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09.10.07Leser-Kommentare

Leser-Reporter: Wer zahlt wie gut?

Was macht man, wenn man aus dem Fenster blickt und Pete Doherty, Britney Spears und Prinz William nackt im eigenen Garten Joints rauchen? Man guckt wieder weg. Oder man macht Fotos und ruft die Boulevardpresse. Wer aber zahlt wie gut?

"Die Armee der arschgeweihtragenden Leser-Reporter ist die schlimmste Guerilla unserer Zeit." So werden sie eingestuft, die Produzenten von Inhalten ohne Ausweis. Ungeachtet dieser Kritik machen sie weiter und versorgen, wie auch die professionellen Anbieter, die Welt mit zum Teil zweifelhaften Inhalten. Während früher die Ehre, den eigenen Hinweis oder Namen oder sein eigenes Bild in der Zeitung sehen zu können, ausgereicht hat für eine kostenlose Übergabe von Inhalten, wollen seit Neustem immer mehr Leser Geld dafür. Weil sie wissen, dass damit noch mehr Geld zu machen ist.

Deshalb haben einige Portale damit begonnen, Leser-Inhalte, die sie attraktiv finden, einheitlich zu bezahlen. Wir haben aufgelistet, wieviel es für was gibt und was der Haken dabei ist.

 

augenzeuge.stern.de: Augenzeuge.de
(Hochladen nach Anmeldung)

1.000 Euro (Veröffentlichung im Stern als Doppelseite)

500 Euro (Veröffentlichung im Stern als Einzelseite)

250 Euro (Veröffentlichung im Stern als halbe Seite)

130 Euro (Veröffentlichung im Stern als Viertelseite)

Motivationstext:

 

Ist an Ihnen gerade ein Tornado vorbeigezogen? Hatten Sie Ihre Kamera zur Hand? Haben Sie vielleicht gerade das Titelbild für morgen geschossen? Immer häufiger veröffentlichen Zeitungen und Zeitschriften Fotos, die nicht von Pressefotografen gemacht wurden. Viele einmalige Ereignisse werden in beeindruckenden Aufnahmen nur von Fotografen festgehalten, die nicht hauptberuflich für die Medien arbeiten. Aber auch sie verdienen es, mit ihren Fotos Geld zu verdienen.

Aber:

 

Immer wenn Sie Menschen fotografieren, denken Sie daran, die Würde und Rechte der abgebildeten Personen zu respektieren. augenzeuge.de verbreitet keine Paparazzi-Fotos, für die Menschen in ihrem geschützten Privatbereich aufgelauert wurde.

Wichtig ist: Wir nehmen keine Foto-Montagen an. Korrekturen, die rein technischer Natur sind (z.B. Kontraste anpassen) und die inhaltliche Aussage des Bildes nicht verändern, sind jedoch zulässig.

Kleingedrucktes:

 

Wenn Sie sich bei augenzeuge.de registrieren, akzeptieren Sie unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) für Fotografen. Dadurch ermächtigen Sie uns, alle Fotos, die Sie künftig an augenzeuge.de schicken, exklusiv für Sie zu vermarkten. Sie zahlen für diese Dienstleistung nichts. Dafür erhalten wir 50% der Nettoeinnahmen, die mit Ihrem Foto erzielt werden. Die andere Hälfte zahlen wir an Sie aus.

*

bild.t-online.de: Leser Reporter
(E-Mail an 1414 bei bild punkt de)

500 Euro (abgedrucktes Bild in der landesweiten Ausgabe)

100 Euro (abgedrucktes Bild in der Regionalausgabe)

Motivationstext:

 

Haben auch Sie einen Promi entdeckt oder Polizisten als Verkehrssünder und das Ganze mit Ihrem Handy oder Ihrer Kamera fotografiert?

Dann schicken Sie uns doch ihr Foto zur Veröffentlichung in der BILD-Zeitung bzw. unter www.bild.t-online.de zu.

Aber:

 

Und eine Bitte: Respektieren Sie bei Ihren Foto-Aufnahmen die Privatsphäre anderer Menschen. Behindern Sie nicht die Arbeit von Polizei und Rettungsdiensten.

Kleingedrucktes:

 

Wer ein Foto per Email an 1414@bild.de schickt, erklärt, sämtliche Rechte hieran zu besitzen, und überträgt der Axel Springer AG alle Rechte zur Veröffentlichung in allen Medien – zur Bearbeitung, Archivierung und Weiterveräußerung. Bei Weiterveräußerung erhält der Urheber von der Axel Springer AG 50 % der erzielten Nettoverkaufserlöse.

*

blick.ch: 8989 – Leser sind Reporter

(E-Mail an 8989 bei blick punkt ch)

60.15 Euro = 100 Franken (abgedrucktes Bild oder Story)

Motivationstext:

 

Etwas passiert? Etwas gesehen oder gehört? Ein spektakulärer Unfall, ein Brand, eine Schlamperei, eine Ungerechtigkeit? Eine mutige Tat? Oder einfach ein traumhaft schönes Bild vom Sonnenuntergang oder eine aufopfernde Handlung eines Nachbars?

Aber:

 

Die Leser sind gebeten, bei Aufnahmen von Personen die Privatsphäre zu respektieren.

Kleingedrucktes:

 

Alle eingehenden Leser-Informationen werden von der Redaktion geprüft, nachrecherchiert und journalistisch aufgearbeitet.

Sofern sie im BLICK abgedruckt werden, erhält der Leser oder die Leserin ein Honorar von mindestens 100 Franken. Veröffentlichungen auf www.blick.ch sind honorarfrei. Sämtliche Rechte gehen an die Redaktion über.

*

20min.ch: 20Minuten-Mobile- Reporter

(E-Mail an reporter bei 20minuten punkt ch)

60.15 Euro = 100 Franken (abgedrucktes Bild in der landesweiten Ausgabe)

30.07 Euro = 50 Franken (abgedrucktes Bild in der Regionalausgabe)

Motivationstext:

 

Waren Sie dabei, als ein Tram in ein Auto fuhr? Waren Sie gerade im Zoo, als ein Elefantenbaby geboren wurde? Haben Sie einen Promi beim Einkaufsbummel gesichtet? Knipsen, filmen oder tippen Sie, was das Zeug hält, und schicken Sie uns das Resultat. Ihre Einsendung wird direkt in den Agenturen-Ticker unserer News-Redaktion gespiessen. So ist garantiert, dass uns nichts entgeht.

Kleingedrucktes:

 

Für eine nationale Veröffentlichung Ihres Bildes in der gedruckten Ausgabe erhalten Sie 100 Franken, für eine Veröffentlichung in einer regionalen Ausgabe 50 Franken. Die Honorarregelung gilt nur für Bilder, welche mit dem Schlagwort REPORTER versehen sind. Bilder, die in den Fotoblog geladen werden und Bilder, die uns im Zusammenhang mit Wettbewerben geschickt wurden (z.Bsp. für das 'MMS-Wochenthema'), werden nicht abgegolten. Veröffentlichungen im Web werden nicht abgegolten.

20 Minuten erhält ausserdem das Recht, Bilder oder Videos weiterzuverkaufen. Der Urheber erhält die Hälfte des Erlöses.

*

krone.at: Krone-Leserreporter

(E-Mail an 8007000 bei krone punkt at)

50 Euro (abgedrucktes Bild in der Printausgabe, aber nur bei der Erstveröffentlichung)

Motivationstext:

 

Das Krone-Team wählt laufend die besten Fotos zur Veröffentlichung auf Krone.at und/oder in der Kronen Zeitung aus.

Aber:

 

Mit der Einsendung von Fotos an die genannte Telefonnummer, über dieses Online-Formular oder per E-Mail erklärt der Einsender, dass er das Foto selbst gemacht hat, damit in niemandes Rechte eingreift und dass er Krone.at bzw. die Kronen Zeitung in jedem Fall schad- und klaglos hält. Im Falle der Abbildung anderer Personen erklärt der User, dass er das Recht hat, diese Abbildungen zur Verfügung zu stellen.

Kleingedrucktes:

 

Die Rechte gehen damit von Krone Multimedia, dem Betreiber von Krone.at, an die Kronen Zeitung über. Sowohl Krone.at als auch die Kronen Zeitung ist berechtigt, die Fotos in jedem denkbaren Zusammenhang zu verwenden. Für Wiederveröffentlichung gibt es keinen weiteren Honorar-Anspruch. Über die Veröffentlichung in der Zeitung entscheidet die Kronen Zeitung selbst. Es besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung.

*

deutschlandreporter.de: Deutschlandreporter

(Hochladen nach Anmeldung)

50 Euro (auf der Startseite präsentiertes Video)

Motivationstext:

 

Zeig uns, was in Deiner Stadt passiert. Ob aktuelle Lokal-News oder Event, ob Lieblings-Restaurant oder In-Club - Sei kreativ und schick uns Dein Video! Jeder Reporter, dessen Video wir auf unserer Startseite präsentieren, erhält 50 Euro.

Aber:

 

Ich versichere, dass ich Urheber des Clips bin und keine Ausschnitte aus fremden Clips verwende. Auch die Musik in meinem Clip ist urheberrechtsfrei. Die Personen, die man in meinem Clip sieht, sind mit der Veröffentlichung einverstanden.

Kleingedrucktes:

 

Mit der Einsendung des Beitrages räumt der Teilnehmer Deutschlandreporter.de ausdrücklich die räumlich, zeitlich und inhaltlich unbeschränkten und übertragbaren Nutzungsrechte einschließlich des Rechts zur Bearbeitung an dem übermittelten Beitrag unentgeltlich für folgende Zwecke ein:

* Präsentation im Internet-Videoportal Deutschlandreporter.de, auch downloadfähig.

* Publikation bei Kooperationspartnern von Deutschlandreporter.de

* Berichterstattung über und Öffentlichkeitsarbeit für Deutschlandreporter.de, unabhängig davon in welchen Medien (also auch TV, Mobile, Print oder auf DVD).

*

espace.ch: Leserreporter

(E-Mail an reporter bei espace punkt ch)

30.07 Euro = 50 Franken (abgedrucktes Bild oder Story)

Motivationstext:

 

Etwas passiert? Etwas gesehen oder gehört? Ein spektakulärer Unfall, ein Brand, eine Schlamperei, eine Ungerechtigkeit? Eine mutige Tat? Oder einfach ein traumhaft schönes Bild vom Sonnenuntergang oder eine aufopfernde Handlung eines Nachbars?

Aber:

 

Die Leser sind gebeten, bei Aufnahmen von Personen die Privatsphäre zu respektieren.

*

vol.at: Leser-Reporter Vorarlberg Online
(E-Mail an vnreporter bei vol punkt at)

20 Euro (wenn die Information zu einem Artikel führt)

Motivationstext:

 

Wurden Sie Augenzeuge eines Unfalls? Brennt es irgendwo? Im Urlaub etwas ungewöhnliches geknipst? Haben Sie einen Hinweis für uns? Dann werden Sie doch Leser-Reporter der "Vorarlberger Nachrichten".

*

ovb-online.de: Leser-Reporter des Oberbayerischen Volksblatts
(E-Mail an 42020 bei ovb punkt net)

1000, 700 oder 300 Euro (nur für die drei besten Leser-Reporter-Bilder des Jahres)

Motivationstext:

 

Feuer! Ein Haus brennt, die Flammen schlagen lichterloh aus dem Gebäude. Die Feuerwehr ist schon voll im Einsatz - dann ist ja alles klar. Wirklich? Nein, denn das Oberbayerische Volksblatt ist noch nicht informiert. Das aber geht ganz einfach, wenn Sie als unser Leser-Reporter zufällig dabei sind. Einfach eine SMS schicken an die 4 20 20 und berichten. Wenn das Handy auch ein Foto machen kann: Schießen Sie eins, senden Sie es als MMS. Es winken tolle Preise. Für die drei besten Leser-Reporter-Bilder des Jahres gibt es 1000, 700 und 300 Euro.

Aber:

 

Sie treffen Siegfried und Roy zufällig in einem Rosenheimer Lokal und sind auf einem Bild mit den weltberühmten Magiern? Keine Zeit verlieren und ab damit zum OVB-Medienhaus – natürlich nur, wenn das prominente Duo damit einverstanden ist. (mehr hier)

*

Dazu gibt es viele Portale, die gerne Inhalte erhalten, aber dafür nichts zahlen: Zum Beispiel die Kleine Zeitung, Österreich, tz oder Westropolis, um eine unvollständige Aufzählung zu machen. Bei PlebsTV ist noch nicht entschieden, wieviel für Inhalte bezahlt wird. "Genaueres folgt in Kürze".

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • RAFF

    11.10.07 (06:25:25)

    Das ist ja interessant! Vor ca. zweieinhalb Jahren fotografierte ich mit meiner Digitalkamera vom Bürofenster aus eine Polizeiaktion, bei der Polizisten mit mehreren Wagen, Maschinengewehr am Anschlag ein Auto mit flüchtenden Dieben stellte. Ich bot die Bilder (5 Stück), dem Blick, 20 Minuten, der BAZ und TeleBasel an. Blick und BAZ reagierten gar nicht und 20 Minuten sagte sie zahlen grundsätzlich nichts würde aber meinen Namen erwähnen. Nur Tele Basel war bereit dafür Fr. 100.- zu zahlen. Allerdings nicht ohne vorher zu behaupten das sie eigentlich nichts zahlen.

  • Peter Hogenkamp

    11.10.07 (07:33:04)

    Sie treffen Siegfried und Roy zufällig in einem Rosenheimer Lokal. Ist Roy denn inzwischen wieder ganz?

  • Ronnie Grob

    11.10.07 (07:44:28)

    @Peter: Die Timeline auf der Website der beiden hört schon 2000 auf, mit der Auszeichnung zu den Zauberern des Jahrhunderts. Der Angriff eines weissen Tigers auf Roy Horn am 03.10.2003 (gemäss Wikipedia) ist nicht erwähnt. Zuletzt konnte man erfahren, dass sie sich nun doch, beide über 60, zur Homosexualität bekannten. Queer.de schrieb: Roy hatte auch das große Pech, von einem der Tiger, mit denen die beiden ihre Shows durchführten, im Jahr 2003 lebensgefährlich verletzt zu werden. Mehrfach habe auf dem OP-Tisch sein Herz aufgehört zu schlagen. Doch Roy konnte gerettet werden und in einer monatelangen Behandlung wieder in seinen Alltag zurückkehren.

  • mds

    11.10.07 (09:37:39)

    Fazit für Hobbyfotografen: Bilder an Medien senden, ja. Bilder vorbehaltlos an Medien senden, nein. Formulierungen wie «Sämtliche Rechte gehen an die Redaktion über» auf Medien-Websites sind als Vorschläge zu betrachten, mehr nicht, gerade auch im zitierten Beispiel, wo rätselhaft ist, wie die erwähnte «Redaktion» die beschriebenen «sämtlichen Rechte» überhaupt halten können sollte.

  • Andi

    12.10.07 (08:43:29)

    Ich bin bei diesem Thema noch einigermassen unschlüssig: Einerseits verkaufe ich ab und zu für nen guten Preis Fotos aus meiner Sammlung oder meines Flickr-BestOfs an Firmen, die sie dann für Jahresberichte o.ä. benützen - oder, OK, manchmal auch für anderes :) Die meisten, die sich die Fotos downloaden, fragen auch brav für die Rechte an - bei "Bergbildern für die Hochzeit eines Freundes" sende ich dann auch gerne kostenlos ein paar Schnappschüsse. Da ich aber tief im Herzen doch ein wenig Schurni bin, bin ich bezüglich der Übernahme von Bildern durch Medien zweigeteilt: Kürzlich fragte "20minuten" (Bern) wegen dieses Bildes. Ich nannte einen Preis, da heiss es "wir haben leider kein Budget für Bilder, sorry." Immerhin - auf eine Publikation hätte man ohne mein Einverständnis verzichtet. Eine Rückfrage bei einer guten Freundin, die in Zürich für das Blatt arbeitet, bewies: Es ist tatsächlich so. Also biss ich in den sauren Apfel - mein "Lohn" war, zwei SMS zu bekommen "hey, dein Foto ist in der Zeitung". Dass in der Zeitung abgedruckte URLs kaum für mehr Traffic sorgen, wissen wir ja schon lange. Und mit den paar Google Ads werd ich nicht wirklich reich. Der andere Fall waren die Überschwemmungen im August: Als Anwohner der Aare machte ich Filme und Fotos, und da espace.ch nebst dem Regi Bern das einzige Medium war, das einigermassen am Ball blieb, willigte ich in eine Übernahme meines Materials in einer "heissen Lage" ein. Hier ist die Gegenleistung, dass espace.ch ab und zu eine Blog-Meldung weiterzieht. Und dass ich ab und zu Gadgets testen darf und ein bescheidenes Honorar bekomme. Find ich eigentlich fair. Aber eben: Ich bin mir nicht ganz sicher, ob meine Gutmütigkeit bzw. hohe Toleranzgrenze nicht letztlich dazu führt, dass die "traditionellen Medien" davon ausgehen, User Generated Content sei jederzeit kostenlos zu haben. Einserseits bringen mir die Bilder etwas Publicity, andererseits hatte ich einen Aufwand, das Material zu schiessen, und wenn jemand dieses Material braucht, soll er mich entschädigen. Und wieder andererseits sag ich mir: Es geht mir eigentlich um den Content und nicht ums Geld, eigentlich verdiene ich genug. Womit wir dann wieder am Anfang dieses Abschnittes wären. Alles in allem: Eine Gratwanderung.

  • Andi

    03.01.08 (21:37:45)

    Beim heutigen Sesselbahn-Unglück in der Nähe der Kleinen Scheidegg war ich etwas weniger nachgiebig. Ich betreibe als Hobby-Seilbahnhistoriker eine Website mit Ski- und Sesselliftfotos; zufällig erscheint sie bei der Eingabe des Namens der Unglücksesselbahn zuerst. Die Zugriffszahlen der Website verzehnfachten sich innert Stunden, und es begann die grosse Selbstbedienung der Medienschaffenden. Positiv: Die meisten waren korrekt und fragten an, ob sie die Bilder verwenden dürften; fast alle fragten auch nach dem Honorar bzw. boten von sich aus ein Honorar an (das Schweizer Fernsehen mit den fairsten Angeboten). Eine Lokalfernsehstation und eine nur online operierende Schweizer Newssite übernahmen die Bilder hingegen zunächst ohne Rücksprache, die Newssite brachte immerhin eine Quellenangabe und fragte etwas später wegen der Verwendung an, beschloss aber, das Bild wieder vom Netz zu nehmen (bzw. es durch ein anderes auf der ersten Ergebnisseite von Google Image Search auffindbares Bild zu ersetzen - ich nehme mal optimistisch an, er hat dort nachgefragt...), nachdem ich darauf hingewiesen hatte, dass ich in diesem Falle alle Bezüger punkto Honorar gleich behandeln würde. Zitat aus dem Mail: "Das war ein Versehen, ich hoffe, Sie entschuldigen das und sehen von dem Honorar ab." Versehen...? Interessant! Zumal ich mit der Lokalfernsehstation in anderer Mission oft zu tun habe, beliess ich es bei einem Mail an den Leiter, er möge doch dem Team wieder mal die Urheberrechts- und Fairnessregeln in Erinnerung rufen, zumal dort gar eine Quellenangabe fehlte (was allerdings früher sogar mal dem rätoromanischen Fernsehen der SRG passiert war). Auch wenn ich mich dem Verdacht aussetze, aus einem Unglück Profit schlagen zu wollen, habe ich die Bilder in der Galerie temporär mit einem Text ergänzt, dass es hier keine kostenlose Selbstbedienung gebe - einfach aus Prinzip und als Protest gegen die Attitüde "Internet = juhui, gratis". Ich bin gespannt, wo ich die Fotos noch überall finde. Aha, auch Ruedi Burger von meiner Lieblingslektüre "Der Bund" möchte die Bilder und ruft mich soeben an - vorbildlich. Was mir wichtig ist: Zumal ich diese Anlage als Saisonkartenbesitzer der Jungfrauregion oftmals selbst benutzt habe und heute zahlreiche Verwandte im Gebiet unterwegs waren, steht für mich trotz allem die menschliche Tragödie im Vordergrund - und das mulmige Gefühl, das nun eine Zeitlang auf Sesselbahnen herrschen wird; ähnlich dem Gramseln im Bauch beim Betreten eines Flugzeuges am Tag nach einem Absturz mit vielen Opfern. Einen skifahrerenden Seilbahnfreak stimmen solche Unfälle doppelt nachdenklich.

  • Andi

    05.01.08 (13:25:27)

    Ein Kollege mailte mir aufgrund dieser Diskussion diesen Text und willigte ein, dass ich ihn hier wiedergebe (er hat grad zu wenig Zeit): "Leute, die davon leben, dass sie ihre Fotos verkaufen können, machst Du mit Deinem Vorgehen ziemlich unglücklich, da Du den Markt kaputt machst. Ich habe einmal als freischaffender Lokaljourni gearbeitet und war um jedes bezahlte Bild froh. Deshalb solltest Du jedes Bild, welches abgedruckt oder sonstwie von einem Medium veröffentlicht wird, bezahlen lassen. Schliesslich verdienen ja gerade diese Medien mit den Informationen - und dazu gehört auch Dein Bildmaterial - Geld. Solche Bemerkungen, wie sie von 20min her kommen, finde ich schlicht und einfach behämmert und sollten Dich nicht erweichen. Nochmals: als freischaffender Journi, der sich mit Bild- und Textmaterial seinen Lebensunterhalt verdient, würde ich Dich und andere, die ihr Material (teilweise) gratis abgeben, würgen können - zum Glück bin ich nicht (mehr) in dieser Lage. Darüber gabs übrigens in einer journalistischen Newsgroup Ende 1990er-Jahre immer wieder betrübte Diskussionen."

  • Peter Sennhauser

    05.01.08 (23:22:55)

    Eine grössere Schweizer Zeitung, für die ich ein Porträt eines Schweizers im Ausland verfasst habe, schrieb zu meiner Rechnung über Text und Bild: "Journalisten, die auch noch ein Bild knipsen, kriegen bei uns 50 Franken". Eine grosse Wochenzeitung druckte ein Bild fast seitenfüllend und wollte mich danach mit einem ähnlichen Betrag abspeisen. Ein beauftragter Fotograf hätte in beiden Fällen eine Tagespauschale und Spesen, also irgendwas zwischen 500 und 1000 Dollar gekostet. Auf meine Reklamation hin kriegte ich jeweils zu hören, ich sei kein Fotograf. Und eine Bildreaktorin sagte gar, sie wolle mich schlecht bezahlen, damit ich nicht den Markt für die Profis kaputtmache. Gemäss dieser schwachsinnigen Argumentation müsste man also hervorragende Texte unterbezahlen, wenn sie nicht von "Journalisten" stammen - um deren Markt zu schützen... In beiden Fällen hatte ich mehrere Stunden für die Aufnahme investiert, Locations gesucht und eine mehrtausendfränkige Ausrüstung benutzt - und die Bilder waren offenbar gut genug, um sie in A4-Grösse zu drucken. Also sind sie auch gut genug, professionelle Honorare zu verlangen. Von mir gibts keinen Rabatt.

  • Wolf-Dieter Roth

    06.01.08 (11:37:04)

    "sie wolle mich schlecht bezahlen, damit ich nicht den Markt für die Profis kaputtmache." LOL. Da kommt sicher auch bald: "Wir beschäftigen nur noch billige Rentner und Schüler als Reporter, um den richtigen Journalisten nicht mit Aufträgen zu schaden"... Und? Haste Dein Honorar dann auch bekommen?

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