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13.05.14Leser-Kommentare

Krautreporter startet Crowdfunding-Kampagne: Geplantes Onlinemagazin will Journalismus wieder relevant machen

Ab Herbst will das neue Onlinemagazin Krautreporter einen seine Bezeichnung verdienenden Qualitätsjournalismus ins Netz bringen. Mit einer 25-köpfigen Redaktion, ohne Werbung und ohne Paywall. Funktionieren soll dies über ein fakultatives Abo. Damit das klappt, wollen die Berliner innerhalb von vier Wochen 900.000 Euro per Crowdfunding einsammeln.

In den vergangenen Jahren wurden auf einschlägigen Medienblogs und bei Online-Fachmagazinen insgesamt sicher schon hunderte Thesen über die Zukunft des Journalismus zur Diskussion gestellt. Auf geschätzt ebenso vielen Podien befassten sich Experten mit der Frage, wie Journalismus im digitalen Zeitalter nachhaltig und mit hoher Qualität produziert und finanziert werden kann. Doch obwohl häufig Einigkeit darüber zu bestehen scheint, dass Innovation und neue Ansätze erforderlich sind, mangelt es bislang speziell im deutschen Medienmarkt an wirklich unkonventionellen und gleichzeitig ambitionierten, auf große Geschichten und Reichweite ausgelegten Projekten. Doch die Macher der Journalismus-Crowdfunding-Plattform Krautreporter, Sebastian Esser und Philipp Schwörbel, wollen dies ändern.

Für 60 Euro pro Jahr Autoren nahe kommen

Ab heute und vier Wochen lang sammelt das Duo Geld für ein geplantes Onlinemagazin, das Journalismus in der vernetzten Ära wieder relevant machen soll. Die Publikation, die im Falle einer geglückten Vorfinanzierung im Herbst an den Start gehen könnte, will komplett auf Werbung verzichten und dennoch alle Inhalte kostenfrei und ohne Bezahlschranke bereitstellen. Der Fokus liegt auf "Journalismus at its best", wie Redaktionsmitglied Frederik Fischer die inhaltliche Zielstellung beschreibt: aufwendige, wichtige Stories, die bisher primär in Printmedien zu finden waren.

Über ein kostenpflichtiges Jahresabo à 60 Euro erhalten Leser Zugriff auf Community-Funktionen, die sie näher an die Autoren heranbringen und ihnen Zugang zu Zusatzleistungen verschaffen. Laut Fischer können dies etwa Video-"Hangouts" mit Journalisten sein, die sich als Experten in einem bestimmten Fachbereich etabliert haben. Auch Workshops gehören zum Portfolio. So wäre vorstellbar, dass der/die Autor(in) eines Berichts zum Stand des Berliner Flughafens vor Ort, auf dem Flughafengelände, Interessierten Einsichten und Zusammenhänge erklärt, die sich in Text- oder Videoform nicht ganz so gut vermitteln lassen. "Krautreporter soll die Wissensvermittilung bis zu einem gewissen Teil wieder aus dem Netz herausholen", erklärt Fischer.

Journalisten als Marken

Ein elementares Bestandteil des Krautreporter-Modells ist der Gedanke, von den persönlichen Marken, die sich einige bekannte Vertreter der schreibenden Zunft über die Jahre im Web erarbeitet haben, zu profitieren, anstatt die Sichtbarkeit und Profilierung individueller Autoren der Publikationsmarke unterzuordnen, wie es viele Zeitungen praktizieren. Zum Start gehören zur Redaktion bekannte bloggende und im Web umtriebige Journalisten wie Stefan Niggemeier, Richard Gutjahr oder Tilo Jung. Krautreporter versuche aber nicht, ihre Blogs zu ersetzen. Doch idealerweise würden "Sahnstücke" in Zukunft bei dem neuen Angebot erscheinen, sagt Frederik Fischer.

Vier bis fünf Texte sind pro Tag bei Krautreporter zu erwarten. Die rund 25-köpfige Redaktion um den designierten Chefredakteur Alexander von Streit wird ganz ohne den typischen Druck und die Hamsterrad-Effekte werbefinanzierter Portale arbeiten können, wobei natürlich der kommunizierte hohe Anspruch, ausschließlich Qualitätsjournalismus zu machen, eine andere Form von Druck mit sich bringt. Denn die Bereitschaft von Lesern, die jährliche Pauschale zu zahlen - ob aus Interesse an den Zusatzfeatures oder als "freiwillige" Spende an ein unterstützenswertes Journalismusprojekt - wird auf Dauer davon abhängen, ob es Krautrepoter gelingt, Geschichten zu veröffentlichen, die Kreise ziehen, öffentliche Debatten auslösen und von den sonstigen Leitmedien aufgegriffen werden.

Das erste Magazin mit angeschlossener Crowdfunding-Plattform

Mit 900.000 Euro veranschlagt das Medienstartup aus Berlin den Kapitalbedarf für das erste Jahr. Das bedeutet, dass sich in der einmonatigen Crowdfunding-Phase bis zu 15.000 Personen bereiterklären müssen, die 60 Euro Jahresgebühr hinzublättern (Kreditkarte erforderlich). Allerdings kann auch ein höherer Betrag gewählt werden, die Differenz stellt dann eine Spende dar. Durchgeführt wird die Vorfinanzierungskampagne natürlich über die bisherige Krautreporter-Plattform. Diese soll auch nach dem Debüt des Magazins weitergeführt werden. Krautreporter wäre damit das erste Magazin mit eigener Crowdfunding-Plattform.

Dass eine Rechnung wie die jetzt von den Krautreporter-Machern präsentierte durchaus funktionieren kann, bewies jüngst in den Niederlanden De Correspondent. Insofern lautet die Frage vor allem, ob sich genug Freunde des digitalen Lesens in Deutschland finden werden, die an das Funktionieren eines werbe- und paywall-freien Freemium-Modells zur Schaffung von ausgezeichnetem Journalismus glauben. /mw

Link: Krautreporter

Kommentare

  • Don Olafio

    13.05.14 (16:15:08)

    ...sympathisch. Wenn allerdings ein Philipp Albert Schwörbel mit an Bord ist, kommen einem leise Zweifel an der Seriosität des Unternehmens. Das von ihm betriebene Lokalblog "Prenzlauer Berg Nachrichten" fällt vor Ort durch die Verbreitung von Falschnachrichten auf, bei denen zuweilen sogar der Vorsatz nachweisbar ist. Undurchsichtige Kungeleien mit hiesigen Immobilienunternehmen (die das Blog nach Schwörbels eigenen Worten hauptsächlich finanzieren) und verdeckte Einnahmen über einen sogenannten "Freundeskreis" runden das Bild des sympathischen Herren ab. Dennoch hat der Vorzeige-BWLer Schwörbel mit seinem "Geschäftsmodell" Prenzlauer Berg Nachrichten" binnen ziemlich kurzer Zeit ein (bisher ständiges wachsendes) Defizit erwirtschaftet. Die aktuellste veröffentlichte Bilanz seiner ACTA URBIS GmbH weist einen Verlustvortrag von fast 60.000 Euro aus - bei einem Haftungskapital von nur 25.000 Euro. Wer ihm die Verluste bisher finanziert hat ist unklar. Weiteres ist hier beschrieben: http://www.prenzlberger-stimme.de Wieso lässt sich partout der Gedanke nicht aus dem Hinterkopf vertreiben, dass es Herrn Schwörbel vor allem erst einmal darum geht, seine aktuellen Verluste zu kompensieren?

  • André Jaenisch

    14.05.14 (14:17:33)

    Las sich alles supertoll - bis du zur Kreditkarten-Pflicht kamst. Damit ist die Zeitung für mich draußen. Schade!

  • Martin Weigert

    14.05.14 (16:02:07)

    Das hat afaik mit der technischen Fähigkeit von Kreditkarten zu tun, Geldbeträge zu blocken. Das können andere Zahlungsverfahren nicht. Die Alternative wäre gewesen, dass das Geld erst einmal eingezogen und später zurückgezahlt werden würde, falls das Projekt nix wird. Hat alles Vor- und Nachteile.

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