten.

Ein Onlinebereich, der weder von Facebook noch von Google bedroht wird. Wo gibt es sowas sonst noch?!

(Foto: Flickr/liewcf, CC-Lizenz)

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