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22.08.11

Kurz-URL t.co: Twitter-Traffic wird messbar

Ab sofort werden sämtliche über Twitter verbreiteten Links ab einer bestimmten Länge von dem Microbloggingdienst analysiert und mit einer eigenen Kurz-URL versehen. Betreiber von Websites erfahren so erstmals, wer der größere Trafficlieferant ist: Twitter oder Facebook.

 

"Twitter ist kein Social Network, sondern eine Plattform zur Verbreitung von Nachrichten, Inhalten und Informationen", so beschrieb ein Twitter-Manager den Zweck des Microbloggingdienstes einst. Entsprechend große Bedeutung hat der Service für Betreiber von Websites. Doch eindeutige Angaben zur Qualität von Twitter als Trafficlieferant ließen sich bisher nicht erheben:

Denn von Website-Analysewerkzeugen wurden lediglich die Twitter-Klicks identifiziert, die über Twitters Weboberfläche erfolgten. User von Drittanbieter-Applikationen wie TweetDeck oder HootSuite - gerade für "Power User" der bevorzugte Weg des Twitter-Zugriffs - wurden nicht erfasst. Dies ändert sich jetzt:

Ab sofort kürzt Twitter sämtliche per Tweet oder Direktnachricht versendeten, mehr als 20 Zeichen beinhaltenden Links  mit dem erstmals vor einem Jahr vorgestellten hauseigenen URL-Shortener t.co. Eigentlich sollte dieses Feature bereits im Sommer 2010 für alle Tweets scharf geschaltet werden, doch aus unbekannten Gründen hat sich der Launch deutlich verzögert.

Dieser Schritt führt nun dazu, dass jeder über Twitter an eine URL mit mehr als 20 Zeichen vermittelte Besucher von Analysetools als ein solcher erkannt wird - egal ob er über Twitter.com, eine mobile App oder einen Desktop-Client auf einer Website landet. Referrer ist stets t.co.

In den nächsten Tagen und Wochen werden vor allem Betreiber von Nachrichten- und Contentwebsites ein sehr genaues Auge auf ihre Trafficquellen werfen. Und viele werden endlich eine Antwort darauf bekommen, welcher der zwei führenden Social-Media-Kanäle dem jeweiligen Angebot mehr Besucher beschert: Twitter oder Facebook. Bisher ließen sich hierzu lediglich Mutmaßungen ausgehend von Vergleichen zwischen Facebook-Likes und Retweets anstellen.

Inwieweit sich aus dem Twitter-Referrer sogar entnehmen lässt, welcher Tweet den jeweiligen Besucher zu einer Visite animiert hat, ist vom Analyse-Tool abhängig. Laut The Next Web scheint dies grundsätzlich möglich zu sein, bei dem von uns eingesetzten Dienst Clicky hingegen taucht lediglich "twitter.com" als Quelle auf - mit einem momentan 440-prozentigen Anstieg.

Trafficquellen: Twitter vor Facebook

Bei der plattformweiten Aktivierung von t.co handelt es sich aus Sicht von Website-Betreibern um eine bedeutsame Neuerung. Aber auch für die Nutzer ergeben sich daraus Veränderungen: Denn indem nun jeder über Twitters Server verschickte Link intern in eine t.co-URL umgewandelt und gleichzeitig analysiert wird, erhofft sich das gereifte Startup, schadhafte Links besser an ihrer Verbreitung hindern zu können (was aber bisher noch nicht richtig zu funktionieren scheint).

Gleichzeitig verfestigt Twitter mit dem Schritt allerdings auch seinen zentralisierten Charakter. Bisher existierte für den Service keine automatisierte Möglichkeit, einzelne Links zu blockieren. Mit t.co kann dies zumindest in der Theorie nicht mehr ausgeschlossen werden. Ungeachtet davon, ob sich der kalifornische Dienst dieses Mittels auch bedient, schafft er mit dem Rollout von t.co eine neue Angriffsfläche. Es dürfte nicht lange dauern, bis diese erstmalig zu Konflikten führt.

Update: Andere Kurz-URL-Dienste funktionieren wie gehabt und liefern auch weiterhin eigene Klickstatistiken - selbst wenn im Tweet beispielsweise nicht mehr bit.ly sondern t.co angezeigt wird (wie bei Twitter-Widgets zu beobachten).

Update 2: Allen Stern weist darauf hin , dass Twitter von Analysetools  durch die Änderung  unter Umständen auch dann als Trafficquelle identifiziert wird, wenn eine t.co-Kurz-URL an einer anderen Stelle im Web verbreitet wird. Das bedeutet, dass Twitter in Statistiken jetzt möglicherweise sogar überrepräsentiert sein könnte.

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