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05.10.08

Launch von viel gelobtem Musikdienst Spotify rückt näher

Spotify ist wie iTunes, nur kostenlos und in der Cloud. Die Anzeichen mehren sich, dass der offizielle Start des schwedischen Startups bevorsteht.

Hinweis: Spotify ist am Dienstag offiziell gestartet. Siehe Aktualisierung am Ende des Artikels.

Spotify Auf keinen Webservice warte ich derzeit so gespannt und erwartungsvoll wie auf Spotify. Das Startup aus Stockholm hat eine Desktop-Applikation entwickelt, die legal, kostenlos und on Demand Musik streamt. Spotify ist somit eine Art cloudbasiertes iTunes. Jeder, der das Tool in Aktion gesehen hat, wird diesen Vergleich nicht für unangemessen halten.

Das von Spotify entwickelte Verfahren zur Übertragung von Musik, eine Kombination aus P2P- und Serverstreaming, ermöglicht das blitzschnelle Abrufen beliebiger Songs. Selbst mit sehr langsamen Internetverbindungen entsteht so der Eindruck, die angehörten Titel befänden sich nicht im Netz, sondern lokal auf dem Rechner. Spotify folgt dem Trend zum Cloud Computing , ohne dass Nutzer dabei auf das gewohnte Look & Feel und die Benutzerführung einer Desktop-Musikanwendung verzichten müssen.

Spotify

Vor einem Jahr hatte ich das erste Mal über den Service geschrieben. Wie damals befindet sich Spotify auch heute noch in der geschlossenen Beta-Phase und geht äußerst restriktiv mit der Vergabe von Einladungen vor. Die Beta-Lizenz zum Streamen gilt lediglich für eine stark begrenzte Anzahl an Testern.

Nachdem man schon fast den Eindruck bekommen konnte, Spotify würde nie über eine Closed Beta hinauskommen, scheint sich nun einiges zu tun. In den letzten Wochen wurden verstärkt neue Nutzer eingeladen. Bestehende User erhielten zudem jeweils eine der heiß begehrten Invitations zur freien Weitergabe. Nicht nur das könnte ein Anzeichen dafür sein, dass Spotify kurz vor einem offiziellen Launch steht.

Laut Computer Sweden bezog Spotify in der vergangenen Woche neue Serverräume, um für steigende Nutzerzahlen vorbereitet zu sein. Auch wird berichtet, dass Spotify und STIM, das schwedische Äquivalent zur GEMA, sich auf einen Vertrag geeinigt haben, der dem Unternehmen das öffentliche, legale und kostenlose Streamen der Musikkataloge zahlreicher führender Plattenfirmen erlaubt.

Nachdem die schwierigen Verhandlungen mit der Musikindustrie offenbar abgeschlossen sind und Spotify nach einem Bericht der schwedischen Wirtschaftszeitung Veckans Affärer gerade frisches Kapital erhalten hat (TechCrunch spricht von 15,3 Millionen Euro), scheinen damit die Ampeln für den baldigen Start von Spotify auf grün zu stehen. Vorerst vermutlich aber nur in Schweden, denn das Abkommen mit STIM dürfte kaum für andere Länder gelten.

Eventuell werden aber auch deutsche User bald die stylische Applikation (PC und Mac) ausprobieren können. Wie wir erfahren haben, wurde vor zwei Wochen ein Country Manager für Deutschland eingestellt, der unter anderem Werbe- und Kooperationspartner ins Boot holen soll. Spotifys kostenlose Version wird durch Anzeigen finanziert, sowohl in Bannerform als auch mittels Audiospots. Für Werbemuffel ist eine kostenpflichtige Premiumversion ohne Anzeigen geplant.

Wenn uns der Misserfolg des mit hohen Erwartungen gestarteten Internet-TV-Dienstes Joost als Desktop-Software eines gelehrt hat, dann, dass selbst vermeintliche Killerapplikationen versagen können. Anders als im Falle von Joost basiert der Hype um Spotify jedoch nicht nur auf Marketing und einer Verknappung des Angebots (=der verfügbaren Zugänge), sondern hauptsächlich auf dem überaus positiven Feedback der bisherigen Beta-Tester (siehe Kommentare zum TechCrunch-Artikel).

Vor einem Desinteresse der Nutzer nach einem Launch muss sich Spotify also wahrscheinlich nicht fürchten. Bleibt zu hoffen, dass die Kalkulation des Startups aufgeht und die vereinbarten Abgaben an die Musikindustrie durch Werbung und zahlende Nutzer refinanzierbar sind. Auch vom Umfang des Titelangebotes in der Launch-Version wird abhängen, ob die vielen Vorschusslorbeeren am Ende gerechtfertigt waren. Die browserbasierte Konkurrenz ist enorm - für das Online-Musikerlebnis aus Nutzersicht allerdings nicht annähernd so geschmeidig wie Spotify.

Update Dienstag 7. Oktober 2008: 

Jetzt ging es schneller als erwartet: Heute ist Spotify in Deutschland und sieben weiteren Ländern offiziell gestartet. In einer Pressemeldung verkündet das Unternehmen, Abkommen mit Universal, Sony BMG, EMI, Warner Music, Merlin, The Orchard und Bonnier Amigo über das Streaming ihrer Kataloge bei Spotify geschlossen zu haben. Vorerst ist lediglich die kostenpflichtige Premium-Version des Services verfügbar. Für die nächsten Monate wurde auch der Start der kostenfreien, werbefinanzierten Version angekündigt.

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