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03.07.14Kommentieren

Krypto-Messenger: In kleinen Schritten Richtung Mainstream

Immer mehr Smartphone-Messenger mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung tauchen auf. Viele haben keine Chance. Dennoch wird ein Durchbruch einzelner Protagonisten wahrscheinlicher. Parallel fangen Investoren an, sich für das Thema zu interessieren.

VerschlüsselungAn Smartphone-Messengern, die auf Ende-zu-Ende-Verschlüsselung setzen, mangelt es wahrlich nicht mehr. Seit dem Bekanntwerden der Totalüberwachung durch die NSA und befreundete Geheimdienste hat das Segment einen massiven Push erlebt. Von Monat zu Monat tauchen neue Chat-Services auf, die versprechen, dass dank clientseitiger Kryptierung nur die Nutzer selbst Nachrichten lesen können - nicht die Betreiber der Server und auch keine Dritten. Zuletzt lancierte die deutsche Software-Firma Shape einen verschlüsselten Messenger namens Sicher. Die App gesellt sich zu existierenden Services wie Threema (gerade mit neuem Update), Telegram, Surespot, Textsecure, myEnigma und ChatSecure. Weitere, wie Hemlis und Cryptocat, sind in der Entstehungsphase. Dieser Trend ist zu begrüßen, bedenkt man, dass die etablierten Webkonzerne in ihren Kommunikationsservices durch die Bank weg auf Ende-zu-Ende-Verschlüsselung verzichten. Doch dass Dutzende Dienste das Rad immer wieder neu erfinden, ist auf Dauer auch keine ideale Lösung. Zumal viele aufgrund begrenzter Marketing-Ressourcen für alle Ewigkeit eine Existenz in der "Aluhut"-Nische vor sich haben.

Insofern hat die Nachricht einer signifikanten Finanzierungsrunde für den kalifornischen Messenger-Service Wickr keine geringe Bedeutung für die Branche: Ganze 30 Millionen Dollar konnte das Startup aus San Francisco einsacken. Das Unternehmen entwickelt eine Technologie für verschlüsselte, sich selbst zerstörende Nachrichten. Der strategische Schwerpunkt liegt zwar auf Lösungen für den Finanz- und Gaming-Sektor. Doch Endnutzern bietet die Firma auch einen verschlüsselten, anonymen Messaging-Dienst an, bei dem sich Chats nach einer gewissen Zeit selbst zerstören.

Inwieweit man Wickrs Privatsphäre-Versprechen glauben sollte, sei einmal dahin gestellt (wobei diese Frage ohnehin für sämtliche Anbieter gilt). Dass ein die Privatsphäre bei der Kommunikation in den Vordergrund stellendes Unternehmen aber eine derartig ordentliche Finanzierungsrunde eintüten kann, hat durchaus Signalwirkung. Erst recht, weil europäische Geldgeber gerne einen "Proof of Concept" einfordern, wenn sie eine mögliche Finanzierungsrunde evaluieren. Es könnte also sein, dass es für andere Krypto-Messenger künftig leichter wird, auftauchenden Kapitalbedarf extern zu decken. Auch wenn sich daraus potenzielle Nachteile und unangenehme Verpflichtungen ergeben können, weshalb Bescheidenheit sinnvoll ist.

Anders als die E-Mail, bei der die erfolgreiche Etablierung von Ende-zu-Ende-Verschlüsselung aufgrund der bestehenden Strukturen und vorhandenen, über Jahrzehnte entstandenen Nutzungsmuster schwieriger ist, läuft es aktuell ganz gut für den jungen, ein klares Leistungsversprechen ablieferenden Bereich der verschlüsselten WhatsApp-Konkurrenten. Auch wenn der Weg bis zu einem globalen Nutzerfavoriten noch ziemlich lang ist. /mw

Illustration: Smartphone security vector template, Shutterstock

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