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27.07.11

Kartenzahlungen über die Webcam: Jajah-Gründer Daniel Mattes enthüllt Jumio

Jajah-Gründer Daniel Mattes will mit seinem neuen Startup Jumio das Bezahlen revolutionieren. Die von dem Unternehmen entwickelte Technologie ermöglicht die Kartenzahlung über eine Webcam.

 

Der Name Daniel Mattes fiel bei uns bereits heute Morgen im Kontext des Umzugs hiesiger Startups in die USA: Mattes hatte 2005 zusammen mit Roman Scharf den VoIP-Dienst Jajah gegründet. Ein halbes Jahr später siedelten sie mit diesem von Wien ins Silicon Valley um.

Ende 2009 verkaufte das Duo Jajah an den spanischen Telekommunikationskonzern Telefónica und ging daraufhin getrennte Wege: Roman Scharf hob Talenthouse aus der Taufe, eine Plattform, die Crowdsourcing mit der Reichweite des Social Web verknüpft. Sein ehemaliger Kompagnon Daniel Mattes beschäftigte sich dagegen nach dem Abschied von Jajah mit der Frage, wie man die Art des Bezahlens verändern und verbessern könnte.

Jumio heißt das Resultat - ein Startup, von dem bisher nicht viel mehr bekannt war als sein prominenter Gründer sowie das vollmundige Versprechen, Zahlungen revolutionieren zu wollen. 6,5 Millionen Dollar Risikokapital hat das junge Unternehmen mit Sitz im kalifornischen Mountain View und der Entwicklungsabteilung im österreichischen Linz bereits vor seinem Launch einsammeln können, mit Facebook-Mitgründer Eduardo Saverin als Lead-Investor.

Die Erwartungen an das Vorhaben konnten höher also kaum sein. Gestern nun hat das Startup sein Produkt enthüllt - und zumindest mich nicht enttäuscht.

Jumio hat eine "Netswipe" genannte Technologie entwickelt und patentieren lassen, die eine beliebige Webcam in ein Geld- bzw. Kreditkartenlesegerät verwandelt. Händler können Netswipe auf ihrer Site integrieren und Kunden die Option anbieten, für erworbene Produkte oder Dienste zu bezahlen, indem sie ihre Kreditkarte kurz vor die Kamera ihres Rechners halten.

Abgesehen von der erhöhten Bequemlichkeit für die User, die sich das Eintippen der notwendigen Kartendetails ersparen, sieht Jumio vor allem einen Zugewinn in puncto Sicherheit: Per verschlüsseltem Videostream wird das Abbild der Karte an Jumio übermittelt, woraufhin die Netswipe-Technologie Name und Nummer identifiziert und die Echtheit der Karte verifiziert.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Online-Kartenzahlungen müssen Verbraucher also die tatsächliche Kreditkarte zur Hand haben. Gestohlene Kartendetails reichen zur Zahlung über Jumio nicht aus. Auch muss man davon ausgehen, dass eine Kartenimitation das neuartige System nicht überlisten kann - zumindest liegt gerade hier die eigentliche Innovation des Startups: Es führt nicht nur eine Bilderkennung aus, sondern gleichzeitig eine Echtheitsüberprüfung aus der Distanz. Als zusätzlichen Sicherheitsaspekt müssen Käufer zum Abschluss der Transaktion wie bei herkömmlichen Kartenzahlungen ihren dreistelligen Sicherheitscode manuell eingeben.

Jumio offeriert E-Commerce-Anbietern und Onlinediensten drei unterschiedliche Produkte: Netswipe Start liefert ein einsatzbereites Starter-Kit für alle Firmen, die ihren Kunden mit Hilfe von Jumio die Option für sichere Kartenzahlungen anbieten wollen - Jumio behält von jeder Transaktion 2,75 Prozent als Provision, mindestens aber 0,275 Euro. Netswipe Scanning und Netswipe Processing erlauben die maßgeschneiderte Integration der Scan-Technologie in bestehende Zahlungssysteme und -abläufe.

Noch für dieses Jahr plant das Unternehmen die Veröffentlichung von Apps für iPhone und Android. Mobiltelefone sollen so in die Lage versetzt werden, über die Smartphone-Kamera Kreditkarten zu lesen und Zahlungen in Empfang zu nehmen. Zudem ist vorgesehen, dass sich Jumios Kartenlesetechnik in beliebige mobile Apps zur Zahlungsabwicklung integrieren lässt.

Während das jetzt vorgestellte Kernprodukt bisher in dieser Form konkurrenzlos zu sein scheint, kommt Jumio in Bezug auf die mobilen Ambitionen existierenden Startups wie Square, iZettle oder card.io in die Quere, die ebenfalls Lösungen anbieten, um über Mobiltelefone Kreditkartenzahlungen empfangen zu können.

Etwas merkwürdig mutet die Tatsache an, dass uns Jumio auf Anfrage nicht verraten wollte, welche Websites die Technologie zum Start bereits einsetzen. Sie befänden sich alle im Trial-Mode, in ein bis zwei Monaten würde man die Namen bekannt geben, heißt es schlicht. Es ist zumindest unüblich, dass Internetfirmen neue B2B-Produkte vorstellen und bereits über ihre Website für alle Interessenten anbieten, aber keine Launchpartner nennen.

Sollte jemand von euch einen eigenen Shop betreiben und Jumio testweise ausprobieren, freuen wir uns über einen Erfahrungsbericht!

Link: Jumio

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