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09.02.11

Kontinuierliche Einschnitte: Last.fm schrumpft sich gesund

Die Entscheidung von Last.fm, den kostenfreien Zugriff auf Radiostreams einzuschränken, ist bereits die dritte Beschneidung des Kernangebots innerhalb von zwei Jahren. Freunde macht man sich so nicht.

 

Ab dem 15. Februar wird der Londoner Musikdienst Last.fm wie gestern in Linkwertig berichtet die kostenlose Verfügbarkeit seiner personalisierten Radiostreams für Nutzer aus Deutschland auf die Website begrenzen. Wer über die mobilen Applikationen für iPhone und Android oder andere Hardware auf die Last.fm-Radiokanäle zugreifen will, muss sich für die kostenpflichtige Variante entscheiden. Drei Euro pro Monat werden dafür fällig. In Großbritannien und den USA sind die Streams neben der Website auch über Smartphones mit Windows Phone 7 sowie die Xbox Live ohne ein Premium-Abo zugänglich.

Der Schritt ist isoliert betrachtet durchaus nachvollziehbar: Bei vielen konkurrierenden Musikservices wie z.B. simfy, play.fm oder Spotify ist es üblich, die Kernfunktionalität gratis anzubieten und für den Mehrwert des mobilen Zugriffs Geld zu verlangen. Allein durch Werbung lassen sich die von den Anbietern abzuführenden Lizenzkosten für das Streaming nicht decken. Zudem sind drei Euro pro Monat ein vertretbarer Preis, besonders wenn man dafür das angeblich "beste Radio der Welt bekommt" ( Zitat aus dem Last.fm Blog ).

Doch stellt man die Entscheidung in einen Gesamtkontext, ist die jüngste Einschränkung die Fortsetzung eines Trends bei dem sonst so sympathischen und innovativen Musikdienst, sukzessive das Freemium-Modell zu beschneiden. Und genau das gilt gemeinhin als der unvorteilhafteste Ansatz im Bezug auf Freemium.

Im März 2009 gab Last.fm bekannt, seine individualisierten Radiostationen nur noch für Anwender aus Deutschland, Großbritannien und den USA kostenfrei anzubieten. Nutzer aus der Schweiz und Österreich stehen seitdem vor der Wahl, drei Euro monatlich zu zahlen oder ihre Musikbedürfnisse anderweitig zu decken.

Rund ein Jahr später, im April 2010, entschloss sich Last.fm, die bis dato in Deutschland, USA und Großbritannien angebotenen On-Demand-Streams von Songs und Alben einzustellen. Stattdessen verweist der Dienst auf den Profilseiten zu Musikstücken nun auf Drittanbieter, bei denen der jeweilige Titel angehört werden kann.

Und wiederum fast ein Jahr danach folgt nun also eine weitere Beschneidung des Gratis-Angebots, indem über mobile Apps und internetfähige Audiogeräte von z.B. Sonos oder Logitech ohne Abo nicht mehr auf die Last.fm-Radios zugegriffen werden kann.

Der Mensch ist sehr schlecht darin, auf Dinge zu verzichten, die bisher zum Status Quo gehörten. Wird er dazu gezwungen, geschieht dies kaum ohne Verärgerung und Frustration (wie Tweetfeel am Beispiel Last.fm aufzeigt). Indem Last.fm das Gratisangebot immer weiter einschränkt, stößt es kontinuierlich bestimmte Teile seiner Nutzerschaft vor den Kopf. Suchtrends illustrieren, wie der Service seine Hochphase lange hinter sich gelassen und seit Mitte 2009 rapide an Popularität verloren hat.

Für Last.fm gibt offenbar keinen anderen Ausweg, als unpopuläre Einschnitte zu vollziehen, um die wirtschaftlichen Ziele zu erreichen, welche die Konzernmutter CBS an das 2007 aufgekaufte Unternehmen stellt. Die Vorgänge können anderen Startups jedoch als Beispiel dafür dienen, wie man Freemium am besten nicht umsetzt: anfänglich zu viel kostenfrei anzubieten und dann über Jahre hinweg stetige Abstriche machen zu müssen.

Last.fm versucht gerade, sich gesund zu schrumpfen. Das ist zweifelsohne besser, als den Laden ohne eine Kurskorrektur gegen die Wand zu fahren. Aber wer kann, wird alles dafür tun, um gar nicht erst an einen solchen Punkt gelangen zu müssen.

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