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14.10.08Leser-Kommentare

Linkwertig: 5 Forderungen für ein besseres Urheberrecht

Lawrence Lessig schreibt in einem Artikel im Wall Street Journal über die "Copyright-Kriege" und die absurden Auswirkungen der aktuellen Umstände. Er fordert in diesem Artikel fünf Punkte, in denen das Copyright dem digitalen Zeitalter angepasst werden muss:

  • Deregulierung des Amateur-Remixes: Digitale Technologien haben die Möglichkeiten, die Kultur um uns herum zu erschaffen und weiter zu verwerten demokratisiert. Wenn Kreativität von Amateuren kommt, die von ihrem neu geschaffenen Werk nicht profitieren, soll sich das Gesetz heraushalten.

  • Deregulierung "der Kopie": Im digitalen Zeitalter bedeutet jeder Einsatz eines kreativen Werkes das Erzeugen einer "Kopie". Das mit dem Gesetz zu regulieren, ergibt so viel Sinn, wie das Regulieren von Atmen.

  • Vereinfachung: Wenn Copyright/Urheberrecht jede Privatperson betrifft, die einen Rechner besitzt, darf es nicht kompliziert sein.

  • Effizienz: Das aktuelle System ist ineffizient. Es sollte klar sein, wem was gehört. Und wenn es das nicht ist, liegt es am Eigentümer, die Verhältnisse zu klären.

  • Entkriminalisierung der Generation X: Der Krieg gegen Peer-to-Peer Filesharing ist falsch. Nach einer Dekade des Bekämpfens ist Filesharing weder zurückgegangen, noch wurden Künstler kompensiert.

Ein Urheberrecht, das diese Punkte erfüllt, würde der Internet-Realität in der Tat gerecht werden.

» In Defense of Piracy - WSJ.com (via netzpolitik.org)

Dazu passend auch ein Interview, das Matthias Spielkamp, u.A. Mitgründer von iright.info, mit Martin Kretschmer, Professor am Center for Intellectual Property Policy and Management der Universität Bournemouth, geführt hat. Kretschmer über die von der Musikindustrie verstärkt geforderte Verlängerung der Schutzfrist des Urheberrechts von 50 auf 95 Jahre:

Wenn eine Schutzfrist übertragbar ist, dann profitieren davon in erster Linie die Verwerter, nicht die Musiker, weil die Verwerter dann ja diesen verlängerten Schutz genießen. Wenn man Rechte direkt übertragen kann, landen sie dort, wo die Verhandlungsmacht sitzt. Wir haben in einem Kurzgutachten, unterschrieben von 50 führenden europäischen Wissenschaftlern, dargelegt, dass die Top 10 Prozent der Musiker etwa 80 Prozent der Gesamteinnahmen erzielen. Ein typischer Musiker verdient weniger als 250 Euro im Jahr aus seinen Verwertungsrechten.

» Immateriblog.de : “Da ist etwas grundfaul” - Interview mit Martin Kretschmer

Hier erscheint jeden Morgen von Montag bis Freitag ein ausgewählter Link zu einem gelungenen Text. Viel Spaß bei der Lektüre!

Kommentare

  • Dagonet

    14.10.08 (06:51:48)

    Lessig ist offenbar nicht sehr glücklich mit dem Titel In Defense of Piracy: Sorry to disappoint, but my new book, Remix, is not "A Defense of Piracy," whatever the Wall Street Journal's headline writers may think. Link

  • Hathead

    14.10.08 (08:47:08)

    Wer sich etwas intensiver mit Lessig´s Gedanken auseinander setzen möchte, dem Empfehle ich: "Freie Kultur: Wesen und Zukunft der Kreativität" ISBN(3937514155). Dort erläutert er sehr ausführlich wie er zu diesen Gedanken kommt. Die Zusammenfassung hier oben ist zwar im wesentlichen Korrekt, aber doch etwas Plakativ. Aber es ist ja auch nur ein "Linkwertig" Beitrag.

  • Heiner

    14.10.08 (10:23:16)

    Ähm, wenn nicht klar ist, wem was gehört, soll der Eigentümer entscheiden??? OK, kann auch an einer Begriffsstutzigkeit meinerseits, bin etwas verschnupft.

  • Marcel Weiss

    14.10.08 (12:08:59)

    @Dagonet: Das überrascht mich nicht. Reißerischer und dem Inhalt nicht angemessener Titel. @Hathead: Stimmt, "Freie Kultur" ist sehr lesenswert. Kann man hier auch kostenlos komplett online lesen. @Heiner: Damit ist gemeint, dass der Eigentümer sein Besitzverhältnis nachweisen muss, wenn er Ansprüche geltend machen will. Aktuell reicht in den USA eine Anfrage auf Grundlage des DMCA damit beispielsweise ein Video auf Youtube entfernt wird. Die Anfragen stellenden Unternehmen müssen im Einzelfall ggü youtube/Google mWn nicht nachweisen, dass die Forderung auch berechtigt ist. Was in der Folge einige dadurch entfernte Privatvideos hattte, die lediglich ungünstige Keywords im Titel hatten.

  • Oliver Springer

    14.10.08 (13:29:42)

    Die ersten drei Punkte sind vernünftig, bei Nummer vier kommt es auf die Details an, doch jetzt zu Nummer fünf: Da bin ich anderer Ansicht, vielmehr braucht es ein neues Bewusstsein für den Wert geistigen Eigentums. Es ist ein großer Unterschied, ob unter Freunden mal ein paar Songs oder ein paar Filme oder E-Books kopiert werden oder ob dies massenhaft mit Fremden über Filesharing-Dienste erfolgt. Nur weil Unrecht massenhaft begangen wird, wird es nicht zum Recht bzw. zu legitimen Verhalten. Dieses neue Bewusstsein lässt sich nicht über das Urheberrecht erzeugen. Im Grunde - und ich weiß, wie altmodisch (deshalb falsch?) das klingt - müssten Kinder den Respekt vor dem geistigen Eigentum anderer doch schon von ihren Eltern beigebracht bekommen. Dass es unfair ist, Künstler, Schauspieler, Buchautoren etc. um ihr Einkommen zu bringen, kann jeder Erstklässler verstehen. Dem Problem auf technischer Ebene (Stichwort DRM) zu begegnen, ist für den ehrlichen Kunden unbefriedigend.

  • Markus Spath

    14.10.08 (16:52:14)

    sehr schöner Artikel von Lessig. @Oliver Lessig will ihnen doch gerade das gebotene Einkommen zukommen lassen ("and build upon a host of proposals that would assure that artists get paid for their work, without trying to stop 'sharing.'"), er ist nur dagegen mit Kanonen auf Spatzen zu schiessen. Nur weil man vl. das Recht dazu hat, macht es noch lange nicht vernünftig.

  • ami

    15.10.08 (08:23:02)

    dass eine reformation beider gesetze dringend notwendig ist, mal außen vor (inkl. einsichten wie "fair use" und dass man nicht die kunden bestraft sei es mit albernen hinweisen auf gekauften DVDs, kino oder DRM) ich würde in dem fall trotzdem auch nochmal trennen zwischen "copyright" und urheberrecht. das ist in dem kontext gerne gesagt, finde ich aber wichtig: denn das amerikanische copyright zwingt rechteinhaber manchmal geradezu, ihre rechte durchzusetzen - ansonsten laufen sie gefahr ihr copyright zu verlieren (nach dem motto "du nutzt es ja eh nicht").

  • Wolfgang

    15.10.08 (11:32:15)

    Deregulierung des Amateur-Remixes: Auf jeden Fall - aber passiert das überhaupt noch? also dass teenager verklagt werden, die videos von sich hochladen auf denen im hintergrund britney läuft? und wird das durch "fair use" nicht eh schon geregelt? Deregulierung “der Kopie” Sehe ich ganz anders. Soll dann der, der unrechtmäßig kopien eines films, musikstückst, programms verkauft straffrei ausgehen, weil ja irgendwie alles eine "kopie" ist? oder hab ich das falsch verstanden? Vereinfachung Jaja, wer möchte das nicht? Ich kann mich auch hinstellen und ein total einfaches steuerrecht verlangen, in der praxis wird das aber sehr sehr schwer. vor allem im urheberrecht, wo viele entscheidungen sicher im ermessensspielraum des richters liegen müssen. ich hab mich vor kurzem länger mit einem rechtsanwalt, der viel urheberrecht macht darüber unterhalten (spezialfall sampling in der musik). er ist der meinung, dass hier auf keinen fall der bundestag ein übereiltes gesetz verabschieden sollte, sondern erst mal ein paar präzenedzfälle gerichtlich geklärt werden sollten, bis dann der bgh einen vorschlag/ eine richtlinie für ein entsprechendes gesetz ausgibt. interessant ist sicher DER präzendenzfall aus den usa: http://cip.law.ucla.edu/cases/case_grandwarner.html was ist das jetzt? einfach dreist geklaut bei o´sullivan, oder hat biz markie einfach eine kleine melodie "ausgeliehen"? ich kann beide seiten verstehen. und das sample ist einfach geil - hätte ich auch gemacht ;) Effizienz "...liegt es am Eigentümer, die Verhältnisse zu klären." das ist doch schon so. wo kein kläger, da kein richter. insgesamt fände ich hier eine klare regel zu ungunsten des urhebers nicht sehr geschickt. in einer welt in der sich teilweise sehr viele parteien urheberrechte teilen können (was ja sinnvoll ist), und dieses recht auch (teilweise) weiterverkauft werden kann, ist das halt kompliziert. dann soll das aber doch bitte der klären, der das werk verwenden will. Entkriminalisierung der Generation X Volle zustimmung. breite gesallschaftsschichten zu kriminalisieren bringt nix, und wird auch nie durchsetzbar sein. vernünftige regeln müssen her. und das kann dauern. @ oliver "Dieses neue Bewusstsein lässt sich nicht über das Urheberrecht erzeugen. Im Grunde - und ich weiß, wie altmodisch (deshalb falsch?) das klingt - müssten Kinder den Respekt vor dem geistigen Eigentum anderer doch schon von ihren Eltern beigebracht bekommen." freunde von mir machen hörspiele für kinder (doktor döblingers geschmackvolles kasperletheater). am ende jeder cd kommt ein aufruf vom kasperle: "support your local kaspar" und dass die cd nicht gebrannt werden soll. von vielen eltern wissen meine freunde, dass dieser aufruf von den kinder verstanden wird und die kinder ihre eltern ermahnen diese cd´s nicht zu brennen, um sie zu verschenken . vielleicht müssen also eher die kinder den erwachsenen das urheberrecht nahebringen ;)

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