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02.06.10

Konvergenz von Web und TV: Die Zeit ist reif

Google TV soll endlich das erledigen, was seit Jahren als Parole für die Zukunft ausgegeben wird: Fernsehen und Internet vereinen. Das Timing stimmt.

Die Vision von der Konvergenz von Fernsehen und Internet gibt es seit einer gefühlten Ewigkeit. "Irgendwann ist TV und Rechner eins", so lautet eine alte Parole, die ich wohl erstmals in den 90er Jahren gehört habe.

Realität ist daraus bis heute jedoch nicht geworden, zumindest nicht im Hinblick auf den Massenmarkt. Google möchte dies mit Google TV ändern, seiner kürzlich angekündigten Android-Plattform für Fernseher und Set-Top-Boxen. Im Herbst soll es in den USA mit TV- und Blu-Ray-Geräten von Sony und Boxen von Logitech losgehen.

Man möchte meinen, dass niemand besser dafür geeignet wäre, Web und Fernsehen endlich zu verheiraten, als Google. Um das zu glauben, setzt man aber voraus, dass bei Konsumenten tatsächlich ein Bedürfnis besteht, vom selben Gerät aus Filme und Serien zu gucken, im Internet zu surfen und Social Networking zu betreiben.

Engadget-Kolumnist Michael Gartenberg bezweifelt genau dies. In Bezug auf nicht näher erläuterte Untersuchungen behauptet er, dass Menschen kein Interesse daran haben, vom Fernseher aus auf das gesamte Internet zugreifen zu können. "Konsumenten wollen einfach kein Gmail oder Twitter oder das "komplette" Web auf ihrem TV-Gerät", so Gartenberg.

Auch wenn ich in diesem Zusammenhang sicher keine repräsentative Stimme bin, so muss ich dem Engadget-Autor vehement widersprechen. Ich habe auch ein schönes Beispiel, um dies zu illustrieren:

Am Samstagabend schaute ich zusammen mit Freunden das Finale des Eurovision Song Contest. Obwohl es eine lustige Runde war und der ein oder andere freche Kommentar über das Dargebotene für Gelächter sorgte, ertappte ich mich immer wieder dabei, wie ich nebenbei auf dem iPhone auf meine Twitter-Timeline schielte.

Was ich da an Sprüchen und Äußerungen rund um die unterhaltsame Live-Show lesen konnte, war einfach großartig. Mehrmals schauten mich meine nicht Twitter-affinen Freunde verwundert an, warum ich mit meinem Mobiltelefon in der Hand vor mich hin kicherte. In diesem Tweet "klagte" ich darüber, wie es mir teilweise schwer fiel, an den Gesprächen mit meinen Freunden teilzunehmen, da ich durch die Tweets mit dem Hastag #esc (für "Eurovision Song Contest) einfach zu abgelenkt war.

Speziell bei Live-Events im Fernsehen lasse ich regelmäßig Twitter nebenbei laufen, weil mich die Meinungen der von mir gefolgten Nutzer dazu interessieren. Im Gegensatz zu Engadget-Kolumnist Michael Gartenberg fände ich es klasse, wenn ich neben dem Fernsehbild auch relevante Tweets zum jeweiligen Programm serviert bekommen würde. Oder wenn Miso , das "Foursquare für Filme", mich automatisch in auf dem Fernseher angeschaute Inhalte "einchecken" würde. Aktuell muss für derartige Aktionen stets mein Mobiltelefon herhalten.

Vielleicht bin ich die einzige Person auf diesem Planeten, die eine Hochzeit von Fernsehen und Web - sofern sie von der Benutzeroberfläche und Funktionalität her gelingt - begrüßen würde. Allein die rekordverdächtige Frequenz an Tweets mit #esc-Hashtag am Samstag in meiner Timeline lässt jedoch vermuten, dass es auch anderen so gehen könnte.

Dass frühere Projekte zur Konvergenz von Internet und Fernsehen - wie WebTV von Microsoft - floppten, muss nicht bedeuten, dass alle zukünftigen Versuche ebenfalls zum Scheitern verurteilt sind. Manchmal ist die Zeit einfach noch nicht reif. Ich denke, nun ist sie es.

Ob es am Ende dann wirklich Google ist, dem es gelingt, Internet und TV zusammenzuführen, oder einem der zahlreichen weiteren Anbieter und Projekte, steht auf einem anderen Blatt.

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