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11.01.12Leser-Kommentare

Kursänderung: VZ-Netzwerke wollen sich neu ausrichten

Erst im Oktober wurden die VZ-Netzwerke von grundauf überarbeitet. Jetzt kündigt das Unternehmen unter Führung der neuen Chefin Stefanie Waehlert bereits eine Neuausrichtung an. So sollen neue Zielgruppen angesprochen werden.

 

Rund zweieinhalb Monate ist der Relaunch der VZ-Netzwerke nun her. Seitdem können Mitglieder zwischen der bisherigen und der aufgefrischten Oberfläche wählen. Der Rückgang bei den Besucherzahlen konnte aber trotzdem nicht gestoppt werden. 77,3 Millionen Visits verzeichneten studiVZ, meinVZ/freundeVZ und schülerVZ laut IVW im Dezember - 7,93 Prozent weniger als im Vormonat. Der vor Jahren eingesetzte Schrumpfkurs des Berliner Unternehmens hat sich damit zwar etwas verlangsamt, der Abstand zur Marke null wird aber weiterhin kleiner. Die Domain wannstirbtstudivz.com visualisiert die äußerst missliche Lage, in der sich die VZ-Gruppe derzeit befindet. Demnäch hätte der Dienst in wenigen Monaten keine Nutzer mehr.

Uns interessierte, wie man bei den VZ-Netzwerken diese Endzeitszenarien kommentiert. Wir sprachen dazu mit der neuen Pressesprecherin des Unternehmens, Sweelin Heuss. "Weder die VZ Netzwerke, noch die Plattform studiVZ, werden im März 2012 eingestellt", unterstrich Heuss als Reaktion auf die düsteren Prognosen, die im Netz die Runde machen. Allerdings ließ sie wissen, dass derzeit unter Führung des neuen CEO Stefanie Waehlert fieberhaft an einer neuen Ausrichtung gearbeitet werde.

Waehlert, die zuvor die Geschicke von lokalisten, einem anderen, mit dem Abstieg kämpfenden sozialen Netzwerk leitete, trat im Oktober die Nachfolge von Clemens Riedl an, der nur Tage nach dem Relaunch überraschend seinen Abschied bekannt gab.

"Verantwortlich für die weitere Entwicklung des Internetanbieters ist CEO Stefanie Waehlert. Sie wurde von der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck dazu im Oktober 2011 berufen. Es ist Waehlerts Aufgabe, die VZ-Netzwerke neu auszurichten. Für das gesamte Unternehmen wird derzeit eine neue Lösung erarbeitet. Sie dient vor allen Dingen dazu, neue Zielgruppen zu erschließen", so Sprecherin Heuss.

Während der Lack nach der jüngsten Überarbeitung der drei Plattformen noch nicht getrocknet ist, werkelt man am Firmensitz in der Backfabrik also tatsächlich schon am nächsten Konzept. Wie dies genau aussehen könnte, dazu wollte sich Heuss noch nicht äußern, und auch nicht, inwieweit nun doch eine Zusammenführung der drei Dienste geplant sei.

Der ehemalige VZ-Chef Clemens Riedl hatte sich mit Verweis auf das Feedback existierender Mitglieder gegen einen derartigen Schritt ausgesprochen. Der Relaunch Ende September sollte vorrangig sicherstellen, dass die damals nach seinen Angaben noch 9,8 Millionen aktiven Nutzer dauerhaft dem Dienst treu bleiben. Den jüngsten Zahlen nach zu urteilen ist diese Rechnung nicht aufgegangen. Stefanie Waehlert versucht es nun stattdessen mit einer Wachstumsstrategie, bei der neue Nutzer zu der Plattform gelotst werden sollen. Dass dies ohne ein komplettes Rebranding funktionieren kann, erscheint allerdings sehr unwahrscheinlich.

Die Interpretation, die Ankündigung der Neuausrichtung nach so kurzer Zeit sei auch das Eingeständnis eines erfolglosen Relaunchs, möchte Sprecherin Heuss nicht stehen lassen: "Der Relaunch ist gut und richtig. Er ist aber nur Teil einer neuen Strategie, welche die VZ-Netzwerke insgesamt auf Kurs bringen sollen".

An der Personalfront habe sich nicht viel geändert, so Heuss auf Nachfrage. Sie selbst allerdings ist als freie Mitarbeiterin tätig. Dass die VZ-Netzwerke damit ganz auf eine(n) festangestellte(n) Pressesprecher/in verzichten, ist ein Novum, das man auf unterschiedliche Weise interpretieren kann.

Wir haben auch bei VZ-Eigentümerin Holtzbrinck nachgefragt, wie man dort die Zukunft des Social Networks sieht, erhielten aber nur ein "kein Kommentar".

Kommentare

  • Eva Ihnenfeldt

    11.01.12 (08:44:17)

    Vielleicht könnte man StudiVZ zu einem Karriere-Netzwerk umfunktionieren - ein Xing für junge Leute sozusagen

  • Georg Schneider

    11.01.12 (10:11:17)

    Ich denke StudiVZ ereilt ein ähnliches Schicksal wie SecondLife. Alles ist irgendwann einmal Vergangenheit!

  • Martin Weigert

    11.01.12 (12:40:24)

    Wäre ne Idee, ja.

  • Dieter

    11.01.12 (14:42:14)

    Ja genau "Karriere", dass wird die Bombe schlechthin, das interessiert die jugendlichen ohne Ende! Statt zu Facebook wird man dann bestimmt reihenweise zu StudiVZ wechseln. Der Gaul ist am Ende. Radikalere Schritte sind da nötig: Umwandlung in eine Gaming-Community (gibts schon einige, daher auch wenig erfolgversprechend), spezialisieren z. B. Dienste für Studenten integrieren (zum Lernen, Wissenstransfer) Ich sehe im Moment kein tragfähiges Model für VZ. Mit einem kleinen Netzwerk kann man auch leben, allerdings hat man dann auch wenig Mitarbeiter und wenig Power etwas neues zu machen.

  • Martin Weigert

    11.01.12 (14:49:42)

    Karriere interessiert die Jugendlichen schon. Und ich glaube durchaus, dass man da noch viel Innovatives machen kann. Ungeachtet der Frage, ob das nun etwas für VZ wäre.

  • tilo

    13.01.12 (17:18:13)

    sl ist da kein gutes bsp, wenn es stimmt, das es 2011 immer noch über eine million aktive gab.

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