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12.02.14Leser-Kommentare

Lirdy: Ein unkonventionelles Foto-Startup, das einen zweiten Blick wert ist

Auf Lirdy können Freunde die Fotos eines gemeinsamen Events sehr einfach zusammentragen. Die App erstaunt mit traditionellen Eigenschaften: Die Aufnahme erfolgt über einen QR-Code, die Fotos gehören den Nutzern, die Server stehen in Deutschland, die App bietet einen Offline-Modus.

Für gewöhnlich schaltet man als Leser spätestens hier ab: noch ein Foto-Startup. Da gibt's sicher nichts, was man nicht schon einmal gesehen hätte. Auch im Falle von Lirdy stimmt das natürlich: Die Idee, dass mehrere Freunde die Fotos einer gemeinsamen Veranstaltung auf einer Plattform sammeln, ist nicht neu. Aber warum hat sich dann immer noch kein Tool durchgesetzt, das sich für genau diesen Zweck eignet?

Geht es darum, die Fotos einer Party oder einer Hochzeit von allen Beteiligten zu sammeln, die Bildrechte nicht einem Social Network zu überlassen oder standardmäßig zu veröffentlichen, dann gehen einem die Optionen tatsächlich recht schnell aus. Das Startup Lirdy aus Berlin will diese eine Funktion erfüllen: gemeinsame Fotoalben, privat oder auf Wunsch öffentlich. Wer ein Album erstellt, behält die volle Kontrolle darüber, welche Bilder aufgenommen werden, die Bildrechte bleiben bei den Urhebern. Lirdy-Server stehen in Deutschland

Wer auf Lirdy ein Album erstellt, kann seine Freunde per E-Mail einladen oder einen QR-Code erstellen und diesen auf Eintrittskarten oder Flyern ausdrucken. Wer den Code abscannt, kann Fotos via Web oder den Apps für iOS und Android in das gemeinsame Album hochladen. Ob sie dort auch aufgenommen werden, entscheidet jedoch derjenige, der das Album angelegt hat. Die Funktion des QR-Codes eignet sich besonders für öffentliche Veranstaltungen wie ein Barcamp oder eine Messe. Auf Wunsch können auch alle Bilder ohne Freigabe in einem öffentlichen Album erscheinen. In einem kurzen Video stellt das Team die Vorzüge der App vor:

www.youtube.com/watch

Was an Lirdy auf den ersten Blick auffällt: Die App ist unkonventionell. Das gilt nicht nur für das Design, das nur entfernt an Foto-Startups wie Instagram oder EyeEm erinnert. Das gilt auch für die Funktionen. Wer will, kann ein Album zwar auf Facebook teilen. Per se bleiben die Fotos aber privat, die Bildrechte beim Autor, die Daten auf den Servern eines deutschen Rechenzentrums.

Interessanter Offline-Modus

Und noch etwas ist interessant: Lirdy funktioniert auch temporär offline. Wenn man etwa auf einer Veranstaltung ist, viele Fotos mit dem Smartphone knipst, aber wegen Überlastung nicht aufs lokale WLAN zugreifen kann, hat man die Option, die Bilder mit Hilfe der App trotzdem schon einmal in das Album einzustellen. Sie werden auf dem Smartphone lokal gespeichert und dann hochgeladen, wenn wieder eine mobile Internetverbindung zu Verfügung steht.

Noch hat Lirdy seinen Sitz zwar offiziell in Bamberg, wo das Startup im Jahr 2012 an der dortigen Universität entstand. Das Team ist aber im vergangenen Herbst nach Berlin umgezogen. Hier will man näher an den Investoren sein und ein wenig von der medialen Aufmerksamkeit des Berliner Startup-Booms profitieren.

Investor werden - das kann im Prinzip bald jeder Nutzer: Lirdy startet in der kommenden Woche ein Crowdinvestment auf der Plattform Innovestment. Über diese offene Investitionsrunde erhofft sich Lirdy eine Finanzierung in Höhe von 60.000 Euro. Geld verdienen will man mit dem klassischen Freemium-Modell: Lirdy soll immer kostenlos bleiben, Premium-Funktionen aber einen kleinen Monatsbetrag kosten. Außerdem will man als Dienstleister für Unternehmen in Erscheinung treten, die ihre Fotos auf der Plattform teilen.

Lirdy-Startseite

Color mit ähnlicher Idee gescheitert

Geldverdienen mit einem Foto-Startup? Bei der Recherche zu diesem Beitrag fiel mir Color wieder ein, eins der größten Investorengräber des Startup-Booms der vergangenen Jahre. Bilder von Massenveranstaltungen sollten dort durch clevere Algorithmen logisch verknüpft werden, Menschen sich über die App kennenlernen. 41 Millionen US-Dollar an Investorenkapital erhielt das Startup im Frühjahr 2011. Bereits wenige Monate später verloren die Investoren die Geduld, verlangten die erste geschäftliche Neuausrichtung, ein Jahr später die zweite. Mittlerweile ist Color abgeschaltet, das Investorengeld verbrannt.

Chance für Lirdy: etwas Vergleichbares sucht man lange

Da Lirdy deutlich kleinere Brötchen backt, mit privaten Veranstaltungen eine wichtige Zusatzfunktion bietet und keine Investoren zufrieden stellen muss, die derart viel Geld investiert hätten, steht das Team nicht entsprechend unter Druck. Doch auch bei den Neu-Berlinern liegen Vor- und Nachteile nah beieinander: Dass die Fotografen ihre Bildrechte behalten, die Bilder auf Servern in Deutschland gespeichert werden, ist mittlerweile ein gutes Verkaufsargument. Außerdem kommt Lirdy zu Gute, dass es das perfekte Tool zum Sammeln und Teilen von Bildern tatsächlich noch nicht gibt. Auf der anderen Seite steht auch Lirdy vor der großen Herausforderung, den noch wenigen Kunden das Bezahlen für eine Foto-Plattform erst einmal schmackhaft zu machen.

Vorbild EyeEm

Und auch das Anfangsproblem sei hier noch einmal aufgegriffen: mögliche Nutzer hören das Wort "Foto-App" und schalten sofort ab. Zu viele Tools gibt es, die irgendwas mit Fotos machen. Hier ist also das Marketing gefragt, Lirdy aus der Masse herausstechen zu lassen. Sollte das irgendwie gelingen und sich die Möglichkeit herumsprechen, dann könnte Lirdy durchaus einige Nutzer für sich begeistern. Dass dies nicht unmöglich ist, zeigen die Berliner Nachbarn von EyeEm: Die haben es im Windschatten von Instagram mit einer Foto-App geschafft, von Berlin aus die Welt zu erobern.

Link: Lirdy

Kommentare

  • Fotofreund

    12.02.14 (17:23:43)

    Hm, und wo liegt jetzt der Mehrwert? Das "Werbe"-Video von Lirdy widerspricht sich dann doch etwas selbst. Früher musste EINER alle Kontaktdaten und Fotos sammeln? Wo ist denn der Unterschied wenn jetzt einer den Link per Mail oder den QR-Code verteilt und zudem entscheiden muss, ob die Fotos die dann eintrudeln aufgenommen werden? Geht es um einen puren Datenaustausch der Fotos lässt sich das auch einfach per Dropbox erledigen. Ich persönlich würde jetzt mal vermuten, dass es gerade bei einer Hochzeit gar nicht so unüblich ist, dass die besten Fotos von den Leuten mit den besten Kameras und Objektiven kommen und das sind nicht unbedingt die Digital Natives. Und ob es jetzt unbedingt leichter ist die Väter, Onkel usw. davon zu überzeugen einen QR-Code zu scannen und ihre Fotos dann bei Lirdy hochzuladen oder doch einfach in den Folder-ähnlichen Dropbox-Ordner zu kopieren oder eben doch traditionell per USB-Stick, wage ich zu bezweifeln. Es wäre dann auch noch fraglich, wie weit der Speicherplatz in der Free Version überhaupt reicht. Würden die Fotos automatisch thematisch sortiert oder ähnliches, wäre vielleicht ein Mehrwert erkennbar, aber von derartigen Features ist zumindest auf den ersten Blick keine Rede.

  • Gast

    14.02.14 (18:54:58)

    wo ist der unterschied zu dawawas ? die haben sogar fast das gleiche werbevideo. (https://www.dawawas.de/)

  • Kwin

    17.02.14 (08:32:38)

    Ich glaub Lirdy war deutlich früher draußen als Lirdy - die Frage sollte man mal dawawas stellen... Gibt's die eigentlich noch?

  • Kwin

    17.02.14 (08:33:34)

    deutlich früher als dawawas ;)

  • Bilder hochladen

    30.06.15 (13:43:39)

    https://www.dawawas.de
    Beste Alternative, wenns ums kostenlose Bilder hochladen geht.

  • Age

    27.10.15 (14:13:53)

    Beide Seiten sind wohl ziemlich gleichzeitig an den Start gegangen. Und jetzt nach einigen Jahren hat sich gezeigt, dass dawawas die wohl bessere Alternative (Konzept und Umsetzung) ist und deshalb auch erfolgreicher (Nutzerzahlen) wurde.

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