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12.05.14Leser-Kommentare

Künstliche Verknappung von Gütern und Informationen: Die falsche Reaktion auf den digitalen Wandel

Mit künstlicher Verknappung von Gütern und Informationen versuchen Firmen und Organisationen, sich gegen die vom Internet ausgelösten Veränderungen zu stemmen. Auf Dauer kann dies keine zufriedenstellende Lösung sein.

Vernappung

Im Industriezeitalter erfolgte die Wertschöpfung der meisten wirtschaftlichen Prozesse über die natürliche Verknappung. Physische Güter, Medienprodukte, Informationen und Wissen sowie menschliche Arbeit und Expertise erfordernde Dienstleistungen ließen sich nur in einem begrenzten Rahmen her- und bereitstellen, wodurch sich ihr Wert bei den Nachfragern erhöhte. Doch dann schlug die Stunde des Informationszeitalters. Mit dem Aufkommen des Internets wurden viele Wirtschaftszweige mit einem Paradigmenwechsel konfrontiert: Was zuvor aufgrund limitierter technischer Fähigkeiten oder begrenzter menschlicher Ressourcen knapp war und damit zu maximalen Preisen an Kunden veräußert werden konnte, ließ sich plötzlich ohne Mehraufwand in gesteigertem oder gar unbegrenztem Umfang zur Verfügung stellen.

Nachrichten, enzyklopädisches Wissen, Musik, Filme und Literatur waren aufgrund ihrer immateriellen Natur und damit verbundenen Fähigkeit zur Verfielfältigung fast gänzlich ohne Kosten besonders stark und schnell betroffen. In anderen Segmenten, wie dem Servicesektor, vollzieht sich der Wandel langsamer oder befindet sich noch heute im Anfangsstadium. Doch auch hier sorgen die verstärkte Automatisierung sowie die durch das Netz ermöglichte Direktvermittlung zwischen privaten Serviceanbietern und -nachfragern für mehr Konkurrenz, eine zunehmende Angebotsvielfalt und sinkende Kosten. Neue Technologie trifft auf altes System

Würde man ein kluges, aber noch nicht mit der Ökonomie der Erwachsenenwelt vertrautes Kind fragen, welche Konsequenzen diese weitreichenden Veränderungen hätten, bekäme man vermutlich erfreute Schilderungen von einer besseren Welt zu hören, in der mehr Menschen Zugang zu vormals knappen und deshalb teuren Privilegien, Services und Informationen erhalten, zu geringen oder vollständig ohne Kosten. An und für sich ist das ein vollkommen logischer Gedankengang. Wenn ein Gut oder ein Informationsobjekt nicht mehr knapp sondern im Überfluss vorhanden ist, verringert sich der Wert, den Nachfrager diesem beimessen, wodurch der Preis sinkt. Doch da das gesamte Wirtschafts- und Sozialsystem sowie die Funktionsweise der meisten Länder auf der Prämisse des begrenzten Vorhandenseins besagter materieller und immaterielle Güter fußen und nicht einfach von heute auf morgen auf eine andere Systemarchitektur umgestellt werden können, befindet sich die moderne, westliche Welt seit einigen Jahrzehnten in einem schwierigen Übergangsmodus. In diesem wird in Form eines langwierigen, komplexen und schlecht durchschaubaren, weil eine Vielzahl von Akteuren mit unterschiedlichen Interessen beinhaltenden Prozesses ausgehandelt, wie Alltag, Wirtschaft, Kulturproduktion, Handel und alle damit verbundenen Aspekte künftig ablaufen sollen.

Auf natürliche Verknappung folgt künstliche Verknappung

Weil viele Protagonisten so sehr an die alten "Spielregeln" der industriellen Ära gewöhnt sind und weil ihre Struktur, Werte und Kompetenz sie daran hindern, ihre Tätigkeit an die Rahmenbedingungen einer nicht von allgegenwärtiger natürlicher Verknappung der bisherigen Güter geprägten Ökonomie anzupassen, gehen sie dazu über, eine künstliche Verknappung hervorzurufen. Unter Einsatz von juristischen Mitteln, Ideologie, Lobbyismus, medialer Einflussnahme oder gezielter Desinformation beziehungsweise Vorenthaltung von Informationen führen sie trotz der technisch und logistisch eigentlich unkomplizierten Maximierung des Angebots eine Situation herbei, in der bestimmte Güter, Services und Informationen auf dem Markt weiter knapp und damit teuer bleiben.

Der Trend zur künstlichen Verknappung nimmt verschiedene Formen an. Manchmal erfolgt er ganz gezielt, wie etwa durch von der Unterhaltungsindustrie forcierte Urheberrechtsverschärfungen, Abmahnwellen und andere Vorgehensweisen, die darauf ausgelegt sind, auf Basis von aus einer früheren Epoche stammenden Gesetzen Verbraucher vom ungezügelten Ausnutzen der neuen digitalen Verbreitungswege abzubringen. Auch das von Medienverlagen in Deutschland durchgesetzte Leistungsschutzrecht folgt diesem Muster. Es soll mit gesetzlichen Mitteln künstlich begrenzen, was technisch ohne Kosten beliebig vervielfältigt werden kann. Bei den derzeit eskalierenden Auseinandersetzungen im Individualbeförderungsmarkt dreht sich ebenfalls viel darum, dass die etablierten Vertreter der Branche die von moderner Onlinetechnik Gebrauch machenden Neulinge verdrängen und damit das Angebot auf dem bisherigen Niveau halten wollen. Teilweise mit bedenkenswerten Argumenten, etwa zu Fragen des Versicherungsschutzes - aber auch durch radikal-protektionistische Maßnahmen wie der in Frankreich diskutierten Idee, den Einsatz von GPS-Funktionalität in Apps zur Vermittlung von Fahrdiensten ohne Taxilizenz schlicht als illegal zu deklarieren.

Selbst in der Debatte um die Netzneutralität spielt die künstliche Verknappung eine Rolle. Denn auch wenn der durch den Datenhunger von Milliarden Menschen notwendige Ausbau der Netze für die Telekommunikationsfirmen mit beachtlichen finanziellen Investments verbunden ist, existiert zumindest der Verdacht, dass sie absichtlich die Erhöhung der Kapazitäten abbremsen könnten, um die dadurch entstehende relative Verknappung der verfügbaren Bandbreite zum Verkauf des knappen Guts "garantiert schnelle Datenauslieferung" an Internetanbieter zu nutzen. Dass eine derartige Verlockung angesichts der historisch erwiesenen Lukrativität knapper Güter bestehen könnte, lässt sich nicht wegdiskutieren.

Gelegentlich resultiert ein Zustand der künstlichen Verknappung auch daraus, dass eine Organisation oder ein System einfach noch keine ernstzunehmende Versuche der Anpassung an das digitale Jahrhundert erlebt hat. Ein Beispiel hierfür wäre Bildung. Dank des Internets kann sich heute jeder Mensch mit einem Computer und Durchhaltevermögen das Wissen in Eigenregie aneignen, welches lange Zeit nur im Rahmen einer formellen Hochschulausbildung bezogen werden konnte. Trotzdem gilt in der Berufswelt oft nach wie vor: Offizielle Zertifikate, Abschlüsse und Titel zählen mehr als das tatsächliche Know-how von Personen. Bildung und Wissen ist heutzutage nicht mehr knapp sondern in Hülle und Fülle vorhanden. Die formelle und gesellschaftliche Anerkennung der intellektuellen und fachlichen Reife aber folgt noch immer den Maßgaben eines von Knappheit geprägten Bildungsmarktes, in dem akademische Institutionen die Hoheit über die höhere Kompetenzvermittlung besaßen.

Struktur- und Systemumbau sinnvoll

Mit Blick auf die Komplexität der Lage, die massiven finanziellen Interessen sowie die individuellen und organisationspsychologischen Herausforderungen von Veränderung überrascht es nicht, dass viele Teilnehmer der Wirtschaft und des öffentlichen Lebens sowie Politiker die Praktiken und Handlungsweisen der von Knappheit geprägten industriellen Epoche auch heute beizubehalten versuchen. Zumal selbst der Großteil der Bürger noch nicht richtig verstanden hat, was für gewaltige tektonische Verschiebungen hier gerade über die Bühne gehen.

Doch richtig sinnvoll erscheint es nicht, die nächsten hundert Jahre weiter so zu tun, als wären die Produkte und Dienstleistungen, die jetzt aufgrund des technischen Fortschritts zu minimalen oder gar nicht existenten Kosten einer enormen Zahl an Menschen zugänglich gemacht werden könnten, zahlen- und qualitätsmäßig künstlich zu begrenzen. Errungenschaften der Digitalära, die ultimativ für Milliarden Menschen die Lebensqualität steigern können, allein motiviert von ökonomischen Interessen nur einigen wenigen Ausgewählten zukommen zu lassen, wäre - auf Dauer betrachtet - eine beispiellose Missachtung der Rechte, die Mitglieder in einer modernen Gesellschaft sich durch ihr Mitwirken am Fortschritt erworben haben.

Nach der derzeitigen Übergangsperiode ist demnach eine Anpassung der Abläufe, Struktur und Architektur von Volkswirtschaften sehr sinnvoll. Ein derartiger Umbau des Systems müsste nicht einmal unter gänzlich neuen Vorzeichen erfolgen: Denn an dem Grundprinzip, dass knappen Ressourcen der größte Wert zugemessen wird, ändert sich auch in Zukunft nichts. Es gilt dagegen, zu identifizieren, was diese knappen Ressourcen sind, und einen rechtlichen und sozialen Rahmen abzustecken, der dem dadurch erfolgenden Wandel der Wertschöpfung Rechnung trägt. Ein abgedroschenes, aber dadurch nicht in der Relevanz geschmälertes Beispiel sind Kulturschaffende, die primär mit Arbeiten und Aufträgen ihre Brötchen verdienen, die ihre physische oder kognitive Präsenz beinhalten (Vorträge, Beratung, Auftritte etc), nicht mit der Veröffentlichung immaterieller Werke, die sich oft nicht länger zum Bestreiten des Lebensunterhalts eignen.

Es gibt viele Menschen, die solche Schilderungen als utopisch oder als Abkehr vom Kapitalismus empfinden, die möglicherweise notwendige alternative Ansätze für staatliche Transferzahlungen, wie das Bedingungslose Grundeinkommen, nicht einmal ausprobieren möchten und die der Meinung sind, man könnte weitgehend weitermachen wie bisher. Irgendwie würde sicher auch das gehen. Doch das Ergebnis wäre mit einer brüchigen Straße zu vergleichen, bei der man Schlaglöcher ausbessert und durch zusätzliche Verkehrsschilder, Ampeln und Verbote versucht, den Verkehrsfluß wunschgemäß - aber ineffizient und ineffektiv - zu optimieren, anstatt eine neue, moderne und smarter geplante Straße zu errichten.

Was künstliche Verknappung heißt, erleben derzeit auch die Bibliotheken: Konnten sie früher einfach so viele Bücher kaufen und verleihen, wie sie finanzielle Mittel zur Verfügung hatten, müssen sie bei E-Books Lizenzverträge mit den Verlagen abschließen. Und obwohl ein E-Book technisch gesehen natürlich nicht vergriffen sein kann, ist genau dies übliche Praxis, wenn ein Titel seine maximale Anzahl an Leihen erreicht hat. Im Lichte des aktuellen Urheberrechts ist das zwar konsequent. Doch der gesunde Menschenverstand genügt, um einzusehen: Wenn Daten vergriffen sind, weil jemand anderes sie gerade "hat", dann ist der Reformbedarf groß. /mw

Grafik: Speed limit sign 10, Shutterstock

Kommentare

  • Thorsten Roggendorf

    12.05.14 (15:47:45)

    Willkommen im Minenfeld zwischen Kommunisten/Commonisten auf der einen und praktisch allen anderen auf der anderen Seite. Na, man soll die Hoffnung nicht aufgeben.

  • Michael

    12.05.14 (16:32:44)

    E-Books mögen materiell nicht knapp sein, aber in den Kosten ihrer Produktion. So ein E-Book kann eben nicht jeder herstellen und deshalb hat es einen bestimmten Preis, der von Bibliotheken pro Stück bezahlt und geschützt werden muß. Digitale Güter sind also nur in der Verbreitung unbegrenzt verfügbar, aber nicht in der Herstellung. Ein Problem auch für viele andere Medien wie Onlinenews, Filme, Musik. Insofern werden auch digitale Güter nicht unbedingt künstlich verknappt, sondern sind real knapp, weil sie einen bestimmten Wert haben. Es ist auch bei digitalen Gütern so, dass Anbieter bestimmen dürfen, zu welchem Preis sie sie verkaufen wollen.

  • qwertzman

    12.05.14 (20:42:18)

    http://commotionwireless.net/ http://www.zeit.de/online/2008/11/internet-breitband-selbsthilfe http://www.buergerbreitbandnetz.de/zusammen-mitmachen/ https://fiber.google.com/newcities/ Produktionsmittel aneignen bzw. Internetprovider gründen, die bessere Konditionen bieten und hoffen, dass es vermehrt Google fiber gibt, sodass Internetprovidern Beine gemacht werden. Ich halte nicht viel von übertriebenem Urheberrecht. Es ist aber so, dass kaum jemand bereit wäre mehr als 15€ für einen Film an der Kinokasse zu bezahlen. Kulturindustrie kann Preise also nicht willkürlich hochsetzen, irgendwann wird es günstiger Preise zu senken, weil so mehr Kunden erreicht werden können und in der Summe mehr Geld verdient wird. hypothetisches Beispiel: 20 € * 2000 Kunden = 40.000 € 15 € * 10000 Kunden = 75.000 € 3 € * 200000 Kunden = 600.000 €

  • Michael

    12.05.14 (22:14:06)

    Interessantes Beispiel. Knapp sind im Internet nämlich wie anderswo auch eigentlich nicht unbedingt die angebotenen Waren. Sondern Kunden, die einen bestimmten Preis für Waren zahlen wollen - also verfügbare Einkommen, Geld. Kapitalismus ist geprägt von Überangebot und Überproduktion. Knapp ist vor allem Kaufkraft, verfügbares Geld. Deshalb ist im Überangebot des Internets eben garnicht sicher, dass man mit geringen Preisen unbedingt die höchsten Gewinne erzielt, wenn gar nicht sicher ist, ob Kunden für bestimmte Güter überhaupt Geld ausgeben wollen

  • Bastian

    12.05.14 (22:29:07)

    Wirklich ein sehr schöner Artikel - exzellent zusammengefasst. Hat sehr viel Spaß gemacht zu Lesen. Einen Aspekt habe ich dann doch noch beizusteuern: In einem Markt, in dem die Auswahl unbegrenzt und der Zugriff kostenlos ist, entsteht dennoch ein großes Bedürfnis nach Vertrauen, Kompetenz und Dingen die den individuellen Vorlieben entsprechen. Um bei Artikeln zu bleiben: Zwar gibt es unendlich viele alternative Dinge, die ich lesen könnte, aber ich komme doch immer wieder gerne auf netzwertig, weil die Art der Schreibe, die Themenauswahl und die kompetente Recherche mich überzeugen. In sofern entsteht auch hier wieder ein "knapper Markt" - aber bezogen auf das Angebot bestimmter Marken/Brands. Das hat auch zumindest den Wert der Kosten, die ich für die Suche nach ähnlich vertrauensvollen, aktuellen und passenden Infos auswenden müsste. Ein Dienst, der dieses Prinzip in ein Angebot packt ist http://www.patreon.com - hatte dir vor kurzem schon mal den Link gemailt. Im Prinzip Kickstarter für (teil-) exklusiven, regelmäßigen Content. Ähnliches Thema ist http://quarterly.co - eine Art GlossyBox - nur dass dort der Kurator die Inhalte selbst zusammenstellt. spannend ...

  • Bastian

    12.05.14 (22:31:54)

    knapp ist viel mehr auch die Aufmerksamkeit ... ich muss erst mal von einem Angebot erfahren, bevor ist es überhaupt nutzen kann. das ist mit unter auch einer der Gründe, warum ich denke, dass die Facebook Aktie immer noch unterbewertet ist.

  • Ray

    13.05.14 (00:56:00)

    Was aber wenn das viele Märkte das genau so machen? Wenn die Kinos wie in deinem Beispiel 500K mehr einnehmen, dann fehlt das Geld ja in anderen Märkten. Die Geld- und Zeitbugdets der Kunden sind knapp, und das wird sich auch in Zukunft nicht ändern.

  • qwertzman

    13.05.14 (16:15:37)

    @Ray Ja, und? Wenn Kunden es so wollten, wollten sie es so, logisch, ne, oder soll ich jetzt zum Zwangskauf verpflichtet werden? ;) Zudem haben Kunden doch bei 3€ noch 12€ übrig. Von denen kaufen sie dann noch Popcorn und danach Pizza beim Italiener und Handschuhe bei Karstadt. Michael hat schon recht, Kapitalismus ist das erste Wirtschaftssystem dass überproduziert. Ob ich bereit bin im Internet für Kultur Geld zu bezahlen, steht im Verhältnis zum Aufwand das Produkt ohne Bezahlung zu erhalten, zur Gefahr Strafverfolgung ausgesetzt zu sein und zum Komfort des legalen Angebots, wobei diese Punkte ineinander übergehen. Was ich im ersten Kommentar beschrieben habe, sind glaub ich Skaleneffekte. Eine andere Möglichkeit, die viel benutzt wird, ist die Bezahlung mit Werbung anders zu gestalten, wenn Hans der Harzer sich die Audiwerbung bei RTL anguckt, zahlt Maximilian der Anwalt dafür beim Audikauf. Für Audi ist das Imagewerbung. Teslas Produkt wirbt für sich selbst, die gesparten Kosten werden an Konsumenten, Arbeiter bzw. Eigentümer weitergegeben. Das selbe gilt für Google, Amazon, etc. Diese Produkte sind einfach so gut, dass über sie nicht hinweggesehen werden kann. Um nochmal zu den Internetprovidern zu kommen: Sie werden nicht langfristig Preise diktieren oder Angebote zum Nachteil ihrer Kunden ausgestalten können, es besteht immer Konkurrenz, das Bessere ist der Feind des Guten. Kapital ist im Moment sehr günstig, warum es nicht mehr solcher Unternehmen gibt, wundert mich. jaja, ich gebs zu, ich machs auch nicht. Der Anreiz steigt aber, umso teurer das Angebot, in Preis wie Qualität, der Internetprovider ist. Commotion wird übrigens von der New America Foundation in der Eric Schmidt Vorsitzender ist, mitfinanziert. Hier wird es überall eingesetzt: http://commotionwireless.net/about/where-its-used/

  • qwertzman

    13.05.14 (16:47:29)

    mit "solchen Unternehmen" meine ich Initiativen und Unternehmen wie die von mir oben genannten.

  • DJ Nameless

    14.05.14 (01:27:41)

    Interssanter Artikel und gut zusammengefasst. Allerdings sehe ich auch das Problem, welches Michael und Ray in Kommentar 3.1 und 3.3 schon angedeutet haben: Der Markt für viele (auch digitale) Güter ist begrenzt, weil viele Leute schlicht gesättigt sind (übersättigt wäre eigentlich noch korrekter, hört sich aber negativ an). Selbst wenn man versuchen würde, mehr zu verkaufen, indem man die Ware billiger macht und die hohen Entwicklungskosten auf mehr Käufer umlegt, klappt das heute oft nicht mehr, weil auch die Freizeit bei dem heutigen gigantischen Angebot ein knappes Gut ist. Würde z. B. iTunes seine Songs für nur 10 Cent das Stück verkaufen, würde der Musiksammler, der im Laufe der Jahre schon 10.000 Songs à 1 € angesammelt hat, nun nicht in den kommenden Jahren 100.000 weitere Songs kaufen. Bei einer durchschnittlichen Song-Länge von 4 Minuten wären das nämlich schon 277 Tage nonstop Tag und Nacht Musikhören, jedes Stück nur ein Mal. Diese Zeit hat schlicht keiner. Ein derart niedriger Preis würde also allenfalls einige wenige Mehrkäufe lostreten, aber der Anbieter macht damit logischerweise einfach nur viel weniger Geld. Hinzu kommt, dass nicht jedem jedes Produkt gefällt. Und dann kommt der Effekt zum Tragen: "Ich kaufe doch nicht, NUR weil es billig ist!" Für einen Pornofilm wären mir auch 10 Cent zu viel, weil ich sowas einfach nicht gucke. Ein eingefleischter Hardrock-Fan wird auch für 5 Cent keine Salsa-MP3 kaufen. Selbst bei materiellen Dingen funktioniert das nicht: Ferrari könnte versuchen, mir für 100 Euro einen Sportwagen zu verkaufen. Ich habe aber keinen Führerschein, also würde das Angebot beim Händler bleiben. Die Frage ist also nicht bei materiell/immateriell/analog/digital zu suchen, sondern man muss sich die Frage stellen: Wie kann man dafür sorgen, dass möglichst viele Leute ein solides Auskommen haben, wenn wir in fast allen Branchen eine Marktübersättigung haben. DAFÜR braucht es eine Antwort! DJ Nameless

  • Thorsten Roggendorf

    14.05.14 (09:32:08)

    Wenn der Markt gesättigt wäre, wieso wächst er dann (entgegen der Propaganda der Rechte-Mafia) von Jahr zu Jahr? Bei der Diskussion muss man immer darauf achten, über wen man redet. Du redest über Musik. Da sollte es meiner Ansicht nach vor allem um Musiker gehen. Für die meisten Musiker spielen Verkäufe von urheberrechtlich geschützten Inhalten eine immer kleinere Rolle. Mit Abstand am wichtigsten sind für den Durchschnittsmusiker Entgelten für Musikunterricht, für hauptsächlich "performende" Musiker sind es Gagen für Auftritte. Die Rolle von Streaming nimmt schnell zu. Musik-Aufnahmen dienen aber Musikern vor allem zur Aufmerksamkeits-Generierung und Vergrößerung des Publikums. Der Markt für den Verkauf aufgenommener Musik ist insgesamt vernachlässigbar klein, die haben nur eine grotesk laute Lobby. https://twitter.com/BenedictEvans/status/464949346497085440 Diese Diskussion ist damit ja leider nicht abgeschlossen und man muss sie für jede Inhalte-Sparte neu führen. Am brutalsten ist das mit Autoren. Die überwältigende Mehrheit der Autoren wird mit Werksaufträgen irgendwo am Rande der Armutsgrenze gehalten, aber wenn es ums Urheberrecht geht schreien die geschlossen wie ein Mann auf anstatt mal über Alternativen zu Ihrer gegenwärtig beschissenen Situation nachzudenken. Martin Weigert hat ja leider kaum an der Oberfläche des Themas gekratzt. Urheberrecht ist eins der größten Innovationshemmnisse unserer Zeit (kulturell wie technologisch). Es ist eins der wichtigsten Werkzeuge für staatliche und vor allem wirtschaftliche Zensur. Es ist ein Eckpfeiler für die Zementierung monopolistischer anti-markt-Strukturen in reifereren Marktsegmenten. Es ist - in krassem Gegensatz zu seiner vorgeblichen Funktion - ein unfassbarer Kultur-Killer. Die Reihe lässt sich fortsetzen ...

  • DJ Nameless

    14.05.14 (10:12:43)

    Es wird auch mit Musikaufnahmen immer noch massig Geld verdient - selbst dieser Markt wächst sogar nach wie vor. In den letzten 10-15 Jahren haben vor allem kleine Künstler hier massiv zugelegt, seit die CD-Veröffentlichung im Selbstverlag einfach geworden ist. Diese Releases werden übrigens in den offiziellen Branchenstatistiken nicht veröffentlicht, weil der einzelne Künstler jeweils nur eine Handvoll Platten verkauft. Nur gibt es von diesen Kleinveröffentlichern immer mehr, und da liegt der Hase im Pfeffer: Wenn der Markt um 10% wächst, das Angebot im gleichen Zeitraum aber um 80%, macht jeder einzelne Künstler im Schnitt Minus. Insofern ist der Markt insofern gesättigt, da man sagen kann: Die Nachfrage steigt weiterhin, aber die Zahl der Anbieter steigt schneller als die Nachfrage.

  • qwertzman

    14.05.14 (14:53:26)

    Bei 10.000 Songs à 1€ kann ich 83 Jahre lang Spotify hören ;) Wie man ein solides Auskommen erreicht? Eigentlich wieder ganz einfach, Produktionsmittel aneignen. Das geht auch ganz ohne Marmelade verschmieren, nämlich ökonomisch. Soll aber gerade mit Finanztransaktionssteuer weiter unterbunden werden, damit auch ja weiterhin jemand sagen kann "ach, ich will dir doch nur helfen" ja, ne, is klar, und nebenbei kontrolliert dieser jemand, ein Angestellter des Staates, der Staat (/= Gesellschaft, die kann diesen Staat noch so oft mehrheitlich-demokratisch legitimiert haben, nur weil das besser als alles andere, im Sinne Churchills ist und Konsens ergibt, macht es das nicht perfekt. Wobei ich gleichzeitig denke, dass man Perfektion nahe kommen, aber nicht erreichen kann.) das Leben derer denen er doch nur helfen will. lol Eine Negative Einkommenssteuer würde ich begrüßen, die Grundbedürfnisse eines jeden Menschen (wohnen; schlafen; essen; Privatssphäre, sonst kein Sex; Gesundheit, etc.) sollten befriedigt werden, sonst Mensch am Ende tot oder ziemlich im Arsch, was übrigens auch der als neoliberal (böseböseböse) geltende Milton Friedman vorgeschlagen hat. Aneignung der Produktionsmittel kann aber auch durch massive Preissenkung durch Produktivitätssteigerung passieren. Wenn alles nichts mehr kostet, kann es schließlich jeder haben. Ganz bekanntes Beispiel ist der Computer aka Smartphone. Bei weiterer Preissenkung wird in naher Zukunft jeder Mensch einen kleinen Supercomputer, mit dem er das Wissen der Welt (wikipedia und Internet, wieder so ein Beispiel) zu einem Preis von nahezu Null abrufen kann, in seinen Händen halten können. Vielleicht kann man das Problem der Befriedigung der Grundbedürfnisse aber auch ganz anders lösen.

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