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13.10.14Kommentieren

Kreativer Ansatz: Simquadrat verpackt Mobilfunk-Leistungen als Apps

Die meisten Verbraucher sind heutzutage mit den Konzepten von App Stores und Apps vertraut. Der Düsseldorfer Mobilfunkanbieter Simquadrat überträgt das App-Prinzip auf Mobilfunk-Leistungen. Ganz neu und für Provider unkonventionell ist auch eine API.

Die Hälfte aller Deutschen nennt ein Smartphone ihr Eigen und ist dementsprechend mit dem Konzept von Apps vertraut. Im Gegensatz zu installierbarer Software der Desktop-Ära, die speziell für weniger versierte Nutzer häufig ein Buch mit sieben Siegeln blieb, assoziieren Anwender mit Applikationen aufgrund eigener Erfahrungen vor allem Einfachheit und die schnelle, unkomplizierte Erweiterung des Funktionsumfangs mobiler Geräte. Mit anderen Worten: Wirklich jede und jeder kann neue Apps “installieren”, ungeachtet des technischen Kenntnisstands.

Und weil das App-Konzept sowie die Distribution von Apps über entsprechende Stores im Jahr 2014 komplett etabliert sind, entdecken auch andere Unternehmen, die nicht unmittelbar etwas mit mobilen Betriebssystemen zu tun haben, das App-Prinzip als Design- und Struktur-Element für sich. Der zum Düsseldorfer VoIP-Dienstleister Sipgate gehörende, im vergangenen Jahr debütierte Mobilfunkanbieter Simquadrat ist auf die Idee gekommen, Zusatzleistungen für seine Mobilfunkprodukte auf eine Art und Weise anzubieten, die in Sachen Usability sehr an die einschlägigen App Stores bekannter IT-Giganten erinnert. Der im Februar veröffentlichte sogenannte Feature Store bietet eine visuell ansprechende, aufgeräumte und für Kunden familiäre Möglichkeit, die gebuchte Prepaid-SIM mit aktuell 24 zusätzlichen, monatlich kündbaren Leistungskomponenten zu erweitern. Die Struktur und Funktionsweise des Stores folgt dabei dem bekannten Muster: Optionen lassen sich anhand unterschiedlicher Kriterien wie beispielsweise “kostenlos” oder “beliebt” filtern. Die Palette der Features reicht von Voicemail und zusätzlichen Flatrate-Optionen über Anrufweiterleitungen und die Möglichkeit einer Wunschvorwahl bis zu einem Internet-Datenpaket oder einer Funktion, um SMS auch als E-Mail zu empfangen.

Sämtliche verfügbaren “Apps” werden in einem übersichtlichen Rasterlayout aufgeführt, besitzen eigene Profilseiten und listen Anwenderbewertungen auf, um bei der Entscheidung zu helfen. Über eine zentrale Schaltfläche “Jetzt buchen” lassen sich einzelne Funktionsmerkmale zum persönlichen Mobilfunktarif hinzufügen. Anschließend können sie, sofern erforderlich, im Mitgliederbereich noch konfiguriert werden. Der Anbieter verspricht, das Sortiment an Features jeden Monat zu erweitern.

Simquadrat zeigt, wie sich mit ein wenig Kreativität die sonst von Mobilfunkkunden entweder aufgrund einer drögen Produktpräsentation verschmähten oder aufgrund einer zu aufdringlichen Anpreisung als potenzielle Abzocke wahrgenommenen Zusatzoptionen für Mobilfunktarife auf eine elegante, den tatsächlichen Mehrwert in den Vordergrund stellende und vor allem die Neugier weckende Weise dargestellt werden können.

Doch die Rheinländer wollen sich nicht nur darauf beschränken, Kunden typische Mobilfunkservices in einer neuen, besser verständlichen “Verpackung” aufzutischen. Stattdessen strebe man an, “Features für echte Nerds zu bieten”, wie es in einer aktuellen Pressemitteilung heißt. Mit einer in der vergangenen Woche vorgestellten offenen API namens sipgate.io hofft das Unternehmen, dieses Versprechen einlösen zu können. sipgate.io soll Entwickler in die Lage versetzt, eigenständig definierte Aktionen zu kreiieren, die bei Anrufen ausgeführt werden.

„Wer sein eigenes Skript programmieren kann und einen Anruf nicht einfach nur annehmen möchte, kann mit sipgate.io seiner Kreativität freien Lauf lassen”, konstatiert Simquadrat-Produktmanager Stefan Lange-Hegermann.

Als Beispiele für den Einsatz der API nennt das Unternehmen blinkende Smart-Home-Lampen oder einen automatisierten Mail-Versand bei einem eingehenden Anruf. Damit dürften mit sipgate.io ähnliche Dinge möglich sein, wie sie auch der Automatisierungsdienst IFTTT erlaubt - nur dass sich sipgate.io an Programmierer richtet. Damit schließen die Düsseldorfer zwar aus, dass die Mehrzahl ihrer Kunden von dem Feature Gebrauch machen kann. Augenscheinlich geht es aber primär darum, sich als innovativer und technologieaffiner Mobilfunkanbieter vom Wettbewerb abzuheben und sich als Firma zu positionieren, welche die Bedürfnisse von IT-affinen Anwendern kennt und bedient.

Auch Simquadrat muss sich letzten Endes zwar in erster Linie über sein Kernprodukt, nämlich die Qualität und die Konditionen seiner Telefonie- und Internet-Pakete, behaupten (der Dienst nutzt als virtueller Mobilfunkanbieter das Netz von E-Plus). Die Adaption des App-Konzeptes aber zeigt ein Verständnis für sich verändernde Ansprüche von Konsumenten an Benutzerführungen und Produktpräsentationen, das bei anderen Netzanbietern meist nicht zu finden ist.

Das Vorgehen von Simquadrat regt auch zum Nachdenken über die Frage an, in welchen an Endkonsumenten gerichteten Wirtschaftszweigen eine strukturierte, intuitive Paketierung von Zusatzleistungen in “App-Form” noch sinnvoll erscheinen könnte... /mw

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