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15.12.10

LeWeb-Erlebnisbericht: "Paris ist eine Messe wert"

Rund 3.000 Internetjünger, Gründer, Investoren und Business Angels gaben sich in der vergangenen Woche im Rahmen der LeWeb-Konferenz in Paris die Klinke in die Hand. Ein Erlebnisbericht!

 

Dr. Martin Strickman ist Multimedia-Journalist und Video-Blogger, Wissenschaftler, Kreativer und Berater (Fonotopia, Mobillennium, FUTUREION). Er gehört als Experte „The Futures Agency“ an, einem von Mediafuturist Gerd Leonhard begründeten internationalen Netzwerk führender prominenter Experten für New Media, Social Media, Web, Mobile, Music, Change, Gegenwarts-Analysen und Zukunfts-Prognosen. Für netzwertig.com berichtet er von seinen Erlebnissen auf der LeWeb-Konferenz.

„Paris ist eine Messe wert!“ So soll Frankreichs König Heinrich IV. nach langwierigen Kämpfen gegen die Katholiken 1593 seine letztendliche Konversion zum Katholizismus kommentiert haben.

„Paris ist eine Messe wert!“ hätte jedoch ebenso gut und passend als Wahlspruch derjenigen Konferenz dienen können, die die Glaubensbrüder und –schwestern sowie Konvertiten – neudeutsch: Change Managers oder auch Konversions-Experten – einer noch recht jungen „Religion“ für zwei Tage im Rahmen von LeWeb in Paris versammelte: des Internets und seiner gegenwärtig wieder wachsenden digitalen, medialen, sozialen, mobilen und damit stets einhergehenden ökonomischen Verheißungen.Stattdessen lautete das diesjährige Konferenz- und Messethema schlicht und ergreifend „Plattform“ und traf damit nicht nur ins Schwarze der derzeitig ausgeloteten technologischen Konvergenzen, sondern bot allem, was Rang und Namen hat und sich als irgendwie kompatibel erwies, eine attraktive Plattform der Präsentation.

Das schillernde Veranstalterpaar Loic und Geraldine Le Meur, das in Paris und im US-amerikanischen Digitalien namens Silicon Valley seit vielen Jahren mit viel Resonanz sein „digitales Unwesen“ treibt, nahm rund 3.000 Webjünger aus aller Herren und Damen Länder - wohl ganze sechzig an der Zahl - in Empfang, die nach Paris strömten, um diesem stetig wachsenden Webkult namens LeWeb in seiner siebten Auflage ihre ganz persönliche Ehrerbietung und Huldigung zu erweisen.

Dies sogar bei durchaus saftigen Eintrittspreisen von 1.990 Euro für „Normalsterbliche“, ermäßigten 995 Euro für Startup-Unternehmer und damit vergleichsweise „schlappen“ 500 Euro für – auch auf LeWeb händeringend gesuchte – Webentwickler und Programmierer.

Das draußen wütende Schneechaos verlieh dem Konferenzzentrum und der in gigantische Weihnachts-Beleuchtung getauchten Stadt Paris nicht nur einen ganz besonderen Glanz. Bei den von Ferne Anreisenden, die sich – gleich einem strengen Initiationsritus – durch Glatteis und Schneegestöber ihren Weg zum außerhalb von Paris liegenden Konferenzzentrum Les Docks in Saint-Denis bahnen mussten, hinterließ er ebenso einen in der Tat tiefen Eindruck und bleibende Spuren: Denn Taxifahrer verweigerten laut Zeugenaussagen störrisch ihren Dienst außerhalb der Stadtgrenze. Es wird Zeit, dass Smartphone-Anwendungen, die derlei Verkehrsprobleme elegant lösen, ihren großen Durchbruch erleben.

Martin Strickman (r) mit MG Siegler von TechCrunch auf dem LeWeb-Empfang im Rathaus von ParisNicht nur die physische Anwesenheit der Web-Apostel der amerikanischen Online-Bibel für Tekkies und Webbies aus dem Silicon Valley TechCrunch, darunter Namen mit nahezu magischem Klang wie Michael Arrington oder MG Siegler (im Paris-Interview), sorgte dafür, dass viele führende amerikanische Internet-Unternehmer, Manager und Blogger erneut den weiten Weg in die Metropole Frankreichs auf sich nahmen.

Und so gaben sich nicht nur die Googles, Facebooks, Twitters, Microsofts, Foursquares, Zyngas, Mozillas und Wordpresses dieser Welt in diesem informativen wie unterhaltsamen Gesprächs-Reigen ein Stelldichein und die Klinke in die Hand.

Besonders französische, aber auch deutsche, britische und internationale – bei weitgehender Abwesenheiter asiatischer – Unternehmer und Digerati gaben dieser Konferenz ihr ganz besonderes Flair. Nicht zuletzt ein aus dem fernen Sibirien angereister blutjunger Entwickler-Frischling, der mit seinem einschlägig bedruckten T-Shirt „Have a working prototype. Looking for VC“ weithin sichtbar um Investorenfinanzierung buhlte.

Einige allenthalben medial präsente „Leuchttürme“ der deutschen Internet- und Social Media-Szene durften dabei selbstverständlich nicht fehlen.

Wer in den deutschsprachigen Landen eine hervorragend vernetzte Größe ist, ist dies jenseits der deutschen Sprachgrenze, die sich kommunikativ (noch) wie ein schwer überwindlicher Graben auswirkt, in Paris, den USA oder international unter den derzeitigen Umständen oftmals jedoch eher nicht. Er braucht sich hier also keinerlei Sorgenfalten darüber zu machen, erkannt und auf Schritt und Tritt beobachtet zu werden.

Das scheinbar grenzenlose, weltumspannende Internet kennt erstaunlicherweise noch immer gewisse nationalsprachliche – und damit einhergehend kulturelle – Grenzen und Barrieren, die wohl doch erst unter anderem mit der zunehmenden technischen Reife und Verbreitung von webbasierten Übersetzungsanwendungen peu à peu abgebaut werden könnten. U.a. Google hat in dieser Hinsicht bekanntermaßen einige interessante Produkte in der Entwicklungs-Pipeline.

Der Kölner Startup-Gründer Ibo Evsan (Gründer von Sevenload und Fliplife ), gab nach unserer ersten Begegnung auf LeWeb gleich zu Protokoll: „Ich drehe jetzt mal meine Runden um das Buffet, um die richtigen Leute zu treffen...“ Und so unternahm er mit kleiner selbst mitgebrachter Gefolgschaft seine Prozession um das zum Anstupsen, Netzwerken, Twitter-Adressen- und Kärtchen-Austauschen ideal geeignete, zentral gelegene LeWeb-Sushi-Buffet gleich einem Tänzchen um das Goldene Kalb.

Sein Ruf nach und Buhlen um neue Investoren mit Spendierhosen und ebensolcher –Laune blieb allerdings dieses Mal, gerüchtehalber, eher ungehört. Für einen Kommentar hierzu war er später jedenfalls nicht mehr zu erreichen.

Auf der LeWeb-Konferenz war er gewiss nicht der einsame Rufer in der Wüste, sondern eher Teil eines vielstimmigen, nahezu kakophonischen Chores von Rufern in der Oase. Es war eher eine einzigartige Oase an Web-Investoren und Business Angels mit ihren ganz eigenen und nicht immer rationalen Spielregeln für ihre Investments in einem großen Spiel um das ganz große Glück, ähnlich einer Gleichung mit vielen Unbekannten.

Sarik Weber, gemeinhin bekannt durch seine Tätigkeit bei Xing, nun Mitgründer des Hamburger Startup-Inkubators und „Schnellen Brüters“ Hanse Ventures, war betont gut gelaunt, kontaktfreudig und kam recht schnell zur Sache: „Möchtest Du ein Interview mit mir machen?“, lautete seine freundliche Frage. Wir beantworteten diese mit einem Ja und setzten das Gespräch in der Presselounge fort: Umringt von US-Videoblogger und Alphatier Robert Scoble aka Scobleizer zur Linken und dem „Elektrischen Reporter“ Mario Sixtus zur Rechten erwies sich dies tatsächlich als der richtige Ort zur richtigen Zeit, um spannende aktuelle Einblicke in die Entwicklung seines Beteiligungs-Portfolios zu bekommen – etwa in Reaktion auf die derzeitige Negativberichterstattung zum Startup Captain Travel – und die deutsche Web-Startup-Szene im internationalen Vergleich zu diskutieren und seine Ansichten über europäische Erfolgs-Stories und Copycats zu erfahren. Dies und seine Gründe dafür, warum uns nicht das Platzen einer Blase der Internetökonomie wie im Jahr 2000 bevorsteht, findet sich im ausführlichen Interview auf Mobillennium.net.

Soundcloud-Gründer Alexander Ljung aus Berlin drehte den Spieß auf LeWeb einfach mal um: Anstelle Interviews zu geben, führte er mittels der neuen Aufnahmefunktion seiner Soundcloud-iPhone-App selbst zahlreiche Interviews mit den anwesenden Web-Größen und demonstrierte damit so nebenbei, dass Soundcloud über die Klientel der Musik-Produzenten hinaus auch für Journalisten und Blogger attraktiv sein kann.

Mario Sixtus wurde einmal mehr seiner Rolle als Elektrischer Reporter gerecht, schlich unerkannt zum Ort des Geschehens, dem Konferenzsaal, und machte, nicht nur einmal, einen Knicks und Kniefall vor dem Altar der internationalen wirtschaftlich erfolgreichen Konferenzredner und Webunternehmer, dies selbstverständlich stets nur, um unauffällig die richtigen Promi-Bilder in seinen digitalen Kasten zu bekommen. Als sichtbare Konferenzsprecher oder Investoren wirbelten Teilnehmer aus dem deutschsprachigen Raum auf LeWeb 10 dagegen wenig Staub auf.

Allein das Schweizer Unternehmen Small Rivers aus Lausanne konnte mit seiner erst im Mai 2010 lancierten populären Anwendung Paper.li im spannenden LeWeb-Startup-Wettbewerb, für den sich nach Veranstalterangaben im Vorfeld vierhundert Startups beworben hatten, den Preis für Viralität gewinnen. Der Dienst Paper.li, der News von Twitter und Facebook zu einer Art Online-Tageszeitung aggregiert und im Zeitungs-Layout darstellt, wurde damit im harten Wettbewerbsumfeld zu einem der vier Preisträger gekrönt. Aber auch die anderen zwei Startup-Preisträger aus Frankreich und Israel konnten mit ebenso innovativen Ansätzen punkten und überzeugen...

Teil 2 folgt...

(Foto: Strickman)

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