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14.06.10

loca.li: Ortsbasierte App zwischen Friendticker und Qype

loca.li ist ein ortsbasierter Dienst für das iPhone, der versucht, sich in einer Nische zwischen mobilen Cityguides und Location Based Social Networks anzusiedeln.

Die Zahl ortsbasierter mobiler Dienste nimmt stetig zu. Überschneidungen der Funktionalität einzelner Anbieter sind da keine Seltenheit. Umso wichtiger ist es für Startups im Bereich der Location Based Services (LBS), eine Positionierung zu finden, mit der sie trotz vorhandener Ähnlichkeit zu Konkurrenten User davon überzeugen können, sich für sie zu entscheiden.

loca.li ist ein neuer, ortsbezogener Anbieter aus Wiesbaden, der in Deutschland irgendwo zwischen Friendticker und Qype angesiedelt ist, oder aus einem globalen Blickwinkel zwischen Foursquare und Yelp. Der Hinweis auf die internationale Konkurrenz ist hier notwendig, denn das noch in der geschlossenen Beta-Phase befindliche loca.li zielt von vorn herein auf ein international ausgerichtetes Publikum.

Die Funktionsweise von loca.li ist recht schnell erklärt: Nutzer können über eine iPhone-Applikation Locations zur loca.li-Datenbank hinzufügen, nach Plätzen und bestimmten Stichwörtern (z.B. "Coffee" oder "Beer") in der Umgebung suchen und Orte kommentieren sowie mit Bildern versehen. Im Gegensatz zu Friendticker und Foursquare gibt es derzeit kein Check-In-Feature, allerdings lassen sich auch bei loca.li Locations nur mobil hinzufügen, wenn User tatsächlich vor Ort sind.

Hier liegt ein großer Unterschied zu Qype oder Yelp, wo jeder User bzw. Betreiber eines Geschäfts oder einer gastronomischen Einrichtung auf der Website einen entsprechenden Eintrag anlegen kann.

Seine relativ feine und auf den erste Blick vielleicht kaum wahrzunehmende Differenzierung vom Wettbewerb will local.li unter anderem mit einer Integration von YouTube unterstützen, die es Usern erlaubt, eingetragene Orte mit an diesen aufgenommenen Videos zu illustrieren. In Planung ist zudem eine Flickr-Integration.

iPhone-Apploca.li konzentriert sich augenscheinlich auf eine urbane und weltoffene Nutzerschaft, was schon die nach dem Login erscheinende Frage "Looking for the coolest places in NYC?" verdeutlicht. Auch das Design der Site und die Art der Nutzeransprache strahlen etwas mehr "Coolness" aus als bei manchen Konkurrenten.

"Wir möchten unseren Schwerpunkt anders legen, weg von der Badgerei, hin zu etwas mehr Nachhaltigkeit", so beschreibt loca.li-Mitbegründerin Sonja Ludscheidt den Ansatz, auf die bei anderen LBS verwendeten Abzeichen und Badges zu verzichten.

Sicherlich besteht die Möglichkeit, ein Location Based Service in einer Nische zu positionieren, die den Fokus stärker auf angesagte Plätze von Szenegängern und Hipstern legt als auf den Wettkampf der Nutzer um Punkte, Belohnungen und möglichst viele Check-Ins. Doch fraglich ist, ob die Funktionalität von loca.li dafür nicht etwas zu simpel geraten ist.

Und auch wenn es vielleicht keine Absicht ist: Der Bezug auf New York ist insofern "gewagt", als dass Foursquare, das derzeit aufmerksamkeitsstärkste LBS, seinen Sitz genau dort hat. Dass eine junges Unternehmen aus Deutschland mit der Rechtsform einer GbR auf dem Territorium eines angesagten, millionenschweren US-Dienstes wildern will, erscheint fast etwas zu ambitioniert - auch wenn eine "think big"-Einstellung an und für sich eine wichtige Erfolgszutat ist.

Zum Geschäftsmodell wollte mir loca.li-Mitbegründerin Sonja Ludscheidt noch keine Auskunft geben, dazu würden derzeit Gespräche geführt.

loca.li stellt netzwertig.com-Lesern 20 Einladungen zur Beta-Phase zur Verfügung. Wer Interesse hat, schickt eine Mail mit dem Betreff "netzwertig" an sonja@loca.li. Die ersten 20 Nutzer, die dies tun, erhalten eine Einladung, sobald die am Wochenende an Apple übermittelte iPhone-Applikation im App Store verfügbar ist. Eine Android-App ist geplant.

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