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17.05.08Leser-Kommentare

Leserbriefe: Mit Hass gekocht

Wenn im Internet die Hasssuppe überkocht, werden gern die 'Netizens' und Blogger in Sippenhaft genommen – dabei sind es meist Kleinrentner und publizistische Gartenzwerge am Zaun zur Netzwelt. Ein offener Brief an Jens Jessen, Feuilleton-Chef der Zeit.

Also, Jens Jessen, ich sympathisierte damals mit Ihnen ja durchaus in der Sache, als Sie, immerhin Feuilletonchef der Zeit, sich nach dem Angriff auf einen Rentner in der Münchner U-Bahn einer Meute aufs Lynchmobben gestimmter Berufskollegen mit einer höchst abweichenden Meinung in den Weg stellten. Ob dieser Videokommentar allerdings klug war, ist eine zweite Frage.

Dass sich daraufhin eine Horde wildgewordener Kleinrentner bei Ihnen im Online-Forum austoben würde, das war abzusehen. Sie allerdings schoben die Verantwortung für deren Verbalinjurien ohne nähere Begründung den 'Netizens' zu, den eingeborenen Netzbewohnern also, und nicht jenen Kleingärtnern und Kleingeistern am Rande des Dschungels.

Wer Sie dort zur Sau machte, das waren doch schlicht Ihre üblichen Leserbriefschreiber, die inzwischen auch schon ins Netz 1.0 migriert sind, in Foren, Onlineportale und Chatrooms, wo jeder Spießer meint, dass er ungestraft die Hose dort herunterlassen dürfe. Das glaubt er übrigens deshalb, weil's ihm von den Holzmedien so immer wieder suggeriert und beschrieben wird. Mit dem 'social web' und mit der Internetkultur haben diese Figuren und ihre Bäuerchen dagegen wenig zu tun. In wirklichen Blogs würden sie vom Spam-Karma schneller zerpflückt, als sie 'Arschloch' oder 'Aufhängen' tippen können.

Auffällig ist es für mich daher schon, dass solche Entgleisten vor allem in den Foren der Zeitungen und Zeitschriften daherrülpsen, dass sie aber in den Kommentarspalten wirklicher Blogs kaum zu finden sind. Dort herrscht ein eher gelassener und auch argumentativer Umgangston, wovon Sie sich auch hier an Ort und Stelle gern überzeugen dürfen. Kurzum: Das muss dann wohl am verwendeten Medium liegen.

Jedenfalls schleppen Sie seit diesen Ereignissen eine Misanthropie gegen das Internet mit sich herum, die ich teilweise verstehe, die sich aber fälschlicherweise vor allem gegen die Blogger richtet - und gegen die Internetkultur überhaupt, sofern sie sich zum 'social web' zählt. Das allerdings ist schade, denn die Zeit darf ja - cum grano salis - wirklich noch als ein Qualitätsmedium gelten. Weil Sie aber über das Netz nur wenig mehr zu wissen scheinen, als dass es Ihnen unheimlich ist, unterhalten Sie uns neuerdings mit 'Anglerlatein'.

In der letzten Ausgabe der Zeit schreiben Sie folgendes:

 

In der schrankenlosen Öffentlichkeit des Netzes stoßen Milieus aufeinander, die sich sonst nie begegnen würden. Hassexplosionen und Gewaltfantasien sind die Folge.

Mit solchen Äußerungen, gleich im ersten Satz, offenbart sich schon eine gewisse Unkenntnis - und auch ein logischer Widerspruch in Ihrem Denken. Denn gerade dort, wo etwas 'schrankenlos' ist, stößt auf natürliche Weise weitaus weniger zusammen, als der Laie sich das zunächst denkt: Das Netz ist ein prinzipiell unendlicher Raum, wo man üblicherweise sich eben NICHT begegnet. Andersherum wird ein Schuh daraus: Weil das Netz so groß ist, trifft man üblicherweise nur das, was man sucht und findet.

Als man Ihnen also damals einen Eimer Gülle nach dem nächsten über den Kopf stülpte, da geschah dies deshalb, weil Verbal-Hooligans gezielt auf Sie angesetzt wurden, indem man denen sagte, wo im Netz Sie zu finden seien. Sie waren damit das Opfer eines Kampagnen-Journalismus, wie er auf dem Boulevard von Holzhausen häufig zu finden ist, und es war vor allem die Bild, die als ihr Szepter damals die große Klobürste gegen Sie schwang. Weiter im 'Anglerlatein' - Sie schreiben:

 

Die Hypertext-Theorie beispielsweise, die auf der Möglichkeit der Verlinkung beruhte, hat schwer an Attraktivität eingebüßt.

Auch dies ist wieder so ein windiger Satz, der in allen Scharnieren klappert. Hyperlinks sind für mich als Blogger nur eine Form der Höflichkeit gegenüber meinem Leser, eine Dienstleistung sozusagen: Ich erspare ihm die Mühsal des Suchens und Tippens, indem ich eine Fundstelle - wie dort oben vor Ihrem Zitat - auf einen Klick hin direkt zur Verfügung stelle. Das ist nichts Weltbewegendes, es ist nur ein wenig HTML.

Wer allerdings um diese Hyperlinks einen 'Tanz ums Goldene Kalb' aufführt, das waren (und sind) doch wieder mal Sie, bzw. Ihre guten, alten Holzmedien, die sich neuerdings aufs Glatteis des Online-Geschäfts begeben müssen. Seitdem Sie es schafften, den Media-Agenturen dieser Welt die wildwüchsige Hyperlinkerei als neue Währung auf dem Anzeigenmarkt anzuschnacken, seitdem lassen Sie in Ihren Online-Portalen keine Möglichkeit aus, immer noch einen kleinen Hyperlink mehr zu installieren, der dann ihre eminente Werbebedeutung herauszustreichen hat: Die berühmtesten James-Bond-Autos (20 Klicks), die tollsten Busenwunder Hollywoods (25 Klicks) usw. Selbst Ihre Zeit-Artikel sind in der Regel doch mindestens in zwei oder drei Linkhäppchen aufgesplittet. Wieso desavouieren Sie also diese Hyperlinks, die Ihnen im Netz doch Ihr künftiges Geschäft sichern sollen? Auch wenn Ihnen Ihr Rentnerzitat - das ist die Dialektik! - dank der Hyperlinks natürlich ewig anhängen wird. Mir scheint, Sie stecken in einer typischen Zauberlehrlingssituation.

Weiter im Text, mit dem folgenden Satz, der zugleich zeigt, weshalb ich hier unaufhörlich von 'Anglerlatein' schwätze:

 

Man stelle sich vor, der hochspezialisierte Journalist, der sein Leben dem Fliegenfischen geweiht hat, müsste sich von morgens bis abends mit rabiaten Angelfeinden auseinandersetzen.

Diesen hochspezialisierten Journalisten, der sein Leben dem Fliegenfischen weihte, den würde ich wirklich gern mal kennen lernen. Das ist doch ein Popanz, den Sie uns hier bauen. Üblicherweise ist es doch so, dass der Kollege aus der Sportredaktion ran muss, sollte das unterbelichtete Thema 'Angeln' in einem deutschen Qualitätsmedium zufällig mal eine größere Rolle spielen. Und genauso schreibt der Kollege dann auch, der sich im Alltag über Handball, Golf oder Fußball verbreitet - er schreibt nämlich so, als ob er von Tuten und Blasen keine Ahnung hätte. Daraufhin bekommt er von den bloggenden 'Sportfischern' zu recht was über den Rüssel. Kurzum - Ihre Argumente gegen das Netz sind allesamt nicht stichhaltig, und meistens fallen Sie Ihnen auf die eigenen Füße.

Also, bester Jens Jessen, worüber beschweren Sie sich eigentlich wirklich?

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • Jochen Hoff

    17.05.08 (12:13:44)

    Er beschwert sich nicht. Angst essen Seele auf. Selbst der dümmste Journalist hat mittlerweile begriffen, das es nicht nur den Holzmedien an den Kragen geht sonderm Journalismus insgesamt. http://www.duckhome.de/tb/archives/2511-Die-grosse-Angst-des-Michael-Konken.html Jens Jessen braucht jetzt einen Schuldigen. Das sind natürlich nicht die Journalisten die sich kaufen ließen sonder die Blogger, die es aufdeckten. Anstatt besser als die Blogger zu sein, würden diese Journalisten am liebsten das Bloggen verbieten. Früher ließ sich ein Leserbrief leicht verhindern. Er landete in der runden Ablage. Heute schreiben die Leute ihre Leserbriefe online, wo sie zumindest zensierte und beantwortet werden müssen, oder schreiben sie gleich in ihren eigenen Blogs und verlinken nur auf die arme Zeitung. Die Journalisten sind nur noch Teil einer Bewegung. Können weder die Richtung noch die Inhalte wirklich vorgeben. Das muss frustrierend sein. Aber sie haben es ja bald hinter sich.

  • Frank

    17.05.08 (13:31:45)

    Ich bin es müde, mich überhaupt noch argumentativ mit den Blödianen a la Jessen auseinanderzusetzen, da diese "Journalisten" andauernd über Dinge schreiben, von denen sie wirklich keine Ahnung haben. Ich nenne mal als Beispiel einen "Durchschnittsqualitätsjounalisten", der mir mal erzählt hat, daß er seine Diplomarbeit (Studium irgendwas) über Nutten geschrieben hätte. Auf einer Podiumsdiskussion mußte er sich mit einer Nutte auseinandersetzen, die ihm vorwarf, keinen blassen Schimmer über das zu haben, wovon er redet. Seine Antwort gegenüber der Prostituierten: Sie können davon ausgehen, daß ich über Prostitution mehr weiß als Sie, ich habe schließlich meine Diplomarbeit darüber geschrieben. Genu diesen Geistes sind Konsorten wie Jessen, oder dieser Konken, oder wie diese ganzen Bratzen auch alle heißen mögen.

  • Ole Reißmann

    17.05.08 (13:43:15)

    @Frank: Aber wer hat denn Ahnung von diesen "Dingen"? Wie soll man denn mit Diskussionsforen umgehen, in denen ein wildgewordener Mob zum Mord aufruft und jede Diskussion nach wenigen Beiträgen in Volksverhetzenden Tiraden endet, wo dann eben immer die selben, selbstverliebten Freunde der Menschenrechte kommen und ihren elenden, immer gleichen Hass abladen? Ist das das private Problem von ein paar Leuten, die irgendetwas nicht kapiert haben? Was gibt es denn da zu kapieren, muss man, soll man das einfach akzeptieren, das Diskussion im Internet über Einwanderung, Jugendkriminalität usw. schnell instrumentalisiert werden? Ich finde es mindestens genauso schwierig, dass eine große, diffuse Gruppe Internet-Nerds immer auf die nachdenklichen Menschen der Holzmedien einprügelt, wenn denen nicht alles gefällt, was im Internet abgeht. Die sich dann aufregen, dass die Süddeutsche Zeitung die Kommentare nachts abschaltet, weil sie eben keine Lust auf justiziable Mordaufrufe hat, wenn gerade mal kein Moderator zur Stelle ist.

  • Frank

    17.05.08 (14:20:03)

    Ole, darum gehts aber doch gar nicht. Es geht darum, daß die "Leitmedien"-Journalisten seit einem Jahr mit schöner Regelmäßigkeit blogs und Foren kritisieren mit den immer stereotyp wgleichen "Argumenten". Das, was da kritisiert wird, wird als überwältigende Mehrheit dargestellt, was schlicht nicht stimmt. Erschwerend kommt hinzu, daß diese Herren ja nicht einmal blogs von Portalen und von Foren oder Magazinen mit Kommentarfunktion zu unterscheiden wissen. Aber sie ignorieren beharrlich die Versuche der Richtigstellung durch die Macher selbst (so wie ich einer bin als Blogger). Und auf diese Arroganz und Ignoranz, gepaart mit völliger Unwissenheit, habe ich schlichtweg keinen Nerv mehr.

  • Wolf-Dieter Roth

    17.05.08 (17:43:48)

    @Klaus: Über "Rentner im Netz" habe ich noch vor Jessen geschrieben: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/20/20781/1.html Und damit manchen Leser überfordert, der glaubte, ich hätte speziell was gegen Senioren, die online gehen ;-/ @Frank: Wie schaut denn bitte eine Diplomarbeit über Nutten aus? War das nicht nur eine Begründung dafür, jeden Abend ausgiebige "Feldforschung" betreiben zu können? Und hat die Uni das bezahlt? @Ole: Wie wahr. Seitdem Blogs allgemein wahrgenommen werden, wettern sie gegen Journalisten. Dabei sind manche Foren nicht deshalb eine Kloake, weil die Journalisten dort so schlimme Sachen schreiben, daß es die Leser auf die Palme treibt, sondern weil deren Chefs kapiert haben, daß saftige Flamewars - am besten auf Kosten der Mitarbeiter und deren Lebenspartner - Hits und damit Werbegelder bringen. Und klar, wenn man erst bei Vorliegen einer amtlichen Strafanzeige (oder einer Abmahnung netzbekannter Rechtsverdreher) offensichtlich Strafwürdiges sperrt (noch nicht mal wirklich löscht), dann braucht man sich nicht wundern, daß im Forum der Mob tobt.

  • Thinkabout

    17.05.08 (20:46:53)

    Was mir an Ihrem Artikel sehr gut gefällt, ist Ihr Hinweis darauf, dass Foren-Bekacker und Blogger zweierlei sind. Obwohl selbst oft auf die Barrikaden steigend, wenn Blogging verallgemeinernd angeprangert wird, war mir dies in diesem Fall gar nicht explizit aufgefallen. Aus eigener Erfahrung ist es für mich immerhin einigermassen tröstlich, dass es sogar einem alten Haudegen wie Jessen komisch werden kann, wenn er aus dem (Halb-)Dunkeln online angeschossen oder diskreditiert wird. Und dennoch haben Sie natürlich Recht: Der Nerd tobt sich aus. Und Punkt.

  • Klaus Jarchow

    17.05.08 (22:50:07)

    @ thinkabout: Jeder soll sich doch mal selbst fragen, ob er einen bekannteren Blogger kennt, der im fremden Beritt herumkeifen würde? Manchmal gibt's was 'vor die Glocke', das ist unter Menschen normal, aber die verbale Faust muss schon den Boxhandschuh der Gesprächskultur tragen. Oder: Mundgeruch ist auch beim Schreiben nicht erlaubt. Im Grunde ist dieser 'offene Dialog', der in Bloghausen seine Domain haben könnte, eine verhältnismäßig ungefährliche Disziplin, solange niemand die herumstromernden Dobermänner anlockt. Diese Monosynapsen schlafen wiederum regelmäßig ein, wenn sie längeren Text sehen. Sie sind eigentlich Illiterate, die Buchstaben nur zum Grunzen, Beißen und Knurren verwenden ...

  • dummyblogger

    18.05.08 (13:46:46)

    Klaus, ist mir wirklich unbegreiflich, wie man in der Sache mit dem Gaga-Kommentar von Jessen damals sympathisieren kann. Will den Fall nicht aufrollen und nochmal den Wortlaut durchgehen, aber das war das Widerlichste und Irrste, was ich in den letzten Jahren von irgendeinem Feuilletonisten gehört habe. Und ebenso widerlich war danach Jessens selbstgerechter Nachtrag, mit dem er sich zunächst zu distanzieren schien, dann aber wieder doch nicht. Bei Deutschlandradio müsste noch ein entsprechendes Telefoninterview mit ihm anzuhören sein. (Nicht, dass Schirrmachers Kommentar viel sinnvoller gewesen wäre. Lothar Müllers Aufmacher in der SZ traf die Sache damals noch ziemlich genau.)

  • Klaus Jarchow

    18.05.08 (14:22:13)

    @ dummyblogger: Könnte das vielleicht etwas mit dem Gebrauch bestimmter Redefiguren bei der Einleitung eines Brieftextes zu tun haben? Nebenbei bemerkt, fand ich die gesamte Diskussion damals unsäglich ...

  • arbiter

    18.05.08 (19:34:44)

    Ceterum censeo..., wo Shakespeare sich gar das Wohlwollen seine Herrn abholte, sollte es da einem Vertreter der Holzmedien versagt bleiben? DIE ZEIT bringt ein hübsches Fortsetzungsmagazin zum Web, der Feuilleton-Chef sagt auch was, und schon fallen die Kaffeesatzleser über ihn her, prüfen seine Gesinnung und ob und in wieweit sie mit der ihren übereinstimmt. Sancta simlicitas! Kommen jetzt Fensterstürze wieder in Mode? Oder alles nur Anglerlatein?

  • Klaus Jarchow

    18.05.08 (21:51:54)

    Nun - welches der drei von mir konkret kritisierten Zitate war denn kein 'Bullshit', sondern irrelevante Kaffeesatzflitzenpiepe? Bloß im Blauen rumorgeln und enigmatisch mit Shakespeare protzen gildet nich ...

  • Gregor Keuschnig

    18.05.08 (22:01:03)

    Man muss nicht unbedingt ein wildgewordener Kleinrentner oder ein Verbalhooligan sein, um Jessens Kommentar von damals als unangemessen und dumm zu bewerten. Dass sich Jessen über Art und Stil der Auseinandersetzung empört, ist natürlich verständlich. Es gab allerdings unter den Hunderten von Kommentaren auch einige, die sich sehr dezidiert mit seinem Kommentar auseinandergesetzt hatten. Warum da nicht oder nur unzureichend moderiert wurde, erschliesst sich mir nicht. Statt in der Summe rund 750 (oder 800) Kommentare zuzulassen (von denen dann die ersten rd. 400 kollektiv gelöscht wurden) erschliesst sich mir nicht. Der Fehler liegt in seiner Onlineredaktion, die dem Pöbel freien Lauf liess. Dass sich Jessen jetzt als "Opfer" stilisiert, ist menschlich, zeigt aber eine beträchtliche Unprofessionalität, die ich ihm so nicht zugetraut hätte. Im übrigen zeigt der Schock, den er bekommen hat das Ausmass seiner Ahnungslosigkeit, was sich "da draussen" so alles abspielt. Er sollte besser wieder Feuilletons schreiben. Das kann er nämlich ganz gut.

  • arbiter

    18.05.08 (23:10:17)

    Wer den Link gesetzt hat, dem kam der William wie gerufen. Drum prüfe ..., ob nicht der alte Will als Frosch seinen König küßt. Alles Ungemach, das Jessen wegen seines kritikanfälligen Features widerfahren ist, riecht ein bißchen nach Kampagne -die Zahlen(!). Die dann schlecht be- und verarbeitet zu haben, läßt die Spannweite von Un- über Mißgeschick bis Unfähigkeit. Muß ein Holzwurm das Web handhaben können? Wieviel davon aufs Redaktionskonto geht, ist schwer zu schätzen. Täuscht der Eindruck, daß letztlich die Diskussion im Web darüber ziemlich präzise die Mechanismen der Holzmedien adaptiert, nur eben mit anderer Geschwindigkeit und nicht regulierbaren Zugriffszahlen? Fürs Papier wäre/ist die Mehrzahl der `Leserzuschriften´ wohl eher in der Rundablage gelandet. Weder das eine noch das andere bringt Qualitätsgewinn. Jessens Reaktion mag nicht seinem Feuilletonniveau entsprechen, doch Kritik und auch Polemik haben eher nicht das Recht, zu verletzen. Wie wehrt man sich gegen das Empfinden des `Verletztsein´ emotionsfrei und korrekt?

  • hendrix

    18.05.08 (23:47:08)

    ich kann euch mal diesen artikel zum thema empfehlen: http://www.yourjournal.de/artikel/437-politically-incorrect--ein-weblog-mischt-die-etablierte-medienlandschaft-auf.html

  • Florian Steglich

    19.05.08 (08:01:12)

    hendrix: Wirklich sehr witziger Artikel. Die große Tageszeitung FAZ soll nur deshalb auf den Feuilletonchef der großen Wochenzeitung Die Zeit aufmerksam geworden sein, weil Politically Incorrect sich zu ihm geäußert hat, steht da. Ich habe sehr gelacht. Zur Verteidigung Jessens möchte ich anmerken, dass ich von ihm schon ganz anderes, kluges, aufgeschlossenes über Blogs gehört habe. Er gehört nicht zu der Sorte Journalisten, von denen Ihr redet, Jochen und Frank. Beißreflex essen auch Seele auf.

  • ramses101

    19.05.08 (13:34:20)

    @Hendrix: Ich lach mich tot: PI: sprachlich brillant, witzig und pfiffig ? aufs Beste informiert. Exakt dieses Pack ist doch bei Jessen gemeint. Und jetzt soll mir bitte keiner damit kommen, das seien ja gar keine richtigen Blogger. PI ist ein Blog und die Kommentatoren sind ein Teil dessen. "Die" Blogger, wie sie immer wieder gerne zu edlen Rittern auf noch edleren Rappen stilisiert werden, gibt es nicht. Es gibt, wie überall, Schlaue und Dumme, Gemäßigte und Fanatische. Und ich gebe Jessen zu 100% Recht, wenn er sagt, dass die Hemmschwelle eben der Vollidioten gesunken ist, ihren Hass auf alles, was ihnen nicht passt, auszugießen. Das ist in der Tat kein Blogproblem - das kenne ich seit eh und je, selbst aus Musikforen. Aber es klammert die Blogger eben auch nicht aus.

  • arbiter

    19.05.08 (14:56:22)

    @ RAMSES101: Ist die Hemmschwelle der Vollidioten gesunken, oder ist nicht doch über Web 2.0 nur der Filter für Idioten weggefallen? Neu ist dabei sicher auch, jeder Idiot und Nichtidiot darf zurückbellen. Gute Gelegenheit für sogen. Eliten, die immer Angst haben, nach Regulierungsmöglichkeiten zu rufen. Wird das am Ende so gehen, daß sich Elite auch des Web bemächtigt?

  • ramses101

    19.05.08 (17:03:43)

    Ich weiß nicht, ob ich "Hemmschwelle" und "Filter" trennen würde. Ein Filter, wie z.B. eine Redaktion, die auf Namen und Adresse besteht, ist ja auch eine Hemmschwelle. Wer droht schon jemandem per Leserbrief mit dem Tod? Aber das Zurückbellen ist sicherlich ein Punkt. Da schaukelt es sich in der vermeindlichen Anonymität schnell hoch.

  • Klaus Jarchow

    19.05.08 (18:02:38)

    @ ramses101: Wenn ich mir unsere ach so recherchefreudigen Journalisten anschaue, wenn sie über die vielen 'Hassblogs' im Internet jammern und barmen, dann tauchen sie am Ende ihrer Recherchen doch immer wieder nur einzig und allein mit PI im Maul wieder auf. Da scheint es, scheint es mir, vielleicht gar nicht so viel Delirantes zu geben. Anders ausgedrückt: Gäbe es PI nicht, dann müssten es die Holzmedien für ihre Häme wohl erfinden. Ich schreibe demnächst mal was darüber ...

  • ramses101

    20.05.08 (10:17:27)

    Stimmt natürlich. Ohne PI müssten sie schon etwas tiefer buddeln, aber wenn sie das täten (und damit meine ich nicht die Blogroll von PI), dann würden sie Dinge finden, die selbst den hartgesottensten Verfechter der Meinungsfreiheit blass werden ließen. Vielleicht noch nicht in Deutschland, aber die Betonung liegt hier auf "noch". Drüben sieht das dann so aus (Leerstelle schließen): http://www.shelley therepublican.com/ Wobei das natürlich auch Satire sein kann. Wer kennt sich da schon aus. In Deutschland gibt (gab?) es aber auch schon Schlimmeres. Da war zum Beispiel das Hassblog von PI-Jubelperser "CA" das irgendwann so heftig wurde, dass es bei PI aus der Linkliste geflogen ist. Aber es stimmt schon, dass es nicht unbedingt die 1 mit Sternchen für "recherche" gibt, wenn immer nur PI auf der einen und Bildblog auf der anderen Seite herhalten müssen.

  • arbiter

    22.05.08 (02:13:24)

    "Ich weiß nicht, ob ich ?Hemmschwelle? und ?Filter? trennen würde.": Bei einer Redaktion, die Name und Adresse verlangt, vor allem bei den Holzmedien, besiegt Feigheit die `Vollidioten´ einerseits, hat zudem die Redaktion eine gefräßige Rundablage. In der Anonymität des Web -nur eine andere Feigheit- gießen die `Vollidioten´ ihren Hass direkt auf den Monitor, und der Blogbetreiber hat alle Hände voll zu tun, die Meute zu zügeln. Dafür muß er sich dann noch den Vorwurf der Zensur gefallen lassen. Wer sich gegen das Hass-Werk direkt und verbal verteidigt, hat zweifellos noch schlechtere Karten. Entweder steigt er in die Prol-Niederungen hinab, oder er versucht es sachlich. Letzteres verstehen die Adressaten nicht, ersteres zwar auch nicht, doch fühlen sie sich davon persönlich betroffen und bellen um so hasserfüllter zurück.

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