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02.01.14Leser-Kommentare

Konformismus im Netz: Die Meinung der Anderen

Bei Twitter und in anderen Teilen des sozialen Netzes herrscht ein Konformitätsdruck, der durch die Furcht ausgelöst wird, am virtuellen Pranger zu landen. Die Entwicklung gefährdet langfristig die Demokratie.

konformismusWas ist der Unterschied zwischen einem geschmacklosen, verletzenden oder missverstandenen Kommentar, der beim Kaffee oder Abendessen mit Bekannten fällt und die Runde nicht verlässt, und einem, der in Form eines Tweets, Facebook-Eintrags oder Blogartikels schriftlich Ausdruck findet? Im erstgenannten Fall folgt vielleicht eine peinliche Pause oder ein mahnender Einwurf eines Gesprächspartners. Lässt sich die Aussage jedoch öffentlich im Netz einsehen, drohen weitreichendere Konsequenzen: 2013 führten unbedachte Äußerungen, die per Twitter-Nachricht verbreitet wurden, mehrfach zu Entlassungen der verantwortlichen Urheber durch ihre Arbeitgeber. So erging es zwei Besuchern der Entwicklerkonferenz PyCon (eine Geschichte mit mehreren Ebenen), dem einstigen Technikchef des Onlinemagazins Business Insider Pax Dickinson sowie der PR-Beraterin Justine Sacco. Glimpflicher davon kamen der Professor Geoffrey Miller, der für einen als beleidigend empfundenen Tweet von seiner Universität "nur" mit einer Reihe von Sanktionen belegt wurde, sowie der amerikanische Startup-Guru Paul Graham, der sich in den vergangenen zwei Monaten gleich zweimal mit provokativen Aussagen in die Brennnesseln setzte und daraufhin in sozialen Medien kräftig in die Kritik geriet. Das soziale Netz, ein gefährliches Pflaster

Die Medienaufmerksamkeit, die diese und ähnliche Vorfälle nach sich zogen, garantiert, dass die meisten sich aktiv am Geschehen im Netz beteiligenden Menschen heute wissen, dass auf das schnelle Publizieren von Meinungen und Gedanken ausgelegte Onlinekanäle zu einem gefährlichen, mitunter existenzbedrohenden Pflaster werden können. Die Rache des Mobs ist gnadenlos und kaum kontrollierbar, kommt ein "Shitstorm" erst einmal so richtig ins Rollen. Schnell ist dann seitens eines Unternehmens eine Kündigung ausgesprochen - als durchaus nachvollziehbare Maßnahme und einzige Lösung, um sich vor einer Kollektivbestrafung der aufgebrachten Netznutzer zu schützen. Ob angemessen oder nicht, danach fragt in dieser Situation niemand.

Ungeachtet der Dummheit und Primitivität, die ich der ein oder anderen oben verlinkten Twitter-Entgleisung attestieren möchte, ist diese Dynamik der reflexartigen Empörung in Gruppen und daraus folgenden unverzüglichen Eskalation ein Problem, welches weit über die kleinen Filterblasen der Netzgemeinde hinausgeht. Bedenklicher als der aus der Sorge um die persönliche Reputation geborene grundsätzliche Verzicht auf persönliche Tweets, wie vom renommierten Ökonom Paul Krugman praktiziert, ist der Konformitätsdruck, der entsteht. Denn der sicherste Weg, um sich im öffentlichen Onlinediskurs nicht die Finger zu verbrennen, ist die Übernahme aller internetspezifischen Populärmeinungen und der Verzicht auf jede Äußerung, bei der mit einer massiven Opposition zu rechnen ist.

Gruppenzwang in der Digitalära

Der Karlsruher Dozent Patrick Breitenbach bezeichnet den aktuellen Zustand als "Phase der Hyperzivilisierung durch maximale "'Soziale Kontrolle'". Der größte Druck gehe nicht von der Überwachung durch Staaten oder Machteliten aus, sondern von der Masse der Nutzer selbst. "Wir machen uns freiwillig transparent und werden von 'der Crowd' überprüft und mitunter bestraft", so Breitenbachs treffende Situationsbeschreibung. Der Blogger und Professor Josiah Neeley sinniert ebenfalls über dieses Phänomen. Er sieht die entscheidende Schwäche am Prinzip der Bestrafung durch die Masse darin, dass dabei nicht schädliche oder falsche Sichtweisen zum Verstummen gebracht werden, sondern vorrangig unbeliebte Perspektiven.

Schon länger existieren Befürchtungen darüber, dass der Gruppenzwang in der vernetzten Digitalära zunimmt. Das Streben von Millionen Nutzern nach "Likes" habe zur Folge, dass Menschen ihre im Web publizierten Inhalte daran anpassen, was ihre Kontakte am ehesten mit einem "Gefällt mir" honorieren, vermutete der Autor Neil Strauss vor zweieinhalb Jahren. Studien zeigen auch, dass Menschen ihr eigenes Handeln und Denken stark an den Haltungen anderer, ihnen nahestehender Personen ausrichten. Trotz aller nach außen getragener Differenzierungsversuche besitzen Menschen demnach einen Mechanismus, der sie dazu animiert, sich möglichst nicht zu stark von anderen Individuen in ihrer Gruppe zu unterscheiden. In sozialen Netzwerken, in denen Nutzer permanent darüber im Bilde sind, was ihre Freunde und Bekannten gerade treiben und was sie bewegt, wird diesem Konformitätsdrang reichlich neues Futter geboten.

Das in den meisten von uns verankerte Verlangen, gemocht zu werden, und die Furcht, zum Hassobjekt der Social-Media-Sphäre zu avancieren, setzen bedenkliche Anreize für ein kategorisches Mit-dem-Strom-schwimmen und eine verbreitete Selbstzensur, die im Endeffekt zu einem völlig verzerrten Bild der öffentlichen Meinung führt. Dies ist insofern kritisch zu beurteilen, als dass klassische Medien heutzutage gerne die Stimmung im Netz als gesamtgesellschaftliche Trendindikatoren verwenden und damit eine Verstärkung von Tendenzen verursachen, wodurch letztendlich auch politische Entscheidungen beeinflusst werden. Eine funktionierende Demokratie benötigt eine Bereitschaft der Bürger zur freien Meinungsäußerung - etwas, was zumindest bis zu einem gewissen Grad bedroht scheint.

Empathie als Ausweg 

Ausweglos ist die Lage nicht. New-York-Times-Kolumnist Frank Bruni schlägt analog zur "Slow Food"-Bewegung eine Verlangsamung der Debatten im Web vor - und er spricht sich für mehr Empathie aus. In eben dieser Empathie sehe ich die ultimative Lösung - und gleichzeitig eine der größten Herausforderungen. Empathie, also die Fähigkeit, die Gefühle anderer Personen nachempfinden zu können und zu verstehen, wieso sie so fühlen, sei die wichtigste Eigenschaft des Menschen, stellte der Webentwickler und Open-Source-Evangelist Ed Finkler kürzlich in einem Blogbeitrag fest. Ich glaube, er hat recht. Empathie verhindert das spontane, oft nicht hinreichend reflektierte Aufbrausen, wenn uns in unseren Social-Media-Streams eine befremdliche Aussage ins Auge sticht. Anstatt sofort in laute Empörung auszubrechen, wenn uns eine vorgetragene Perspektive gegen den Strich geht, gestattet uns Empathie eine konstruktivere, besonnenere Auseinandersetzung mit dem Sachverhalt und der Frage, wieso eine andere Person sich zu der jeweiligen Handlung überhaupt bewogen sah. Ein Eintauchen in eine andere Welt sozusagen, in der nicht wir selbst der Mittelpunkt sind.

Die Effektivität von Empathie als Instrument zum besseren Konfliktmanagement und zur Akzeptanz konträrer Standpunkte beschränkt sich freilich nicht auf Social Media. In sämtlichen unserer sozialen Beziehungen kann das Vorhandensein von Empathiefähigkeit Wunder bewirken. Doch wenn Twitter, um es mit den Worten von Nico Lumma zu beschreiben, tatsächlich ein "Werkzeug der Empörung, der permanenten Kritik an allem und jedem" geworden ist, dann klingt dies, als sei eine Dosis Empathie dort besonders von Nöten.

Ich habe mir für 2014 vorgenommen, ganz generell an meiner Empathiefähigkeit zu arbeiten, und würde mir wünschen, wenn ich damit nicht der einzige bin. Der Konformitätsdruck des sozialen Netzes ließe sich vermeiden, wenn Nutzer nicht damit rechnen müssten, für einen einmalig vorkommenden unglücklichen, anstößigen oder stereotypischen Tweet umgehend an den virtuellen Pranger gestellt und dort zerfetzt zu werden. So verlockend und aus individueller Sicht gerechtfertigt eine zünftige Maßregelung auch sein mag, so leicht kann sie über das Ziel hinausschießen, wenn sie von Hunderten oder Tausenden gleichzeitig kommt. Je länger wir uns Zeit für ein Abwägen einer eventuellen Reaktion geben und je empathischer wir dem "Übeltäter" oder der "Übeltäterin" gegenübertreten, desto angemessener und konstruktiver wird eine womöglich folgende Diskussion. Einfach nur wild und emotional drauflos zu streiten, mag zwar ab und an Spaß machen. Auf Dauer sorgt es aber für ein vergiftetes Klima und einen Konformismus, der Meinungsfreiheit und Demokratie mindestens ebenso bedroht wie die Überwachung durch Geheimdienste und Regierungen. /mw

(Foto: Group Of Business People Sitting In A Line, Shutterstock)

Kommentare

  • Bernhard Jodeleit

    02.01.14 (08:58:16)

    Volle Zustimmung, Martin: Der Konformitätsdruck im Social Web ist manchmal schwer zu ertragen, und wir sollten es absolut schätzen, wenn wir online Menschen begegnen, die andere Meinungen vertreten. Für mich ein Grund, meinen Input nicht nur via Facebook, Twitter usw. zu beziehen, sondern auch aus davon völlig unabhängigen RSS-Quellen. Für mich ein kleiner Beitrag im Kampf gegen den Tunnelblick. Und: Das Bashing, das auf den Plattformen mitunter abgeht, ist aus meiner Sicht rundum abzulehnen.

  • Otla Pinnow

    02.01.14 (09:27:29)

    Von mehr Empathie halte ich nichts, denn das wird dem Problem nicht gerecht. Es ist längst nicht mehr so, dass mal einem Einzelnen ein Tweet quer schießt; tatsächlich tobt ein politischer Kampf, in dem organsierte Gruppen die Macht gegen eben diese Einzelnen übernehmen, vorausgesetzt, diese sind nicht selbst organisiert. Gegen solche Gruppen aber kommen Sie nicht an, wenn Sie den Einzelnen was von mehr Empathie erzählen; die verlangen sie im Zweifel von ihren Opfern. In obigem Link wird die Geschichte eines solchen massiven, organisierten Mobbings erzählt. Vielleicht lesen Sie mal die Einleitung - gar so neu ist der dahinter stehende Gedanke nämlich nicht.

  • Gregor Keuschnig

    02.01.14 (09:57:34)

    Sorry, etwas lauwarmer Kaffee. Eine für meinen Geschmack mittelmässige Paraphrase von Byung-Chul Hans "Im Schwarm" mit Versatzstücken von Managementprosa ("Konfliktmanagement").

  • ben_

    02.01.14 (10:32:55)

    Ich bin ja inzwischen der Meinung dass "Gefahr für die Demokratie" ein umgekehrtes "Reductio ad Hitlerum" ist. Das habt ihr wirklich nicht nötig. Ich weiß, dass ihr sauberer argumentieren könnt.

  • Lutz

    02.01.14 (10:53:49)

    Ein interessanter Artikel, dem ich dennoch widersprechen möchte. Zunächst halte ich den Ansatz, wonach die Empfänger zweifelhafter/unkonformer Äußerungen im Social Web empathischer reagieren sollen (und damit ist also Verständnis für den Versender der Nachricht gemeint) für nicht wirklich überzeugend. Nach meiner Ansicht verschiebt man hier das Problem, falls man überhaupt ein solches sieht, bloß vom Versender der Nachricht auf den Empfänger. Die im Anfang des Artikels genannten Beispiele von Äußerungen im Social Web haben zumindest gemeinsam, dass diese mit Sicherheit nicht veröffentlicht worden wären, wenn der Versender ein bisschen mehr Empathie an den Tag gelegt hätte. Hier sieht der Autor das Fehlen der Empathie aber offensichtlich als erstrebenswert an. Die Empathie stellt sich nur als störende innere Schere im Kopf dar. Empathisch soll dann aber der Empfänger reagieren. Mit welchem Recht? Hinzu kommt, dass man Äußerungen im Social Web ja nicht stumpf in Aktionen und Reaktionen einteilen kann. Streitbare Tweets sind ja häufig auch nur Reaktionen auf andere streitbare Tweets. Wer soll nun empathischer reagieren und sich zurück halten? Wer darf drauf los poltern? So scheint mir das ganze noch nicht durchdacht zu sein. Davon unabhängig sehe ich aber auch das Problem nicht so sehr. Äußerungen, die man gegenüber wenigen richtet werden anders bewertet und lösen andere Reaktionen aus, als wenn man sich damit an hunderte oder tausende richtet. Das war schon immer so und wird immer so sein. Das hat nichts mit einer neuen Entwicklung oder dem Social Web zu tun. Da man sich auch heute noch dafür entscheiden kann, eine Äußerung nur gegenüber wenigen Leuten zu machen, sehe ich keine Verschlechterung der Situation und daher auch keine neue "Gefahr für die Demokratie". Ich finde ohnehin, dass man eine solch steile These schon ein bisschen eingehender begründen sollte. Was übrig bleibt, ist möglicherweise ein stärker werdendes unangenehmes Gefühl bei Nutzern des Social Web, dass man immer mehr aufpassen muss, was man schreibt, da man immer mehr Freunde, Bekannte und auch Fremde erreicht. Aber das ist dann eben so. Dadurch geht die Demokratie nicht unter. Das führt höchstens dazu, dass die Nutzer das Social Web nicht mehr nutzen oder parallel andere Dienste verwenden, bei denen sich das Problem nicht so stellt. Der kolportierte Trend, wonach Jugendliche immer weniger Facebook nutzen, dafür aber mehr Diense wie WhatsApp könnten ein Hinweise darauf sein, dass dies schon geschieht. Möglicherweise rächt sich hier die Strategie der großen Social Webs, ihre Dienste darauf auszurichten, dass die Anzahl der Freunde/Follower immer wachsen sollte und möglichst viele Informationen geteilt werden sollen.

  • sabinehaas

    02.01.14 (11:04:06)

    Konformität ist ein grundlegendes psychologisches Phänomen sozialer Systeme. Es ist immer nur die Minderheit, die Konflikte nicht scheut und sich dem sozialen Druck der (gefühlten) Meinungsführerschaft entgegenstellt. Emphatie löst dies nicht auf. Im Netz sehe ich den Hebel eher in einer stärkeren Differenzierung der Debatten. Wenn plakativ und provokant in den Wald gerufen wird, schallt es auch so zurück. "10 Thesen für.." werden fast mit Sicherheit "10 Thesen gegen.." hervorrufen. ( siehe auch: http://www.result.de/mein-wunsch-fuer-2014-an-die-netzgemeinde-bitte-mehr-relevanz/ ) Da gefällt mir schon eher die Idee der Verlangsamung (die allerdings wohl wenig praktikabel ist). Wenn man im Netz kommuniziert, dann veröffentlicht man. Und zu einer Veröfffentlichung gehören Sorgfalt und gründliche Prüfung des Textes - vorher. Das gilt auch für 140 Zeichen. (Erst denken, dann twittern.) Wer sich unbedacht äußert, muss mit den Folgen klarkommen - online wie offline. Wird jemand jedoch zu Unrecht verleumdet, sollte die Netzgemeinde eingreifen. Und meist funktioniert dieses "Kontrollgremiun" gar nicht so schlecht..

  • drikkes

    02.01.14 (11:52:24)

    So richtig die hier getätigten Beobachtungen auch sind (wenn auch in ihrer Folgenabschätzung etwas überspitzt, da stimme ich Vorkommentator ben_ zu), die von Dir in der Einleitung erwähnten Tweets sind ein ungeeigneter Aufhänger. Es sei denn, man möchte falsch verstanden werden oder sich gar von der falschen Seite instrumentalisieren lassen. Siehe die sehr richtigstellenden Kommentare unter Breitenbachs Post. Wenn es nach mir geht, dann könnten bei Rassimus, Fatshaming et al. die "Anreize für ein kategorisches Mit-dem-Strom-schwimmen und eine verbreitete Selbstzensur" ruhig noch etwas zunehmen. Eine Ächtung solcher öffentlich getätigten Äußerungen finde ich jedenfalls alles andere als "bedenklich". Zumal es bei solchen Themen in den seltensten Fällen _ein_ unbedachter Satz ist, sondern ein latent diskriminierendes Denken dahinter offenlegt. Zum eigentlichen Post: Man interpretiert im Empörungsmedium Twitter ja mittlerweile, wer sich bei welchem Shitstorm _nicht_ beteiligt.

  • Otla Pinnow

    02.01.14 (11:54:18)

    Es zeigt sich hier in Artikel und Kommentaren ein anderes Phänomen: die Illusion der Privatheit im Netz, der viele schnell erliegen, denn sie mögen meist allein an ihrem Schreibtisch sitzen, wenn sie posten. Das Netz ist aber längst ein Ort der politischen Auseinandersetzungen und Machtkämpfe geworden, weit jenseits des eigenen stillen Kämmerleins. Und die können, wie der arabische Frühling mit seinen Internetrevolutionen zeigte, ohne weiteres in politische Aktion umschlagen, denn hinter jedem Poster steckt ein realer Mensch, der auch was anderes tun kann, als vor'm Monitor sitzen. Es scheint zu dauern, bis die Netzgemeinde das begreift, auf jeden Fall langsamer als Regierungen. Abgeschirmte nationale Netze, die Internetüberwachungsindustrie bis hin zu den verstärkten Aktivitäten der NSA sind letzlich Folge solcher Phänomene. Gleichzeitig stecken Regierungen selbst im Netz, in- wie ausländische, sowie Parteien bis hin zu Splittergruppen. Und manche trachten nach professionell koordinierter Einflussnahme, was im Netz erheblich leichter ist als im RL, denn im Netz holen Anhänger sich ihre Informationen und 'Handlungsanweisungen' selber, dafür bedarf es noch nicht mal einer Organisation. Erneut verweise ich auf die Einleitung: man muss erst mal erkennen, was da tatsächlich passiert. http://esfaehrtkeinschiffnachdenver.wordpress.com/es-fahrt-kein-schiff-nach-denver/

  • Markus

    02.01.14 (13:04:44)

    Was der Demokratie ebenfalls sehr abträglich ist, ist die Politik der Ignoranz von in sozialen Netzwerken gestellen kritischen Fragen zu z.B. politischen Vorstössen oder Aussagen. Die einzige Konformalität deren Verletzung nicht zu empfehlen ist die zu den eigenen vergangenen Aussagen! Haben Sie also eine Linie! Und wenn Sie berechtigt oder unberechtigt angegriffen werden: Keine Aussage ist vollständig (NLP)! Strukturiertes zurückfragen (wie, wo, was, wieviel, wie oft...), vielleicht auch mit dem Einleitungssatz "Besten Dank für Ihr Engagement..." ist nicht verboten. Denn wer fragt führt!

  • Helga

    02.01.14 (13:10:04)

    Wie können die hier aufgeführten Vorfälle eine Bedrohung für die Demokratie sein? Es geht sind lauter Aussagen, die Vorurteile und Diskriminierung befeuern oder, im Fall des Vergewaltigungswitzes, jenseits allen guten Geschmacks sind. Es geht in keinem der Beispiele um echte Diskussionen, bei der eine Meinung auf einmal „verboten“ wird durch sozialen Druck. Es ging um diskriminierende Einstellungspraxen für Promotionsstellen oder um Menschen, die in PR arbeiten und sowas besser wissen müssen. Niemand ist für eine „kontroverse“ Meinung zum Rettungsschirm gefeuert worden. Als einziges Beispiel fällt mir Horst Köhler ein, aber dessen Absetzung hing nicht „an den sozialen Medien“. Aber wenn wir schon bei Wissenschaft sind: Dass diskriminierende Aussagen Vorurteile weiter befeuern ist lange bewiesen. Die Betroffenen bringen unter dem Stereotype Threat /nach der Erinnerung an Vorurteile auf einmal deutlich schlechtere Leistungen. Unbewußte Vorurteile ihnen gegenüber führen zu Nachteilen bei Einstellung, Beförderung etc.

  • Helga

    02.01.14 (13:28:18)

    Um es noch genauer aufzudröseln: Die schwarze Frau, die sich über sexistische Witze beklagte, wurde gefeuert. (Einer der beiden weißen Typen, über die sie sich beschwerte, behielt seinen Job.) Die weiße Frau hatte keine Möglichkeit, ihren rassistischen Tweet zu löschen, bevor sie gefeuert wurde. Ein weißer Mann wurde gefeuert, nachdem auffiel, dass er auf Twitter seit Jahren rassistische und sexistische Dinge schrieb. Ein weißer Mann behielt seinen Job, nachdem er sich offen zu Diskriminierung bei Einstellungsprozessen bekannte. Ein weiterer weißer Mann behielt seinen Job, nachdem er ebenfalls seit Jahren sexistische Sachen ins Internet schreibt. Die Kontroverse ist an vielen Stellen, dass Menschen ihm erklären, warum er aufgrund seiner Vorurteile seine Arbeit schlecht macht.

  • Michael

    02.01.14 (14:16:47)

    Interessantes Thema, ich sehe es nur weitgehend anders. Erstmal ist das Internet ein Medium wie jedes andere, in dem Menschen sich und ihr Leben so echt und unecht darstellen wie anderswo auch. Mit einem großen entscheidenden Unterschied: Mit dem Internet haben erstmals alle Menschen überhaupt die Möglichkeit, sich direkt öffentlich zu äußern und zu publizieren. Ein riesiger Gewinn an Möglichkeiten für Nonkonformität, genauer gesagt eine Revolution. Die bisherigen Meinungsmonopolisten in Medien und anderen Öffentlichkeiten (z.B. Politik) wissen ein Lied davon zu singen und brauchten lange, sich darauf einzustellen. Mancher kommt bis heute nicht adäquat damit zurecht. Seit dem Internet kann jeder mitreden, wenn er will. Im Internet sind die Schwellen zu Nonkonformität sogar eher herabgesetzt, als man ja meist nicht direkt mit den Menschen zu tun hat, mit denen man kommuniziert. Wenn die Demokratie davon überhaupt gefährdet werden könnte, dann allenfalls durch ein Zuviel an Kommunikation und Nonkonformität im Internet und damit wachsender Unübersichtlichkeit (viele Köche verderben den Brei). Dass sich User großartig selbst den Mund verbieten, seh ich nicht. Im Gegenteil, es wird allerorten fröhlich drauf los gemeckert und gerantet, quasi jeder gegen jeden. Das Netz erfordert insofern eher die Entwicklung von Fähigkeiten, sich selbst gegen nonkonforme Kritik zu stählen, also sich eine gewisse nonkonforme kommunikative Härte und Auseinandersetzungsfähigkeit gegenüber Reaktionen zuzulegen - die ja letztlich eine sachliche ist: Die explodierte Kommunikation im Internet fördert die Auseinandersetzung mit Themen, insoweit man sich für welche interessiert.

  • Julia Seeliger

    02.01.14 (15:20:06)

    Hab ich ungenau gelesen? Ich finde Schon länger existieren Befürchtungen darüber, dass der Gruppenzwang in der vernetzten Digitalära zunimmt. Das Streben von Millionen Nutzern nach “Likes” habe zur Folge, dass Menschen ihre im Web publizierten Inhalte daran anpassen, was ihre Kontakte am ehesten mit einem “Gefällt mir” honorieren, vermutete der Autor Neil Strauss vor zweieinhalb Jahren. Studien zeigen auch, dass Menschen ihr eigenes Handeln und Denken stark an den Haltungen anderer, ihnen nahestehender Personen ausrichten. das ist Herumgemeinunge bzw. unsachliches Zusammengerühre zur Zurechtbiegung und Affirmation der These. Wo ist der Beleg für die These?

  • Webdesign Freiburg

    02.01.14 (17:55:15)

    Der Besserwisser oder Aufklärer braucht sehr viel Aufmerksamkeit und das erhofft er bei Facebook, Twitter usw zu bekommen. Er zeichnet sich dadurch aus, dass er immer meint alles besser zu wissen als andere. Er hat zu allem etwas zu sagen, wobei er selten recht behält. Zu seinem Leidwesen muss er feststellen, dass er kein Genie ist, obwohl er gerne so dastehen würde. Die Umgebung nimmt am Verhalten solcher Personen Anstoß, weil sie andere uneingeladen belehren. Dadurch entsteht ein Anschein von Überheblichkeit und mangelndem Taktgefühl. Oft ist er ein ganz einsamer Mensch.

  • Martin Weigert

    02.01.14 (18:31:18)

    Danke für eure Kommentare! Schön dass der Text auf so große Resonanz stößt. @ Otla Pinnow Und Mobbing begegnet man am besten mit noch stärkerem Gegenmobbing? @ ben_ Für mich gehört freie Meinungsäußerung zu einer Demokratie. Wenn diese aufgrund externen Drucks nicht gewährleistet werden kann - egal ob durch Regierungen oder andere Gruppen von Menschen - halte ich das für eine Gefahr für die Demokratie. @ Lutz Nein ganz klar, auch die Verursacher dieser Tweets hätten mehr Empathie benötigt. " Empathisch soll dann aber der Empfänger reagieren. Mit welchem Recht?" Imo geht es nicht um Recht, sondern um das gewünschte Ziel des eine Aussage kritisierenden Empfängers. Will er/sie sich nur als besserer, politisch korrekter Mensch aufspielen oder wünscht er/sie es sich, dass der Absender seine eigene Haltung überdenkt. Wenn Letzteres der Fall ist, gibt es verschiedene Strategien, wie man diesem Ziel näher kommt. Wie in allen Konflikten halte ich direktes, womöglich aggressives persönliches Angreifen für den schlechtesten Weg, dieses Ziel zu erreichen. @ Helga Nicht diese spezifischen Vorfälle selbst halte ich für eine Bedrohung für die Demokratie, sondern die Konditionierung der Menschen (=Nutzer) darauf, nur für Sichtweisen zu stehen, von denen sie glauben, dass sie die von dem lauten Teil der Bevölkerung (oder dem lauten Teil ihrers persönlichen Kontaktnetzwerks) gewünschte Haltung darstellen. Und zu den spezifischen Beispielen nochmal: Ich bin nicht überzeugt davon, dass die Urheber dieser Tweets dadurch, dass danach ihre Karriere und teilweise auch ihr Privatleben in Scherben gelegt wurde, künftig ihre Haltung überdenken. Mindestens genauso wahrscheinlich ist, dass sie frustriert ihr Gedankengut weiter im kleinen Kreis verbreiten und tendenziell sich eher stärker von denjenigen, die sie zu politisch korrektem Handeln bringen wollten, entfernen. Deshalb sehe ich hier Empathie als mögliche Lösung: Denn die erlaubt es mitunter, an die Ursache der Äußerungen heranzukommen und daran die Kritik anzupassen, anstatt nur die "Symptome" (diskriminierende Tweets) zu "behandeln". @ Julia Seeliger Das Thema ist jung, das wissenschaftliche Material dazu noch dünn. Das heißt für mich nicht, dass man das Thema nicht beleuchten sollte. Schon weil es klare Indizien gibt. Schon einmal den "What's Popular" Bereich bei Instagram angeschaut? Für Likes tun viele User alles.

  • Julia Seeliger

    02.01.14 (18:56:30)

    Hallo Martin, klar habe ich mir Instagram angesehen. Für mich der schlimmste Dienst der Welt. Habe darüber damals auch einen Artikel in meinem FAZ-Blog geschrieben, zum Glück hat ihn ein freundlicher Menschn online erhalten. Das Beispiel Instagram ist meiner Meinung eines der krassesten, die es gibt - weswegen es meiner Meinung nach auch nicht als pars pro toto für Kommunikation im Netz herhalten kann. Meine Kritik an deinem Artikel richtete sich nicht daran, dass noch kein Wissen existiert, sondern dass so getan wird, als würde dieses Wissen über die seit Jahren ungeklärte These existieren. Ich zitierte ja einen Teil raus, den ich für journalistisch nicht ganz sauber halte. Wie auch immer. Wir haben alle unsere Meinung über Kommunikation im Netz und an deinem Unbehagen wird sicher was dran sein. Ich fands ja auch gut, hier Kommentare zu lesen, habe einige interessante Blogs neu entdeckt. Schöne Grüße Julia Seeliger

  • Helga

    02.01.14 (19:45:05)

    @Martin Weigert: Natürlich geht es um die spezifischen Vorfälle. Hat schon irgendwer seinen Job verloren, weil er oder sie eine Meinung zur Vorratsdatenspeicherung hatte? Wenn YCombinator unterdurchschnittlich viele Tech-Gründerinnen fördert, wenn Gründerinnen sagen, dass sie den Laden explizit meiden, dann ist eine „Frauen gründen nicht, weil sie Computer doof finden“-Aussage keine einfache „Meinung“, sondern beschreibt ein Problem von YCombinator. Gerade in dem Fall sind, wie bereits erwähnt, eine Reihe sehr differenzierter Artikel geschrieben haben, die das Problem erläutern. Keinem einzigen ging es darum, dass Graham nun nur noch „politisch korrekte“ Dinge sagt. https://medium.com/p/ba8349e64e60 http://danilocampos.com/2013/12/explained-why-people-are-angry-at-paul-graham/ https://medium.com/p/8178b279430f Irgendwie dreht sich das Argument im Kreis. Früher haben die Leute Mist im kleinen Kreis geredet und es ist nichts passiert, sie sind einfach bei ihrer Meinung geblieben. Heute kriegen sie im Internet ggf. Ärger und das ist falsch, weil sie dann ihre Meinung auch nicht ändern. Hä? Geht es jetzt darum, dass ab und an mal Menschen Konsequenzen abbekommen, wenn sie diskriminierende Aussagen tätigen? Oder geht es darum, die Welt einen besseren Ort zu machen? Und was hat das mit dem Umfeld zu tun, in dem ich cool sein will. Haben die früher nichts gesagt, wenn ich Müll gelabert habe? Sagen die heute auch nur dann was, wenn sich bei Twitter einer der vielgerühmten „Mobs“ bildet? Hier geht's doch nicht um ein real existierendes Phänomen, sondern um die Angst, für einen „Fehltritt“ Ärger zu bekommen. Nicht komplett unbegründet, aber in den meisten Fällen nicht für einen Fehltritt, sondern nach Jahren von Fehltritten für einen, der aus Versehen auffällt. Tendenziell eher, je weniger weiß und männlich eine Person ist.

  • Jens Best

    02.01.14 (22:13:10)

    Wer den Wind nicht aushält, sollte keine Segel setzen. Empathie ist eine super Empfehlung. Schliesslich ist Empathie für unsere kulturelle Evolution genauso wichtig wie das Konkurrenzverhalten, wie uns Primaten- und Kleinkindforscher sowie der geehrte Jeremy Rifkin in den letzten Jahren mal wieder aufzeigten. Aber gehört zu der Idee eines liberalen Rechtsstaat und einer demokratischen Gesellschaft nicht noch etwas mehr als sich nur wohlwollend verstehend zuzuhören, egal wie abstrus oder falsch einem die Äußerungen des Gegenübers vorkommen? Stimmt, da war was, es sind diese verrückten Dinger namens "Argumente" plus und jetzt wird es wichtig, diese Dinger aufgrund deren diese "Argumente" dann eingeordnet werden können, na, wie heissen sie noch, richtig es sind "Werte". Von diesen "Werten" gibt's heute beliebig viele und man muss diese auch nicht mehr kongruent anwenden. In einem Fall können die Werte gelten und im anderen nicht, je nachdem wie einem gerade die liberale Sonntagsstimmung vermiest wird durch die akuten "Störenfriede". Einmal applaudiert man der neuen Moralpolizei Facebook, wenn sie auf ihrer Plattform, die aufgrund der Größe mittlerweile auch quasi-öffentliche Sphäre ist, Gruppen dichtmacht und einzelne Leute mit Sperren belegt, ein anderes Mal schüttelt man mitleidig den Kopf, weil Facebook einfach ein Problem mit Nackten Tatsachen hat. Facebook hat richtig erkannt, dass nicht Empathie, sondern Denunziantentum und akute Biedermanneritis ein gutes Steuerungselement sind. Es geht nicht um das bessere Verstehen, sondern das bessere Streiten. Wer den Streit vermeiden will, wird selbst zu einem Bestandteil einer Political Correctness-Gesellschaft, in der gesellschaftliche Kompromisse nur proforma funktionieren, während unterirdisch die Wut der fehlenden Einsicht schwellt und jederzeit ausbrechen kann oder sich Ersatzkanäle sucht, um Dampf abzulassen. Mehr Empathie ist wünschenswert, aber sie ist kein Ersatz für ein noch wesentlich anspruchsvolleres Element einer funktionierenden offenen Gesellschaft - die Streit- bzw. Diskursfähigkeit sowie eine aufgeklärte Fähigkeit, zwischen Freiheiten und Notwendigkeiten abwägen zu können. Wenn ein (vermeintlich) rassistischer Tweet einen weltweiten Sturm auslösen kann, aber die Tatsache der fortgesetzten strukturellen wirtschaftlichen und politischen Gewalt des Westens gegen Staaten Afrikas trotz besserem Wissen keinen vergleichbaren Aufruhr (und Einsicht über das eigene Verhalten) hervorruft - dann zeigt dies, dass das Web für Viele weiter die Ablenkung von Problemen des eigenen Lebensstiles darstellt. Einen einzelnen Menschen vor einem globalen Publikum zu bestrafen erinnert mich mehr ans Mittelalter als an eine neue Epoche der Aufklärung. Empathie kann da als Besinnungsfunktion hier Abhilfe schaffen, gelöst wird das Ganze aber nur, wenn die Menschheit über die sozialen Chancen und Rahmenbedingungen nachdenkt, die durch das Werkzeug Internet entstanden sind, um die alte Herausforderung des friedlichen und fortschrittlichen Miteinanders besser gebacken zu bekommen.

  • Otla Pinnow

    02.01.14 (22:43:40)

    @ Martin Weigert Nein, Mobbing begegnet man nicht mit Gegenmobbing, sondern mit dem, was Jens Best genau richtig beschrieben hat: mit Aufklärung, also indem man Heimlichkeiten ans Licht zieht, mit Argumenten, mit Beweisen. Und mit Vertrauen in die kritische Vernunft der Mehrheit. Ich erinnere daran, dass mit genau dieser Methode, Spees Cautio Criminalis, die Hexenjagden beendet wurden; Anlass war übrigens die Ermordung der Kölnerin Katharina Henoth als Hexe, eine entfernte Verwandte Spees. Es war zu einleuchtend, dass der Grund dafür, dass sie als Hexe verleumdet wurde, ihr auch wirtschaftlicher Erfolg als unabhängige, selbständige und durchsetzungsfähige Postmeisterin war. Man muss es aber auch zeigen und beweisen. Die Menschen haben sich zu allen Zeiten und in allen Kulturen noch nie sonderlich voneinander unterschieden. Insofern ist auch der Blick in die frühe Neuzeit durchaus lohnend, wenn man nach menschlich-allzu-menschlichen Phänomenen fragt. Man kann daraus lernen. Nicht nur, dass es solche Phänomene gibt, dass sie längst bekannt sind, sondern auch, dass und wie man ihnen kraftvoll begegnen muss - denn von alleine verschwinden sie nicht.

  • Wolf

    03.01.14 (15:55:27)

    Ihr habt alle recht wenig Ahnung. Die größte Furcht eines Unternehmens ist es heute, wegen einer unedachten Äußerung einen Shitstorm zu bekommen, da kann es schon reichen, wenn man Schwuler statt Homoseueller schreibt. Ich habe nichts für Rassisten übrig, aber ebenso wenig für die Leute, die sich selbst aufgrund ihrer vermeintlichen Multikulturalität auf die Schulter klopfen und meinen, ihr Engagement mit einem Retweet oder einem Share unter Beweis gestellt zu haben. Man sieht doch an tausenden Beispielen, dass bei diesen Wirbelstürmen genau gar nichts rauskommt, ist einem einzigen HIV-Kranken geholfen, weil die PR-Tante gefeuert wurde? Erinnert sich noch jemand an den vorletzten Shitstorm? Nö, ist vorbei, wir kaufen jetzt wieder beim Hühnermäster, bei Amazon und Co.

  • reibi

    04.01.14 (08:44:57)

    Hallo zusammen! Ich finde die Diskussion sehr wertvoll, weil sie auf die Bedürfnisse vieler Menschen eingeht. Jeder Mensch ist in seiner eigenen Begriffswelt unterwegs. Jeder interpretiert und macht sich darauf seinen ganz persönlichen Reim. Man sollte zumindest versuchen, diese Begriffswelten zu verstehen. Und der jeweils andere, sollte dies respektieren und zulassen. Nur so kommt ein Dialog zustande, der es erst möglich macht, sich zu verstehen. Der Meinungsvielfalt soll Raum gegeben werden. Man muss ja die andere Meinung nicht zu seiner Meinung machen, man muss sie auch nicht akzeptieren, man sollte sie aber zumindest respektieren. Dass dazu vielerlei Fähigkeiten erforderlich sind, versteht sich für mich von selbst. Unbestritten - so meine Meinung - empathische Fähigkeiten sind dabei von Nutzen. Eine weitere Gefahr für die Demokratie sehe ich nicht, denn die wurde schon lange zur "Lobbyisten-Diktatur" weiterentwickelt. Auch das ist meine Meinung. Die Verdrossenheit ist keine Stimmungsschwankung der Wählerschaft, sie ist die logische Reaktion auf die Missachtung des allgemeinen Wohls durch die sogenannten Repräsentanten des Staates und deren Politik, die alleine die Selbstoptimierung verfolgen. So sehe ich das. VG! Reibi

  • Nein Nein

    04.01.14 (09:50:03)

    Ich bin dafür Kommentare einfach komplett abzuschaffen, 99% des geistigen Auswurfs der Netzgemeinde ist ohnehin belanglos und verschwendet die Zeit aller die das lesen müssen oder lesen wollen, also auch eure Zeit. Habt ihr alle nichts Besseres zu tun? Spielt mit euren Kindern, baut ein Waisenhaus in Afghanistan oder tretet besser in eine Partei ein, falls ihr etwas wirklich Wichtiges mitzuteilen habt. Das hat mehr nutzen für euch und alle anderen.

  • Robert Frunzke

    04.01.14 (18:59:57)

    Guter Artikel! Konformitätsdruck ist das richtige Stichwort. Meine Lieblingsmetapher für die Basis-Aktivität in sozialen Netzwerken ist nach wie vor die Horde Rindviecher, die sich gegenseitig hinterherläuft und alles platt trampelt, was ihnen in den Weg kommt. Und ich glaube, dass Empathie weder die Lösung ist, noch den Leuten irgendwie fehlt. Oft sind die Leute, die sich über die Aussagen eines Anderen "empören" wohl eher über-emotional und supi-allgemein-mega-verständnisvoll und lassen ihrer "Empathie für die Konformität" (für all das, was sie für generell richtig halten) freien Lauf. Und manchmal, wenn da jemand gegen den Strom schwimmt, dann meint man ihm helfen zu müssen, indem man ihn vorführt, anprangert, ... Meistens aber überwiegt einfach der Konformitätsdruck, der Leute in Scharen gegen ein unpopuläres Machwerk geifern lässt. Eben die Horde Rindviecher ;-) Was den Leuten fehlt ist die Distanz zur jeweiligen Thematik. Echte Empathie wird man immer nur dann aufbringen, wenn das Thema für einen selbst relevant ist. Aus vorgetäuschter Empathie und unter Konformitätsdruck, und mit dem Ziel in seiner Peer-Group "gut dazustehen", oder eben dieser "Empathie für die Konformität" ("und denkt hier eigentlich irgendwer an die armen Kinder?") ... ... daraus entsteht all das Elend.

  • Georg Freundorfer

    04.01.14 (20:06:11)

    Wie war es im Alten Rom? Die Horde wollte den Daumen rauf oder runter bewegen. Das ist Lust an der Macht. Die Beurteiler fühlen sich als Demokraten. Die Gladiatoren sind die Minderheit. Hat sich da etwas geändert? Im Kollektiv muss man nicht kreativ, verantwortungsbewusst und stark sein. Man kann alles auf die eigene Mehrheit schieben und teilt deren Lust auf den Minderheiten gemeinsam herum zu trampeln. Wird heute nicht derjenige mit der Einstellung "Edel sei der Mensch, hilfreich und gut" für dumm gehalten? Aber es war noch nie anders und ich denke an das Theaterstück von Berthold Brecht: "Der gute Mensch von Sezuan" welcher die Unfähigkeit der Menschen zu einer positiven Grundstimmung darstellt.

  • Jürgen Auer

    05.01.14 (18:09:54)

    Der Konformitätsdruck ist meines Erachtens nach genauso hoch oder niedrig wie offline. Der einzigste Unterschied online ist, daß von manchen Konflikten sehr viel mehr Leute erfahren können, allerdings auch nicht müssen. Sehr viel geht eben inzwischen auch online einfach im Dauerrauschen unter. Und erst, wenn Leute dann sehr heftig (Kündigung) reagieren und das wiederum publik gemacht wird, wird das richtig bekannt. Online gilt wie offline dieselbe Regel: Sich aus manchen "Kommunikationszirkeln" einfach raushalten. Und Leute, die ausschließlich durch reagierende Kritik-Beiträge auffallen, gegebenenfalls mit einem dicken Fell ignorieren bzw. aussitzen. Im Tagesspiegel gab es ein interessantes Interview mit Kathrin Passig ( https://twitter.com/kathrinpassig ): Interview mit Netzexpertin Kathrin Passig: "Meistens brauche ich eine halbe Stunde pro Tweet" http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/sonntag/interview-mit-netzexpertin-kathrin-passig-meistens-brauche-ich-eine-halbe-stunde-pro-tweet/9250450.html > Das ist die Internetpubertät, da muss jeder durch. Das ist einfach ein Lernen, mit dieser öffentlichen Kommunikation (und auch mit so manch einer Übertreibung) umgehen zu lernen.

  • tom

    06.01.14 (10:29:53)

    konformitätsdruck bei Facebook und Twitter?? Jetz weiß ich endlich warum ich am liebsten Google + nutze ...

  • glumm

    07.01.14 (07:53:45)

    Das beste Mittel gegen einen beleidigenden Kommentar: Klappe halten. Bloß nicht spontan reagieren und zurückbrüllen. Einfach Rechner aus und den Anderen ins Leere grätschen lassen. Das wirkt. Im Kommentarfeld bleibt das Bild eines einsamen Jahrmarkt-Boxers, der sich mit dem Nichts prügelt.

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